Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Anlageberatung und Vermögensverwaltung werden zunehmend sinnlos, sollte sich herausstellen, dass die hierbei zugrundegelegten Methoden mehr Schein als Sein darstellen und man zudem mit wenigen einfachen Mitteln, dafür aber sehr viel kostengünstiger, gleich gute (oder schlechte) Ergebnisse erzielen kann.

Bestimmte Analysetechniken und die sog. Portfoliotheorie sind nicht in der Lage, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Wenn Vermögensverwaltung mehr sein soll als Selbstentmündigung des Kunden, muss sie beweisen, dass sie einen Mehrwert nach Kosten im Vergleich zu preiswerteren Alternativen bieten kann. Dies dürfte immer schwieriger werden.

Worin besteht der Wert einer Anlageberatung? In der technischen Analyse der Märkte mit Anwendung der sog. Charttechnik? Im Auffinden von lukrativen Unternehmen, die unterbewertet sind bzw. hohes Wachstumspotential versprechen? In der Fundamentalanalyse mit einem Value– oder Growth-Ansatz? Besteht es in der großartigen Mischung dieser Unternehmen in einer Art Fonds? Oder geht es um die Anwendung irgendeiner Portfoliotheorie zur richtigen Aufteilung des Vermögens über diverse Anlageklassen? Continue reading Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Max Weber oder die Kreativität des Scheiterns

978-3-87134-575-3.jpg.648846Dieser kleine Essay ist veranlasst durch die hervorragende unten genannte Biographie von Jürgen Kaube

Max Weber (1864-1920) war einer der großen deutschen Gelehrten, Professor, Jurist, Ökonom, Historiker, Gründerfigur der im Entstehen begriffenen Soziologie und streitbarer politischer Publizist. Die Gesamtausgabe seines Werkes ist auf 49 Bände angelegt. Seine Schriften haben selten weniger als ein paar hundert Seiten. Noch mehr ist über Max Weber geschrieben worden. Die Literatur zu seinem Leben und Werk füllt bereits Bibliotheken und man könnte fast von einem eigenen Fachgebiet der “Weberologie” sprechen.

Schnell entwickelte sich nach seinem Tod um ihn ein Kult, zunächst regional in Heidelberg (um Marianne Weber und Karl Jaspers), dann in den USA (durch Vermittlung Talcott Parsons), schließlich auch durch eine Art Reimport in der BRD. Im „kalten Krieg“ wurden Teile seines Werkes als Gegenentwurf zum historischen Materialismus stilisiert und seine Person (trotz der umstrittenen Monographie von Wolfang Mommsen) als liberales Vorbild verehrt.

Doch was bleibt von Max Weber, der vor 150 Jahren geboren wurde? Wird seine Dissertation zur Entstehung der offenen Handelsgesellschaft im Mittelalter noch zitiert? Was bedeuten uns noch seine Habilitation zu den römischen Agrarverhältnissen, seine Untersuchungen zum Börsenwesen, zur Situation der ostelbischen Landarbeiter oder zur Psychophysik der Arbeit? Sich durch diese tausende Seiten zu wälzen, ist selbst für Spezialisten Kärrnerarbeit und begründet wenngleich Respekt vor seinem Fleiß wohl kaum seinen Nachruhm.

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