Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Anlageberatung und Vermögensverwaltung werden zunehmend sinnlos, sollte sich herausstellen, dass die hierbei zugrundegelegten Methoden mehr Schein als Sein darstellen und man zudem mit wenigen einfachen Mitteln, dafür aber sehr viel kostengünstiger, gleich gute (oder schlechte) Ergebnisse erzielen kann.

Bestimmte Analysetechniken und die sog. Portfoliotheorie sind nicht in der Lage, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Wenn Vermögensverwaltung mehr sein soll als Selbstentmündigung des Kunden, muss sie beweisen, dass sie einen Mehrwert nach Kosten im Vergleich zu preiswerteren Alternativen bieten kann. Dies dürfte immer schwieriger werden.

Worin besteht der Wert einer Anlageberatung? In der technischen Analyse der Märkte mit Anwendung der sog. Charttechnik? Im Auffinden von lukrativen Unternehmen, die unterbewertet sind bzw. hohes Wachstumspotential versprechen? In der Fundamentalanalyse mit einem Value– oder Growth-Ansatz? Besteht es in der großartigen Mischung dieser Unternehmen in einer Art Fonds? Oder geht es um die Anwendung irgendeiner Portfoliotheorie zur richtigen Aufteilung des Vermögens über diverse Anlageklassen? Continue reading Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Ein Buch zum “Austrian Investing”

 „Der Systemtrottel der Gegenwart flieht die Verantwortung und untergräbt damit seine eigene Freiheit. Ein Großteil der Anlegerliteratur dient diesem Bedürfnis, die Verantwortung für schwierige Entscheidungen an Gurus zu delegieren, auf die man sich dann ausreden kann, wenn es schief geht.“
 „Die größte Gefahr für jeden privaten Anleger ist und bleibt der Staat.“
„Ein Ökonom muss zuallererst den Mut haben, unpopulär zu sein.“ (Friedrich von Hayek)
 „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur, ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems.“ (Ludwig von Mises)
 

In seinen konkreten Anlagevorschlägen ist dieses Buch wenig originell. Dafür macht es aber auch keine falschen Versprechungen. Vielmehr erscheint es mir ein willkommenes Immunisierungsmittel gegen Politikergeschwätz und Notenbankhybris.

So setzen sich die Autoren zunächst von der Mainstream-Ökonomie ab. Sie vertrauen nicht auf die Effizienz des staatlich geführten Marktes, bei welchem Bürger den Banken und Politikern vertrauen müssen und die Zukunft als eingepreist, kontrollierbar und prognostizierbar gilt. Dies wird als unrealistische Pseudowissenschaft abgetan. Ein Großteil der Volkswirte sei eh zu politiknah und nicht wissenschaftlich unabhängig. Die politisch motivierten Steuerungsversuche der Wirtschaft seien hoffnungslos und pendelten zwischen fehlgeleiteter Wirtschaftsfeindlichkeit und Finanzeuphorie.

Als Zukunftsszenario halten die Autoren eine „kurzfristige Stagflation auf einem schmalen Grat zwischen Hyperinflation und Hyperdeflation“ für wahrscheinlich. Diese Situation werde „zunehmend durch finanzielle Repression flankiert wird.“ Mittelfristig könne dies mit dem konfliktreichen Versuch einer globalen Koordination unter einer neuen Leitwährung einhergehen. Langfristig rechnen die Autoren mit einer massiven Korrektur die Wirtschaftsstruktur.

Mit der Österreichischen Schule gegen die Wohlstandsillusion

Auf dem Weg zu diesem Fazit erläutern die Autoren zunächst die Grundlagen der sog. Österreichischen Schule der Nationalökonomie, deren wichtigste Gründerväter Carl Menger, Ludwig von Mieses und Friedrich von Hayek sind. Sie begründeten u.a. die subjektivistische Wertlehre, die Grenznutzenschule, legten ihrer wirtschaftlichen Betrachtung eine individualistische Handlungslehre zugrunde und zeichneten sich durch eine Realismus aus.

Dem folgt ein historischer Exkurs. Die Schaffung einer Blasenökonomie mit unbegrenzter Schuldenvermehrung parallel zur staatlichen Industriealisierung begann für die Autoren nicht zufällig im 18. Jahrhundert mit Schaffung eines Zentralstaates inkl. Zentralbankensystem und Papierwährung. Ideengeschichtlich kontrastieren sie den Wettbewerbskapitalismus gegen den staatlich-interventionistischen Kapitalismus Saint-Simonistischer Provenienz. Dies ist zwar schön vereinfachend, ob es jedoch einer differenzierten wirtschaftshistorischen Analyse stand hielte, darf bezweifelt werden.

Dessen ungeachtet sprechen die Autoren ein Thema an, das für die neuere Wirtschaftsgeschichte sicherlich von Bedeutung ist: die wiederholte Wohlstandsillusion, d.h. durch Schulden künstlich induzierter Scheinreichtum bei Kapitalkonsum und Überschätzung der Vermögensverhältnisse, welcher dann bei Wegfall der Vertrauensbasis bzw. Bewusstwerdung der realen wirtschaftlichen Grundlagen in sich zusammenbricht. Continue reading Ein Buch zum “Austrian Investing”