Der Draghi-Crash. Die Kampfschrift von Markus Krall gegen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

„Die gewaltsame Verzerrung des Zinses ist das Ergebnis einer Anmaßung des Wissens, abgeleitet aus der Arroganz unkontrollierter Macht, verteidigt mit dem Scheinargument der Unabhängigkeit der Notenbank.“

„Unsere geldpolitischen Institutionen haben einen Umwandlungsprozess vollzogen: weg von einer Verfasstheit der Unabhängigkeit hin zu einem Regime ohne Rechenschaftspflicht. Der Fokus auf Preisstabilität wurde ersetzt durch einen Fokus auf Umverteilung und Enteignung der Sparer.”

Selten konnte man eine so gespaltene und widersprüchliche Deutung der wirtschaftlichen Situation seiner Zeit erleben. Im Zentrum stehen dabei die wichtigsten Notenbanken (USA, Japan, Europa). Mit ihren gigantesken Anleihekaufprogrammen haben sie eine Nullzinspolitik etabliert, mit welcher sie die Wirtschaft ankurbeln möchten. Für die einen machen sie einen schwierigen und hervorragenden Job; für die anderen sind sie dagegen der Hort einer sich „Geldplanwirtschaft“, die zu einer noch größeren Finanzkrise führen wird, je länger sie an ihren Maßnahmen festhalten.

Markus Krall ist ein erfahrener Risikoexperte in der Finanzwirtschaft und gehört zu jener Strömung, die vor der EZB-Politik warnt. Er kritisiert ihre Hybris und prognostiziert eine große deflationäre Krise, die er als „Draghi-Crash“ bezeichnet. Deshalb hat er eine Philippika gegen die Europäische Zentralbank geschrieben. Hierbei handelt es sich mehr um ein Pamphlet als um ein Sachbuch. Ironie und Polemik prägen seinen Schreibstil. Auf Anmerkungen, Quellenverweise und Literaturangaben wird verzichtet. Trotzdem liefert er zumindest im 6. Kapitel eine kompakte Analyse, deren Logik man sich nur schwer entziehen kann. Um sie zu verstehen, wird man um einige finanztechnische Grundlagen nicht herumkommen. Doch genau hierin liegt der Wert des Buches! Continue reading Der Draghi-Crash. Die Kampfschrift von Markus Krall gegen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Das Ende einer Währung

Der Name Euro bleibt vorerst der gleiche, doch die Währung ist eine andere geworden. „Der Ausverkauf an den Börsen war kein Angriff von Spekulanten, sondern ein Misstrauensvotum der Anleger gegenüber dem Euro und dem Krisenmanagement der Europäer.“ So ein Artikel auf Spiegel-Online. In der Hilflosigkeit, die historisch einzigartige Maßnahme der Euroländer von letztem Wochenende überhaupt erklären zu können, muss ein Sündenbock als Erklärung dafür herhalten, dass Anleger auf fallende Kurse einer Währung wetten, die alles daran gesetzt hat, Vertrauen durch fortlaufenden Regelbruch zu verspielen.

Mit der sog. Rettungsaktion haben die Euro-Länder beschlossen, einen Schutzwall von 750 Mrd. Euro um ihre Währung zu bauen. Gleichzeitig wurden dadurch auch die letzten währungspolitischen Prinzipien einer stabilen Hartwährung über Bord geworfen. So konnten die Deutschen am letzten Wochenende mit dem (wenngleich angegriffenen) Gefühl einer Hartwährung ins Bett gehen und am nächsten Morgen mit einer Weichwährung aufwachen. Denn in währungspolitischer Hinsicht gilt nichts mehr aus dem Maastrichter Vertragswerk. Viele (insbesondere die Franzosen) mochten die Regelungen eh nicht. Nun bekommen sie ihren Willen, wenngleich in Katastrophenstimmung.

Eine Orientierung an der Stabilität der Deutschen Mark ist damit hinfällig. In einer Kette von politischen Vorschlägen und Maßnahmen – wir haben darüber berichtet – wurden sämtliche Versprechen über Bord geworfen und das Vertrauen verspielt. Dies mündet nun darin, dass die Europäische Zentralbank – bislang so etwas wie die Wächterin der Währungsstabilität – ihre Unabhängigkeit aufgegeben hat und zum Erfüllungsgehilfen politischer Vorgaben geworden ist: künftig soll die EZB europäische Staatsanleihen (auch mit schlechter Qualität) aufkaufen. Zugleich werden damit weitere Schleusen für eine unvergleichliche Geldschwemme geöffnet, was irgendwann zwangsläufig zu einer hohen Inflation führen wird.

Ob die gigantische Maßnahme der Euroländer tatsächlich eine „Rettungsaktion“ darstellt oder nur die Verzögerung einer letztlich unabwendbaren und folglich noch schlimmeren Finanzkrise, wird sich erweisen. Für private Unternehmen gibt es den Tatbestand der schuldhaften Insolvenzverschleppung. Möglicherweise haben unsere höchsten Repräsentanten hierbei für einige Staaten der Europäischen Union daran mitgewirkt. Eines ist jedenfalls sicher: Die Währung ist spätestens seit diesem Wochenende eine andere geworden; so richtig spüren werden wir das aber erst einer nicht allzu fernen Zukunft.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Die These vom Crack-Up-Boom

Thesen und Meinungen zu den Finanzmärkten und deren künftige Entwicklung gibt es viele; fast so viele wie die Anzahl der Experten, die sie äußern. Dabei wird zumeist mit unterschiedlichen Methoden von Szenarien der Vergangenheit auf die Zukunft geschlossen. Eine Methodendiskussion hierzu möchte ich nicht eröffnen.

Wichtig ist mir jedoch auf eine sehr gewagte Prognose aus dem April 2009 zu verweisen. Dabei handelt es sich um eine Stellungnahme der Zeitschrift Smart Investor, die sich auf den Ökonomen Ludwig von Mises beruft.

Zwei Gründe bewegen mich, die These vom Crack-Up-Boom bzw. der “Katastrophenhausse” in diesem Blog herauszustellen: zum einen scheinen sich erste Anzeichen zu bestätigen – insbesondere in der politischen Entwicklung; zum anderen wegen der katastrophalen Konsequenzen, die sich herumsprechen sollten und die ein Ökonom einer völlig anderen Schule (John Maynard Keynes) folgendermaßen bschrieben hat: “Es gibt kein feineres und kein sicheres Mittel, die bestehenden Grundlagen der Gesellschaft umzustürzen, als die Vernichtung der Währung.”

Denn zusammengefaßt läuft die Crack-Up-Boom-These darauf hinaus, dass wir auf eine letzte große Boomphase vor einem Crash zulaufen, bei dem nichts geringeres als die Währung selbst auf dem Spiel steht. Eine steigende Inflation in den nächsten (2-3?) Jahren wird ein wichtiges Signal sein, ob die These vom Crack-Up-Boom an Plausibilität gewinnt.

Lesen Sie selbst hier als PDF:  cub-smartinvestor

Dr. Guido Kirner, Finanz- und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB