Kapital und Schulden im 21. Jahrhundert – Thomas Pikettys ökonomischer Bestseller und Daniel Stelters Kritik

Theorie ist gut, solange sie dazu beiträgt, unsere Welt besser zu verstehen und dabei einer Überprüfung an der Realität standhält. Theorien schaffen aber auch ihre eigene Wirklichkeit, indem sie unsere Wahrnehmung und Deutung der Welt verändern. Der Erfolg von Theorien hängt dabei aber nicht nur von der Verifizierung im Fortlauf wissenschaftlich-methodischer Wahrheitsfindung ab, sondern vor allem auch von ihrer Instrumentalisierbarkeit für politische Interessen.

Dies gilt für marxistische und keynesianische Theorien für das linke wie für (neo)klassische und liberale Theorien für das rechtsliberale Meinungsspektrum. Wer nach universal gültigen volkswirtschaftlichen Gesetzen mittels mathematischer Weltformeln sucht, ist schon auf dem Holzweg. Egal wie die Nationalökonomie auftritt, im besten Fall bleibt sie eine Geistes- und Sozialwissenschaft. Im schlechtesten Fall handelt es sich um politische Ideologie im Deckmantel von Formeln und Kennzahlen.

Der ökonomische Bestseller

9783406671319_largeThomas Pikettys Buch Das Kapital im 21. Jahrhundert steht jedenfalls in guter Tradition von Untersuchungen, deren untersuchtes Problem kaum jemand leugnen würde, nämlich das Auseinanderdriften der Einkommen und die wachsende soziale Ungleichheit. Die Kehrseite ist die unterkomplexe Erklärung mittels einer Art Weltformel und die irrläufigen Schlussfolgerungen mit fatalen politischen Konsequenzen.

So analysiert Piketty die Entwicklung der ungleichen Einkommensverteilung über mehrere Jahrhunderte. Dabei elaboriert er einen beeindruckenden Datensatz, der auch überwiegend Anerkennung in der Fachwelt gefunden hat. Problematisch sind hingegen seine Methoden und Interpretation. Continue reading Kapital und Schulden im 21. Jahrhundert — Thomas Pikettys ökonomischer Bestseller und Daniel Stelters Kritik

Sparquote ohne Vermögensbildung

Kaum jemand (außer den Japanern) spart in der OECD-Welt so viel wie die Deutschen, aber kaum jemand bildet damit so wenig Vermögen. Bereits eine EZB-Studie kam zu dem Ergebnis, dass die angeblich so reichen Deutschen im europäischen Vergleich wenig Vermögen hätten. Das hatte in einer Zeit, da viele Politiker einer Transferunion das Wort reden, wo deutsche Steuergelder in europäische Beinahe-Pleite-Staaten umverteilt werden sollen, eine gewisse Brisanz.

Kaum verwunderlich, dass die Ergebnisse der Studie angezweifelt wurden. Wie dem auch sei, eine neue Studie der Banca d’Italia (*) stützt das Ergebnis der EZB-Studie. Wie bereits hier beschrieben, spielt das eher geringe Immobilienvermögen dabei eine gewichtige Rolle. Doch allein damit lässt sich die geringe Vermögensbildung auch nicht erklären. Ein weiterer Grund ist das Sicherheitsstreben der Deutschen. Der Vergleich ihres Anlageverhaltens mit anderen Ländern verdeutlicht die große Risikoaversion und damit gleichzeitig die Renditeverweigerung. Kurz: die Deutschen sparen zwar viel, aber falsch im Hinblick auf Vermögenswachstum.

So liegen mehr als 40 Prozent des Finanzvermögens als sog. Sicht- und Sparvermögen auf Bankkonten. Das sind fast 5 Billionen Euro. Ihr nominaler Wert schwankt zwar kaum oder gar nicht, jedoch sind die Zinsen derart gering, dass sie nach Abzug der Inflation ein Verlustgeschäft darstellen. Bezeichnend niedrig ist dagegen der Aktienanteil: nur 17 Prozent, davon die Hälfte in Fonds. Nur 11 Prozent der Deutschen haben überhaupt ein Aktiendepot. Das bedeutet umgekehrt – so Philip Plickert in der FAZ (**) – dass 89 Prozent von der jüngsten Aktienhausse nicht profitiert haben.

Ob wir nun die Schwankungen an den Börsen mögen oder nicht, fest steht, eine Vermögensbildung ohne Aktienquote ist zumindest unter den aktuellen Bedingungen einer Niedrigzinspolitik kaum möglich. Wer dazu ein Buch eines sehr erfahrenen Vermögensverwalters lesen möchte, dem empfehle ich Gottfried Hellers: Der einfach Weg zum Wohlstand (***). Man kann sein Resümee nach über 40 Jahren Erfahrung mit Geldanlagen (Gründer der FIDUKA u.a. in Zusammenarbeit mit Börsenlegende André Kostolany) als Plädoyer für die Unumgänglichkeit der Investition in  Aktien lesen. Es bietet einen historischen Rückblick, politische Einschätzung und konkrete Vorschläge zur Portfoliodiversifizierung, die sowohl Privatanleger als auch Finanzberater beherzigen sollten.

Guido Kirner

(*) Household aggregate walth in the main OECD countries from 1980 to 2011: What do the data tell as?, Banca d’Italia Occasional Papers, April 2013.

(**) Philip Plickert: FAZ 3. Juni 2013 Nr. 125, S. 18: Das Sparkonto macht uns arm.

(***) Gottfried Heller: Der einfache Weg zum Wohlstand. München FBV.

Billionen in der Vermögensverwaltung

Die deutschen privaten Haushalte haben 4,7 Billionen auf dem Konto, davon 1,8 Bill. (38 %) auf Bankkonten, ca. 25 weitere Prozent sind Ansprüche aus Versicherungen. Das liest sich zumindest im Spezialteil “Vermögensverwalter” einer führenden Wirtschaftszeitung. Legt man 1-1,5 % des Depotwertes als Gebühr für Managment des Vermögens zugrunde, dann weiß man das es ich um einen einträglichen Wirtschaftszweig handelt. Interessant ist vielleicht auch die Frage:

Wie ist der Reichtum in der Welt verteilt?

Laut einem Credit Suisse Global Wealth Report verteilt sich das vermögen folgendermaßen:

24,2 Millionen der Weltbevölkerung haben mehr als eine Million US Dollar Vermögen. Das sind nur 0,5 % der Erwachsenen Weltbevölkerung, die zusammengenommen 35,6 % Anteil am Weltvermögen besitzen, nämlich 69,2 Billionen US Dollar.

334 Millionen Erwachsene besitzen zwischen 100.000 und 1 Mio Us Dollar. Das sind 7,5 % der erwachsenen Weltbevölkerung, denen 43,7 % des Vermögens gehört, nämlich 85 Billionen US Dollar.

1045 Millionen der Weltbevölkerung besitzen zwischen 10.000 bis 100.000 US Dollar. Das sind 23 % Bevölkerungsanteil denen 16,5 % der Vermögen gehört, d.h. 32,1 Billionen US Dollar.

Weniger als 10.000 US Dollar haben zwei Drittel der erwachsenen Weltbevölkerung. Zusammen haben Sie nur 4,2% der Vermögen, d.h. 8,2 Billionen US Dollar.

Fazit: Die reichtsen 8 Prozent kontrollieren 80 Prozent aller Reichtümer. Mehr als drei Millarden Menschen besitzen weniger als 10.000 US Dollar. Den ärmeren 92 Prozent gehört gerade einmal 20 Prozent des weltweiten Vermögens.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner, Weilheim i.OB