Geld als Versprechen. Eine Soziologie des Geldes im goldenen Zeitalter des Kredits von Aaron Sahr

„Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit“ (J.P. Morgan)

„Heute ist alles Geld Kredit.“ (Aaron Sahr)

Geldtheoretiker von Aristoteles bis in unsere Tage beschreiben zumeist die Funktionen des Geldes (Tausch- bzw. Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit) sowie die hierfür erforderlichen Eigenschaften: Geld sollte transportabel, wertbeständig, haltbar, teilbar und allgemein anerkannt sein.

Gold- und Silbermünzen waren hierfür über Jahrhunderte bestens geeignet.  Zunehmend haben Zahlungsmittel ihren Warenbezug und Eigenwert verloren. Von der Münzprägung über das Papiergeld bis zum elektronischen Buchgeld oder Internetwährungen à la Bitcoin war es ein weiter Weg. Die Frage ist, ob und wie sich neue Formen des Geldes auf die Sozialbeziehungen ausgewirkt haben und ob sich hierbei auch die Funktion des Geldes fundamental verändert haben könnte?

Was Geld eigentlich ist und unter welchen Bedingungen es entsteht, ist unter Forschern umstritten. Man kann hier liberale und etatistische Strömungen unterscheiden. Während die Mehrheit der Forschung traditionell auf den Warencharakter und die Tauschfunktion des Geldes in arbeitsteiligen Gesellschaften rekurriert, sieht eine wachsende Minderheit den Ursprung des Geldes nicht im Tausch, sondern von Anfang an im Kredit.

Infolgedessen wird auch nicht der Akt der intersubjektiven Wertanerkennung von Einzelindividuen im Tauschakt hervorgehoben, sondern die Monopolisierung und Institutionalisierung des Annahmezwangs von (Steuer)Schuldbegleichungsmitteln durch eine politische Autorität (Tempel, Staat, Notenbank).* Continue reading Geld als Versprechen. Eine Soziologie des Geldes im goldenen Zeitalter des Kredits von Aaron Sahr

Mehr! – Eine Philosophie des Geldes von Christoph Türcke

9783406674570_largeDieses Buch will eine Philosophie des Geldes sein. Gelungen ist Christoph Türcke die gut lesbare Erzählung von allerlei Geldgeschichten von der Steinzeit bis heute. Das wäre für sich genommen schon eine bewundernswerte Leistung, da es nicht einfach ist, ein an sich trockenes und komplexes Thema wie Geld verständlich und unterhaltsam darzustellen.

Doch leider will das Buch mit dem Titel „Mehr!“ auch mehr und letztlich zu viel. Denn es wird kaum grundsätzlicher über das Wesen des Geldes nachgedacht als dies bereits geschehen ist, schon gar nicht seit Georg SimmelsPhilosophie des Geldes“ aus dem Jahr 1900.

So erfährt man eine Menge über Geld, Schuldverhältnisse und die Geschichte von Wertpapieren. Es hat hier eindeutig Höhepunkte in der historischen Darstellung von der Antike bis zur frühen Neuzeit. Jeder wird hier fündig und kann dazulernen. Für die prähistorische Zeit bleibt das Werk naturgemäß im Bereich der Imagination. Für modernere Zeiten lässt die Qualität der Darstellung merklich nach und fällt gegen Ende stark ab bzw. ergießt sich in Platituden der Neoliberalismuskritik. Continue reading Mehr! — Eine Philosophie des Geldes von Christoph Türcke