“Kaputtsparen”

Derzeit hört man in Wirtschaftsdiskursen häufiger die Befürchtung des “Kaputtsparens”. Mal ehrlich, haben Sie sich schon einmal „kaputtgespart“? Oder kennen Sie irgendjemanden, der sich schon mal kaputtgespart hat? Nein? Kein Wunder, wie soll das gehen? Wer weniger Geld ausgeben kann, der muss erst einmal Geld haben. Wer das tut, um in einer ungewissen Zukunft, Geld zur Verfügung zu haben, wer oder was sollte dabei kaputtgehen, d.h. nicht mehr funktionieren? Tatsache ist: aufgeschobener Konsum – und nichts anderes bedeutet sparen – hat noch niemanden zerstört, sei es für den einen eine Lebenseinstellung, für den anderen ein notwendiges Übel.

Aber haben Sie schon einmal zu viel Geld ausgegeben bzw. davon gehört, dass jemand mehr Geld ausgegeben hat als er hatte? Oder kennen sie gar einen Fall, bei dem sich jemand dauerhaft so stark verschuldet hat, um seinen Konsum zu finanzieren, dass er seine Schulden nicht mehr zurückzahlen konnte? Das ist wohl sehr viel wahrscheinlicher als das Gerede davon, man könne sich „kaputtsparen“.

Nun gut, jetzt werden nicht wenige Ökonomen, ich nenne sie mal Vulgärkeynesianer, einwenden: aber was für Einzelpersonen gilt, das gilt noch lange nicht für Volkswirtschaften. Wenn zu stark gespart wird, dann sinkt der Konsum, es fehlen Kaufanreize, das führt in die Rezession…bla, bla, bla. Deshalb braucht es Lohnsteigerungen und Konjunkturprogramme, damit „Wachstum“ entsteht, die Wirtschaft wieder in Gang kommt und alles wird gut.

Dazu möchte ich mal behaupten: Diese Ökonomen sind nicht die Lösung, sie sind das Problem. Und sie sind nicht deshalb der wissenschaftlichen Wahrheit besonders nahe oder gar Nobelpreisträger, weil es stimmt, was sie sagen, sondern weil sich ihr Standpunkt besonders gut mit eigenen Interessen (Karriere, Gutachten, Beraterhonorare, Professuren usw.), mehr aber noch mit einem billigen politischen Populismus verbindet; damit meine ich: Menschen, d.h. Wählern etwas zu versprechen, das sehr viel Geld kostet, nachweislich gar nichts langfristig bringt, außer (noch mehr) Schulden.

Bestimmte europäische Länder (aktuell ist gerade Spanien im Gespräch) haben ihren wirtschaftlichen Boom in der Vergangenheit auf Pump finanziert. Und nun soll die Verschuldungskrise dadurch gelöst werden, dass noch mehr Schulden gemacht werden? Richtig, so dumm kann kein vernünftiger Mensch sein. Vielleicht ist es aber gar nicht so dumm, nämlich wenn der Ruf nach Ausgabenprogrammen von anderen Staaten, Steuerzahlern, Einkommensschichten, Generationen etc. bezahlt werden soll, während man selbst davon vielleicht kurzfristig profitiert. Die Wirkung solcher Maßnahmen kann zumindest in einem offenen Wirtschaftssystem bezweifelt werden.

Deshalb ist das Geschwätz vom „kaputtsparen“ gepaart mit der Forderung nach vermeintlich wachstumsinduzierenden (antizyklischen) Konjunkturprogrammen nichts anderes als Politik zu Lasten Dritter, stupide Interessenpolitik, welche die Kosten bzw. Lasten einer notwendigen Refinanzierung durch Sparen oder Wachstum auf andere abwälzen möchte.

Wer ist dann das Opfer? Es sind all jene, die für eine angeblich wohlmeinende, „soziale“ oder wie auch immer pseudowissenschaftlich verbrämte Wirtschaftspolitik in Zukunft zahlen bzw. für die dafür aufgenommenen Schulden einstehen müssen. Nun raten Sie mal, wer das ist? Richtig: wahrscheinlich Sie selbst! Wenn sie also das nächste Mal hören, dass jemand vom „kaputtsparen“ redet, sagen Sie ihm: er ist entweder ein ökonomischer Scharlatan oder gewissenloser Politiker, der das Problem zur Lösung macht, was irgendwann dazu führt, dass irgendjemand ruiniert wird, der vielleicht gar nichts dafür kann.

Dr. Guido Kirner, Polling

Ich bin jung, verdiene erstes Geld, wie fange ich an mit der Vorsorge? (Im Leben I)

Sie sind jung, vielleicht in den 20ern, haben vielseitige Interessen, wissen aber auch, dass man sich nicht früh um seine finanziellen Angelegenheiten kümmern kann. Sie verdienen Ihr erstes gutes Geld und selbst nach Erfüllung ihrer Wünsche bleibt etwas übrig. Nun stellen Sie sich Fragen: Wem kann ich vertrauen, wer berät mich neutral, mit was soll ich anfangen, was ist das wichtigste?

Den wichtigsten Schritt haben Sie bereits getan: Sie sind vernünftig und überlegen bereits in jungen Jahren, wie sie richtig vorsorgen können. Auch haben sie von ihren Eltern und aus dem Bekanntenkreis bereits einige Tipps erhalten. Sie wollen ihren eigenen Weg gehen, wissen aber noch nicht so recht, wie genau sie vorgehen sollen.

TIPP: Bevor Sie große Sparpläne zeichnen, bevor sie sich mit Themen wie Riester-Rente, Rürup-Rente, betriebliche Altersversorgung, gesetzlicher Sozialversicherung und Steuervorteilen auseinandersetzen, fangen Sie lieber bescheiden an und legen die Prioritäten in ihrer Finanzplanung fest.

Was ist das Wichtigste und in welcher Reihenfolge baue ich meine Vorsorge richtig auf?

1. Sparen aber wie?

Nachdem Sie in sich und ihre Ausbildung bereits investiert haben und auch für die Lebensfreude etwas übrig bleibt, legen Sie jeden Monat einen bestimmten Geldbetrag auf die Seite, den Sie „verschmerzen“ können. Sparen ist aufgeschobener Konsum. Sie verzichten auf nichts, sie heben es sich nur für später auf. Besser als ein Sparbuch eignet sich dafür ein (kostenloses) Tagesgeldkonto. Von dort können Sie im Notfall das Geld jederzeit wieder abrufen und es ist nicht langfristig gebunden. Versuchen Sie 5.000 € anzusparen.

2. Sie haften für Schäden!

Alles sparen bringt nichts, wenn Sie ungewollt anderen einen Schaden zufügen, für den Sie vielleicht ihr ganzes Leben bezahlen müssen. Eventuell überfordert dieser Schaden ihre finanziellen Verhältnisse auf lange Sicht und Sie hätten nie mehr eine Chance, finanziell auf die Beine zu kommen. Denn laut Gesetzbuch haften Sie für die von ihnen verursachten Schäden in unbegrenzter Höhe. Deshalb brauchen Sie unbedingt eine Haftpflichtversicherung. Sie gehört zur Grundausstattung eines jeden verantwortungsvollen Menschen und ist zudem kostengünstig.

3. Ihr Leben hängt an ihrer Arbeitskraft!

Was ist überhaupt ihr wertvollstes Kapital? Richtig: Ihre Arbeitskraft. Von ihr wird für die Zukunft ihr wirtschaftlicher Erfolg (vielleicht auch ihrer Familie) abhängen. Was passiert, wenn aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit gar nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten? Sie sind entweder auf die Hilfe anderer angewiesen oder sie haben selbst vorgesorgt.

Die beste Absicherung gegen die finanziellen Folgen des Verlustes der Arbeitskraft ist die Berufsunfähigkeits-Versicherung. Niemand bestreitet, dass Sie mit zu den wichtigsten Absicherungen überhaupt gehört. Dies sollte man gerade in jungen Jahren tun, sofern man noch gesund und die Absicherung bezahlbar ist. Denn sie wird mit zunehmendem Alter immer teurer. Hat man bestimmte Krankheiten, wird es ganz schwer, überhaupt noch eine zu bekommen. Also kümmern sie sich rechtzeitig darum.

FAZIT:

Als junger Mensch brauchen Sie zunächst eine gute Haftpflichtversicherung, weil Sie für (auch unverschuldete) Schäden, die Sie verursacht haben, gesetzlich in unbegrenzter Höhe haften. Dann sichern sie ihre „Geldruckmaschine“, d.h. ihre Arbeitskraft ab, indem Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung in angemessener Höhe abschließen, solange Sie noch gesund sind. Und schließlich schauen Sie, wie viel Geld Sie noch auf die Seite legen können und parken es auf einem Tagesgeldkonto, bis Sie sich den Luxus leisten können, zu überlegen, wie sie es besser investieren können.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
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