Bundeshaushalt 2010 – einmal anders

Einmal angenommen sie hätten ein kleines Unternehmen. Letztes Jahr hatten Sie 35.000 € Ausgaben, könnten dieses Jahr jedoch nur mit 24.000 € Einnahmen rechnen, hätten Sie da ein gutes Gefühl? Richtig, ihr Gefühl würde zum einen von ihren Reserven aus der Vergangenheit, zum anderen von ihrer Zukunftserwartung abhängen. Wie nervös werden Sie, weil sie wissen, auch in den letzten Jahren hatten sie stets mehr Ausgaben als Einnahmen und die Rücklagen sind weitgehend aufgebraucht? Deshalb haben Sie zudem noch Schulden in Höhe von fast 100.000 €.

Die Gedanken verfinstern sich, zumal sie allein 4.000 € an Schuldzinsen berappen müssen. Aber macht ja nichts, sie könnten ja die Ausgaben kürzen und/oder die Einnahmen erhöhen. Leider geht das aber nicht so einfach, weil sie viele Versprechungen an ihre Mitarbeiter und Kunden gemacht haben.

Doch manche ahnen schon, dass ihre Versprechen nicht viel wert sind. Denn sie haben gehört, der größte Teil – nämlich 8.000 € ihrer Ausgaben – fließt in den Unterhalt eines maroden  Systems R, bei dem ebenfalls schon feststeht, dass es bei gleichbleibenden Ansprüchen künftig eher mehr als weniger Geld braucht. Letztes gilt auch für ein zweites System G, dass sie mit knapp 1.200 € bezuschussen. Auch dieses sollte sich der Idee nach eigentlich selbst tragen, doch es funktioniert einfach nicht so, wie man es sich bei Firmengründung vor 60 Jahren gedacht hat.  1.600 € Defizit ergeben sich aus einem Posten, der überhaupt nicht arbeitet. Nur 5.000 € geben Sie für Zwecke aus, die man als zukunftsweisend bezeichnen könnte.

Vielleicht würden Sie mir zustimmen, eine solche Finanzsituation zeichnet kein solides Unternehmen aus. Leider können Sie aber den Laden auch nicht so einfach dicht machen. Ihre Einnahmen lassen sich nicht so einfach erhöhen, weil die Preise im Gefühl ihrer Kunden schon das Maximum erreicht haben; und die Ausgaben laufen regelmäßig aus dem Ruder, obwohl sie immer wieder Besserung geloben. Sie haben sich in ihrer Firma einfach daran gewöhnt, Gelder zu verteilen, die sie nicht haben, nur um ihre Ruhe bei ihren Mitarbeitern zu haben und damit die Kunden ihnen treu bleiben.

Die Sache verkompliziert sich durch eine Besonderheit: Kunden und Mitarbeiter sind weitgehend identisch. Denn jeder von uns ist zugleich Kunde und Mitarbeiter dieser Firma. Hängen Sie an die Zahlen nur sieben Nullen an und sie entsprechen in etwa den Zahlen des Bundeshaushaltes 2010. Die Schulden all der Unterabteilungen dieser Firma (Länder und Gemeinden) sind da noch gar nicht eingerechnet. Mit System R sind die Leistungen der Rentenversicherung gemeint, mit System G der Bundeszuschuss an die gesetzliche Krankenversicherung.

Autor: Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

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