Schuldenschnitt statt Geldverbrennung

Bestimmte Zeitschriften, Verbraucherschützer und sonstige Tippgeber reden bei Staatsanleihen immer noch von sicheren Anlagen. Diese Zeit dürfte vorbei sein, gleichwohl Banken, Politiker und Ratingsagenturen an der Verschleierung dieser Tatsache mitwirken.

Verschleiert wird die Tatsache im Pathos aufrichtiger oder vorgetäuschter Solidarität für Europa; für ein Europa, das mit allen Mitteln den notwendigen Schuldenschnitt bestimmter Banken und Staaten durch eine gigantische Umverteilung zu Lasten Dritter wegwischen möchte.

Was ist daran solidarisch, dass Investoren in kritische Staatsanleihen ihre Gewinne über Jahre ruhig einstreichen durften, die drohenden Verluste aber einer Allgemeinheit aufbürden. Nichts. Vielmehr ist es zudem noch schädlich, das Risiko für solche Geldanlage völlig zu verzerren. Daraus entstehen neue Fehlanreize und Spekulationsblasen, die sich in einer nicht allzu fernen Zukunft umso stärker rächen werden.

Es ist eine völlig neue Dimension an politisch verkürzten bzw. verdummten Keynesianismus, wenn die Schuldenkrise mit noch mehr Schulden überwunden werden soll. Die am meisten betroffenen Staaten werden die rigiden Vorgaben des IWF politisch eh nicht durchsetzen können. Die Sparmaßnahmen führen wie in Griechenland zu Revolten, welche Demokratien nicht lange durchstehen.

Es gibt nur einen Weg. Dieser verlangt eine Kehrtwende insbesondere von der Deutschen Regierung, die schon allzu viel guten Boden finanz- und geldpolitischer Vernunft preisgegeben hat. Sie hat die Macht dazu und muss diese in Europa nutzen, um Schlimmeres für sich und andere abzuwenden.

Es muss der EZB möglich sein, die Zinsen zu erhöhen. Der Kauf von schlechten Anleihen durch die EZB muss sofort aufhören, andernfalls wird sie selbst zur „Bad Bank“. Eigentlich bankrotte Banken müssen abgewickelt werden. Sie sind nicht systemisch, wie sie selbst von sich behaupten. Die Mehrheit der Bürger würde nicht einmal merken, wenn die HRE verschwindet.

Mit den Staaten, die Probleme haben, ihre Schulden zu refinanzieren, muss eine Konferenz einberufen werden. Darin muss der Schuldenschnitt verhandelt werden, d.h. wie viel nicht zurückbezahlt werden kann und wer entsprechende Inevstitionen in welcher Höhe als Verlust abschreiben muss. Dabei wird dann auch offenbar, wie viel Schrottpapiere die EZB inzwischen selbst in ihren „Schatztruhen“ hat, bevor sie bei einem Euro-Rettungsfonds deponiert werden, der ihren Wert auch nicht erhöhen würde. Ein Kieselstein wird nicht zu Gold, nur weil man ihn in den Safe legt.

189 Ökonomen, darunter viele Professoren der Volkswirtschaft, haben sich gegen die Ausdehnung des Euro-Rettungsschirms und seiner dauerhaften Institutionalisierung (ESM) ausgesprochen. Vielleicht lassen sich auch diese wie einst den „Professor aus Heidelberg“ wegwischen.

Die milliardenschweren Spekulanten, die gegen diese Politik wetten, wird man nicht so einfach los. Die besten von Ihnen verdienen auch noch viel Geld damit und freuen sich über jede neue Maßnahme hin zum Schlimmeren. Hört endlich auf, das Geld eurer Bürger zu verbrennen, indem Ihr es in Wertloses investiert, um Zeit zu erkaufen. Die Zeit heilt so manche Probleme; bei Schulden wird die Sache aber meistens schlimmer.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Siehe auch

2.000.000.000.000 Euro Staatsschuld – Anstieg durch Bad Banks

Europasolidarität als Bankensubventionierung,

Das Ende einer Währung;

Das Ende der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank;

Hellas – Euro – Europa, was auf dem Spiel steht