Fahren Sie mit ihrem Oldtimer zur Castell-Bank, um sich über ETFs beraten zu lassen?

In meinem Büro stapeln sich Berichte und Zeitschriften von Investmentexperten. Vieles bleibt ungelesen, weil es auch einfach langweilt. Insbesondere die Fondsbranche ist darauf angewiesen, mit immer neuen Schlagworten – wie z.B. Absolute Return, Multi Asset usw. – für vermeintliche sichere Rezepte zur Erzielung einer dauerhaft hohen Rendite zu werben. Es rauscht so laut, man kann es kaum mehr hören.

Was nützt es? Es müssen ja Billionen Sparvermögen angelegt werden und das möglichst sinnvoll. Da wird man hellhöriger für einfache, aber dennoch exotische Themen. An diesem Wochenende waren es gleich drei, hier die Überschriften: „Der Oldtimer ist die beste Wertanlage“, „ETF schlagen aktive Fonds“ und „Die Castell-Bank wettet nicht auf Aktienkurse“. Was hat es damit auf sich? Wir werden neugierig.  Continue reading Fahren Sie mit ihrem Oldtimer zur Castell-Bank, um sich über ETFs beraten zu lassen?

Gold, Silber, Platin, Diamanten – ein nützliches Einführungsbuch für Anleger in schwierigen Zeiten

9783898797986Wenn Staatsanleihen für viele aktuell  eher ein zinsloses Risiko als risikolosen Zins darstellen, wenn sich nicht jeder eine Immobilie leisten kann oder er hierfür nur noch überteuerte Angebote findet, wem die Aktienmärkte zu aufgebläht sind oder wer eh eine Neigung weg von papierhaften Versprechungen hin zu echten Sachwerten verspürt, der begibt sich inzwischen auf die Suche nach – nennen wir es einmal – nach „mobilen Sachwerten“.

Gold und Silber, Edelmetalle und Diamanten bekommen wieder ihren ganz eigenen Reiz für Geldanlagen, je zweifelhafter und unsicherer Markt und Politik empfunden werden.

Doch Edelmetalle haben ihre je eigenen Märkte, ihre eigenen Gesetze, bringen keinen Zins, dafür aber erhebliche Preisschwankungen mit sich. Wer in Edelmetalle und Rohstoffe investiert, muss zudem die unterschiedlichen Mehrwertsteuern bedenken. Er muss entscheiden, ob er auf einen synthetischen Preisindex wettet oder physisch hinterlegtes Edelmetall haben möchte. Überdies muß die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis bedacht werden. Und es stellt sich das Problem der Verkaufbarkeit, Aufbewahrung und Sicherheit. Schließlich muss er sich für eine Art Produkt entscheiden: Minenaktie, Rohstofffonds, Barren oder Münzen, ETC oder ETF usw. Kurz: er braucht Fachwissen, um sich darüber klar zu werden, wie viel er mit welchem Risiko in welcher Art von Geldanlage investieren möchte, um sein Depot mit edlen Sachwerten zu bereichern.

Eine kurze, anschauliche und hilfreiche Einführung in dieses Thema bietet das Buch von Beate Sander, das nunmehr bereits in der zweiten Auflage erschienen ist.

Es liefert die nötigen Hintergrundinformationen zur Geschichte, dem Gebrauchswert, die Besteuerung, den industriellen oder sonstigen Gebrauch und den entsprechenden Markteigenheiten von Gold, Silber, Platin, Palladium und in einem kurzen Abschnitt (S. 108-106) zu Diamanten. Überdies wird über die wichtigsten Produktkategorien und ihre Vor- und Nachteile informiert sowie entsprechende Empfehlungen abgegeben. Für den „Kleinsparer“ oder jene, die nicht unbedingt die Goldbarren zuhause aufbewahren möchten, sind hier unbedingt die Ausführungen zu den ETCs (Exchange Traded Commodities) interessant.

Zu Beachten ist wie immer bei der Geldanlage: man sollte die Emotionen eher aus dem Spiel  lassen, sich über die Preisschwankungen und Risiken informieren, zumindest als Anfänger mit kleineren Einsätzen beginnen und auf einfache Produkte wetten. Selbstverständlich sollte man auch nicht alles auf eine Karte setzen,  d.h. nur zwischen 5 % und 20 % in Edelmetalle anlegen und hierbei auch eher auf einen Korb, indem über mehrere Metalle gestreut wird.

Die Nützlichkeit des Buches ist unbestreitbar. Schade dass die Ausführungen und Empfehlungen zu Rohstoff-ETFs im Allgemeinen und GOLD-ETFs im Speziellen spärlich ausfallen. Vielleicht hätte man in der 2. Auflage auch etwas anders gliedern und dadurch Redundanzen vermeiden können. Letztlich kann das Buch aber als eine Art Nachschlagewerk genutzt werden, um sich schnell noch mal wichtige Informationen in Erinnerung zu rufen. Hierfür erscheint es unersetzlich.

Guido Kirner (Polling / Weilheim)

Beate Sander: Gold, Silber, Platin, Diamanten. Mit Edelmetallen richtig anlegen in schwierigen Zeiten, München Finanzbuchverlag 2013 (2. Aufl.), 287 S., 24,99 Euro. ISBN 978-3-89879-789-6.

Abzocke mit Sachwerten

Die Unsicherheit wird ausgenutzt

Die Unsicherheit nach der Finanzkrise auf der einen, die Sucht der Deutschen nach sicheren Anlagen auf der anderen Seite sehen einige Anbieter von Finanzprodukten als besonders günstige Gelegenheit. Das ist ihr gutes Recht und gegen Sachwerte – also Edelmetalle, Immobilien, Beteiligungen an Schiffen usw. sowie übrigens auch Aktien – ist gar nichts einzuwenden. Die Sache kann aber absurde Ausmaße annehmen bis hin zu völlig unseriösen Angeboten.

“Wollen Sie den Wert Ihrer Lebensversicherung verdoppeln?”

So rief mich letzte Woche eine Dame an, die mich fragte, ob ich Lebensversicherungen besitze und ob ich deren Wert verdoppeln wolle. Sie rief mich als Privatmann an und wusste wohl nichts von meiner Eigenschaft als Finanzplaner. Als ich nachfragte, wie das denn möglich sei, antwortete sie mir, ja das könne mir nur jemand in einem Termin erklären. Ich blieb hartnäckig und wollte mehr wissen. Es gehe darum, seine Lebensversicherung zu verkaufen und in Immobilien zu investieren, mehr könne sie mir nicht sagen. DANKE – AUF WIEDERHÖREN.

SO ETWAS KANN EINFACH NICHT SERIÖS SEIN !!!

Es ist schon ein starkes Stück, Kunden überhaupt dazu überreden zu wollen, ihre Lebensversicherungen zu kündigen, um ein anderes Geschäft zu tätigen. Die Investition in Opportunity-Immobilien ist nicht per se schlecht; auch kann man darüber nachdenken, ob man für das Alter nur mit Lebensversicherungen vorsorgen soll. Doch die Masche dieser Art Verkäufer ist schlicht skandalös. Es kann bei einer guten Finanzplanung nicht darum gehen, das eine durch das andere zu ersetzen. Die schlaue Aufteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen je nach Lebenssituation und Möglichkeiten sollte das Ziel sein.

Während der Boomjahre wurde die Sau in die andere Richtung durchs Dorf gejagt. Menschen haben ihre Altersvorsorge aufs Spiel gesetzt, weil sie überredet wurden, Schulden auf ihre lastenfreie Immobilie aufzunehmen, Lebensversicherungen aufzulösen und dafür in hochspekulative Anlagen zu investieren. In der Krise war das Geld dann auf einmal weg. Nun läuft es wohl in die andere Richtung. Die Leute sollen ihr in Lebensversicherungen angespartes Kapital in vermeintlich lukrative Immobilien stecken. Es tut mir leid, ich hege heute schon den Verdacht, dass das Konzept nicht aufgehen wird, weil die Immobilien nicht das hergeben, was die Vermittler versprechen.

Aber noch andere wollen die Stunde nutzen. Da werden mit Missionseifer Fachforen veranstaltet, wo Leute mit wirtschaftshistorischem Halbwissen über Inflationskrisen sich als Edelmetallexperten aufspielen und den Untergang der Papierwährung prophezeien. Sicherlich sind das wichtige Themen, gerade angesichts der Staatsverschuldung sind gewisse Ängste durchaus berechtigt. Es ist aber bezeichnend, wofür dann diese Ängste ausgenutzt werden sollen.

Da gibt es Ansparpläne für ein Gold- bzw. Silberdepot mit so hohen Kosten, dass Sie alleine dafür schon einiges an Edelmetall kaufen können. Oder es gibt sog. Realwert- bzw. Sachwertpolicen. Im Mantel einer Lebensversicherung wird dabei in Edelmetalle, Beteiligungen und Immobilien investiert. Dabei soll wohl das Risiko von Beteiligungen in geschlossene Fonds und die Kosten verschleiert werden. Das Problem ist letztlich, nur Profis können hier die guten (die es auch gibt) von den schlechten Produkten unterscheiden.

Sie können sich allein dadurch schützen, kein Geld für Finanzprodukte auszugeben, die sie nicht verstehen. In Sachwerte können Sie auch anders investieren. Finanzieren Sie ein Grundstück, ein Haus, kaufen Sie Gold- und Silbermünzen oder investieren Sie in Aktien. Ein seriöser Finanzplaner kann Ihnen dabei helfen. Dann werden Sie nicht in ein paar Jahren vor einer Kamera sitzen und ihre traurige Geschichte erzählen, wie sie ihre Altersvorsorge verloren haben, weil man Ihnen das blaue von Himmel versprochen hat.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB