14 % Umweltrendite, absolut sicher, konservative Anlage – Achtung, retten Sie ihr Geld!*

Die Entscheidung, Geld zu investieren, basiert nicht zuletzt auch auf der Idee und der damit zusammenhängende Geschichte, die einem präsentiert wird, bevor man ein Investmentprodukt kauft. Der Welt Gutes zu tun, dabei noch kräftig Gewinne einzustreichen und das auch noch absolut sicher, das wünschen wir uns alle. Es gibt nur ein Problem: auf dieser Welt gibt es das nicht, auch wenn immer wieder versucht wird, entsprechende Produkte zu verkaufen, nunmehr gehäuft in Form von Anlageprodukten in erneuerbare Energien, die eine vermeintlich sichere „Umweltrendite“ versprechen.

Gegen Investitionen in „Nachhaltigkeit“ ist grundsätzlich nichts einzuwenden, außer sie geschehen unter völlig falschen Voraussetzungen wie einer fehlgeleiteten Risikoeinschätzung und Kostenverschleierung. Ich möchte das an einem erlebten Beispiel erläutern.

 

Ein Beispielfall

Ein Interessent, nennen wir ihn Herrn Maier, hat mit mir einen Termin zur Ruhestandsplanung vereinbart. Er hat einige Vermögenswerte und Rücklagen und muss nach Auslauf des Sozialplans seiner Firma einige Jahre bis zur Auszahlungen der betrieblichen und gesetzlichen Rente finanziell überbrücken. Dafür soll ihm ein Konzept unter Berücksichtigung bestehender und evtl. noch einzusetzender Kapitalanlagen unterbreitet werden.

So weit so gut. Herr Maier hatte vor mir schon eine Art Kollege von einem sehr großen und erfolgreichen deutschen Allfinanzvertrieb zu Besuch. Nun möchte Herr Maier wissen, was ich davon halte. Das ist immer etwas heikel, zumal wenn der Kunde bereits von einer Idee begeistert ist und/oder auch noch eine freundschaftliche Beziehung zu dem Berater pflegt, der Sie ihm nahe gebracht hat. Sei’s drum, ich fühle mich zu einer offenen Einschätzung verpflichtet.

Der Vorschlag des werten Kollegen basiert (typischerweise) nicht auf einem Konzept, sondern auf einem ganz bestimmten Produkt. Man ahnt es, jedoch braucht es eine Weile, um sich darüber klar zu werden, was hier tatsächlich angeboten wird. Denn Herrn Maier wurde nicht etwa ein umfangreicher Prospekt zu diesem Produkt ausgehändigt, sondern ein Din-A4-Blatt mit anhängender Berechnung. Der Einleitungstext ist großartig und lohnt vollständig zitiert zu werden:

 

Das Versprechen

Wir übertreiben nicht, wenn wir behaupten, Ihnen eine der interessantesten Anlageformen unserer Zeit vorstellen zu können. Einzigartige Merkmale im Bezug auf Sicherheit und Rendite machen dieses innovative Finanzprodukt zu einem absoluten Highlight auf dem Finanzmarkt. Die konservative Form der Anlage verbunden mit einer gesicherten Rendite, wie sie bislang meist nur mit spekulativen Strategien zu erreichen war, zeichnen die Umweltrendite aus.

Versprochen werden 14 % p.a. in monatliche Auszahlungen. Der Vertrag läuft 20 Jahre. Außerordentliche Kündigung ist möglich ab dem 3. Jahr, jedoch gibt es ein Agio von 12 %, so dass freundlich darauf hingewiesen wird, dass eine Kündigung auch erst ab dem 3. Jahr empfehlenswert sei.

Investiert werden soll in eine Beteiligung in Form eines partiarischen Darlehens an Großprojekten zur Erzeugung regenerativer Energie, vorrangig in Biogas-Anlagen und Photovoltaikfarmen. Genaue Standorte werden nicht genannt, es gehe um Länder mit hoher Energieausbeute.

 

Die Sicherheiten

Auch Sicherheiten werden geboten: Zunächst die Abtretung der Erträge an den jeweiligen Investor bei Einstellung des Geschäftsbetriebes durch den Produktgeber. Das verstehe ich nicht. Wieso sollte der Geschäftsbetrieb eingestellt werden, wenn es Erträge gibt? Oder wie sollen Erträge erwirtschaftet werden, die abgetreten werden können, wenn der Betrieb gar nicht mehr läuft? Wieso sollte das Geschäftsmodell bzw. die technische Anlage in einem Fall profitabel arbeiten, im anderen Fall aber nicht? Wer ist überhaupt hier der Produktgeber, welche Rechtskonstruktion liegt genau vor? Wir wissen es nicht.

Dafür gibt es aber noch eine zweite Sicherheit und die ist wirklich rührend: nämlich die „Vermögensschadensversicherung bei nachgewiesener Falschberatung“. Gemeint ist die Vermögensschaden-Haftpflicht-Versicherung, die jeder in meiner Branche haben muss. Ich bin der Meinung, mein Kollege wird sie wahrscheinlich benötigen, wenn er das von ihm angepriesene Produkt an Menschen verkauft, die Sicherheit suchen. Wir werden sehen. Ob aber Herr Mayer auf diese Versicherung vertrauen kann, ist fraglich, sollte der Vertriebsmitarbeiter dann evtl. überhaupt nicht mehr bei der Vertriebsgesellschaft arbeiten (die Fluktuation ist hier bekanntlich groß).

 

Gutes tun

Das Angebot inklusive Berechnung klingt einfach nur gut: zweistellige Rendite, man „investiert in die Umwelt“ (wie es umgangssprachlich häufig heißt) und das Ganze sei auch noch absolut sicher und wird deshalb als konservative Anlage angepriesen. Endlich scheint er gefunden, der heilige Gral der Kapitalanlagen … wäre da nur nicht dieses berechtigte Misstrauen von Herrn Maier gewesen. Wenn alles zu schön klingt, ist vielleicht Vorsicht geboten.

Herr Maier ist branchenfremd und fragte deshalb noch einmal per Mail bei dem Vertreter des Finanzvertriebes nach (die Antwortmail liegt mir vor). Herr Maier möchte drei Sachen wissen: 1. Was ist ein partiarisches Darlehen, 2. ob die Berechnung tatsächlich stimme, dass ihm bei Einzahlung von 120.000 Euro 15 Jahre lang jeden Monat 2.567 Euro ausbezahlt würden, also über 450.000 Euro, 3. welche Kosten dabei anfallen und 4. was passiert, wenn die Idee mit dem Investment in „Hybridanlagen“ scheitert?

Herr Maier trifft mit seinen Fragen das Wesentliche: Die Anlageform, die Sicherheit der Rendite, die Kosten und das Ausfallrisiko. Gehen wir der Reihe nach die Punkte durch.

 

 1.      Partiarisches Darlehen

Die Antwort des “Vermögensberaters” ist bestechend: Partiarisches Darlehen besage nach dem Gesetz, dass Sie an Gewinnen beteiligt sind, nicht aber an Verlusten. Diese müsste die Firma tragen, ohne Sie damit zu belasten. Durch die Garantien und dem Zukunftsmarkt „Energie“ werde es zu keinen Verlusten kommen.

Grundsätzlich handelt es sich (laut Gablers Wirtschaftslexikon) bei einem partiarischen Darlehen um ein Darlehen, bei dem der Gläubiger an Stelle von Zinsen einen bestimmten Anteil am Umsatz oder Gewinn erhält. Die Vertragsparteien können den Vertrag beliebig gestalten.

In einem anderen Finanzlexikon wird es deshalb auch gewinnbeteiligtes Gesellschafterdarlehen genannt, welches eine Personengesellschaft durch ihre Gesellschafter erhält. In einem Rechtswörterbuch wird erwähnt, dass die „Geldhingabe gegen Gewährung von 20 % des erzielten Reingewinns betrage“. Es finden sich dazu selbstverständlich noch viele detailliertere Ausführungen, jedoch konnte ich nichts dazu finden, dass durch die Rechtskonstruktion oder gar „durch Gesetz“ der Darlehensnehmer nur an Gewinnen, nicht aber an Verlusten beteiligt ist.

In Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Partiarisches_Darlehen) wird schließlich die Bedeutung als nicht regulierte Kapitalanlage erwähnt. Dazu gehört auch, dass ein förmlicher Verkaufsprospekt nicht erforderlich ist. Auch eine Banklizenz ist zur Ausgabe eines solchen Anlageproduktes nicht erforderlich. Nun wird mir klar, weshalb kein umfangreiches Verkaufsprospekt ausgehändigt wurde. Allmählich mulmig wird mir, wenn ich den Kommentar lese: Häufig werden die partiarischen Darlehen juristisch mangelhaft konstruiert, so dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) immer wieder Untersagungsverfügungen in Bezug auf die Einwerbung oder Abwicklungsverfügungen in Bezug auf angenommene Darlehen erlässt.

Für den Allfinanzvertrieb ist es bestimmt auch nicht von Nachteil, dass für den Verkauf entsprechender Produkte keine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz, vielmehr ist lediglich eine Erlaubnis nach § 34 c Gewerbeordnung notwendig ist.

Wenngleich ich kein Rechtsexperte für Kapitalanlagen oder Gesellschaftsrecht bin, genügen mir die Informationen für den Verdacht, dass es sich hier schwerlich um eine sichere, konservative Anlage in einem rechtlich verlässlichen Mantel handeln kann. Weshalb wäre sonst diese Konstruktion überhaupt notwendig?

Nebenbei sei erwähnt, dass der Begriff in den Ausführungen des werten Kollegen und selbst auf dem Berechnungsbogen stets falsch als „patriarchisches Darlehen“ bezeichnet wurde. Da ist ein wenig Schmunzeln schon erlaubt. Nicht so lustig und vielleicht bezeichnend ist die Tatsache, dass da Menschen Dinge anpreisen, von denen Sie noch nicht mal wissen, wie man sie schreibt (geschwiege denn, was es ist).

 

2.      Die Renditeberechnung

Auf die Renditeberechnung möchte ich hier im Einzelnen gar nicht eingehen. Erstens fällt auf, dass nirgends begründet wird, woraus sich die 14 % vermeintlich sichere Rendite genau ableiten. Angeblich ja aus dem Eneuerbare Energien Gesetz (EEG). Dieses Gesetz ist ein Monstrum, in das ich mich nicht einarbeiten möchte. Gerade deshalb wäre ich für eine eine Musterberechnung mit Hinweis auf die genauen Gesetzesgrundlagen unter Zitierung der jeweiligen Paragrafen dankbar. So werden sie hier einfach mal nur behauptet.

Entscheidend scheint mir aber der Hinweis auf ein zusätzliches Darlehen. Der Abschluss des Produktes scheint nämlich an ein Darlehen (aus Dubai, warum Dubai?) gekoppelt. Weshalb sollte man sich noch zusätzlich verschulden, wenn man doch schon ausreichend Geld für eine Investition hat? Hier soll wohl mittels Verschuldungsfaktor die Rendite durch den Leverage-Effekt künstlich nach oben gehebelt werden. Diesen Effekt habe ich bereits an anderer Stelle erläutert. Man sollte dazu wissen, dass der Schuss auch nach hinten losgehen und zur Überschuldung führen kann. Also findet sich hier abermals ein Hinweis auf Risikomaximierung und keineswegs auf eine sichere, konservative Anlage.

 

 3.      Die Kosten

 Um es kurz zu machen: die Kosten werden nirgends zusammengestellt und explizit ausgewiesen. Ein brauchbarer Prospekt liegt ja nicht vor. Möglicherweise hat das auch seine Gründe.

Sichtbar ist das Agio von 12 %. Man bedenke, dies würde einen bei Anlage von 120.000 Euro Kosten von 14.400 Euro bedeuten. Nun wird das Agio aber nicht nur auf das Eigenkapital angewendet, sondern auf die Summe der Gesamtanlage, also inklusive der Darlehenssumme. Das wären dann bei einer Gesamtanlage von 375.000 Euro allein 45.000 Euro Agio. Für das eingesetzte Eigenkapital (120.000 Euro) hätte man also ein Drittel allein für das Agio zu bezahlen. Das muss ja auch erst einmal wieder erwirtschaftet werden, bevor überhaupt Gewinne für den Anleger entstehen können!

Zudem hat man jetzt aber auch noch Schulden. Dafür muss man Zinsen bezahlen. Die Zinskosten werden aber nicht eigens ausgewiesen, sondern hinter einer Rate für Zins und Tilgung verschleiert (bei 5,35 % jährlich allein über 20.000 Euro). Da ich nicht sehen kann, wie hoch die Tilgung ist, weiß ich auch nicht, wie hoch die Zinsen sind. Zu den für geschlossene Fonds nicht unerheblichen zusätzlichen Kosten für Provisionen, Honorare und Management gibt es keine Angaben.

Der Vermittler hat die Frage von Herrn Maier nach den Kosten folgendermaßen beantwortet: Keine mehr; alles innerhalb der 120.000 Euro Einzahlsumme verrechnet. Kosten werden also damit abgetan, dass sie verrechnet werden. Es gibt sie nicht, weil sie irgendwo abgezogen werden. Das ist schon haarsträubend. So allmählich wird mir angst und bange. Um nicht falsch verstanden zu werden: hohe Kosten sind bei Beteiligungsfonds normal, doch sollte man erfahren, wie viel wofür ausgegeben wird.

 

4.      Investmentidee und Ausfallrisiko

Die präzise Frage zum Ausfallrisiko wird von dem Vertriebsmitarbeiter schlicht nicht beantwortet. Wahrscheinlich hätte die korrekte Antwort lauten müssen: es besteht die Möglichkeit eines Totalausfalls. Dies ist meistens bei geschlossenen Fonds der Fall, aber bei diversifizierten Anlageformen eher theoretischer Natur. Die Aussage, dass es gar kein Verlustrisiko geben kann, hat m.E. allerdings die Tendenz zur Falschberatung bzw. Vortäuschung falscher Tatsachen.

Dafür erhält Herr Maier in der Antwortmail des Vertreters einen lehrreichen Kommentar zur Investmentidee: Die Hybridanlagen dieser Art sind erst im Aufbau. Günstig Biodiesel herzustellen wird zukunftsträchtig, gerade für Firmen mit großen Fuhrparks, die aus ihren eigenen Abfällen ihre Auto betreiben z.B. Brauereien, Müllunternehmungen, Kommunen usw. Es gibt im Rahmen des EEG eine Abnahmegarantie, so dass was hergestellt wird auch abgenommen werden muss, so werden diese umgeschrieben und bekommen Sie Anteile von einer Anderen.

Mal abgesehen von der unverständlichen Ausdrucksweise möchte ich nun doch mehr wissen zu diesen Anlagen. Zum Glück findet sich auf dem ausgehändigten Papier ein Link zu einer Investmentfirma. Gegen deren Webseite ist meine trotz ihrer Durchschnittlichkeit geradezu ein Hochglanzprodukt. Der Informationswert tendiert gegen Null. Vielleicht hilft aber der zweite Link auf eine Umweltbroschüre. Diese findet sich auf einem Publikationsserver (Issuu.com), jedoch nicht als PDF, weder ausdruckbar noch herunterzuladen. Allmählich schrillen bei mir die Alarmglocken. Auf dem Deckblatt der virtuellen Broschüre werden gleich mal 23,5 % Umweltrendite versprochen. Neben allgemeinen und überlesenswerten Informationen erfährt man immerhin, dass in ein sog. KOI-Hybrid-System (Bezeichnung wurde geändert) investiert wird.

Da ich kein Ingenieur bin, kann ich dazu wenig sagen. Aber auch wenn es sich eine Technik handeln würde, die das Potential hätte, all unsere Energieprobleme zu lösen, so fällt dessen ungeachtet auf, dass es sich hier wohl um kein diversifiziertes Portfolio handelt, d.h. es wird nicht in Dutzende unterschiedliche Firmen oder Verfahren oder gar Branchen investiert, so dass bei Ausfall einiger immer noch von den anderen profitiert werden kann; es wird vielmehr hauptsächlich in eine Technologie investiert und wenn die nicht klappt – tja, was passiert dann? Ich vermute (wissen kann ich es ja nicht, weil kein Prospekt vorliegt), dann war es das wohl nicht nur mit der vermeintlich sicheren Rendite, sondern auch mit dem eingesetzten Kapital, womöglich besteht sogar noch eine Nachschusspflicht und das Darlehen muss auch noch zurückbezahlt werden. Das Agio ist ohnehin weg.

Die Hilfsargumentation beruft sich immer wieder auf das EEG und seine Abnahmegarantie. Selbst wenn diese wie behauptet besteht, wer garantiert mir über Jahrzehnte das Bestehen des EEG? Wird das hochsubventionierte Gesetz so lange Bestand haben? Angesichts der Subventionskürzung in der Solarbranche wird deutlich, wie hoch die Halbwertszeit für gut gemeinte Subventionen sein können, wenn sie nicht mehr zu rechtfertigen sind. Und selbst wenn eine Abnahmegarantie besteht, so wirkt sie sich doch nur profitabel aus, wenn die dadurch erzielten Einnahmen die Kosten der betriebenen Anlagen nicht übersteigen. Wird auch das garantiert? Schließlich stellt sich die Frage, ob genau diese Anlagen angesichts der weltweiten technischen Entwicklung auch noch in 10 Jahren Vorzeigeanlagen sind (falls sie es jetzt überhaupt schon sind), die profitabel arbeiten. Diese Problematik zeigt sich doch ebenfalls in der Solarbranche, wo bestimmte Module inzwischen sehr viel günstiger in China hergestellt werden, weshalb sich die hohen Subventionen für deutsche Firmen kaum mehr rechtfertigen lassen. Das sollte wenigstens bedacht werden, bevor man viel Geld in eine Sache investiert, die als „absolut sicher“ verkauft wird.

 

FAZIT

Investments in geschlossene Beteiligungsfonds mit ökologischen Anliegen können seriöse Grundlagen haben und chancenreiche Investments sein. Sie sind keineswegs grundsätzlich zu verurteilen, schließlich muss das Geld für die enormen Investitionskosten der „Energiewende“ ja auch irgendwie eingesammelt werden. Sie müssen jedoch zum Anlagehorizont und zum Ziel des Kapitalgebers passen! Ist das bei uns der Fall? Nein! Diese Anlageform eignet sich keineswegs dafür, den Rentenausfall für einige Jahre gesichert zu überbrücken. Aus Sicht eines juristischen Laien, haben wir hier m.E. ein hervorragendes Beispiel für eine Falschberatung.

Bei dem empfohlenen Produkt scheint mir das gesunde Misstrauen von Herrn Maier mehr als berechtigt. Sind geschlossene Beteiligungsfonds schon für sich genommen riskant genug, so handelt es sich wohl hier zudem noch um ein potenziertes Risiko: kein ausgehändigter Prospekt, kein renommiertes Emissionshaus, keine Kostenaufstellung, eine fragwürdige Rechtskonstruktion, fehlende Diversifizierung im Anlageportfolio, eine Renditeberechnung unter irgendwelchen Bestannahmen, eine mit der Finanzierung einhergehende Verschuldung sowie ein Agio das ich gerne mal als Honorar verlangen würde, wenn ich vor dieser Investition unbedingt abrate. Es schrillen die Alarmglocken. Für mich ist das schlicht Finanzmüll und ich wünsche mir solidere Formen für die Finanzierung regenerativer Energien. Es gibt schönere Arten, das Geld auszugeben…

Dr. Guido Kirner

*Dem Text liegt ein realer Fall zu Grunde. Die Namen wurden geändert bzw. frei erfunden.

Die drei Hürden der Altersvorsorge

Das Thema Altersvorsorge wirkt auf die meisten in etwa so spannend wie das Wörtchen Kopfkissenbezug. Der Nutzen und die Notwendigkeit ist geläufig, doch auch hier herrscht oft die Einstellung, was du heute nicht willst besorgen, dass verschiebe auf morgen. Dabei ist es schon finanzmathematisch erwiesen: Wer früher anfängt erreicht mit niedrigen Beiträgen mehr als jemand der spät anfängt mit hohen Beiträgen (Zinseszinseffekt). Die erste Hürde besteht also darin, sich mit dem Thema überhaupt auseinandersetzen zu wollen.

Wer sich einmal dazu entschlossen hat seine Rente aufzubessern, der steht vor neuen Hürden: Wie soll ich sparen? Seit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes 2005 ist die Altersvorsorge in drei Schichten unterteilt und in jeder Schicht greifen andere Regeln:

–        Unterschiedliche steuerliche Absetzbarkeit und Förderung beim Ansparen

–        Unterschiedliche Besteuerung bei Rentenbezug

–        Unterschiede im anspruchsberechtigen Personenkreis

–        Unterschiede in der Verfügungsberechtigung und in den Auszahlungsweisen

In der 1. Schicht findet sich die sog. Basis-Rente bzw. Rüruprente gemeinsam mit der Gesetzlichen Rentenversicherung und den Versorgungswerken für Freiberufler. Diese Schicht dient der Ansparung einer Grundversorgung für das Rentenalter. Die Basis- bzw Rüruprente versteht sich als eine Parallelkonstruktion zur Gesetzlichen Rentenversicherung für Selbständige, die ihre Altersvorsorge steuerlich gefördert selbst mit eigenem Kapital aufbauen sollen.

In der zweiten Schicht ist die sog. Riester-Rente bzw. Zulagen-Rente geregelt sowie die betriebliche Altersversorgung (bAV). Hier winken Zulagen und/oder Steuervorteile in der Ansparphase, jedoch nur für Angestellte bzw. Personen, die Sozialversicherungsbeiträge abführen. Diese Schicht dient der Absicherung einer Zusatzversorgung, die steuerlich bzw. über Zulagen stark gefördert wird.

Beiden Schichten ist die staatliche Förderung über die steuerliche Absetzbarkeit und/oder über Zulagen in der Ansparphase gemeinsam. Im Gegenzug hat der Gesetzgeber einige Nachteile verfügt, insbesondere die nachgelagerte Besteuerung für die ausgezahlten Renten. Je weniger Rente ich im Alter zu erwarten habe und je mehr Steuern ich in Ausübung meines Berufs zu zahlen habe, desto lukrativer ist die Inanspruchnahme der staatlichen Förderung in der Ansparphasn, ganz abgesehen von den Zulagen für Kinder bei der Riesterrente.

Auch ist das Kapital erst nach Vollendung des 60. Lebensjahrs beziehbar: die Basis-Rente wie die gesetzliche nur als monatliche Auszahlung, bei der Riesterrente können bis zu 30% als Einmalbetrag ausbezahlt werden, bei der betrieblichen Altersversorgung habe ich kurz vor Auszahlung die Wahl, ob ich das Geld als Rentenzahlung oder als Einmalbetrag erhalten möchte.

In der dritten, der sog. „privaten“ Schicht, erhalte ich keine Steuervorteile und Zulagen, dafür ist die Besteuerung im Alter von Vorteil, sei es durch die Ertragsanteilsbesteuerung bei Rentenzahlungen oder das Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalauszahlung.

Nun ist die Verwirrung groß und es ist kein Wunder das immer noch Gerüchte, Meinungen und Vorurteile gegen staatlich geförderte Altersversorgung ihre Runde machen. Die Frage ist hier, ob ich mich genau informieren und professionell beraten lassen möchte, mir einfach etwas aufschwatzen lasse oder mich Abschotte nach dem Motto, lass mich mit diesem Thema in Ruhe.

Denn zuletzt folgt noch eine dritte Hürde: Wenn ich mich für einen Weg der zusätzlichen Altersversorgung entschieden habe, stellt sich noch die Frage, mit welcher Art Finanzprodukt ich dies tun möchte: in einem Bankprodukt oder einem Versicherungsprodukt? In einem mit mehr oder mit weniger Risiko? In einem Zinsprodukt oder mit einer Kapitalanlage? Bei einem eher bekannten Unternehmen oder einem Exoten? Welches Produkt macht mir das Versprechen, das zu mir passt?

Über diese drei Hürden sollten sie seriös beraten lassen, sie sollten sich genau über die Vor- und Nachteile der drei Schichten der Altersversorgung sowie über jene der entsprechenden Finanzprodukte und Möglichkeiten informieren (vorausgesetzt ihr Vermittler hat überhaupt eine Auswahl) und sie sollten darauf achten, dass ihr Berater dabei genau auf ihre Situation und Zukunftspläne eingeht.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner Weilheim i.OB

Weitere Informationen (auch kleine Lehrfilme) finden sich auch auf meiner Webseite:
betriebliche ALtersversorgung>>
Riesterrente (Zulagenrente)>>
Rüruprente (Basisrente)>>