Die Klartext-Initiative oder wie der Schuß nach hinten losgeht

Wer kennt Sie nicht, die Klartext-Initiative der Ergo-Versicherung. Coole ansehnliche Typen oder hübsche junge Damen prangen von großen Werbestellwänden oder sprechen  aus Fernsehern mit der Botschaft: sie wollen endlich Klarheit, Einfachheit und Service. Sie möchten versichert werden, nicht verunsichert. Sie suchen jemand, der sich im Schadensfall ganz einfach kümmert, damit alles wieder so wird wie es war und keine grauen bürokratischen Menschen, die Juristendeutsch sprechen. Sie möchten Menschen, einfach Menschen. Versichern heißt verstehen. Das war und ist eine schöne Werbung, eine worüber man sich gerade als Branchenvertreter gefreut hat, gut gemacht, endlich mal etwas anderes.

Leider scheint die Realität gerade bei dem zweitgrößten deutschen Versicherer eine andere: Zunächst die Lustreisen zur Belohnung besonders fleißiger Vertreter der Hamburg-Mannheimer (die zum Ergo-Konzern gehört). Ein Imageschaden, denn letztlich haben Kunden der Versicherung die Sexpartys mit Prostituierten im Budapester Grandhotel  bezahlt. Hierüber konnten die weniger prüden Menschen aber noch ihre Witzchen manchen à la „Herr Kaiser im Bordell“ usw.

Mehr widerspricht der Klartext-Kampagne ein weiterer Skandal. Das Handelsblatt erhob den Vorwurf, Ergo-Kunden seien massenweise durch fehlerhafte Riesterverträge geschädigt worden. So seien auf den Anträgen der HMI (also auch hier wieder die Hamburg Mannheimer) im Jahr 2005 die Kosten falsch ausgewiesen worden, so dass die Entschädigung von ca. 14.000 Riesterkunden geprüft werde. Klartext? Menschliche Kümmerer? Einfache Versicherungsbedingungen?

Die Klarheit und das Kümmern ist eine Dienstleistung, die vom persönlichen Vermittler und Berater erbracht wird. Sie ist nicht der Ausweis einer bestimmten Versicherung. Werbung ist wohl doch nur Werbung und ein verbessertes Image kann nur entstehen, wenn ein Fünkchen Wahrheit dahinersteht.

Alle Jahre wieder…Riester-Förderungs-Verschwendung

Alle Jahre wieder erscheinen zum Jahresende Artikel, dass die Deutschen zwar “riestern”, d.h. eine Riesterente abgeschlossen haben, die ihnen zustehenden Zulagen und Steuervorteile jedoch nur mangelhaft nutzen.

Eine Untersuchung der Universität Freiburg (“Vorsorgeatlas Deutschland”) kommt zu dem Ergebnis:

  • Nur etwa die Hälfte der Anspurchnberechtigten hat überhaupt einen Riestervertrag abgeschlossen
  • Von diesen nutzen rund 60 Prozent die Möglichkeit nicht aus, die maximale staatliche Zulage zu bekommen

Allein 2007 seien 977 Millionen Euro an Zulagen ungenutzt geblieben.

Der eigentliche Skandal ist dabei nicht, dass nicht alle bis zur vollen Höhe riestern, nicht jeder kann die entsprechende Höhe der Pärmie einfach erbringen. Dieser liegt vielmehr in der Tatsache: der größte Teil der entgangenen Förderungen ist darauf zurückzuführen, dass der Zulagenantrag gar nicht erst gestellt wurde.

Allein dadurch wird auf 665 Millionen Euro verzichtet.

Wenn das so ist, dann liegt der Fehler hier eindeutig in der Beratung bzw. bei der Vermittlung des Riestervertrages. Der Zulagenantrag sollte gleich mit dem Riestervertrag ausgefüllt und eingereicht werden. Auch gehört es zum Service, dass sie zusammen mit ihrem Vermittler die Zulagen und Steuervorteile in regelmäßigen Abständen überprüfen, inbesondere nach Geburt eines Kindes, Heirat, Gehaltserhöhung usw.

Überprüfen sie also, ob ihr Riestervertrag überhaupt noch ihrer Lebenssituation und ihrem Einkommen entspricht. Nach einem Wechsel in die Selbständigkeit ohne Sozialversicherungspflicht sollte der VErtrag unbedingt beitragsfrei gestellt werden. Ob der Zulagenantrag gleich korrekt mit eingereicht wurde, wissen oft viele gar nicht mehr. Dazu braucht es immer die Angabe der Sozialversicherungsnummer, Steuernummer und ggf. Kindergeldstelle. Sollten Sie sich daran nicht erinnern oder sollte sich heraustellen, dass sie womöglich jahrelang keine Zulagen erhalten haben, obwohl sie ihnen zustehen, dann ist es evtl. angebracht nicht nur ihren Riestervertrag zu überprüfen, sondern auch den dazugehörigen Service ihres Vermittlers.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Allgemeine Informationen zur Riester-Rente finden sie auch hier>>