Riester für Besserverdiener – Eine Beispielberechnung für eine leitende Angestellte

Die Altersvorsorge in Form sog. Riesterverträge erlebt je seit Einführung (2001) ebenso Kritik wie Anerkennung. Je nach Zeitpunkt, Zeitschrift, Autor, Interessenlage usw. wird alles möglich behauptet. Tatsache ist, viele Argumente und Berechnungen sind ebenso richtig wie falsch: letztlich hängt es von der individuellen Einstellung, Interessenlage und Situation des Verbrauchers ab, ob sich ein Riestervertrag lohnt oder nicht.

Pauschale Behauptungen zum Riestersparen helfen nicht weiter

Jede Finanzplanung ist nur so gut wie Annahmen über die Rahmenbedingungen. Diese ändern sich bekanntlich im persönlichen Bereich ebenso wie im Politischen. Da wird mit einem Sozial- und Steuersystem argumentiert, bei dem sich die Frage stellt, ob es in dieser Form in 30 Jahren noch existiert. Da werden Zinsannahmen zugrundegelegt, von denen behauptet werden kann, dass sie in 5 Jahren eh überholt sind. Schließlich wird mit Lehrbuchweisheiten über Sicherheit und Unsicherheit bestimmter Anlageklassen gesprochen als wären diese seit der Staatsschuldenkrise noch gültig.

Kurz: die Stetigkeit in Politik und Wirtschaft ist eine Illusion, dessen ungeachtet wollen vernünftige Menschen ihre Finanzen planen. Und genau das ist das Problem: Unsicherheit fordert Planung, aber Planung setzt Stetigkeit voraus. Auch Finanzprodukte, die letztlich für die Planung herhalten müssen, unterliegen diesem Problem. Sie müssen flexibel genug sein, um auf Wandel reagieren zu können, sie sollten aber Stetigkeit in der Besparung voraussetzen können, damit am Ende auch etwas dabei herauskommt.

Pauschale Behauptungen, wie sie manche reißerische Überschriften rüberbringen, helfen jedenfalls nicht weiter. So jüngst im aktuellen Heft der von mir geschätzten Wirtschaftwoche (42/2011, S. 102 ff.) mit dem Tenor: Riesterrente lohnt sich erst ab 90. Als Finanzplaner wollen wir für unsere Kunden selbst nachprüfen und rechnen und eine seriöse Empfehlung geben. An dieser Stelle soll das einmal am Beispiel einer leitenden Angestellten mit gutem Gehalt geschehen. Dies soll vorerst produktunabhängig geschehen. In einem folgenden zweiten Teil soll erörtert werden, welche Form von Riestervertrag sich besonders eignet, wenn dabei die Auswirkungen der aktuellen Staatsschuldenkrise bedacht werden.

Eine Beispielberechnung

Nennen wir eine nette junge Dame Eva. Sie ist 38 Jahre jung, akademisch gebildet und verdient in der freien Wirtschaft als Angestellte ein Bruttojahresgehalt von 85.000 Euro. Eine selbständige Tätigkeit strebt Eva in der Zukunft nicht an. Etwa 400 Euro könnte sie noch langfristig für die Altersvorsorge zur Seite legen. Die Voraussetzungen für einen Riestervertrag sind erfüllt. Sie bezieht ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen.

Um Zulagen und Steuervorteile auszunutzen kann sie 4% des Vorjahresbruttoeinkommens in einen Riestervertrag sparen (das wären 3.400 Euro), jedoch ist dieser Betrag gesetzlich auf maximal 2.100 Euro gedeckelt. Davon ist noch die staatliche Förderprämie bzw. Zulage von 154 Euro p.a. abzuziehen, um den sog. Eigenbeitrag zu bestimmen. Dieser beläuft sich also auf 1.946 Euro im Jahr bzw. 162,17 Euro im Monat. Damit steht fest: der Riestervertrag wäre nur ein Baustein für die Altersversorge neben der Gesetzlichen Rentenversicherung und anderen möglichen Sparformen. Er sollte deshalb nicht als der Weisheit letzter Schluss oder Generallösung aller Probleme der Altersvorsorge verstanden werden.

Zulagen und Steuervorteile in der Ansparphase

Die Frage ist nun, wie sich ein Riestervertrag auswirken würde. Hier müssen wir die Ansparphase von der Rentenbezugsphase unterscheiden. Schauen wir zunächst auf den Zeitraum, in welcher der Riestervertrag in voller Höhe bespart wird. Man erkennt schnell: Die staatliche Zulage fällt bei hohem Einkommen weniger ins Gewicht als die Steuervorteile. Die gesamte Sparleistung von Eva bis zum Rentenalter im Jahr 2039 beträgt 60.900 Euro. Bleibt Eva kinderloser Single beträgt der Anteil staatlicher Geschenke 4.466 Euro auf das eingesetzte Kapital von 56.434 Euro. Das allein sind gute 8 %. In welcher nicht geförderten Anlage bekomme ich derzeit allein diese Rendite?

Das ist aber noch wenig, wenn wir noch den Steuervorteil einkalkulieren. Dieser fällt nicht wie die Zulage dem Sparguthaben im Riestervertrag zu, sondern wirkt sich bei der Einkommenssteuererklärung aus. Das sind jährlich noch einmal 776,51 Euro; die Steuerersparnis auf die gesamte Laufzeit beträgt dann stolze 22.519 Euro. Nun versteht sich auch, weshalb die vermeintlichen Expertenstimmen alsbald verstummten, die behauptet haben, „Riester“ sei etwas für Geringverdiener mit vielen Kindern. In unserem Fall beträgt die Förderquote auf die Sparleistung ganze 44,3 Prozent.

Die Verrentung des Riesterkapitals

Angesichts dieser Zahl stellt sich nur eine Frage: wo ist der Haken? Und tatsächlich hat der Gesetzgeber einige Verpflichtungen auferlegt, um diese Vorteile nutzen zu können. So verbietet er, dass das angesammelte Kapital im Riestervertrag als Einmalbetrag ausbezahlt werden kann. Das können nur maximal 30 %; ansonsten muss der Vertrag als Leibrente ausbezahlt werden. Das bedeutet, ich muss entweder ein bestimmtes Rentenalter erreichen oder das Kapital auf eine andere Person im Todesfall übertragen können, damit sich die Riesterrente lohnt.

Sehen wir einmal von der Tatsache ab, dass das Kapital aus einem Riestervertrag im Todesfall in der Rentenbezugsphase auf den Riestervertrag des Ehepartners übertragen werden kann. Eva bleibt unverheiratet. Auch lässt sie sich den möglichen Teilbetrag nicht kapitalisieren. Gehen wir davon aus, sie fühlt sich mit 67 noch fit und glaubt, ein hohes Alter zu erreichen. Nach wie viel Jahren Rentenbezug aus dem Riestervertrag kommt Eva in die Gewinnzone, damit sie wenigstens ihren Nettoaufwand (Sparleistung abzüglich Zulagen und Steuervorteil) wieder drin hat? Denn ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich das Ganze zu einem interessanten Geschäft.

Die Besteuerung in der Bezugsphase der Riesterrente

Bevor wird diese Frage beantworten können, müssen wir einen zweiten Nachteil berücksichtigen: die Renten aus dem Riestervertrag werden im Alter als Einkommen voll versteuert. Wie hoch werden das Einkommen im Alter und der entsprechende Steuersatz sein? Wir wissen es nicht. Laut Rentenauskunft wird Eva im Alter einmal eine gesetzliche Rente von 2.270 Euro erzielen. Die Deutsche Rentenversicherung geht bei ihrer Hochrechnung von den an sie entrichteten Beiträgen der letzten 5 Jahre aus und erwähnt nicht ohne Grund, dass hierbei „Rentenanpassungen“ nicht berücksichtigt werden.

Drei Dinge gilt es zu beachten: Erstens, diese auf den ersten Blick beachtliche Rente von 2.270 Euro wird bei einer unterstellten durchschnittlichen Inflation von 2,5 % in 30 Jahren nur noch eine Kaufkraft nach heutigen Maßstäben von einer Rente i.H.v. 1.082 Euro haben. Die Deutsche Rentenversicherung weist übrigens eigens etwas umständlich unter der Überschrift „Zusätzlicher Versorgungsbedarf“ auf dieses Phänomen der Entwertung hin.

Zweitens wissen wir nicht, wie sich das Gehalt von Eva entwickelt wird. Da aber auch die Beiträge an die Rentenversicherung gedeckelt sind, haben wir hier eher das Problem, dass sich Gutverdiener mit steigendem Einkommen an einen gewissen Lebensstil anpassen, dass die abgeführten Beiträge und folglich auch die Altersrente aus der Gesetzlichen Rentenversicherung diesem Einkommen aber nicht mehr entsprechen. Jedes Einkommen über dieser Beitragsbemessungsgrenze von 66.000 Euro (Alte Bundesländer) bleibt unberücksichtigt.

Der größte Unsicherheitsfaktor ist jedoch politischer Natur: nämlich ob in 30 Jahren unser Sozialversicherungssystem noch in der aktuellen Form bestehen und funktionieren wird. Von welcher Rentenhöhe und welchem Steuersatz sollen wir also im Alter ausgehen. Sollen wir die Besteuerung im Alter nach heutiger oder künftiger Kaufkraft berechnen? Wir wissen es nicht! Hier werden in vielen Zeitschriften von vielen Instituten und vielen Experten schlicht Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Eine nicht gerade filigrane aber auch nicht dumme Überlegung wäre: Wenn ich schon nicht weiß, was die Zukunft bringt, dann nutze ich wenigstens jetzt jeden Steuervorteil aus, denn besser wird es sehr wahrscheinlich nicht.

Gehen wir einmal fiktiv von einer Steuerbelastung von 20 % aus. Das ist nicht unrealistisch. Aus einer Produktberechnung erfahre ich, dass sie im schlechtesten Fall eine Rente von 200 Euro garantiert, bei einer Wertsteigerung von 3 % immerhin eine lebenslange Rente von 360 Euro. Kürzen wir diesen Betrag um die Steuer erhalten wir eine Nettomonatsrente von 288 Euro. Der Nettoaufwand nach Abzug der bereits bezogenen Steuervorteile und Zulagen beträgt für Eva in der Ansparphase 33.915 Euro. Das bedeutet, dass Eva nach 9,8 Jahren – also mit 77 Jahren – den Nettoaufwand wieder drin hätte und alles darüber ein Gewinn wäre. Angesichts einer nach aktuellen Sterbetafeln prognostizierten Lebenserwartung von 98 Jahren für Frauen, die das 67. Lebensjahr erreicht haben, handelt es sich durchaus um kein schlechtes Geschäft.

Durchaus eine Empfehlung

Sichere Geldanlagen gibt es nicht. Hierbei handelt es sich um eine Illusion, die besonders bei Deutschen verbreitet ist. Ferner spielen Unsicherheiten eine Rolle: Welcher Zins, welche Inflationsrate, welche Lebenserwartung darf den Berechnungen bei der privaten Finanzplanung zugrundegelegt werden? Die oben angestellten Überlegungen halte ich für brauchbar, dürfen aber gerne berichtigt, korrigiert oder diskutiert werden. Ich würde Eva den Abschluss eines Riestervertrages als ein Baustein der Altersvorsorge neben anderen empfehlen. Die Frage, die wir in einem zweiten Teil besprechen ist nun: in welcher Form sollte sie das tun?

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner aus Weilheim i.OB

Alle Jahre wieder…Riester-Förderungs-Verschwendung

Alle Jahre wieder erscheinen zum Jahresende Artikel, dass die Deutschen zwar “riestern”, d.h. eine Riesterente abgeschlossen haben, die ihnen zustehenden Zulagen und Steuervorteile jedoch nur mangelhaft nutzen.

Eine Untersuchung der Universität Freiburg (“Vorsorgeatlas Deutschland”) kommt zu dem Ergebnis:

  • Nur etwa die Hälfte der Anspurchnberechtigten hat überhaupt einen Riestervertrag abgeschlossen
  • Von diesen nutzen rund 60 Prozent die Möglichkeit nicht aus, die maximale staatliche Zulage zu bekommen

Allein 2007 seien 977 Millionen Euro an Zulagen ungenutzt geblieben.

Der eigentliche Skandal ist dabei nicht, dass nicht alle bis zur vollen Höhe riestern, nicht jeder kann die entsprechende Höhe der Pärmie einfach erbringen. Dieser liegt vielmehr in der Tatsache: der größte Teil der entgangenen Förderungen ist darauf zurückzuführen, dass der Zulagenantrag gar nicht erst gestellt wurde.

Allein dadurch wird auf 665 Millionen Euro verzichtet.

Wenn das so ist, dann liegt der Fehler hier eindeutig in der Beratung bzw. bei der Vermittlung des Riestervertrages. Der Zulagenantrag sollte gleich mit dem Riestervertrag ausgefüllt und eingereicht werden. Auch gehört es zum Service, dass sie zusammen mit ihrem Vermittler die Zulagen und Steuervorteile in regelmäßigen Abständen überprüfen, inbesondere nach Geburt eines Kindes, Heirat, Gehaltserhöhung usw.

Überprüfen sie also, ob ihr Riestervertrag überhaupt noch ihrer Lebenssituation und ihrem Einkommen entspricht. Nach einem Wechsel in die Selbständigkeit ohne Sozialversicherungspflicht sollte der VErtrag unbedingt beitragsfrei gestellt werden. Ob der Zulagenantrag gleich korrekt mit eingereicht wurde, wissen oft viele gar nicht mehr. Dazu braucht es immer die Angabe der Sozialversicherungsnummer, Steuernummer und ggf. Kindergeldstelle. Sollten Sie sich daran nicht erinnern oder sollte sich heraustellen, dass sie womöglich jahrelang keine Zulagen erhalten haben, obwohl sie ihnen zustehen, dann ist es evtl. angebracht nicht nur ihren Riestervertrag zu überprüfen, sondern auch den dazugehörigen Service ihres Vermittlers.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Allgemeine Informationen zur Riester-Rente finden sie auch hier>>

Die Riester-Rente bzw. Zulagenrente (Altersvorsorge)

Die Riester-Rente (auch Zulagenrente genannt) ist wahrlich kein Geheimtipp. Über 12 Millionen Bundesbürger sparen inzwischen in ein zertifiziertes Riesterprodukt – etwa 9 Millionen in Form einer Lebensversicherung – und das trotz aller anfänglichen Kritik bei ihrer Einführung im Jahr 2001 (auch von Zeitschriften wie Finanztest). Ein Grund dafür war sicherlich auch der erhöhte bürokratische Aufwand beim Dauerzulagenantrages, der aber mit Verbesserungen 2005 erheblich reduziert worden ist. Der Erfolg der Riesterrente kann als eine Art Abstimmung über die Notwendigkeit gesehen werden, die gesetzliche Rente um einen kapitalgedeckten Baustein zu ergänzen.

Konkret funktioniert die Riesterrente einfach so: Spare etwas von deinem Nettogehalt für die Altersvorsorge in einen Riestervertrag – zumeist eine Lebensversicherung, aber auch Banksparpläne oder Bausparverträge sind möglich – und der Staat wird diesen Sparvorgang unter bestimmten Auflagen mit einer Zulage bezuschussen. Darüber hinaus sind während der Ansparphase auch Steuervorteile möglich.

Für wen lohnt sich die Riesterrente?

Die Förderquote der Riesterrente hängt von mehreren Faktoren ab: vom eigenen Einkommen, dem Familienstand, der Anzahl der zu erziehenden Kindern und selbstverständlich welcher Betrag in einen Riestervertrag gespart wird. Die hohen Förderquoten (25-80 %) werden durch eine Kombination von Zulagen und Steuervorteilen erzielt. Geringverdiener mit mehreren Kindern profitieren eher von den Zulagen, Personen mit höheren Einkommen profitieren dagegen eher von den Steuervorteilen. Gerade für Bezieher höherer Einkommen ist die Riesterförderung eine Alternative, lassen sich die Beiträge in der Ansparphase im Rahmen der gesetzlichen Höchstgrenze vollständig als Sonderausgaben absetzen.

Wer darf riestern?

Die Riesterförderung ist an die Sozialversicherung gekoppelt. Grundsätzlich ist jeder, der Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung abführt, auch riesterberechtigt. Dazu gehören neben allen Pflichtversicherten auch Auszubildende, pflichtversicherte Selbständige (Handwerker) Wehr- und Zivildienstleistende, Bezieher von Lohnersatzleistungen, Versicherte in der Kindererziehungszeit (3 Jahre), Versicherte in der landwirtschaftlichen Alterskasse (LAK), geringfügig Beschäftigte, die auf die Sozialversicherungsfreiheit verzichtet haben, Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst mit beamtenähnlicher Besoldung (VBL), aber auch Beamte Richter und Soldaten.
Nicht gefördert werden Selbständige ohne sozialversicherungspflicht oder freiwillig Versicherte, Pflichtversicherte in den berufsständischen Versorgungswerken (Ärzte, Rechtsanwälte etc.), Studenten, die während des Studiums erforderliche Praktika ableisten und regelmäßig unter 400 € verdienen und Empfänger von Berufs- bzw. Erwerbsminderungsrenten (es sei denn sie gehen gleichzeitig einer versicherungspflichtigen Arbeit nach).

Welche Zulagen bekomme ich?

Seit dem Jahr 2008 erhält jeder Erwachsene eine Grundzulage von 154 € im Jahr, Kinder bekommen eine Zulage von 185 €. Für ab 2008 geborene Kinder beträgt die Zulage 300 €. Förderberechtigte, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben erhalten eine erhöhte Grundzulage von 200 €. Die Zulagen werden dem Riestervertrag gutgeschrieben.

Voraussetzung für den Erhalt der vollen Zulage ist, dass 4% der rentenversicherungspflichtigen Einnahmen des vorangegangenen Kalenderjahres abzüglich der Zulagen (mindestens jedoch den Sockelbeitrag von 60 € im Jahr) als Eigenbeitrag in einen Riestervertrag gespart werden (§10a EStG). Die Sparhöchstleistung (Eigenleistung und Zulage) liegt bei 2.100 Euro Bei geringerem Eigenbeitrag wird die Zulage entsprechend gekürzt. So kann z.B. ein Ehepaar mit zwei Kindern pro Jahr eine Zulage von bis zu 908 € bekommen.

Ehepaare werden besonders gefördert. So kann selbst der Ehepartner, der nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, mittelbar über seinen Ehepartner einen eigenen Riestervertrag abschließen. Er zahlt den Sockelbeitrag von 60 € im Jahr ein und erhält eine Zulage von 154 € geschenkt. Darüber hinaus ist es möglich auch die Kinderzulagen in diesen Vertrag zu sparen, sofern es sich um die kindergeldberechtigte Person handelt.

Steuerliche Behandlung?

Die Summe aus Eigenbeitrag und Zulagen darf als Sonderausgabenabzug geltend gemacht werden. Bei der Einkommenssteuererklärung prüft das Finanzamt automatisch, ob eine zusätzliche jährliche Steuerersparnis vorliegt. Ist das der Fall, wird diese im Zuge der Einkommenssteuererklärung überwiesen. So kann z.B. ein Alleinstehender mit 40.000 € Jahresbruttogehalt neben der Grundzulage noch eine Steuerersparnis von 402 € im Jahr erzielen.

Im Alter, also während der Rentenbezugsphase, werden die Riesterrenten gem. § 22 Nr. 5 EStG nachgelagert mit ihrem dann gültigen persönlichen Steuersatz besteuert. Der Steuervorteil resultiert also insbesondere für den Fall, dass jemand während der Berufsausübung hohe Steuerleistungen erbringen muss, seine Einnahmen als Rentner aber eher gering ansetzt und sich die nachgelagerte Besteuerung kaum auswirkt.

Weitere Kriterien für Riesterverträge

Der Gesetzgeber hat nach dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz (AltZertG) weitere Bedingungen an eine Riesterrente geknüpft. Nur die Wichtigsten seien hier genannt: Grundsätzlich kann die Riesterrente erst ab Vollendung des 60. Lebensjahres und nur in Form einer lebenslangen Rente bezogen werden. Eine Teilkapitalisierung bis zu 30 % des zu Beginn der Auszahlungsphase zur Verfügung stehenden Kapitals ist allerdings möglich.

Fazit:

Die Riesterrente kann auf die Zulage (Geringverdiener, kinderreiche Familien) oder auf den steuerlichen Sonderausgabenabzug (Singles mit höheren Einkommen) hin optimiert werden. Ihre genaue Förderquote lässt sich nur im Rahmen einer genauen Berechnung unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände feststellen. Sie sollten dazu ihren Berater konsultieren und mit ihm die Vor- und Nachteile abwägen. Ferner sollten sie ihren Berater konsultieren, wenn sich ihr Einkommen oder ihre Lebensumstände verändern (Geburt, Heirat usw.). Ihr Riestervertrag sollte entsprechend optimiert und in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Immer wieder liest man, dass Milliarden an Fördergeldern pro Jahr im Rahmen der Riesterverträge gar nicht abgerufen werden, sei es, dass die Kunden schlecht beraten wurden oder einen schlechten Service erhalten Das sollte Ihnen nicht passieren.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
Sie interessieren sich für die Riesterrente?