Die Besteuerung von Berufsunfähigkeitsrenten

Über Bedeutung und Nutzen von privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen  (BUV) braucht man nicht zu diskutieren, allenfalls über die Qualität und Aktualität der Bedingungen und die Beachtung wichtiger Klauseln. Jeder Vierte in Deutschland kann inzwischen seine Arbeitskraft nicht bis zum Erreichen des Rentenalters einsetzen. Selbst bei sogenannten Schreibtischberufen trifft es jeden Zehnten.

Hat jemand eine BUV abgeschlossen und wird berufsunfähig, stellt sich die Frage, ob die Höhe der vereinbarten und ausgezahlten Rente reicht. In diesem Zusammenhang ist es bedeutsam zu wissen, ob ihm nicht auch noch der Staat etwas wegnimmt, d.h. die private Vorsorge zum Dank auch noch besteuert, obwohl er sie eigentlich nur abgeschlossen hat, weil der Staat entsprechende Leistungen gekürzt hat.

Das ist in der Tat der Fall, wenngleich nur in den seltensten Fällen und hier auch nur in bescheidener Höhe. Steuern zahlt aktuell in Deutschland überhaupt nur, wer ein Jahreseinkommen über dem sog. Grundfreibetrag von 8.004 Euro hat. Wäre also jemand allein auf die Zahlung einer BU-Rente angewiesen, so müsste er eine Rente von über 667 Euro abgeschlossen haben, damit sich die Frage der Besteuerung überhaupt stellt.

Erzielt jemand als Berufsunfähiger ein höheres Einkommen, muss er mit der Besteuerung seiner Rente rechnen. Dabei wird die Rente aus der Berufsunfähigkeitsversicherung als abgekürzte Leibrente betrachtet und mit dem sog. Ertragsanteil besteuert. Was bedeutet das?

Abgekürzte Leibrente bedeutet, dass die Rente nicht (was der Begriff Leibrente besagt) bis zum Lebensende ausbezahlt wird. Sie endet spätestens an dem vereinbartem Zeitpunkt, an dem der Vertrag ausläuft (zumeist 60, 65 oder inzwischen 67). Folglich spielt nicht das Alter der versicherten Person, sondern die Laufzeit für die Besteuerung eine maßgebliche Rolle. Das bedeutet, das verschiedene Laufzeiten eine unterschiedliche Besteuerung zugeordnet ist (siehe unten die Tabelle).

Je nach Laufzeit wird die BU-Rente mit einem bestimmten Ertragsanteil besteuert. Je kürzer die die Rentendauer, desto geringer ist der Anteil der Rente, die zu den steuerpflichtigen Einkünften zählen. Umgekehrt betrachtet ist der Ertragsanteil ein fiktiver Gewinnanteil, der sich mit der Länge der Laufzeit des Vertrages erhöht. Das geht aus der folgenden Tabelle hervor:

 

Laufzeit der Rente ab Beginn des Rentenbezugs Ertragsanteil in Prozent
5 7
10 13
15 17
20 21
25 26
30 30

 

Verdeutlichen wir das am besten anhand eines Beispiels: Ein Versicherungsnehmer wird mit 45 Jahren berufsunfähig. Der Betrag endet mit dem 65. Lebensjahr. Er bezieht aus dem Betrag eine BU-Rente von 1000 Euro.Sein Jahreseinkommen aus der BU-Rente beträgt also 12.000 Euro. Da die Laufzeit genau 20 Jahre beträgt, wäre der Ertragsanteil 21 Prozent.

Das bedeutet, er müsste von den 12.000 Euro nur 2.520 Euro mit seinem persönlichen Steuersatz versteuern. Mit persönlichem Steuersatz meine ich hier, dass der Ertragsanteil der Rente mit dem gleichen Steuersatz versteuert wird, der für den Rest des Einkommens gilt.

In den allermeisten Fällen wird ein BU-Rentner kein allzu hohes Einkommen haben, also wird der persönliche Steuersatz eher niedrig sein. Gehen von dem unwahrscheinlichen Fall aus, der Steuersatz läge doch immerhin bei 20 % (weil Einkommen aus Mieteinnahmen uns Sonstigem für einen Single von insgesamt 30.500 Euro auflaufen). Von den 12.000 Euro Einkommen aus der BU-Rente würden dann 504 Euro wegversteuert. Die „Netto-Rente“ würde dann also statt 1.000 Euro nur 958 Euro betragen.

In den wenigsten Fällen wird die Besteuerung stark ins Gewicht fallen, es sei denn es ist eine sehr hohe BU-Rente vereinbart und es gibt nach der Arbeitsunfähig noch anderweitige hohe Einkommen.

ACHTUNG: Es gab und gibt Berater und Vertriebe, die haben die BUV als Steuersparmodell gekoppelt an eine sog. Basis-Rente bzw. Rürup-Rente verkauft. Hier ist zu beachten: wo der Staat „schenkt“, nimmt er später. Wenngleich es stimmt, dass der Versicherungsvertrag in diesem Fall vorteilhaft in der Steuererklärung angesetzt werden kann, so stimmt es dann leider auch, dass die BU-Renten in der Bezugsphase wesentlich höher Besteuert werden. Im Jahr 2011 beträgt der steuerpflichtige Anteil 62 Prozent.

Dr. Guido Kirner, Finanzberatung & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Die drei Hürden der Altersvorsorge

Das Thema Altersvorsorge wirkt auf die meisten in etwa so spannend wie das Wörtchen Kopfkissenbezug. Der Nutzen und die Notwendigkeit ist geläufig, doch auch hier herrscht oft die Einstellung, was du heute nicht willst besorgen, dass verschiebe auf morgen. Dabei ist es schon finanzmathematisch erwiesen: Wer früher anfängt erreicht mit niedrigen Beiträgen mehr als jemand der spät anfängt mit hohen Beiträgen (Zinseszinseffekt). Die erste Hürde besteht also darin, sich mit dem Thema überhaupt auseinandersetzen zu wollen.

Wer sich einmal dazu entschlossen hat seine Rente aufzubessern, der steht vor neuen Hürden: Wie soll ich sparen? Seit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes 2005 ist die Altersvorsorge in drei Schichten unterteilt und in jeder Schicht greifen andere Regeln:

–        Unterschiedliche steuerliche Absetzbarkeit und Förderung beim Ansparen

–        Unterschiedliche Besteuerung bei Rentenbezug

–        Unterschiede im anspruchsberechtigen Personenkreis

–        Unterschiede in der Verfügungsberechtigung und in den Auszahlungsweisen

In der 1. Schicht findet sich die sog. Basis-Rente bzw. Rüruprente gemeinsam mit der Gesetzlichen Rentenversicherung und den Versorgungswerken für Freiberufler. Diese Schicht dient der Ansparung einer Grundversorgung für das Rentenalter. Die Basis- bzw Rüruprente versteht sich als eine Parallelkonstruktion zur Gesetzlichen Rentenversicherung für Selbständige, die ihre Altersvorsorge steuerlich gefördert selbst mit eigenem Kapital aufbauen sollen.

In der zweiten Schicht ist die sog. Riester-Rente bzw. Zulagen-Rente geregelt sowie die betriebliche Altersversorgung (bAV). Hier winken Zulagen und/oder Steuervorteile in der Ansparphase, jedoch nur für Angestellte bzw. Personen, die Sozialversicherungsbeiträge abführen. Diese Schicht dient der Absicherung einer Zusatzversorgung, die steuerlich bzw. über Zulagen stark gefördert wird.

Beiden Schichten ist die staatliche Förderung über die steuerliche Absetzbarkeit und/oder über Zulagen in der Ansparphase gemeinsam. Im Gegenzug hat der Gesetzgeber einige Nachteile verfügt, insbesondere die nachgelagerte Besteuerung für die ausgezahlten Renten. Je weniger Rente ich im Alter zu erwarten habe und je mehr Steuern ich in Ausübung meines Berufs zu zahlen habe, desto lukrativer ist die Inanspruchnahme der staatlichen Förderung in der Ansparphasn, ganz abgesehen von den Zulagen für Kinder bei der Riesterrente.

Auch ist das Kapital erst nach Vollendung des 60. Lebensjahrs beziehbar: die Basis-Rente wie die gesetzliche nur als monatliche Auszahlung, bei der Riesterrente können bis zu 30% als Einmalbetrag ausbezahlt werden, bei der betrieblichen Altersversorgung habe ich kurz vor Auszahlung die Wahl, ob ich das Geld als Rentenzahlung oder als Einmalbetrag erhalten möchte.

In der dritten, der sog. „privaten“ Schicht, erhalte ich keine Steuervorteile und Zulagen, dafür ist die Besteuerung im Alter von Vorteil, sei es durch die Ertragsanteilsbesteuerung bei Rentenzahlungen oder das Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalauszahlung.

Nun ist die Verwirrung groß und es ist kein Wunder das immer noch Gerüchte, Meinungen und Vorurteile gegen staatlich geförderte Altersversorgung ihre Runde machen. Die Frage ist hier, ob ich mich genau informieren und professionell beraten lassen möchte, mir einfach etwas aufschwatzen lasse oder mich Abschotte nach dem Motto, lass mich mit diesem Thema in Ruhe.

Denn zuletzt folgt noch eine dritte Hürde: Wenn ich mich für einen Weg der zusätzlichen Altersversorgung entschieden habe, stellt sich noch die Frage, mit welcher Art Finanzprodukt ich dies tun möchte: in einem Bankprodukt oder einem Versicherungsprodukt? In einem mit mehr oder mit weniger Risiko? In einem Zinsprodukt oder mit einer Kapitalanlage? Bei einem eher bekannten Unternehmen oder einem Exoten? Welches Produkt macht mir das Versprechen, das zu mir passt?

Über diese drei Hürden sollten sie seriös beraten lassen, sie sollten sich genau über die Vor- und Nachteile der drei Schichten der Altersversorgung sowie über jene der entsprechenden Finanzprodukte und Möglichkeiten informieren (vorausgesetzt ihr Vermittler hat überhaupt eine Auswahl) und sie sollten darauf achten, dass ihr Berater dabei genau auf ihre Situation und Zukunftspläne eingeht.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner Weilheim i.OB

Weitere Informationen (auch kleine Lehrfilme) finden sich auch auf meiner Webseite:
betriebliche ALtersversorgung>>
Riesterrente (Zulagenrente)>>
Rüruprente (Basisrente)>>