Fehler der Vermögensverwaltung – die Aktivitätsillusion

Die gediegenen Größen der Branche, die vornehmen Vermögensverwalter stehen in der Kritik, zumal immer wieder Studien und Untersuchungen belegen: Vermögensverwaltungen machen (auch bzw. die gleichen) Fehler, wie Privatanleger und kleine Beratungsfirmen. Sowohl aus Sicht der Profis als auch der Kunden könnte man zu dem Schluss kommen, beide geben sich Illusionen hin, die zum „Spiel“ der Anlagebranche gehören, wie die Bühne zum Theater.

Was Autoren wie der Wirtschaftsprofessor Martin Weber oder zuvor Größen wie David F. Swensen, der den milliardenschweren Stiftungsfonds der Universität Yale betreute, schon längst publiziert haben, das wird auch von neueren Studien bestätigt, jüngst von dem in Zürich ansässigen Beratungsunternehmen PPCmetrics, das für Pensionskassen und Vermögensverwalter tätig ist (davon berichtet Gerald Braunberger in der FAZ vom 22.05.2012 S. 17: Vermögensverwaltung. Typische Fehler)

Sie stellen vier Grundfehler von Vermögensverwaltungen fest:

1. Sie suchen eine Extrarendite, wo diese langfristig nicht zu holen ist, weil der Markt auf lange Sicht nicht geschlagen werden kann.

2. Wer das verstanden hat, der könne auf die Vergabe allzu vieler und teurer Verwaltungsmandate verzichten, nur weil diese in der Vergangenheit gut abgeschnitten hätten. Die Vergangenheit bei Anlageerfolgen besagt nichts über die Zukunft.

3. Das gilt auch für sog. alternative Anlagen bis hin zu Hedgefonds, deren Leistungen ungeachtet der enormen Kosten und Komplexität zumeist überschätzt würden.

4. Eine zu niedrige Aktienquote bei deutschen Großanlegern, obgleich bei den derzeit niedrigen Anleihezinsen die Aktien über die Performance im Portfolio entscheiden.

Betrachtet man die vier Kritikpunkte, so kommt man zu dem Ergebnis: man muss kein Nobelpreisträger sein, um zu verstehen, was hier schief läuft. Die Frage ist nur, weshalb hat das so wenig Einfluss auf die Praxis? Der Grund könnte darin liegen, dass es sich hierbei um kein Phänomen handelt, bei welchem die besseren Argumente in einer fachinternen Debatte über langfristige Geldanlage den Sieg davon tragen könnten, sondern bei welchem wissenssoziologische und sozialpsychologische Faktoren dominieren, die weit schwieriger zu durchbrechen sind. Letztlich gibt man sich einer teuren Aktivitätsillusion hin.

1. Wissenssoziologische Illusion

Die Portfoliotheorie hatte es gerade mit Hilfe der Mathematik (und Informatik) erreicht, sich den Mantel der Wissenschaftlichkeit zuzulegen, da könnte man eigentlich mangels Erfolg zu dem Ergebnis kommen, dass sie den Status der Kaffeesatzleserei niemals überwunden hat. Die ganzen Formeln, Programme und Ansätze gepriesener Nobelpreisträger haben es nicht geschafft, die zwei Naturgesetze der Geldanlage zu durchbrechen, auch wenn unablässig versucht wird, den gegenteiligen Eindruck zu verkaufen. Noch immer gilt: mehr Rendite ist nur durch mehr Risiko zu erzielen und der Schluss von der Vergangenheitsanalyse auf die Zukunft ist so sinnvoll wie der Gebrauch der Glaskugel. Prognosen sind einfach Glückssache.

Die angewandte Mathematik, sofern sie (wie zumeist) auf der Gaußschen Normalverteilung basiert, taugt nichts für das Feld der Geldanlage, allenfalls zur scheinwissenschaftlichen Verzauberung. Wie man das so einfach behaupten kann? Nun, nicht nur weil Autoren wie Mandelbrod oder Taleb dies überzeugend dargestellt haben, sondern ganz einfach weil sie durch reale Ereignisse bestenfalls als irreführend falsifiziert wurde, schlimmstenfalls Milliardenwerte vernichtet und die Finanzwelt an den Abgrund geführt hat. Nirgendwo sonst sind Machbarkeitsillusionen so teuer bezahlt worden. Der Crash 1997/87 des hochkarätig – u.a. von Scholes und Merton – verwalteten LTCM-Hedgefonds darf als große Vorwarnung für die gesamte Branche betrachtet werden.

2. Sozialpsychologische Illusion

Teuer ist nicht schlimm, wenn die Leistung dafür stimmt. Gerade wohlhabende oder reiche Kunden haben verinnerlicht, was nichts kostet hat keinen Wert; oder was oft wichtiger ist: bringt kein Prestige oder Renommee. Wer Diamanten, Autos oder Immobilien kauft, der weiß zumeist, was er hat. Wer eine Vermögensverwaltung beauftragt, der weiß das in der Regel selten. Deshalb sind Äußerlichkeiten umso wichtiger und man lässt sich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans.

Gediegenes Tuch, Titel, Einladungen zu glanzvollen Events, wo man seinesgleichen trifft und alles nur vom Feinsten ist, eine klingende Adresse im Marmorambiente usw., das alles sind die sozialpsychologischen Voraussetzungen, um Erfolg in der Finanzbranche bei den Schönen und Reichen zu verkaufen.

Die gelebte Visitenkarte und Fassade ist entscheidend für die Akquise in Milieux, das nur allzu gerne auf solche Dinge achtet (um unter Ihresgleichen zu sein) und hereinfällt. Die jüngste Geschichte der einst größten deutschen Privatbank spricht Bände und auch in der Geschichte der untergegangenen vermeintlichen Finanzgenies  fänden sich ausreichend Beispiele. Sie sind nur zumeist vergessen.

Ob sich daran etwas ändern wird, bleibt fraglich. Die menschliche Psyche ist in vielem zu schwach bzw. zu einfältig, um sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Schließlich fehlt auch ganz einfach das Wissen, um beurteilen zu können, welchen Wert welche Maßnahme in der Vermögensverwaltung hat und in welchem Verhältnis die Kosten zum Nutzen stehen. Letztlich bezahlen die Kunden all den Pomp selbst und bekommen ihn keinesfalls geschenkt.

3. Die Aktivitätsillusion

Ein Fehler zielt auf den Kernpunkt des Vermögensmanagements: die Aktivitätsillusion. Aktivität rechtfertigt Gebühren, legitimiert Kosten, passiert unter (schein)wissenschaftlichen Methoden und IT-basierten Programmen, entlastet bei Scheitern den Handelnden (“wir haben alles versucht…”) und kann sich in der Herde verstecken (“im Vergleich zu anderen haben wir…”).

Es gibt also viele Gründe für aktives und für den Anleger folglich sehr teures und den Verwalter sehr lukratives Vermögensmanagement, nur die eigentlichen Grund, das MEHR an Rendite ist es kaum, zumindest nicht bei einer nachhaltigen Betrachtung.

Das ganze „Hin und Her macht Taschen leer“, bedeutet hohe Transaktionskosten, ein über einige Jahre ertragreiches höheres Risiko wird durch die höheren Verluste um Anschluss wieder aufgezehrt und selbst die Avantgarde der Anlagebranche, die aktiven Hedgefondmanager, die alles dürfen und viel Geld dafür bekommen, schaffen es nicht einmal, den Aktienindex wie den MSCI World zu schlagen (siehe hier>>).

Die Vermögensverwaltungsbranche sollte m.E. vor einem Wendepunkt in Ihrem Selbstverständnis stehen: zurück zur kostengünstigen Einfachheit und zu inzwischen ausgereiften passiven Investmentstrategien. Die Frage ist, wann das auch bei den Kunden ankommt und verstanden wird.

Dr. Guido Kirner / Polling

Finanzberatung als Glaubensfrage

Wer denkt, Finanzberatung habe mit ewigen, womöglich mathematischen Wahrheiten zu tun, deren Objektivität nur den interessenlosen Berater bei der Vermittlung seiner Empfehlungen und Produkte bedürften, der hängt einer Irrlehre an. Es gibt m.E. nur ganz wenige Wahrheiten des Wirtschaftens; und diese sind derart banal, dass sie sogar von Bankvorständen und Staatsmännern immer wieder vergessen werden.

1. Du musst mehr einnehmen als ausgeben, andernfalls bekommst du irgendwann Probleme.

2. Wer günstiger einkauft als verkauft macht Profit.

3. Es gibt keine hohe Rendite ohne entsprechendes Risiko.

4. Nur realisierte Gewinne sind echte Gewinne; alles andere sind wage Erwartungen.

5. Finanziell (jetzt) vorzusorgen ist besser als nichts zu tun. Wir wissen nicht was die Zukunft bringt.

6. Man sollte dabei nicht alles auf eine Karte setzen, sondern seine Anlagen über verschiedene Anlagenklassen streuen.

7. Man sollte die existentiellen Risiken abgesichert haben, andernfalls droht einem alles wieder zu verlieren.

Über diese „sieben Gebote“ lässt sich schwerlich streiten. Darüber hinaus wird es schon schwierig. Was das Renditeträchtigste, Profitabelste, Sicherste, Beste, Vernünftigste usw. ist, scheint mehr eine Glaubens- als eine Wissensfrage.  Die Finanzbranche im Allgemeinen sowie die volkswirtschaftlichen wie börsenorientierten Prognosen haben immer noch mehr mit der altrömischen Vogelschau, dem Runenschmeißen, dem Lesen in Eingeweiden oder Kaffeesatz bzw. dem Blick in die Kristallkugel oder einem großen Wettbüro zu tun als mit Wissenschaft. Wäre es anders, wären wir entweder alle reich bzw. arm.

Die  Finanzbranche treibt jedes Jahr eine neue Sau durchs Dorf (dieses Jahr sind es bezeichnenderweise sog. Garantieprodukte). Schließlich muss verkauft werden: einmal sind es besondere Fonds, dann Zertifikate, dann Indexprodukte, dann sind es Riester, Fondsriester, Wohn-Riester oder eine Rüruprente; dann ist es Diversifikation nach vermeintlich wissenschaftlich fundierten Anlagegrundsätzen, dann soll lieber auf gewisse Märkte setzen, um Chancen nicht zu verpassen. Einmal wird behauptet, nur Direktversicherungen und nur Direktbanken werden sich durchsetzen, andere schwören auf kundennahe zeitintensive Beratung. Einige meinen, nur Honorarberatung mache Sinn, lassen sich aber bei der womöglich zweitgrößten Investition ihres Lebens (nach dem Haus), nämlich beim Autokauf auch nicht gegen Honorar beraten. Die einen finden Bausparer gut, die anderen verachten sie. Die einen hassen Versicherungen, die anderen haben zu viel davon. Manche hassen sie und haben trotzdem zu viel davon. Die einen meinen, nur die eigene Immobilie zählt, die anderen sehen darin ein sog. Klumpenrisiko mit der Neigung zum Kostenfresser.

Die Finanzjournalisten sind nicht besser; sie müssen ja etwas schreiben.  Die einen sind bessere Marktschreier, die anderen nennen sich Verbrauchschützer. Wer prüft eigentlich mal die Empfehlungen der Zeitschrift Finanztest über die letzten zwanzig Jahre und was dabei herausgekommen wäre, hätte man darauf vertraut? Einer der redlichsten in diesem Bereich schreibt jeden Samstag in der FAZ zum Thema private Vorsorge und nennt sich Finanzanalytiker. Er stellt immer sehr schlaue Betrachtungen und Vergleichsrechnungen mit Bar- und Endwerten an. Auch seine Betrachtungen sind aber nur so gut, wie seine Zinsunterstellungen für die Zukunft; und seine Produktkenntnisse erschöpfen sich zumeist in dem Verweis auf einen Direktversicherer in Saarbrücken.

Ich habe seine Artikel über mehrere Jahre gesammelt, eifrig gelesen und in meinem Archiv abgelegt. Ein Archiv ist wirklich eine gute Sache; es zeigt die Vergänglichkeit von Wissen. Was wurde da nicht alles behauptet und geschrieben. Ob eine Sache für gut oder schlecht gehalten wird ist oft nur eine Frage der Zeit. Ein schlechtes Gedächtnis half schon immer bei der Selbstüberschätzung.

Deshalb meine These: Finanzberatung ist zumeist die Vermittlung der passenden Religion zum entsprechenden Glauben des Kunden. Der Zeitpunkt (Hausse, Baisse) ist wichtig, die Mission schwierig, die Unwissenheit groß, aber der Glaube versetzt bekanntlich Berge – oder wird enttäuscht. Woran erkennen wir nun die Heilsbotschaft der Finanzen, die uns begeistert?

Möglicherweise gerade in den Grenzen unseres Wissen. In der Aufrichtigkeit des Nichtwissens. In einer neuen Bescheidenheit in der Voraussage. In der Einfachheit der Botschaft. Kennen Sie den Unterschied zwischen Zertifikat und Fonds. Wissen Sie tatsächlich, wie die Garantie ihrer Lebensversicherung funktioniert? Sind Aktien Sachwerte? Haben Sie die Bilanz der Aktiengesellschaft und ihr Geschäftsmodell überprüft, von der sie einen Antiel gekauft haben? Glauben sie immer noch, Staatsanleihen sind eine sichere Anlage?  Haben sie den Fall der Mauer vorausgesehen? Haben Sie die Entwicklung Chinas kommen sehen? Sie glauben an den Nikolaus und Investmentbanken? Haben sie wirklich einen guten Berater?

Jedem das seine. Nur wer meint, die oben genannten „Wahrheiten“ seien veraltet, der ist womöglich für einige Zeit ein Star der Finanzbranche, der Mitarbeiter an der nächsten Finanzblase, ein Börsenguru, ein Vertriebsgenie oder was auch immer, auf lange Sicht – und es reden ja alle von Nachhaltigkeit – ein Idiot bzw. Scharlatan, egal wie viel Geld er in der Zwischenzeit am Glauben und auf Kosten anderer verdient hat.

Dr. Guido Kirner

 

Die Illusion der Berechenbarkeit

Ein anspruchsvoller Kunde

Vor einiger Zeit saß ich bei einem Kunden. Es sollte um eine Anschlussfinanzierung für sein Haus (und evtl. noch mehr) gehen. Schon am Telefon hatte er knapp aber deutlich darauf hingewiesen, er lasse drei bis vier Berater kommen und entscheide erst dann, mit wem er zusammenarbeiten wolle. Ich bedankte mich für seine offenen Worte und fuhr gespannt zum Termin.

Man merkte dem Mann an, dass er auf den Baustellen der Welt bei großen Projekten den Ton angegeben hatte und der Duktus seines Südbadischen Dialektes versprühte Autorität, die wenig Widerspruch duldete. Nach einem prüfenden Blick saßen wir in seiner rustikalen Essecke, ich mit einem Bleistift und einem Block, er hatte mehrere Ordner vor sich, die auf viel Arbeit für den Finanzberater schließen ließen.

Das Beste möglichst günstig

Zunächst machte er mir klar, für ihn zähle nur die beste Kondition; er habe als Bauingenieur hart gearbeitet und er könne es sich bei all den Steuern und Abgaben mit Frau und zwei Kindern nicht leisten, Geld zu verschenken. Noch nickte ich verständnisvoll und erwiderte, ich habe Möglichkeiten, sehr gute Konditionen anzubieten.

Was nun folgte war ein etwa halbstündiger Vortrag, was er von seinem künftigen Finanzberater alles erwarte: unter anderem präzise Voraussagen über die volkswirtschaftliche Entwicklung und damit einhergehend über die Zinsentwicklung. Auf meinen kurzen Einwand, dass sich diesbezüglich sogar die größten Experten ständig irrten, meinte er: zumindest wolle er klare Risikoanalysen, A-B-C-Szenarios usw., schließlich setze er diese für sein Projektmanagement auf den Baustellen auch ein.

Mein Eingeständnis

Nachdem ich mir dass alles in Ruhe angehört hatte, gab ich ihm zwei Dinge zu bedenken: Aufgrund meines Studiums wüsste ich, was er meine, jedoch hätte ich das für meinen jetzigen Beruf bisher nie gebraucht. Wenn er dies aber nutzen möchte, müsste er selbstverständlich auch bereit sein, mir dauerhaft ein Gehalt eines Ingenieurs seiner Güte oder etwa eines Chefvolkswirtes einer großen Bank zahlen. Letztere seien nämlich Experten für die Dinge, die er haben und nutzen möchte.

Ich sah den Mann nun zum ersten Mal baff erstaunt und etwas nachdenklich. Er hatte nämlich mit vielem gerechnet, wahrscheinlich dass ich mich verkäuferisch anbiedere und meine Vorzuge und Kompetenzen herauskehre. Doch ich machte das Gegenteil und untermauerte das noch einem zweiten Schritt.

Die Illusion der Berechenbarkeit

Denn ich gestand nun frank und frei, dass ich von all den Prognosen wenig halte, zumal die entscheidenden Krisen, Einbrüche und Zinsveränderungen in den seltensten Fällen von den bestbezahltesten Experten korrekt vorausgesagt wurden. Im Gegenteil: sie täuschten sich oft mehr als der normale gesunde Menschenverstand. Ich könne nur professionell dabei helfen, sich so gut wie möglich strategisch zu positionieren, um das Risiko für verschiedene Szenarios zu verringern.

Die Märkte sind kein Uhrwerk

Warum diese lange Vorgeschichte? Um zu verdeutlichen, selbst gut ausgebildete, sehr welterfahrene Personen täuschen sich über die Eigenschaft der Wirtschaft und Finanzmärkte. Nicht selten unterliegen sie hier ihrer eigenen beruflichen Prägung.  So wenig wie die Welt ein Uhrwerk ist, so wenig lassen sich Entwicklungen in Wirtschaft und Finanzmärkten sicher voraussagen, geschweige denn berechnen. Da hilft auch nicht der Gestus der Wissenschaftlichkeit in mathematischen Formeln. Wer dies behauptet, der belügt sich selbst oder lebt (als Professor, Gutachter, Volkswirt) einfach davon, dass er diese Illusion verkauft.

Mathematik, so hilfreich und wichtig sie für vieles ist, kann auch nur eine Zierde sein. Selbst nobelpreisbejubelte Modelle sind selten realistisches Abbild innerweltlicher Abläufe. Auch hier kommt es meistens anders als man denkt. Es hat für mein Weltverständnis etwas beruhigendes, wenn sich Politik, Gesellschaft, Wirtschaft – kurz die Menschen in ihren chaotischen, unendlich mannigfaltigen und widerstrebenden Bemühungen nicht in mathematische Modelle einfangen lassen. Und das gilt auch für das Geld der Menschen und die Märkte auf denen sie handeln, erst recht für die Börse.

Was ein “Chef-Anlage-Architekt” bestätigt

Eine Überschrift der gestrigen Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ 30.04.2010, S. 23) im Finanzmarktteil gibt mir recht: „Anleger unterliegen der Illusion mathematischer Korrektheit.“ Im Artikel wird weitgehend der „Chief Investment Architect“ – Titel gibt es! – der feinen Privatbank Pictet und Cie aus der französischen Schweiz zitiert. Unter anderem heißt es: „Eine Unzahl von Strategen und Analysten befassten sich mit den Märkten, erarbeiteten Unmengen an Studien, um zu Prognosen zu kommen, und doch seien die Resultate der Analysten und draus resultierenden Anlageempfehlungen fast immer falsch.“

Leider habe ich einen potentiellen Kunden verloren, weil ich offen gestand, dass ich seine Erwartungen nicht erfüllen könne. Ich hoffe, er hat den Berater seiner Wünsche gefunden, irgendwie war mir dieser Mann sogar sympathisch. Ich hatte wenigstens eines: Ich bin mir treu geblieben und habe offen gesagt, was ich denke. Das ist meine Pflicht. Und hier ist es wie bei guten Ärzten oder Ingenieuren. Das Eingeständnis, etwas nicht zu wissen, kann heilsamer bzw. solider sein als die Operation bzw. der Bau auf Grundlage von Scheinwissen.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB