Wo versichere ich mein Kind, in der privaten (PKV) oder gesetzlichen (GKV) Krankenversicherung?

Eine Frau in der Schwangerschaft möchte schnell und verbindlich wissen, wo sie nach der Geburt ihr Kind versichern kann bzw. muss: in der gesetzlichen oder in der privaten Krankenversicherung. Diese Frage stellt sich insbesondere, wenn ein Elternteil privat und der andere gesetzlich versichert ist.

Im Internet wird man dazu eine Unzahl mehr oder wenig aktueller Beiträge finden, jedoch ergibt sich daraus eher Verwirrung als Sicherheit. In Foren werden zumeist Vermutungen und Halbwissen gehandelt. Die Versicherungsgesellschaften und Verbände geizen ebenfalls mit übersichtlichen Informationen. Selbst in Lehrbüchern findet sich wenig brauchbares, dass Kunden verständlich vermittelt werden könnte.  Weil es sich um ein Thema der Sozialversicherung handelt, ist nicht damit zu rechnen, das die Regelungen einfach, übersichtlich und folglich bürgerfreundlich sind. Im Mittelpunkt steht zumeist die Frage, ob das Kind beitragsfrei in der Familienversicherung der GKV mitversichert werden kann.

Ich werde nun versuchen, die wichtigsten Informationen zusammenzutragen und einen kleinen Leitfaden an die Hand zu geben. Dabei kann es nicht um die Klärung der letzten sozialversicherungsrechtlichen Details gehen, sondern um einen ersten einfachen Überblick. Wer sich genau informieren möchte, muss einige Gesetze studieren, inbesondere

§ 10 SGB V (Familienversicherung)

§ 257 SGB V (Arbeitgeberzuschuss für das Kind in der PKV)

Allgemein hilfreich ist die umfangreiche Broschüre des Bund der Versicherten (BDV) [download hier: BDV PKV vs. GKV Broschuere] oder einige Publikationen des PKV-Verbandes.

Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)

Wichtig ist die Kenntnis eines Fachbegriffs, nämlich der sog. Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG). Diese Grenze wird jährlich von der Bundesregierung durch Rechtsverordnung an die Entwicklung der Bruttogehaltssumme des vorherigen Kalenderjahres angepasst und verändert sich folglich in jedem Jahr. (Sie ist nicht zu verwechseln mit der früher identischen Beitragsbemessungsgrenze. Diese dient letztlich dazu, den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung zu berechnen und braucht uns zumindest hier nicht weiter zu interessieren.)

Die JAEG liegt in den alten Bundesländern 2012 bei 50.850 € (das sind 1/12 im Monat 4.237,50 €).

Sie markiert die Grenze, ab welchem Einkommen sich ein Arbeitnehmer in die Private Krankenversicherung wechseln darf und spielt auch eine Rolle bei der Antwort auf die Frage, ob ein Kind beitragsfrei in der GKV versichert werden kann (Familienversicherung). Dazu gleich weiter unten.

Bei der Vielzahl relevanter Kriterien (verheiratet/nicht verheiratet, Elternteil PKV oder GKV versichert, freiwillig oder pflichtversichert in der GKV, Arbeitnehmer oder Selbständig, Einkommen unterhalb/oberhalb der JAEG), ist eine schier unübersichtliche Anzahl von Kombinationsmöglichkeiten möglich. Sie lassen sich am besten in einer Tabelle darstellen, wo jeder für sich den für ihn relevanten Fall heraussuchen kann (die Angabe JAEG ist von 2005 und veraltet! Es gilt aktuell die oben angegebene!): download: Übersicht Kind GKV oder PKV.

1. Die Eltern sind nicht verheiratet

Sind die Eltern nicht verheiratet, steht es ihnen frei zu wählen, über welchen Elternteil das Kind versichert werden soll. Ist die Mutter z.B. privat und der Vater gesetzlich versichert, können die Eltern wählen, über wenn und folglich wie das Kind versichert wird. Verdient der Vater nicht über der JAEG, werden die Eltern in der Regel die beitragsfreie Mitversicherung des Kindes in der GKV des Vaters wählen.

2. Die Eltern sind verheiratet.

2.1 Beide Eltern in der PKV oder GKV

Sind die Eltern des Kindes verheiratet, dann gibt es zwei Fälle, die sehr einfach zu klären sind:

a)       Beide Eltern sind in der PKV,

dann wird das Kind ebenfalls in einer der Krankenkassen der Eltern gegen Beitrag privat versichert.

b)      Beide Eltern in der GKV versichert,

dann wird das Kind automatisch in der GKV eines Elternteils (hier gilt Wahlfreiheit) beitragsfrei familienversichert.

2.2. Die Mutter ist in der PKV, der Vater in der GKV – oder umgekehrt

Ist ein Elternteil gesetzlich, das andere privat versichert, so richtet sich die Mitgliedschaft des Kindes in der Krankenversicherung grundsätzlich nach dem einkommensstärkeren Elternteil. Hierbei ist zudem die bereits angesprochene JAEG zu berücksichtigen.

a)      Der PKV-Versicherte verdient über der JAEG und mehr als der GKV-Versicherte,

so ist dies der einzige Fall, in welchem das Kind nicht beitragsfrei in der GKV familienversichert werden kann, sondern entweder beitragspflichtig in der PKV versichert wird, aber auch (was oft vergessen wird) gegen den sog. Kinderbeitrag in der GKV versichert werden kann.

b)      In allen anderen Fällen, d.h.

der GKV-Versicherte verdient über JAEG und mehr als PKV-Versicherte,

der PKV-Versicherte verdient maximal bis zur JAEG und mehr als der GKV-Versicherte,

so können die Kinder beitragsfrei in der GKV versichert werden.

Dr. Guido Kirner (Finanzplanung & Versicherungsmakler, Polling bei Weilheim i.OB)

PKV Spam

Täglich erreichen mich bis zu drei Spam-Mails dubioser Quellen mit vermeintlich großartigen Angeboten zu Privaten Krankenversicherern. Manchmal enthalten Sie nur einen Link zu angeblich genial günstigen Tarifen, zu Vergleichsrechnern, kurz: zu irgendeinem Dreck, der mich einen feuchten Kehricht interessiert und nervt.

Im Internet wird man bombardiert mit Werbung für PKVs für 59 Euro. Dahinter steckt wohl ein auf PKV spezialisierter Strukturvertrieb, der so an Adressen kommen möchte. Angenommen wir bekommen das Angebot für einen neuen Audi A 4 oder eine Mercedes S Klasse für 10.000 Euro – wie gehen wir damit um? Entweder der Verkäufer ist ein absoluter Vollidiot oder es ist etwas faul! Wir brauchen nicht davon ausgehen, dass am anderen Ende der Versicherungswirtschaft ein Vollidiot sitzt – also ist etwas faul. Beim Auto lässt sich das irgendwann leicht feststellen: Wenn es keine Hehlerware ist, gibt das Schnäppchen wahrscheinlich recht bald seine Fahrtüchtigkeit auf. Der billige Kauf wird teuer.

Bei einer billigen privaten Krankenversicherung bekommt man so lange keine Probleme, bis man sie braucht. Dann hat man auch zu viel bezahlt, weil wahrscheinlich genau die Leistungen, die wir benötigen, gerade nicht abgedeckt sind; oder der Beitrag explodiert, weil ein skrupelloser Vorstand erst einmal Kunden zu jedem Preis mit einer Lockprämie gewinnen wollte und wenn er dann glaubt genug beisammen zu haben, die Preise stetig anhebt. Das schlimme daran ist: die Kunden kommen gar nicht so einfach aus diesen Verträgen heraus. Haben sie inzwischen bestimmte Krankheiten, nimmt sie auch die Konkurrenz nicht mehr. Un der Wechsel zurück in die gesetzliche Krankenkasse (GKV) ist – wenn überhaupt – nur über Umwege möglich.

Immernoch wird zur Jagt auf Selbständige geblasen, die am besten beratungs- und ahnunglos mit dem Argument der Kostenersparnis in die Private Krankenversicherung gelockt werden sollen. Das alles ist nervig, unseriös und gelinde gesagt MÜLL, SPAM. Die Branche sollte sich auf das besinnen, um was es bei der PKV geht: bessere Leistungen für anspruchsvolle Kunden, die mit der Gesetzlichen Krankenkasse nicht zufrieden sind. Alles andere führt in die Irre mit fatalen Folgen für Ruf und Kunden.

Die Folgen des schlechten und falschen Geschäftsgebahren sind offentlichtlich: Beitragsrückstände in Milliardenhöhe – die Kunden zahlen einfach nicht mehr (übrigens auch in der GKV). All die kleinen Selbständigen, die man unter falschen Voraussetzungen in Ramschtarife gelockt hat und da nicht mehr rauskommen, die womöglich mangels Wechselmöglichkeit bei einem schlechten Versicherer in einem sog. “geschlossenen Tarif” gefangen sind, bei dem die Kosten explodieren, all das rächt sich. Das Geschäft der Privaten Krankenversicherungen nicht nachhaltig zu betreiben, ist genau so wirtschaftlich, wie das schnelle Abholzen eines Waldes: man kann damit schnelles Geld machen, aber keinen nachhaltigen Ertrag. Gesundheitsökonomie sollte nicht dem schnellen Euro folgen. Es ist schädlich für das gesamte System.

Man merke sich deshalb folgendes:

– Wer eine PKV abschließt, NUR um Beiträge zu sparen ist schon auf dem Holzweg!

– Wer bei der Auswahl des richtigen Versicherers nicht auf die Nachhaltigkeit und Beitragsstabilität des Unternehmens achtet, darf davon ausgehen, dass billig am Anfang gegen Ende sehr teuer wird.

– Wer sich eine PKV im Alter nicht leisten können wird, sollte sie auch in jungen Jahren nicht abschließen.

Ich habe so einige Unternehmen auf dem Kieker, möchte mir aber keinen juristischen Ärger hier einhandeln. Eine Vielzahl von Menschen wurden skrupellos aus sehr guten (aber eben nicht günstigen) Versicherungen herausgelockt und in neue schlechte, aber vermeintlich günstige Tarife “umgedeckt”. Viele haben dabei Altersrückstellungen von zig Tausend Euro verloren – ohne davon überhaupt eine Ahnung zu haben. Es wurde schlecht, gierig und unseriös beraten.

Wie sie einen Vermittler finden, um diese Fehler zu vermeiden? Nach doch inzwischen mehr als einem halben Jahrzehnt in der Branche bedauere ich es manchmal rein finanziell, nicht mehr PKVs verkauft zu haben. Schließlich bin ich aber auch doch froh, das Gefühl zu haben (wissen kann man es nie, so lange man kein Vorstand einer Privaten Krankenkasse ist), dass ich Qualität vermittelt habe.

Dr. Guido Kirner, Private Finanzplanung und Versicherungmakler, Polling / Weilheim i. OB

 

“Günstig privat versichert” – eine Lebenslüge bei der Vermittlung Privater Krankenversicherungen

Gleich vorweg: es geht hier nicht darum die Private Krankenversicherung zu verteufeln und ein Loblied der Solidarität auf die Gesetzlichen Krankenkassen zu singen. Im Gegenteil: Gesetzlich Versicherte (und ihre Kinder!) leben zumeist auf Kosten anderer: von staatlichen Subventionen, von umverteilten Steuergeldern, die Rentner von den arbeitenden Jüngeren, die Ärmeren von den „Besserverdienenden“, die Kassenpatienten durch eine Art Quersubventionierung in den Arztpraxen durch die höheren Gebührensätze von den Privatpatienten. Dies ist hier nicht das Thema.

Mir geht es hier um einen Teilbereich bei der Vermittlung von Privaten Krankenversicherungen (PKV), den ich eine „Lebenslüge“ nenne, weil es sich m.E. um eine Vortäuschung falscher Tatsachen handelt, die den realistischen Blick auf die Tatsache verstellt, dass die PKV unter den gegebenen Voraussetzungen nicht für jedermann geeignet ist. Sie sollte als das verkauft werden, wofür sie sich eignet: eine im Vergleich zu gesetzlichen Kassenleistungen wesentlich bessere und deshalb teurere Gesundheitsvorsorge. Sie eignet sich deshalb letztlich nur für wohlhabende Menschen. Sicherlich lassen sich in manchen Fällen kurzfristig oder gar mittelfristig mit einer PKV Kosten einsparen; aus einer langfristigen Perspektive nachhaltiger Finanzplanung ist das aber schlichtweg Unfug.

Zweiklassensystem – JA, aber nicht wie immer behauptet!

Immer noch wird die Tatsache eines „Zweiklassensystems“ im Gesundheitssystem von manchen Gesundheitspolitikern geleugnet. Patienten sehen die Sache realistischer, spätestens im Wartezimmer des Arztes. Es wäre jedoch verkürzt, die Bifurkation des Gesundheitssystems zwischen Privatversicherten und gesetzlich Versicherten zu behaupten. Der Graben verläuft vielmehr zwischen jenen, die bessere Leistungen versichert haben und denen, die das nicht haben. Eine Private Krankenversicherung (PKV) ist kein Garant für gute Leistungen. Einsteigertarife bzw. Billigtarife können unterhalb der Leistungen der Gesetzlichen Krankenversicherung liegen; und ein gesetzlich Versicherter mit privaten Krankenzusatzversicherungen kann einen weitaus besseren Schutz genießen als jemand, mit einer mittelmäßigen PKV. Die Fragen müssen hier lauten: wo bekomme ich welche Leistungen zu welchem Preis und welche Leistungen kann und möchte ich mir dauerhaft leisten. Um das herauszufinden, ist eine umfassende und professionelle Beratung notwendig.

Die PKV ist etwas für Wohlhabende

Selbstverständlich eignet sich die PKV aus mehreren Gründen nur für wohlhabende Menschen oder jene, die es werden. Wer das leugnet, begeht m.E. bereits einen Beratungsfehler, ungeachtet all der individuellen Umstände, die dabei zu berücksichtigen sind. Einsteiger und Billigtarife führen bei einer Unzahl von Privat Versicherten in eine teure Sackgasse. Einige Versicherungsgesellschaften haben deshalb aus gutem Grund ihre Billigtarife aus dem Programm genommen (vgl. Handelsblatt 29.7.11, S. 35). Ich möchte nun darlegen: selbst Billigtarife, hohe Selbstbehalte und anfängliche Einsparungsmöglichkeiten in der Privatversicherung sind nur etwas für Menschen mit hohen Einkommen, die ihren Lebensstandard auch im Alter gesichert haben werden.

Der Drang in die PKV zu wechseln, ist umso anziehender, je mehr ich mich als junger und gesunder Mensch Höchstbeitrag in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) annähere. Im Jahr 2011 sind das immerhin 575,44 Euro. Selbst der Mindestbeitrag für hauptberuflich Selbständige liegt (von Existenzgründertarifen einmal abgesehen) bei stolzen 285,52 Euro.  Dazu kommt dann noch die Pflegeversicherung. Die GKV ist folglich keine „billige“ Absicherung. Auch gut verdienende Selbständige, die nicht die Hälfte des Beitrages vom Arbeitgeber bezahlt bekommen, stöhnen unter der monatlichen Last von fast 600 Euro für die Krankenversicherung; und fast 300 Euro für den schlecht verdienenden Selbständigen sind ein harter Brocken. Im Vergleich dazu wird eine Private Krankenversicherung umso attraktiver, je jünger und gesünder jemand ist.  Für das gleiche Geld bekommt eine private Krankenversicherung mit sehr guten Leistungen oder kann sogar 100-200 Euro (je nach Alter) jeden Monat sparen.

PKV und Altersvorsorge

Wichtig ist: ein Versicherter sollte sich die Beiträge seiner privaten Krankenversicherung bis ins hohe Alter leisten können, denn seine Beiträge richten sich nicht nach dem Einkommen (wie in der GKV), sondern nach den kalkulierten Kosten. Diese sind im Alter besonders hoch und steigen dem Alter entsprechend, selbst unter Berücksichtigung von Altersrückstellungen (welche die GKV im Vergleich zur PKV gar nicht erst bildet). Die Hürden für den Wechsel aus der PKV in die GKV sind hoch und nach dem 55. Lebensjahr ist ein Wechsel gar nicht mehr möglich. Selbst der neu eingeführte und der PKV gesetzlich auferlegte sog. Basistarif ist unattraktiv und teuer.

Wer eine PKV abschließt, sollte den Erhalt des Lebensstandards deshalb im Rentenalter abgesichert haben. Das klingt gerade für jüngere Interessenden wenig spannend und abstrakt, so dass dieser wichtige Punkt zumeist in den Hintergrund rückt, obwohl er sich fatal auswirken kann. Konkret kann das z.B. bedeuten, dass jemand mit einer durchschnittlichen Altersrente von vielleicht 1.200 Euro neben der Miete auf einmal 900 Euro für seine Krankenversicherung aufbringen muss. Deshalb ist es äußerst wichtig: ein PKV-Versicherter muss zur Wahrung des Lebensstandards einen hohen Wohlstand im Alter aufgebaut haben, und das ist heute (außer bei Politikern und Beamten) nur noch durch hohe private Sparaufwendungen möglich. Deshalb sollten auch diese Mittel vor Abschluss einer PKV bei der langfristigen Finanzplanung berücksichtigt werden.

Ein Rechenbeispiel

Viele Vermittler empfehlen deshalb mit Abschluss einer PKV zusätzlich eine Kapital-Lebensversicherung oder einen Sparplan, um sich die PKV im Alter überhaupt leisten zu können. Dass diese Empfehlung nicht rein provisionsgetrieben ist, verdeutlich das folgende Rechenbeispiel. Nehmen wir z.B. eine Person die 1975 (am 1.6.) geboren wurde. Sie überlegt, wie viel Geld sie angespart haben müsste, um ab dem 67. Lebensjahr für weitere 25 Jahre 750 Euro pro Monat zur Finanzierung der privaten Krankenversicherung entnehmen zu können. Die Person ist also 36, möchte mit 67 in Rente gehen und glaubt mit 92 zu versterben (also kein ganz unrealistisches Szenario). Die Person rechnet zudem mit einer Durchschnittsverzinsung von 4 % p.a. auf das angesparte Kapital.

Unter diesen Voraussetzungen müsste die Person eine Summe von 143.645 Euro angespart haben. Eine enorme Summe, jedoch machbar, wenn die Person dafür monatlich 197,49 Euro auf die Seite legen kann. Diese Sparrate würde in etwa auch der Differenz entsprechen, was Gutverdiener im Vergleich zum GKV-Höchstbeitragssatz im Monat bei Abschluss einer PKV einsparen können. Der Rat des Vermittlers ist aber durchaus vernünftig: Bessere Leistungen für in etwas gleiches Geld.

Was dabei bisher aber noch nicht berücksichtigt wurde, ist die Inflation. Rechnen wir z.B. mit einer durchschnittlichen Inflation von 2,5% p.a., so würde eine Krankenversicherung, die nach heutiger Kaufkraft im Alter 750 Euro im Monat kostet, durch die Geldentwertung 1.612,51 Euro kosten. Um sich diesen Betrag monatlich bis zum 92. Lebensjahr auszubezahlen, müsste ich ein Kapital von 308.838,72 Euro angespart haben. Wird berücksichtigt, dass sich die die Geldentwertung auch im Rentenalter auswirkt, müssten hierfür sogar über 400.000 Euro angespart sein, wofür eine monatliche über 1000 Euro aufgebracht werden müssten. Die Inflation kann aber auch mittels einer jährlichen dynamischen Steigerung der Sparraten ausgeglichen werden, die der Teuerungsrate entspricht.

Ungeachtet aller Berechnung bleiben Unsicherheitsfaktoren, wie z.B. die Beitragsentwicklung in der GKV und PKV sowie allgemein die Entwicklung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für das künftige Gesundheitssystem. Die Beispielrechnung sollte jedoch verdeutlicht haben: um die Kostenbelastung für die PKV im Alter aufzufangen, braucht man Summen, die sich nur Gutverdiener leisten können, zumal die Ansparung der eigentlichen Altersversorgung für die Bestreitung sonstiger Lebenshaltungskosten noch gar nicht berücksichtigt wurde.

Einsteigertarife und Selbstbehalt

Auch billige Einsteigertarife und hohe Selbstbehalte sind etwas für Versicherte mit permanent hohen Einkommen. Für den Selbstbehalt ist das auf den ersten Blick einleuchtend. Zwar nutzen Privatversicherte die hohen Selbstbehalte oft, um die Prämie unabhängig vom Einkommen zu senken. Jedoch kann das zu einer riskanten Wette werden. Einen Selbstbehalt von mehreren Tausend Euro muss nämlich auch aufgebracht werden können, wenn er durch eine medizinische Behandlung anfällt. In den seltensten Fällen haben Geringverdiener entsprechende Summen übrig. Kassenpatienten kennen dieses Gefühl, wenn ihnen der Zahnarzt für einen Zahnersatz eine Rechnung von mehreren Tausend Euro vorlegt. Für Privatpatienten besteht diese Gefahr bei hohen Selbstbehalten für jede kostenintensive Behandlung. Deshalb eignen sich hohe Selbstbehalte zur Beitragssenkung in der PKV nur für Menschen, die eine entsprechend hohe Summe problemlos langfristig vorhalten können.

Wieso aber sollen auch sog. Billigtarife nur etwas für Gutverdiener sein? Ist das nicht ein Widerspruch in sich selbst? Auch so manche Werbung, Mailings und Branchenvertreter vermitteln diesen Eindruck. Aber auch hier gilt der Spruch: „Billiges leisten kann ich mir nicht.“ Diese Tarife haben zumeist derart schlechte Leistungen, dass viele Leistungen im Krankheitsfall letztlich Cash bezahlt werden müssen. Diese Tarife sind also etwas für wohlhabende Menschen mit der Einstellung: Wenn ich schon dazu gezwungen bin, kaufe ich mir nur das Notwendigste und das Restrisiko decke ich aus dem Privatvermögen ab. Diese Einstellung können sich nur Menschen mit entsprechendem Vermögen leisten. Wer weiß, was teure Spezialoperationen oder Hilfsmittel kosten können, der weiß auch, dass wir hier nicht von kleinen Vermögen sprechen. Diese sind durch medizinische Kosten schnell aufgezehrt.

FAZIT

Wer Private Krankenversicherung (PKVs) als Sparmodelle verkauft, vermittelt für die meisten Fälle Illusionen, die sich fatal auswirken können. Private Krankenversicherungen sollten an Menschen vermittelt werden, die sie diese heute bis ins hohe Alter problemlos leisten können, weil sie ein entsprechend hohes Vermögen bzw. Einkommen haben (werden). Alles andere erscheint mir wie unlauteres Geschwätz. Politisch unkorrekt ausgedrückt heißt das: sie sind etwas für Wohlhabende oder jene, die es werden können. Dann sind sie eine hervorragende Sache.

Dr. Guido Kirner, Finanzberatung und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB