Die neue Ordnung des Geldes – Ein Buch von Thomas Mayer

978-3-89879-840-2„Das Kreditgeschäft ist riskanter als der Kapitalmarkt.“

„Nicht die Notenbank schafft das Geld, sondern die Geschäftsbanken, und zwar mit der Vergabe von Krediten, welche wiederum die Einlagen produzieren.“

„Wirksame Finanztheorien und ihre Kritiker leiden an einem verengten, überzogenen Begriff der Rationalität.“

„Als staatliches Passivgeld ohne Staat ist der Euro auf Dauer nicht lebensfähig.“

Der Vordenker am Rande

Thomas Mayer hat eine glänzende Karriere als Volkswirt hinter sich, arbeitete bis 2012 als Chefvolkswirt der Deutschen Bank und sitzt nun der neuen „Denkfabrik“ einer bedeutenden deutschen Vermögensverwaltung und Fondsgesellschaft vor. Einer breiteren Leserschaft ist er als kluger Finanzkolumnist der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung bekannt.

Sein Werdegang verzeichnet den Wandel vom Mikro- zum Makroökonomen und er selbst bekennt, sich nach einer „Erkenntniskrise vom wissenschaftlichen Mainstream entfernt zu haben“. Seine Achtung vor der konventionellen Ökonomie habe er verloren, was zu einer Selbstmarginalisierung geführt habe. Seine neue Liebe gelte nun den „Österreichern“, gemeint ist die sog. Österreichische Schule der Nationalökonomie.

Vom gängigen neukeynesianischen/neoklassischen Fusionsmodell als Grundlage der Geldpolitik der Zentralbanken hält Mayer wenig. Die Thesen der rationalen Erwartungen und effizienten Finanzmärkte, die den Finanzsektor regierte, seien offensichtlich nicht mehr aufrechtzuerhalten, obgleich die meisten Ökonomen so weiter machten wie bisher. Die Finanztheorie, insbesondere die Portfoliotheorie und die Value-At-Risk Modelle seien schlichtweg gescheitert. So fordert Mayer nicht nur hier und da Verbesserungen bzw. Veränderungen, sondern einen Systemwechsel und eine Neuordnung der Geldpolitik.

Vom Passivgeld zum Aktivgeld

Im Kern vollzieht er dabei einen Perspektivenwechsel, wie Geld im Finanzsystem geschaffen wird. Die Banken nehmen nicht Einlagen entgegen und benutzen diese dann als Außengeld, um Innengeld mittels Kreditvergabe zu schaffen (wie zu Zeiten des Goldstandards und wie es die Lehrbücher immer noch behaupten). Continue reading Die neue Ordnung des Geldes — Ein Buch von Thomas Mayer

Ein Einführungsbüchlein zu Ludwig von Mises Leben und Werk

9783898798242Ludwig von Mises ist heute wenigen bekannt, obgleich er einer der konsequentesten Vertreter des freien Marktes und einer liberalen Wirtschaftsordnung war. Sein Werk wurde im Rahmen der Österreichischen Schule der Nationalökonomie (den sog. Austrians) wohl auch von jenem von August von Hayek etwas in den Schatten gestellt. Einige seiner treuesten deutschsprachigen Anhänger haben nun ein Büchlein herausgegeben, in welchem in vier gut verständlichen Kapiteln die wichtigsten Themenblöcke zu Leben, Werk und Wirkung des Nationalökonomen behandelt werden.

Mises‘  „praxeologischen Deduktionismus“ als Methode, d.h. eine wirtschaftliche Theorie aus einem einzigen Grundaxiom ableiten zu wollen, nämlich dass der Mensch handelt, halte ich für philosophisch naiv. Möglicherweise wäre es für die Volkswirtschaft sinnvoller sich wieder offen einzugestehen, eine Geistes- bzw. Sozialwissenschaft ohne naturwissenschaftlichen Anspruch zu sein.

Seine Kritik des staatlichen Interventionismus, Bürokratie und an sog. dritten Wegen, welche für ihn stets zur Krise und dann zwangsläufig zu einem Sozialismus oder Kapitalismus führen, mögen liberal bis libertär Gesinnte bis heute erfreuen. Aus seiner Zeit heraus, in welcher Links wie Rechts nach Verstaatlichung rief, waren sie bewundernswert. Heute muss man jedoch feststellen: zum einen haben sich die bürokratischen Wohlfahrtsstaaten (zu denen auch Sicht von Mises heute wohl auch die USA gehören würde) auf der historischen Zeitachse als reform- und anpassungsfähig erwiesen, wenngleich größte Herausforderungen (wie die Verschuldungskrise) noch zu meistern sind. Krisen als solche sind kein Einwand, sondern gehören zum historischen Inventar aller politischen Systeme. Nichts währt in der Geschichte ewig, jedoch haben die Wohlfahrtsstaaten immerhin eine Bestandskraft bewiesen, die der „reine Kapitalismus“ oder „Sozialismus“ nicht vorweisen können, sofern sie nicht eh reine theoretische Hirngespinste geblieben sind.

Was uns hier mehr interessieren sollte, ist die Frage, ob Mises vielleicht einen klareren Blick auf politische und wirtschaftliche Entwicklungen hatte, als die vielen renommierten Postkeynesianer in Harvard oder Berlin. Hier wird man fündig: Der tragische Automatismus des geld- und fiskalpolitischen Interventionismus mit der Gefahr des Scheinbooms und drohenden Crashs werden klar dargestellt:

Eine Vermehrung der Geldmenge kann den Wohlstand der Bevölkerung ebenso wenig vermehren, wie ihn ihre Verringerung vermindern kann. (von Mises).

In den Worten eines Autors:

Kontinuierlich fließt Reichtum über die EZB von den Geldnutzern zu Blasenunternehmen, von der Real- in die Finanzwirtschaft, von Nord- nach Südeuropa.

Die Bürger in Deutschland spüren es: auf der einen Seite sind sie ganz froh, dass sich ihre Kanzlerin und ihr Finanzminister Ruhe und Zeit kauft, auf der anderen Seite geht man davon aus, dass dies nur bis zu einer gewissen Grenze geduldet und praktiziert werden kann. Der Mainstream der deutschen Politik sieht den Ausweg parteiübergreifend an der Errichtung eines Europäischen Wohlfahrtstaates. Wie hier welche Kosten zu wessen Gunsten umverteilt werden sollen, wird noch weitgehend ohne seine Bürger entschieden und als eine Art „alternativloses“ politisches Rettungsprogramm verkauft.

Eines ist klar: Sofern es Verantwortung für solide Rechnungslegung dabei eher verschleiert, sofern es eher Geldillusionen und Fehlallokationen herbeiführt und je mehr Haftung in obskuren politischen Institutionen immer stärker sozialisiert wird, solange wird daraus kein langlebig legitimes politisches Konstrukt. Gekaufte Zeit bewahrt nicht vor der Lösung anstehender Probleme. Ludwig von Mises hätte das wie kein anderer für heutige Zustände angemahnt. Leider ist seine Stimme heute stumm, seine Schriften bergen aber noch viel zu wenig beachtete Schätze ökonomischer Vernunft.

Guido Kirner (Polling)

Thorsten Polleit (Hrsg.): Ludwig von Mises. Leben und Werk für Einsteiger. FFB München. ISBN Print 978-3-89879-824-2. 14,99 Euro