Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Anlageberatung und Vermögensverwaltung werden zunehmend sinnlos, sollte sich herausstellen, dass die hierbei zugrundegelegten Methoden mehr Schein als Sein darstellen und man zudem mit wenigen einfachen Mitteln, dafür aber sehr viel kostengünstiger, gleich gute (oder schlechte) Ergebnisse erzielen kann.

Bestimmte Analysetechniken und die sog. Portfoliotheorie sind nicht in der Lage, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Wenn Vermögensverwaltung mehr sein soll als Selbstentmündigung des Kunden, muss sie beweisen, dass sie einen Mehrwert nach Kosten im Vergleich zu preiswerteren Alternativen bieten kann. Dies dürfte immer schwieriger werden.

Worin besteht der Wert einer Anlageberatung? In der technischen Analyse der Märkte mit Anwendung der sog. Charttechnik? Im Auffinden von lukrativen Unternehmen, die unterbewertet sind bzw. hohes Wachstumspotential versprechen? In der Fundamentalanalyse mit einem Value– oder Growth-Ansatz? Besteht es in der großartigen Mischung dieser Unternehmen in einer Art Fonds? Oder geht es um die Anwendung irgendeiner Portfoliotheorie zur richtigen Aufteilung des Vermögens über diverse Anlageklassen? Continue reading Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Ökonomie-Nobelpreisträger als Fehlallokation

Der Kommentar einer Zeitung überliefert folgende Anekdote. Beim Lindauer Treffen der Ökonomie-Nobelpreisträger gibt es auch eine Fragestunde für Studenten. Eine Studentin stellte kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman-Brothers die Frage, ob es in den westlichen Volkswirtschaften nicht eine „Fehlallokation von Talenten“ gebe. Zu viele kluge Köpfe gingen in die Finanzbranche, die mit hohen Gehältern und Boni lockt; dafür blieben zu wenig Talente für die Realwirtschaft.

Der Kanadische Nobelpreisträger Myron Scholes antwortete selbstbewusst grinsend: „Ich betrachte mich als einen der schlauesten Menschen, die es gibt, und es hat sich als hervorragende Entscheidung herausgestellt, dass sich in die Finanzbranche gegangen bin.“

Das Selbstbewusstsein des Nobelpreisträgers ist bemerkenswert. Zwar ist er der Erfinder der Optionspreisformel, aber er war eben auch einer der Mitbegründer des Hedgefonds LTCM. Dieser Hedgefonds wurde von einigen der klügsten und intelligentesten Köpfe der Investmentbranche nach vermeintlich wissenschaftlichen Methoden und Formeln verwaltet und erwirtschaftete zunächst enorme Gewinne. 1998 brach der Fond mit seinen hochriskanten Anlagen von mehr als 100 Milliarden Dollar fast zusammen und hätte beinahe das gesamte Finanzsystem mit sich in den Abgrund gerissen.

Es war einer umstrittenen Rettungsaktion der amerikanischen Notenbank zu verdanken, dass es nicht bereits damals zu einer Weltfinanzkrise kam, wie 2008 nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank. Gehalten hat sich seitdem das Motto „to big to fail“ für systemrelevante Akteure. Die Folge kann man auch als ungerechtfertigte indirekte Subvention des Finanzsektors betrachten: Großbanken und Versicherungen erhalten eine Art Staatsgarantie, können dadurch günstigere Konditionen bei Zinsen erhalten.

Das hat aber auch eine negative Kehrseite: Die Folgen sind die Neigung, höhere Risiken einzugehen, kurzfristige statt nachhaltige bzw. Scheingewinne zu erwirtschaften, sich vom industriellen Produktionssektor zu entkoppeln sowie eine fehlendes Verantwortungsbewusstsein für die verursachten Investitionsblasen und Finanzkrisen.

Die selbstgefällige Arroganz von nicht wenigen Bankern, Hedgefonds-Managern & Co. zeigt, dass es sich hier wohl nicht nur um eine Fehlallokation von Intelligenz, sondern auch von Charakter und Verantwortungsbewusstsein handelt.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB.