Sinnlose Meetings

In einem Wirtschaftsbuch lese ich folgende Passage:

“Je mehr Produktionsmittel einer einzigen Entscheidungsmacht unterliegen, desto schwieriger wird die Kalkulation. Knappe Ressourcen werden dann verschwendet, so beispielsweise in sinnlosen “Meetings” die Zeit der Mitarbeiter, eben weil sie keinen Preis trägt. Das ist einer der Gründe, warum den sogenannten positiven Skaleneffekten auch negative gegenüberstehen. Skaleneffekte nennen Ökonomen sinkende oder steigende Grenzkosten in Abhängigkeit von der Betriebsgröße. Die Konzentration ist daher kein notwendiger Weg zu größerem Wohlstand, denn irgendwann überwiegen die Nachteile die Vorzüge. Aufgrund des Kalkulationsproblems und des Koordinationsaufwands sind größere Betriebe kleineren nicht immer überlegen.”

Kommentar: Es mag sinnvolle, sogar unverzichtbare Versammlungen und Diskussionsrunden von Mitarbeitern geben. Die Merhzahl ist jedoch Zeitverschwendung. Der tiefere Grund von sog. Meetings ist eher soziologischer als ökonomischer Natur. Meetings stellen nicht selten reine Selbstbeweihräucherungsrituale von Führungskräften dar. Ferner dienen sie dazu, ungewollte Entscheidungen aufzuschieben bzw. zu verhindern nach dem Motto: “wenn du etwas nicht willst, gründe dazu eine Expertengruppe.” Ganz wichtig erscheint mir auch die Funktion, Verantwortung abwälzen zu können (diese Funktion haben auch Unternehmensberatungen). Der ökonomische Hintergrund ist dessen ungeachtet wichtig, weil sinnlose Meetings um so wahrscheinlicher werden, je weniger die dabei verschwendete Zeit als Kostenfaktor bewußt ist. Das ist um so mehr der Fall, je größer und/oder bürokratischer eine Institution bzw. Unternehmung ist.

Dr. Guido Kirner, Finanzberater & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB