Die Geburt eines Kindes. Eine kurze Checkliste für Finanzen und Vorsorge

Vor, mit und nach der Geburt eines Kindes entsteht zumeist eine zunächst unruhige Zeit. Die Geburt selbst ist aufregend, Großeltern und Freunde kommen zu Besuch, Gratulationen, viele mehr oder weniger nützliche Tipps, ein neuer Lebensrhythmus, kurz: Neuorientierung wird verlangt bis sich die Routinen einstellen. Auch müssen bestimmte zunächst lästige aber wichtige Formalitäten abgearbeitet werden. Einige davon betreffen Finanzen und Vorsorge.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich hier in Form einer Art Checkliste eine erste Orientierung geben, was beachtet werden sollte.

–          Klärung der Krankenversicherung

Die Krankenversicherung des neugeborenen Kindes richtet sich in der Regel nach jener der Eltern und stellt in den meisten Fällen kein Problem dar. Sie müssen ihr Kind eben nur bei der Krankenkasse anmelden.

Komplizierter wird es bei verheirateten Ehepaaren, wenn ein Elternteil gesetzlich, das andere aber privat krankenversichert ist. Ich habe die komplizierten Regelungen einmal in einem Artikel auf dem Blog zu ordnen versucht und genauer dargestellt [siehe hier>>]. Am besten Sie klären die Mitgliedschaft vor der Geburt, zumal ja bereits die Geburt selbst einen medizinischen Eingriff darstellt und auch für die anschließenden U-Untersuchungen geklärt sein sollte, wie ihr Kind versichert ist. In der privaten Krankenversicherung (PKV) ist unbedingt die Zwei-Monatsfrist zu beachten. Nur innerhalb dieser Frist nach der Geburt wird das Kind ohne Gesundheitsfragen automatisch nachversichert. Informieren Sie sich also bereits im Vorfeld der Geburt bei Ihrer Krankenkasse.

–          Kindergeld beantragen

Einer der ersten bürokratischen Schritte nach der Geburt ihres Kindes sollte die Beantragung des Kindergeldes sein. Denn erst wenn Kindergeldstelle und Kindergeldnummer vorhanden sind, können weitere Schritte veranlasst werden.

Download PDF: MB-Kindergeld>>

–          Kindergeld oder Kinderfreibetrag

Dazu zählt z.B. die Klärung der Frage, ob es für Sie steuerlich günstiger ist, Kindergeld zu bekommen oder ob sie sich besser einen Kinderfreibetrag eintragen lassen. Letzteres wird sich für höhere Einkommen lohnen. Hierfür prüft das Finanzamt, was günstiger ist, jedoch nicht die Ansprüche selbst und auch nicht deren Höhe. Folglich muss das Kindergeld überhaupt erst einmal beantragt sein. Ihr Steuerberater wird Ihnen dabei helfen. Man kann sich daran orientieren, dass für Alleinerziehende ab einem Bruttoeinkommen von 35.000 Euro und für zusammenveranlagte Ehepaare ab 63.000 Euro Freibeträge günstiger sind. Das Kindergeld wird mindestens bis zum 18. Lebensjahr, längstens bis zum 25. Lebensjahr des Kindes bezahlt.

Siehe auch hier>>

–          Steuerklassen prüfen und ggf. wechseln

Mit der Geburt des Kindes kann sich die berufliche und zeitliche Situation der Eltern erheblich ändern. Das wirkt sich auch auf die jeweilige Einkommenssituation aus. Deshalb sollten verheiratete Paare ihre Steuerklassen prüfen. Falls die z.B. die Frau zur Betreuung des Kindes erst einmal zu Haus bleibt, kann sich ein Wechsel von Steuerklasse 5 in Steuerklasse 3 lohnen. Der Tausch ist allerdings sieben Monate vor der Geburt vorzunehmen. Fragen Sie auch dazu ihren Steuerberater rechtzeitig.

–          Elterngeld beantragen

Vorausgesetzt beide Eltern können und möchten sich eine Auszeit nehmen, um sich ihrem Neugeborenen mindestens zwei Monate zu widmen, sollte das sog. Elterngeld beantragt werden, welches bis zu 14 Monaten bezahlt wird. Die Höhe beträgt 300-1800 Euro, je nach dem Prozentsatz des Nettoeinkommens (i.d.R. ca. 65 %). Die Berechnungsgrundlage wird sich dieses Jahr noch ändern, wobei statt dem realen Nettolohn Pauschale Beträge berechnet werden.

–          Bei Riesterverträgen: Kinderzulage beantragen

Sofern Sie in einen sog. Riestervertrag sparen und Ihnen die Kindergeldstelle und Kindergeldnummer bereits bekannt ist, sollten sie auch die Zulage für Ihr Kind beantragen, immerhin 300 Euro die ihnen der Staat im Jahr als Zulage obendrauf einbezahlt. Nehmen sie also Kontakt zu der Gesellschaft auf, bei welcher sie den Riestervertrag abgeschlossen haben oder kontaktieren sie ihren Vermittler. Er wird Ihnen sicherlich gerne behilflich sein und den Antrag vorzubereiten.

–          In der Haftpflichtversicherung: Schutz auch für Kinder unter 7 Jahren

Die Haftpflichtversicherung gehört zur Basisausstattung der Existenzsicherung. Sie ist überdies günstig (50-100 Euro im Jahr). Prüfen sie also, ob sie einen Familientarif in der Haftpflichtversicherung haben. Als Alleinerziehender gibt es auch (wenige, aber sehr gute) Tarife, die ihr Kind kostenlos mitversichert.

Grundsätzlich haften Eltern für Handlungen ihrer Kinder, auch wenn sie unmündig anderen einen Schaden zufügen. Denn es besteht eine Aufsichtspflicht. Diese kann aber nicht als Totalüberwachung ausgelegt werden. Wenn keine Aufsichtspflichtverletzung nachgewiesen werden kann geht der Geschädigte leer aus. Handelt es sich um einen Nachbarn (dessen Auto z.B. vom Roller ihres Kindes zerkratzt wurde) kann hier unnötiger Ärger entstehen, zumal gute Tarife hier durchaus Schutz bieten. Wenden Sie sich an ihren Versicherungsvermittler und lassen ihren Tarif einmal daraufhin überprüfen.

–          Schutz bei Invalidität oder Krankheit

Auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Schule und zurück sind Kinder (ähnlich wie Arbeitnehmer) grundsätzlich unfallversichert. Jedoch sind hier einige Feinheiten zu beachten, so muss z.B. der direkte Weg genommen werden usw. Letztlich haben Kinder aber darüber hinaus und insbesondere in ihrer Freizeit (bei Sport und Spiel), wo die häufigsten Unfälle passieren, keine finanzielle Absicherung (siehe auch hier>>). Sie sollten deshalb für ihr Kind eine Private Unfallrente und Invaliditätssumme absichern, die keinen hohen Kostenaufwand darstellen. Empfohlen wird darüber hinaus auch eine Absicherung für lange und schwere Krankheiten. Lesen sie dazu folgenden Artikel Unfallversicherung resp. Invaliditätsversicherungen auf meinem Blog>>

–          Finanzielle Absicherung im Todesfall der Eltern

Die Wahrscheinlichkeit ist gering, umso größer können aber die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Todesfalls von Vater und/oder Mutter für das Kind (und den überlebenden Elternteil) sein. Auch muss berücksichtigt werden, ob ggf. Hypotheken oder andere Verbindlichkeiten zu bedienen sind. Kinder, Lebens- und Ehepartner sollten keine Schulden erben. Wahrscheinlich fällt auch ein Einkommen weg. Die Lebenshaltungskosten müssen jedenfalls irgendwie aufgebracht werden. Deshalb sollten Eltern eine Risikolebensversicherung abschließen. Gerade für junge Paare ist diese Absicherung zudem recht günstig: 100.000 Euro Absicherung kosten im Monat oft weniger als eine Pizza (sofern keine erhöhten Risiken in Beruf, Hobby oder Gesundheit vorliegen).

–          Betreuungskosten absetzen

Bis zum 14. Lebensjahr können Sie Beiträge für einen Kindergartenplatz, für einen Hort oder eine Tagesmutter steuerlich geltend machen. Das gilt nur für die Betreuung, nicht für Verpflegung. Zwei Drittel sind absetzbar bis maximal 4000 Euro im Jahr. Selbst die Benzinkosten für die Anfahrt der Großeltern können abgesetzt werden. Siehe auch hier>>

–          Zuschüsse vom Arbeitgeber?

Vielleicht möchte Sie auch Ihr Arbeitgeber bei den Betreungskosten z.B. für die Kita unterstützen. Möglicherweise haben Sie im Arbeitsvertrag, tarifvertraglich Vereinbarungen getroffen, die sie nutzen können. Vielleicht möchte Sie ihr Chef auch einfach wieder gerne möglichst schnell in der Firma sehen und hat offene Ohren für Ihr Anliegen. Fragen Sie ihren Arbeitgeber zu den Möglichkeiten.

–          Kostenloses Sparplankonto als Ausbildungsversicherung

Nach der Geburt eines Kindes fragen nicht selten Großeltern, Onkel und Tanten, wie sie das Kind finanziell unterstützen können. Der Klassiker ist sicherlich das Sparbuch, jedoch liegen hier die Zinsen unterhalb der Teuerungsraten. Von sog. Ausbildungsversicherungen (egtl. mit kürzerer Laufzeit abgeschlossene Kapitallebensversicherungen) rate ich mangels Flexibilität und Kosten eher ab.

Eröffnen Sie besser ein kostenloses Fondssparplankonto, auf welchem Sie und andere sinnvoll Geld für Ihr Kind ansparen können, sei es für den Führerschein, für einen längeren Auslandsaufenthalt, für das erste Auto, für das Studium …..Gründe (und Kosten) gibt es genug.

Dr. Guido Kirner (Polling/Weilheim)

Wo versichere ich mein Kind, in der privaten (PKV) oder gesetzlichen (GKV) Krankenversicherung?

Eine Frau in der Schwangerschaft möchte schnell und verbindlich wissen, wo sie nach der Geburt ihr Kind versichern kann bzw. muss: in der gesetzlichen oder in der privaten Krankenversicherung. Diese Frage stellt sich insbesondere, wenn ein Elternteil privat und der andere gesetzlich versichert ist.

Im Internet wird man dazu eine Unzahl mehr oder wenig aktueller Beiträge finden, jedoch ergibt sich daraus eher Verwirrung als Sicherheit. In Foren werden zumeist Vermutungen und Halbwissen gehandelt. Die Versicherungsgesellschaften und Verbände geizen ebenfalls mit übersichtlichen Informationen. Selbst in Lehrbüchern findet sich wenig brauchbares, dass Kunden verständlich vermittelt werden könnte.  Weil es sich um ein Thema der Sozialversicherung handelt, ist nicht damit zu rechnen, das die Regelungen einfach, übersichtlich und folglich bürgerfreundlich sind. Im Mittelpunkt steht zumeist die Frage, ob das Kind beitragsfrei in der Familienversicherung der GKV mitversichert werden kann.

Ich werde nun versuchen, die wichtigsten Informationen zusammenzutragen und einen kleinen Leitfaden an die Hand zu geben. Dabei kann es nicht um die Klärung der letzten sozialversicherungsrechtlichen Details gehen, sondern um einen ersten einfachen Überblick. Wer sich genau informieren möchte, muss einige Gesetze studieren, inbesondere

§ 10 SGB V (Familienversicherung)

§ 257 SGB V (Arbeitgeberzuschuss für das Kind in der PKV)

Allgemein hilfreich ist die umfangreiche Broschüre des Bund der Versicherten (BDV) [download hier: BDV PKV vs. GKV Broschuere] oder einige Publikationen des PKV-Verbandes.

Die Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG)

Wichtig ist die Kenntnis eines Fachbegriffs, nämlich der sog. Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG). Diese Grenze wird jährlich von der Bundesregierung durch Rechtsverordnung an die Entwicklung der Bruttogehaltssumme des vorherigen Kalenderjahres angepasst und verändert sich folglich in jedem Jahr. (Sie ist nicht zu verwechseln mit der früher identischen Beitragsbemessungsgrenze. Diese dient letztlich dazu, den Höchstbeitrag in der gesetzlichen Krankenversicherung zu berechnen und braucht uns zumindest hier nicht weiter zu interessieren.)

Die JAEG liegt in den alten Bundesländern 2012 bei 50.850 € (das sind 1/12 im Monat 4.237,50 €).

Sie markiert die Grenze, ab welchem Einkommen sich ein Arbeitnehmer in die Private Krankenversicherung wechseln darf und spielt auch eine Rolle bei der Antwort auf die Frage, ob ein Kind beitragsfrei in der GKV versichert werden kann (Familienversicherung). Dazu gleich weiter unten.

Bei der Vielzahl relevanter Kriterien (verheiratet/nicht verheiratet, Elternteil PKV oder GKV versichert, freiwillig oder pflichtversichert in der GKV, Arbeitnehmer oder Selbständig, Einkommen unterhalb/oberhalb der JAEG), ist eine schier unübersichtliche Anzahl von Kombinationsmöglichkeiten möglich. Sie lassen sich am besten in einer Tabelle darstellen, wo jeder für sich den für ihn relevanten Fall heraussuchen kann (die Angabe JAEG ist von 2005 und veraltet! Es gilt aktuell die oben angegebene!): download: Übersicht Kind GKV oder PKV.

1. Die Eltern sind nicht verheiratet

Sind die Eltern nicht verheiratet, steht es ihnen frei zu wählen, über welchen Elternteil das Kind versichert werden soll. Ist die Mutter z.B. privat und der Vater gesetzlich versichert, können die Eltern wählen, über wenn und folglich wie das Kind versichert wird. Verdient der Vater nicht über der JAEG, werden die Eltern in der Regel die beitragsfreie Mitversicherung des Kindes in der GKV des Vaters wählen.

2. Die Eltern sind verheiratet.

2.1 Beide Eltern in der PKV oder GKV

Sind die Eltern des Kindes verheiratet, dann gibt es zwei Fälle, die sehr einfach zu klären sind:

a)       Beide Eltern sind in der PKV,

dann wird das Kind ebenfalls in einer der Krankenkassen der Eltern gegen Beitrag privat versichert.

b)      Beide Eltern in der GKV versichert,

dann wird das Kind automatisch in der GKV eines Elternteils (hier gilt Wahlfreiheit) beitragsfrei familienversichert.

2.2. Die Mutter ist in der PKV, der Vater in der GKV – oder umgekehrt

Ist ein Elternteil gesetzlich, das andere privat versichert, so richtet sich die Mitgliedschaft des Kindes in der Krankenversicherung grundsätzlich nach dem einkommensstärkeren Elternteil. Hierbei ist zudem die bereits angesprochene JAEG zu berücksichtigen.

a)      Der PKV-Versicherte verdient über der JAEG und mehr als der GKV-Versicherte,

so ist dies der einzige Fall, in welchem das Kind nicht beitragsfrei in der GKV familienversichert werden kann, sondern entweder beitragspflichtig in der PKV versichert wird, aber auch (was oft vergessen wird) gegen den sog. Kinderbeitrag in der GKV versichert werden kann.

b)      In allen anderen Fällen, d.h.

der GKV-Versicherte verdient über JAEG und mehr als PKV-Versicherte,

der PKV-Versicherte verdient maximal bis zur JAEG und mehr als der GKV-Versicherte,

so können die Kinder beitragsfrei in der GKV versichert werden.

Dr. Guido Kirner (Finanzplanung & Versicherungsmakler, Polling bei Weilheim i.OB)