Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Anlageberatung und Vermögensverwaltung werden zunehmend sinnlos, sollte sich herausstellen, dass die hierbei zugrundegelegten Methoden mehr Schein als Sein darstellen und man zudem mit wenigen einfachen Mitteln, dafür aber sehr viel kostengünstiger, gleich gute (oder schlechte) Ergebnisse erzielen kann.

Bestimmte Analysetechniken und die sog. Portfoliotheorie sind nicht in der Lage, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Wenn Vermögensverwaltung mehr sein soll als Selbstentmündigung des Kunden, muss sie beweisen, dass sie einen Mehrwert nach Kosten im Vergleich zu preiswerteren Alternativen bieten kann. Dies dürfte immer schwieriger werden.

Worin besteht der Wert einer Anlageberatung? In der technischen Analyse der Märkte mit Anwendung der sog. Charttechnik? Im Auffinden von lukrativen Unternehmen, die unterbewertet sind bzw. hohes Wachstumspotential versprechen? In der Fundamentalanalyse mit einem Value– oder Growth-Ansatz? Besteht es in der großartigen Mischung dieser Unternehmen in einer Art Fonds? Oder geht es um die Anwendung irgendeiner Portfoliotheorie zur richtigen Aufteilung des Vermögens über diverse Anlageklassen? Continue reading Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Besserverdiener, Geldangst und Kapitalvernichtung

Gestern war ein an seinem florierenden Unternehmen beteiligter Geschäftsführer, also ein sog. Besserverdiener samt reizender Gattin in meinen bescheidenen Gefilden und brachte einen Stapel Papier mit. Es waren Broschuren, Berechnungen, Angebote, Flyer, mit welchen er in den letzten Wochen von Vermögensverwaltern, Anlageberatern, Banken usw. bombardiert wurde. Er berichtete mir auch von Anwälten, Ärzten und Unternehmern aus seinem Umfeld und was da so geredet wird, vor allem wie und wo man sein Geld in diesen Zeiten investieren müsse.

Zusammenfassend könnte man sagen: der Wahnsinn ist ausgebrochen! Da wird kopflos Finanzmüll gekauft bzw. finanziert, um sein Geld vermeintlich in Sicherheit zu bringen, und jeder gesunde Menschenverstand scheint im Ausrinnen begriffen, wobei sich jeder für schlauer hält als der Andere.

Wenn überschüssige liquide Finanzmittel bei sicherlich teils berechtigtem Misstrauen gegenüber der Geld- und Finanzpolitik auf umtriebige Verkäufer von obskuren Finanzprodukten treffen, dann braut sich die nächste große Kapitalvernichtung zusammen. Dann wird auch noch der letzte Mist mit vorgeblichen Alleinstellungsmerkmal in der Hülle einer soliden und sicheren Finanzanlage verkauft.

Es wird eine Weile dauern bis all die schön gerechneten Modelle platzen und sich als Luftbuchungen erweisen. Der Katzenjammer wird groß sein, jedoch wird es keinen Aufstand geben, weil sich jeder für sich selbst schämt, wem er sein Geld anvertraut hat. „Wir konnte ich nur so dumm sein?“ wird sich manch einer fragen und so manch altbackene, spießige Form der Geldanlage bekommt auf einmal wieder einen ganz anderen Stellenwert.

Sicherlich, bei den Renditen haben es die Lebensversicherungen schwer auf klassisch verzinste Produkte einen Überschuss zu erwirtschaften, der nach Abzug der Kosten über den Inflationsausgleich (wenn überhaupt) hinausgeht. Und überhaupt kenne ich die angewiderten Mienen von Kunden, wenn der Begriff „Versicherung“ fällt. Sicherlich gibt es „spannendere“ und auch „bessere“ Geldanlagen, zumal flexiblere für bestimmte Lebenssituationen.

Doch was sind die Alternativen, wenn es darum geht eine lebenslange Leibrente zu garantieren? Die Banken? Na dann viel Spaß. Wer hat in den vergangenen Jahrzehnten das Geld reglementierter, überwachter, konservativer und nachhaltiger angelegt als die guten der Lebensversicherungsbranche? Wer heute einen Gesamtzins (Garantiezins mit Überschußverzinsung) zwischen 4-5 Prozent gut geschrieben bekommt, der kann sich doch freuen – oder bekommen sie irgendwo für eine sichere Anlage mehr?

Aber das ist ja langweilig. Stattdessen begeistert man sich für exotische Produkte. Von einer großen Bank wird ein Anleihefonds empfohlen, bei denen man Staaten Geld leiht, von denen man sonst recht selten hört, dafür gibt es endlich über 4 % Rendite, die jedoch allein von Gebühren von über 2 Prozent wieder aufgefressen werden.

Eine Immobilienfirma bietet für nur etwas über 100.000 Euro im schönen Münchner Giesing Wohnungen an, die kaum 25 qm haben; doch was nutzt das, wenn Sie Probleme haben werden für diese Hasenställe eine Finanzierung zu bekommen, weil keine Bank so kleine Wohnungen finanzieren möchte? Deshalb wendet man sich am besten gleich an eine Klientel die entsprechende Summen “nutzlos” auf dem Konto herumliegen hat.

Und was sich sonst nicht so gut verkauft, dass lässt sich ja auch immer noch in einen geschlossenen Beteiligungsfonds schieben. Nichts gegen die nützliche und wichtige Form der Beteiligungen. Aber mal ehrlich, wer ist da nicht alles unterwegs in der Branche und wo ist es schwieriger die Spreu vom Weizen zu trennen? Haben Privatanleger irgendwo mehr Geld verloren als in geschlossenen Fonds für Schiffe, Filme, Immobilien oder was auch immer?

Und die ganz schlauen bringen ihr Geld ja ins Ausland – und nein: die Schweiz ist out; irgendwo in Asien ist in (oder über die Schweiz nach Asien). Asien? Ein großer Kontinent, die Zukunft, der alte, neue wilde Osten. Herrschen da stabile politische Verhältnisse, starke Institutionen, altbewährte Volkswirtschaften, rechtsstaatliche Strukturen, faire Vertragsverhältnisse?

Ja, ich möchte auch an das Geld meiner Kunden, ja ich möchte auch Geld verdienen, ja ich möchte mehr Kunden und mehr Geld verdienen. Und nein, ich bin keine große Nummer in der Finanzmarkt, nein ich zähle nicht zu den ersten Adressen mit Mahagonibüro, Marmorboden und dickem Schlitten vor der Tür.

Mit wenigem kann ich beeindrucken, nur mit etwas Übersicht, Erfahrung und Argumenten. Ich halte mich noch nicht einmal für Schlauer als andere, sicherlich für weniger gerissen (ich habe noch diese kleinbürgerlichen Skrupel). Ich halte viel von gesundem Menschenverstand und Einfachheit, muss mich aber sicherlich noch mehr darin schulen, das Einfache auch einfach darzustellen.

Einiges davon möchte ich hier in Form kleiner Kolumnen mitteilen. Mein Anreiz ist zum einen der, dass auch mir all diese Lackaffen, Schwätzer und Poser in meiner Branche auf die Nerven gehen; zum anderen soll es Eigenwerbung sein, Werbung für ein Konzept, dass nicht dadurch überzeugen soll, dass es einen Popanz aufbaut, sondern sie selbst fit und mündig macht, mutige Entscheidungen zu treffen.Es geht nicht immer darum, genau das Richtige zu tun – wer weiß das schon; wichtiger ist manchmal in Geldangelegenheiten das Falsche zu unterlassen. Es kann schlimme Folgen haben.

Da wird nichts glänzen, damit wird kein Event verbunden sein, kein Golfturnier, kein Champangnerempfang, kein sonstiger Anreiz. Trivialität und Langeweile können aber gerade in Geldangelegenheiten sehr beruhigend und schließlich äußerst nützlich sein.

Dr. Guido Kirner (Polling)

14 % Umweltrendite, absolut sicher, konservative Anlage – Achtung, retten Sie ihr Geld!*

Die Entscheidung, Geld zu investieren, basiert nicht zuletzt auch auf der Idee und der damit zusammenhängende Geschichte, die einem präsentiert wird, bevor man ein Investmentprodukt kauft. Der Welt Gutes zu tun, dabei noch kräftig Gewinne einzustreichen und das auch noch absolut sicher, das wünschen wir uns alle. Es gibt nur ein Problem: auf dieser Welt gibt es das nicht, auch wenn immer wieder versucht wird, entsprechende Produkte zu verkaufen, nunmehr gehäuft in Form von Anlageprodukten in erneuerbare Energien, die eine vermeintlich sichere „Umweltrendite“ versprechen.

Gegen Investitionen in „Nachhaltigkeit“ ist grundsätzlich nichts einzuwenden, außer sie geschehen unter völlig falschen Voraussetzungen wie einer fehlgeleiteten Risikoeinschätzung und Kostenverschleierung. Ich möchte das an einem erlebten Beispiel erläutern.

 

Ein Beispielfall

Ein Interessent, nennen wir ihn Herrn Maier, hat mit mir einen Termin zur Ruhestandsplanung vereinbart. Er hat einige Vermögenswerte und Rücklagen und muss nach Auslauf des Sozialplans seiner Firma einige Jahre bis zur Auszahlungen der betrieblichen und gesetzlichen Rente finanziell überbrücken. Dafür soll ihm ein Konzept unter Berücksichtigung bestehender und evtl. noch einzusetzender Kapitalanlagen unterbreitet werden.

So weit so gut. Herr Maier hatte vor mir schon eine Art Kollege von einem sehr großen und erfolgreichen deutschen Allfinanzvertrieb zu Besuch. Nun möchte Herr Maier wissen, was ich davon halte. Das ist immer etwas heikel, zumal wenn der Kunde bereits von einer Idee begeistert ist und/oder auch noch eine freundschaftliche Beziehung zu dem Berater pflegt, der Sie ihm nahe gebracht hat. Sei’s drum, ich fühle mich zu einer offenen Einschätzung verpflichtet.

Der Vorschlag des werten Kollegen basiert (typischerweise) nicht auf einem Konzept, sondern auf einem ganz bestimmten Produkt. Man ahnt es, jedoch braucht es eine Weile, um sich darüber klar zu werden, was hier tatsächlich angeboten wird. Denn Herrn Maier wurde nicht etwa ein umfangreicher Prospekt zu diesem Produkt ausgehändigt, sondern ein Din-A4-Blatt mit anhängender Berechnung. Der Einleitungstext ist großartig und lohnt vollständig zitiert zu werden:

 

Das Versprechen

Wir übertreiben nicht, wenn wir behaupten, Ihnen eine der interessantesten Anlageformen unserer Zeit vorstellen zu können. Einzigartige Merkmale im Bezug auf Sicherheit und Rendite machen dieses innovative Finanzprodukt zu einem absoluten Highlight auf dem Finanzmarkt. Die konservative Form der Anlage verbunden mit einer gesicherten Rendite, wie sie bislang meist nur mit spekulativen Strategien zu erreichen war, zeichnen die Umweltrendite aus.

Versprochen werden 14 % p.a. in monatliche Auszahlungen. Der Vertrag läuft 20 Jahre. Außerordentliche Kündigung ist möglich ab dem 3. Jahr, jedoch gibt es ein Agio von 12 %, so dass freundlich darauf hingewiesen wird, dass eine Kündigung auch erst ab dem 3. Jahr empfehlenswert sei.

Investiert werden soll in eine Beteiligung in Form eines partiarischen Darlehens an Großprojekten zur Erzeugung regenerativer Energie, vorrangig in Biogas-Anlagen und Photovoltaikfarmen. Genaue Standorte werden nicht genannt, es gehe um Länder mit hoher Energieausbeute.

 

Die Sicherheiten

Auch Sicherheiten werden geboten: Zunächst die Abtretung der Erträge an den jeweiligen Investor bei Einstellung des Geschäftsbetriebes durch den Produktgeber. Das verstehe ich nicht. Wieso sollte der Geschäftsbetrieb eingestellt werden, wenn es Erträge gibt? Oder wie sollen Erträge erwirtschaftet werden, die abgetreten werden können, wenn der Betrieb gar nicht mehr läuft? Wieso sollte das Geschäftsmodell bzw. die technische Anlage in einem Fall profitabel arbeiten, im anderen Fall aber nicht? Wer ist überhaupt hier der Produktgeber, welche Rechtskonstruktion liegt genau vor? Wir wissen es nicht.

Dafür gibt es aber noch eine zweite Sicherheit und die ist wirklich rührend: nämlich die „Vermögensschadensversicherung bei nachgewiesener Falschberatung“. Gemeint ist die Vermögensschaden-Haftpflicht-Versicherung, die jeder in meiner Branche haben muss. Ich bin der Meinung, mein Kollege wird sie wahrscheinlich benötigen, wenn er das von ihm angepriesene Produkt an Menschen verkauft, die Sicherheit suchen. Wir werden sehen. Ob aber Herr Mayer auf diese Versicherung vertrauen kann, ist fraglich, sollte der Vertriebsmitarbeiter dann evtl. überhaupt nicht mehr bei der Vertriebsgesellschaft arbeiten (die Fluktuation ist hier bekanntlich groß).

 

Gutes tun

Das Angebot inklusive Berechnung klingt einfach nur gut: zweistellige Rendite, man „investiert in die Umwelt“ (wie es umgangssprachlich häufig heißt) und das Ganze sei auch noch absolut sicher und wird deshalb als konservative Anlage angepriesen. Endlich scheint er gefunden, der heilige Gral der Kapitalanlagen … wäre da nur nicht dieses berechtigte Misstrauen von Herrn Maier gewesen. Wenn alles zu schön klingt, ist vielleicht Vorsicht geboten.

Herr Maier ist branchenfremd und fragte deshalb noch einmal per Mail bei dem Vertreter des Finanzvertriebes nach (die Antwortmail liegt mir vor). Herr Maier möchte drei Sachen wissen: 1. Was ist ein partiarisches Darlehen, 2. ob die Berechnung tatsächlich stimme, dass ihm bei Einzahlung von 120.000 Euro 15 Jahre lang jeden Monat 2.567 Euro ausbezahlt würden, also über 450.000 Euro, 3. welche Kosten dabei anfallen und 4. was passiert, wenn die Idee mit dem Investment in „Hybridanlagen“ scheitert?

Herr Maier trifft mit seinen Fragen das Wesentliche: Die Anlageform, die Sicherheit der Rendite, die Kosten und das Ausfallrisiko. Gehen wir der Reihe nach die Punkte durch.

 

 1.      Partiarisches Darlehen

Die Antwort des “Vermögensberaters” ist bestechend: Partiarisches Darlehen besage nach dem Gesetz, dass Sie an Gewinnen beteiligt sind, nicht aber an Verlusten. Diese müsste die Firma tragen, ohne Sie damit zu belasten. Durch die Garantien und dem Zukunftsmarkt „Energie“ werde es zu keinen Verlusten kommen.

Grundsätzlich handelt es sich (laut Gablers Wirtschaftslexikon) bei einem partiarischen Darlehen um ein Darlehen, bei dem der Gläubiger an Stelle von Zinsen einen bestimmten Anteil am Umsatz oder Gewinn erhält. Die Vertragsparteien können den Vertrag beliebig gestalten.

In einem anderen Finanzlexikon wird es deshalb auch gewinnbeteiligtes Gesellschafterdarlehen genannt, welches eine Personengesellschaft durch ihre Gesellschafter erhält. In einem Rechtswörterbuch wird erwähnt, dass die „Geldhingabe gegen Gewährung von 20 % des erzielten Reingewinns betrage“. Es finden sich dazu selbstverständlich noch viele detailliertere Ausführungen, jedoch konnte ich nichts dazu finden, dass durch die Rechtskonstruktion oder gar „durch Gesetz“ der Darlehensnehmer nur an Gewinnen, nicht aber an Verlusten beteiligt ist.

In Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Partiarisches_Darlehen) wird schließlich die Bedeutung als nicht regulierte Kapitalanlage erwähnt. Dazu gehört auch, dass ein förmlicher Verkaufsprospekt nicht erforderlich ist. Auch eine Banklizenz ist zur Ausgabe eines solchen Anlageproduktes nicht erforderlich. Nun wird mir klar, weshalb kein umfangreiches Verkaufsprospekt ausgehändigt wurde. Allmählich mulmig wird mir, wenn ich den Kommentar lese: Häufig werden die partiarischen Darlehen juristisch mangelhaft konstruiert, so dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) immer wieder Untersagungsverfügungen in Bezug auf die Einwerbung oder Abwicklungsverfügungen in Bezug auf angenommene Darlehen erlässt.

Für den Allfinanzvertrieb ist es bestimmt auch nicht von Nachteil, dass für den Verkauf entsprechender Produkte keine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz, vielmehr ist lediglich eine Erlaubnis nach § 34 c Gewerbeordnung notwendig ist.

Wenngleich ich kein Rechtsexperte für Kapitalanlagen oder Gesellschaftsrecht bin, genügen mir die Informationen für den Verdacht, dass es sich hier schwerlich um eine sichere, konservative Anlage in einem rechtlich verlässlichen Mantel handeln kann. Weshalb wäre sonst diese Konstruktion überhaupt notwendig?

Nebenbei sei erwähnt, dass der Begriff in den Ausführungen des werten Kollegen und selbst auf dem Berechnungsbogen stets falsch als „patriarchisches Darlehen“ bezeichnet wurde. Da ist ein wenig Schmunzeln schon erlaubt. Nicht so lustig und vielleicht bezeichnend ist die Tatsache, dass da Menschen Dinge anpreisen, von denen Sie noch nicht mal wissen, wie man sie schreibt (geschwiege denn, was es ist).

 

2.      Die Renditeberechnung

Auf die Renditeberechnung möchte ich hier im Einzelnen gar nicht eingehen. Erstens fällt auf, dass nirgends begründet wird, woraus sich die 14 % vermeintlich sichere Rendite genau ableiten. Angeblich ja aus dem Eneuerbare Energien Gesetz (EEG). Dieses Gesetz ist ein Monstrum, in das ich mich nicht einarbeiten möchte. Gerade deshalb wäre ich für eine eine Musterberechnung mit Hinweis auf die genauen Gesetzesgrundlagen unter Zitierung der jeweiligen Paragrafen dankbar. So werden sie hier einfach mal nur behauptet.

Entscheidend scheint mir aber der Hinweis auf ein zusätzliches Darlehen. Der Abschluss des Produktes scheint nämlich an ein Darlehen (aus Dubai, warum Dubai?) gekoppelt. Weshalb sollte man sich noch zusätzlich verschulden, wenn man doch schon ausreichend Geld für eine Investition hat? Hier soll wohl mittels Verschuldungsfaktor die Rendite durch den Leverage-Effekt künstlich nach oben gehebelt werden. Diesen Effekt habe ich bereits an anderer Stelle erläutert. Man sollte dazu wissen, dass der Schuss auch nach hinten losgehen und zur Überschuldung führen kann. Also findet sich hier abermals ein Hinweis auf Risikomaximierung und keineswegs auf eine sichere, konservative Anlage.

 

 3.      Die Kosten

 Um es kurz zu machen: die Kosten werden nirgends zusammengestellt und explizit ausgewiesen. Ein brauchbarer Prospekt liegt ja nicht vor. Möglicherweise hat das auch seine Gründe.

Sichtbar ist das Agio von 12 %. Man bedenke, dies würde einen bei Anlage von 120.000 Euro Kosten von 14.400 Euro bedeuten. Nun wird das Agio aber nicht nur auf das Eigenkapital angewendet, sondern auf die Summe der Gesamtanlage, also inklusive der Darlehenssumme. Das wären dann bei einer Gesamtanlage von 375.000 Euro allein 45.000 Euro Agio. Für das eingesetzte Eigenkapital (120.000 Euro) hätte man also ein Drittel allein für das Agio zu bezahlen. Das muss ja auch erst einmal wieder erwirtschaftet werden, bevor überhaupt Gewinne für den Anleger entstehen können!

Zudem hat man jetzt aber auch noch Schulden. Dafür muss man Zinsen bezahlen. Die Zinskosten werden aber nicht eigens ausgewiesen, sondern hinter einer Rate für Zins und Tilgung verschleiert (bei 5,35 % jährlich allein über 20.000 Euro). Da ich nicht sehen kann, wie hoch die Tilgung ist, weiß ich auch nicht, wie hoch die Zinsen sind. Zu den für geschlossene Fonds nicht unerheblichen zusätzlichen Kosten für Provisionen, Honorare und Management gibt es keine Angaben.

Der Vermittler hat die Frage von Herrn Maier nach den Kosten folgendermaßen beantwortet: Keine mehr; alles innerhalb der 120.000 Euro Einzahlsumme verrechnet. Kosten werden also damit abgetan, dass sie verrechnet werden. Es gibt sie nicht, weil sie irgendwo abgezogen werden. Das ist schon haarsträubend. So allmählich wird mir angst und bange. Um nicht falsch verstanden zu werden: hohe Kosten sind bei Beteiligungsfonds normal, doch sollte man erfahren, wie viel wofür ausgegeben wird.

 

4.      Investmentidee und Ausfallrisiko

Die präzise Frage zum Ausfallrisiko wird von dem Vertriebsmitarbeiter schlicht nicht beantwortet. Wahrscheinlich hätte die korrekte Antwort lauten müssen: es besteht die Möglichkeit eines Totalausfalls. Dies ist meistens bei geschlossenen Fonds der Fall, aber bei diversifizierten Anlageformen eher theoretischer Natur. Die Aussage, dass es gar kein Verlustrisiko geben kann, hat m.E. allerdings die Tendenz zur Falschberatung bzw. Vortäuschung falscher Tatsachen.

Dafür erhält Herr Maier in der Antwortmail des Vertreters einen lehrreichen Kommentar zur Investmentidee: Die Hybridanlagen dieser Art sind erst im Aufbau. Günstig Biodiesel herzustellen wird zukunftsträchtig, gerade für Firmen mit großen Fuhrparks, die aus ihren eigenen Abfällen ihre Auto betreiben z.B. Brauereien, Müllunternehmungen, Kommunen usw. Es gibt im Rahmen des EEG eine Abnahmegarantie, so dass was hergestellt wird auch abgenommen werden muss, so werden diese umgeschrieben und bekommen Sie Anteile von einer Anderen.

Mal abgesehen von der unverständlichen Ausdrucksweise möchte ich nun doch mehr wissen zu diesen Anlagen. Zum Glück findet sich auf dem ausgehändigten Papier ein Link zu einer Investmentfirma. Gegen deren Webseite ist meine trotz ihrer Durchschnittlichkeit geradezu ein Hochglanzprodukt. Der Informationswert tendiert gegen Null. Vielleicht hilft aber der zweite Link auf eine Umweltbroschüre. Diese findet sich auf einem Publikationsserver (Issuu.com), jedoch nicht als PDF, weder ausdruckbar noch herunterzuladen. Allmählich schrillen bei mir die Alarmglocken. Auf dem Deckblatt der virtuellen Broschüre werden gleich mal 23,5 % Umweltrendite versprochen. Neben allgemeinen und überlesenswerten Informationen erfährt man immerhin, dass in ein sog. KOI-Hybrid-System (Bezeichnung wurde geändert) investiert wird.

Da ich kein Ingenieur bin, kann ich dazu wenig sagen. Aber auch wenn es sich eine Technik handeln würde, die das Potential hätte, all unsere Energieprobleme zu lösen, so fällt dessen ungeachtet auf, dass es sich hier wohl um kein diversifiziertes Portfolio handelt, d.h. es wird nicht in Dutzende unterschiedliche Firmen oder Verfahren oder gar Branchen investiert, so dass bei Ausfall einiger immer noch von den anderen profitiert werden kann; es wird vielmehr hauptsächlich in eine Technologie investiert und wenn die nicht klappt – tja, was passiert dann? Ich vermute (wissen kann ich es ja nicht, weil kein Prospekt vorliegt), dann war es das wohl nicht nur mit der vermeintlich sicheren Rendite, sondern auch mit dem eingesetzten Kapital, womöglich besteht sogar noch eine Nachschusspflicht und das Darlehen muss auch noch zurückbezahlt werden. Das Agio ist ohnehin weg.

Die Hilfsargumentation beruft sich immer wieder auf das EEG und seine Abnahmegarantie. Selbst wenn diese wie behauptet besteht, wer garantiert mir über Jahrzehnte das Bestehen des EEG? Wird das hochsubventionierte Gesetz so lange Bestand haben? Angesichts der Subventionskürzung in der Solarbranche wird deutlich, wie hoch die Halbwertszeit für gut gemeinte Subventionen sein können, wenn sie nicht mehr zu rechtfertigen sind. Und selbst wenn eine Abnahmegarantie besteht, so wirkt sie sich doch nur profitabel aus, wenn die dadurch erzielten Einnahmen die Kosten der betriebenen Anlagen nicht übersteigen. Wird auch das garantiert? Schließlich stellt sich die Frage, ob genau diese Anlagen angesichts der weltweiten technischen Entwicklung auch noch in 10 Jahren Vorzeigeanlagen sind (falls sie es jetzt überhaupt schon sind), die profitabel arbeiten. Diese Problematik zeigt sich doch ebenfalls in der Solarbranche, wo bestimmte Module inzwischen sehr viel günstiger in China hergestellt werden, weshalb sich die hohen Subventionen für deutsche Firmen kaum mehr rechtfertigen lassen. Das sollte wenigstens bedacht werden, bevor man viel Geld in eine Sache investiert, die als „absolut sicher“ verkauft wird.

 

FAZIT

Investments in geschlossene Beteiligungsfonds mit ökologischen Anliegen können seriöse Grundlagen haben und chancenreiche Investments sein. Sie sind keineswegs grundsätzlich zu verurteilen, schließlich muss das Geld für die enormen Investitionskosten der „Energiewende“ ja auch irgendwie eingesammelt werden. Sie müssen jedoch zum Anlagehorizont und zum Ziel des Kapitalgebers passen! Ist das bei uns der Fall? Nein! Diese Anlageform eignet sich keineswegs dafür, den Rentenausfall für einige Jahre gesichert zu überbrücken. Aus Sicht eines juristischen Laien, haben wir hier m.E. ein hervorragendes Beispiel für eine Falschberatung.

Bei dem empfohlenen Produkt scheint mir das gesunde Misstrauen von Herrn Maier mehr als berechtigt. Sind geschlossene Beteiligungsfonds schon für sich genommen riskant genug, so handelt es sich wohl hier zudem noch um ein potenziertes Risiko: kein ausgehändigter Prospekt, kein renommiertes Emissionshaus, keine Kostenaufstellung, eine fragwürdige Rechtskonstruktion, fehlende Diversifizierung im Anlageportfolio, eine Renditeberechnung unter irgendwelchen Bestannahmen, eine mit der Finanzierung einhergehende Verschuldung sowie ein Agio das ich gerne mal als Honorar verlangen würde, wenn ich vor dieser Investition unbedingt abrate. Es schrillen die Alarmglocken. Für mich ist das schlicht Finanzmüll und ich wünsche mir solidere Formen für die Finanzierung regenerativer Energien. Es gibt schönere Arten, das Geld auszugeben…

Dr. Guido Kirner

*Dem Text liegt ein realer Fall zu Grunde. Die Namen wurden geändert bzw. frei erfunden.

Erschreckende Unkenntnis

Wer des Öfteren als Finanzdienstleister mit Kunden zu tun hat, kann vielleicht bestätigen: Frauen stapeln eher tief, Männer hoch; Frauen entschuldigen sich für Ihre Unkenntnis, stellen dann aber kluge Fragen und entscheiden recht logisch; Männer dagegen geben sich gerne selbst als Fachmann, deuten an, dass sie alles im Griff haben und entscheiden dann viel emotionaler, als sie glauben. Solange beide bedürfnisgerecht beraten werden, ist es egal, und Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel.

Traurig wird das Ganze nur, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Ahnungslosigkeit und Beratungsresistenz. Und tatsächlich bestätigt eine Studie beides in erschreckendem Maße, und zwar unabhängig vom Geschlecht. So liegt nun das Ergebnis einer Umfrage des Fondsbranchenverband BVI vor, bei dem 1000 Leute befragt wurden. Das beginnt damit, dass überhaupt nur 11 % es für wichtig halten, etwas ihre Geldanlagen zu verstehen. Wenn das so ist, dann helfen auch keine Gesetze und kein Verbraucherschutz. Da sind die 20 %, die schlechte Erfahrungen mit Finanzgeschäften gemacht haben, noch erstaunlich wenige; oder ist der Rest vielleicht so unbedarft, noch nicht einmal beurteilen zu können, was ein gutes und was ein schlechtes Geschäft ist?

Tatsächlich glauben 61 % (bei jüngeren sogar 80 %), Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch seien geeignete Geldanlagen für die Altersvorsorge, obgleich diese allenfalls dafür geeignet sind, Geld bis zur besseren Verwendung zu parken und (inzwischen noch nicht einmal) die Inflation auszugleichen. Im Gegenzug halten nur ein Viertel der Jüngeren die betriebliche Altersvorsorge (bAV), Fondssparpläne oder Rentenversicherungen für geeignet. Bei der Mehrheit fehlen also Grundkenntnisse.

Sicherheit ist fast der Hälfte der Befragten das Wichtigste bei der Geldanlage. Verständlich, erstaunlich nur, dass nur 6 % das wichtigste Mittel, nämlich die Risikostreuung für wichtig halten. Eine gewisse Konsequenz im Verhältnis zur Risikoneigung birgt das Ergebnis, das für nur 6 % der Ertrag das wichtigste ist. Da erinnere ich mich an einen Kommentar der FAZ, die Deutschen seien „Renditeverweigerer“.

Die verbreitete Unkenntnis führt jedenfalls dazu, dass die Deutschen zu wenig, falsch bzw. mit ungeeigneten Instrumenten ihre Sparziele verfolgen. Da stellt sich doch die Frage, ob nicht Experten weiterhelfen könnten? Dem widerspricht, dass es immerhin 90 % für immer wichtiger halten, sich selbst mit dem Thema zu befassen. Die wichtigsten Gründe, warum sie das dann aber nicht tun, sind: es macht keinen Spaß (43 %), kein Vertrauen in Finanzinstitute (40 %), starke Verunsicherung, was man tun soll (37 %), Schwierigkeiten beim Verständnis von Informationsmaterialien (37 %). Die FAZ erwähnt in ihrem Artikel noch eine Umfrage. Hier bestätigt sich die umfassende Unkenntnis: so haben z.B.  60 % noch nie etwas vom Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge gehört.

Sind die meisten Bürger selbst schuld an ihrer Unkenntnis oder ist es auch der Branche anzulasten, dass sie zu schlecht beraten? Möglicherweise beides. Die Mission für meinen Beruf sollte also sein: Aufklärung zu mündigen Finanzbürgern, zumindest wenn das Interesse da ist.

Dr. Guido Kirner, Finanzberatung und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Depot als Rumpelkammer

ZITAT: “Ich begegne allzu oft Menschen, deren Portfolio dadurch zustande gekommen ist, deass sie alles zusammengekauft haben, was gerade angesagt war oder was ihr Broker ihm aufdrängte. Solche Portfolios sehen aus wie ein Dachboden voller Krimskrams, ohne übergreifendes Anlageziel.”
Aus dem Buch von: David M. Darst ‘The little book that saves your assets’, deutsche Version, S. 60]

Wenn Sie das Gefühl haben, dass es in Ihrem Depot ähnlich aussieht, dann sollten Sie sich wohl einen besseren Berater zulegen.
Dr. Guido Kirner, Finanzmakler & Versicherungmakler, Weilheim i.OB