Jürgen Stark zur Notenbankpolitik

Jürgen Stark war von 2006 bis 2011 Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank. Er trat nicht zuletzt deshalb zurück, weil er die Geldpolitik der EZB 2011 nicht mehr mit verantworten wollte. Im Münchner Merkur von heute (Nr. 46, 23./24. Februar 2013, S. 7) gibt er ein Interview, aus welchem ich zwei Passagen zitiere.

Zur politischen Unabhängigkeit der Notenbanken

Die EZB hat das so wichtige Element ihrer Unabhängigkeit von der Politik verspielt. Um dem sich intensivierenden Druck der Politik zuvorzukommen, hat die EZB im vorauseilenden Gehorsam gehandelt. Ihr Mandat wurde bis zum Exzess ausgedehnt – das war ja auch ein wesentlicher Grund für meinen Rücktritt. Das Mandat ist spätestens mit dem Kauf von Staatspapieren in Italien und in Spanien im Jahr 2011 überschritten worden. Aber wir erleben nicht nur in Europa, sondern weltweit eine Politisierung der Zentralbanken. Dasselbe gilt für die amerikanische Zentralbank. Das eklatanteste Beispiel ist Japan. Dort ist die Unabhängigkeit der Zentralbank völlig verloren gegangen durch massiven politischen Druck.

Zur Liquiditätsschwemme und Inflationsgefahr

Es gibt eine Blase an den Anleihemärkten. Es gibt Übertreibungen an den Aktienmärkten. Immobilien sind ein heterogenes Feld. Natürlich sieht man Übertreibungen in deutschen Ballungsgebieten. Das muss man beobachten. Die Liquidität, die da ist, findet ihren Weg. Wenn es zunächst nicht der Weg in die Verbraucherpreisinflation ist, dann findet sie ihren Weg in die Vermögenspreise, die Immobilienpreise oder die  Anleihemärkte.  Wir werden höhere Inflationsraten haben, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Es gibt eine große Liquiditätsschwemme. Die wird sich nicht heute und nicht morgen, aber irgendwann in höheren Inflationsraten niederschlagen. Die Notenbanken werden nicht in der Lage sein, die von ihnen geschaffene Überschussliquidität wieder einzusammeln, bevor sich die Inflationserwartungen auf einem höheren Niveau festsetzen.