Asmussen – wird der Bock zum Gärtner gemacht?

Es sind nicht die Ratten, die das sinkende Schiff verlassen. Es ist eher eine aussterbende Spezies von Nationalbankern mit Prinzipien, die ihre Ämter aufgeben, weil sie die Geldpolitik der Bundesregierung und der Europäischen Zentralbank nicht mehr mit verantworten möchten, zumal den Aufkauf von Schuldtiteln überschuldeter südeuropäischer Länder. So trat bereits Axel Weber als aussichtsreichster Kandidat auf das Amt des nächsten Präsidenten der EZB zurück; nun verkündet ihr Chefvolkswirt  – Jürgen Stark – sein Ausscheiden.

Personalfragen sind Machtfragen und setzen Zeichen. Nun zeigt sich auch personalpolitisch der Abschied von der deutschen Stabilitätskultur in der Geldpolitik. Das wird nicht ohne Folgen bleiben. Dafür werden nun smarte Karrieristen zu „Währungshütern“ gemacht. Man könnte – um ein weiteres Sprichwort zu bemühen – auch sagen: Nun wird der Bock zum Gärtner gemacht, wenn Ratgeber der Kanzlerin die EZB bevölkern, die maßgeblichen Einfluss auf ihren mäandernden Irrweg im letzten Jahr hatten.

Politisch unentbehrlich scheint Jörg Asmussen. Sein Name fällt nicht erst seit Ausbruch der Finanzkrise in unterschiedlichsten Zusammenhängen der Finanzpolitik. Sein Ruf als unverzichtbarer Krisenmanager scheint gefestigt. Auch hat er es geschafft mehreren Dienstherren unterschiedlicher Parteien mit Rat und Tat beiseite zu stehen.

Die Frage ist: war das auch zum Wohle Deutschlands? Eindeutig nein, denn die Bundesregierung hat ein geldpolitisches Prinzip aus seiner bewährten Bundesbankvergangenheit nach dem anderen aufgegeben, dafür aber seine zahlungsbereiten Taschen immer weiter aufgemacht. Wer sind eigentlich diese vermeintlich unverzichtbaren Staatsbeamte in der zweiten Reihe.

Jörg Asmussen ist besonders interessant, weil er als ein Teil des Problems betrachtet werden kann, als dessen Lösung und Retter er sich später andienen konnte. So hat er unter Finanzminister Eichel (SPD) die Deregulierung der Finanzmärkte kräftig vorangetrieben. Dadurch wurden jene Kreditderivate überhaupt erst in Deutschland erlaubt, welche hiesige Banken ins Straucheln brachten.

Im (nicht über jeden Zweifel erhabenen) Buch von Alexander Dill ‚Der Große Raubzug’ ist er einer der am meisten genannten Personen, die im Zwischenreich von öffentlichen Banken und Politik vor und während der Finanzkrise agierten, nicht zuletzt im Zusammenhang mit dem Untergang der IKB, der Gründung von Zweckgesellschaften, der Einführung unaussprechlicher Derivate und vielem anderem mehr, was zur größten Geldvernichtungsmaschine der Nachkriegszeit avancierte.

Umso selbstbewusster muss er als Krisenmanager aufgetreten sein, als der ganze Schlamassel ausgebadet werden musste; klar, denn welcher Politiker kannte sich schon aus bei dem ganzen Irrsinn. Wenn Asmussen unter Schäuble und Merkel auch noch Einfluss darauf gehabt haben sollte, die EZB endgültig zum willfährigen Instrument von Sarkozy, Berlusconi & Co zu machen, dann hat er sich seinen Platz in den Geschichtsbüchern wirklich verdient, womöglich als finanzpolitischer Rasputin Deutschlands. Seine Ernennung wäre im Rahmen einer falschen Politik aber wenigstens konsequent.

Dr. Guido Kirner