Gib zwei Prozent, nimm mehr – ein Kombinationsprodukt aus Sparbrief und Investmentfonds der Sparkasse

Meine Regionalzeitung hatte heute Morgen eine Beilage, eine Produktwerbung der Vereinigten Sparkassen. Wie ein Gütesiegel gehalten findet sich die Aufschrift: Das aktuelle Angebot. Fair. Menschlich. Nah. So präsentiert sich die Sparkasse um die Ecke, spätestens seit man das Image der großen Geschäftsbanken nicht mehr so gerne teilen möchte.

Mit dem beworbenen Produkt kommt man mit doppelter Kraft leichter ans Ziel. Es handelt sich nämlich um eine Kombination aus einem Sparkassenbrief und einem Investmentfonds, in denen jeweils die Hälfte des Anlagebetrages angelegt werden  soll.

Selbstverständlich findet sich irgendwo ein Sternchen, das auf Kleingedrucktes verweist, dass die Information (also das Werbeblatt) keine Beratungsgespräch ersetzen kann usw. Ich möchte dessen ungeachtet einige Überlegungen zu diesem Produkt anstellen.

Was verspricht also nun die doppelte Kraft und welches Ziel wird angestrebt?

Baustein I: Der Sparbrief

Der erste Baustein ist also ein Sparbrief. Hier muss man mindestens 2.500 Euro anlegen, die Laufzeit beträgt 11 Monate, es entstehen keine Kosten und es gibt eine attraktive Verzinsung von 2 % p.a.

Zwei Prozent Zins sind gar nicht schlecht, wenngleich ich aktuell gut und gerne auf das Tagesgeld anderer Banken 25 Prozent mehr Zins bekommen kann, also um die 2,5 Prozent. Also schon bei dieser Komponente ist nicht unbedingt ein großer Vorteil zu erkennen. Was meine Stirnrunzeln vergrößert ist die Frage: Wieso beträgt die Laufzeit 11 Monate, das Produkt wird aber  jährlich, also auf 12 Monate verzinst. Wie viel Zins bekomme ich also, wenn ich nach 11 Monaten aussteige, oder nach 17 Monaten? Welche Zinsgarantie habe bei sechs Jahren? Dies würde ich unbedingt den Bankberater fragen.

Zwischenfazit: Gibt es einen Zinsvorteil im Wettbewerb? Kaum. Gibt es einen Flexibilitätsvorteil im Hinblick auf die tägliche Verfügbarkeit im Vergleich z.B. zum Tagesgeldkonto? Nein (im Gegenteil, es gibt eine Laufzeit). Gibt es ein vermindertes Risiko im Vergleich zu anderen Produkten, die 2 Prozent abwerfen? Nein.

Baustein II: der Investmentfonds

Betrachten wir nun den zweiten Baustein: den Investmentfonds, in welchem die andere Hälfte des Geldes angelegt wird. Hier hat man die Auswahl zwischen drei Varianten eines Dachfonds. Dachfonds bedeutet, es wird in andere, sog. Zielfonds investiert, zumeist hauseigene Fonds der Deka, vielleicht noch zusätzliche etwaiger Kooperationspartner; jedenfalls wird hier nicht unabhängig in die aufgrund bestimmter Kriterien für am Besten befundenen Fonds am Markt investiert.

Wir schauen uns einmal die mittlere Variante A40 genauer an. In der Fahrrad-Metaphorik der Werbebotschaft kommt man mit „etwas mehr Druck auf den Pedalen in Richtung Ziel“. Was ist mit Ziel also gemeint? Auch hier findest sich ein Sternchen mit dem Kleingedruckten: „Bei den definierten Zielen handelt es sich um angestrebte Werte. Keine Garantie“. Ich erfahre also nur, dass ich keine Garantien habe. Was bedeutet das?

Ich brenne nun vor Neugier: Was sind die „definierten Ziele“? Wenn ich das Blatt wende, erfahre ich immerhin, es geht um eine Mindesthaltedauer mit dem Ziel des Kapitalerhalts mittels einer Höchststandssteuerung. Alles klar? Fangen wir von hinten an. Höchststandsteuerung meint, dass ein bestimmter Aktienanteil – in unserem Fall von 40 %, nicht überschritten werden darf. Klar, indem ich den risikobehafteteren Anteil gering halte, vermeide ich Verluste; die Kehrseite ist: ich vermeide auch mögliche Gewinne. Wie haftbar ist jedoch die versprochene Sicherheit. Es handelt sich wohl um kein echtes Garantiefondskonzept, sondern – wie erwähnt – eben nur um ein angestrebtes Ziel. Was fange ich aber mit einer solchen Aussage an?

Wenn ein gewisses Risiko mittels eines zu hohen Aktienanteils vermieden werden soll, dann möchte ich freilich wissen, was sind denn dann die absichernden Anteile? Auf der Webseite zum Fonds erfahre ich zur Struktur:

–          nur 17 % fließen in Aktienfonds

–          20 % in Rentenspezialthemen

–          36 % in Bundesanleihen

–          27 % in Geldmarktfonds

Ich möchte mir hier Details ersparen, weil mir eines sofort klar wird: 83 % des Anlagebetrages fließen in Anlagenklassen, mit welchen ich aktuell schwerlich mehr als 2 % Gewinn erziele, etwa im Vergleich zum ersten Baustein. Nimmt man beide Bausteine zusammen, so fließen von z.B. 100 Euro nur 8,50 Euro in Aktienfonds. Da stellt sich doch die Frage: wozu der ganze Aufwand?

Die Kosten

Wir haben aber noch gar nicht die Kosten des Fonds berücksichtigt – und da kommt einiges zusammen:

–          Zunächst ein einmaliger Ausgabeaufschlag von 3 %. Da ist im Marktvergleich für einen Dachfonds eher gering, es bleibt aber abzuwarten, was noch hinzukommt.

–          Und dann kommt es: wo der Ausgabepreis eher gering ist, da nimmt man an anderer Stelle, z.B. bei einer erfolgsbezogenen Vergütung. Klingt fair, ist aber völlig undurchsichtig und bedeutet, wenn die Fondsgesellschaft einen Gewinn für mich erzielt, nimmt sie sich 20% der Wertentwicklung, die die variantenindividuelle Gesamt-Schwelle (EZB-Leitzins zuzüglich Hurdle-Rate in Höhe von 2%) übertrifft, jedoch maximal 2% p.a. Verstanden? Nein? Na dann lassen Sie es sich doch einfach mal ganz genau von ihrem Bankberater bei der Sparkasse erklären. Eines ist klar: macht die Deka mit diesem Fonds für mich einen Gewinn, der über eine gewisse Schwelle hinausgeht, dann nimmt sich davon zusätzlich zu den sonstigen Gebühren einen happigen Anteil als Erfolgsvergütung.

–          Hinzu kommen nämlich weitere Gebühren:

  • Eine sog. Verwaltungsvergütung von 0,6% (welche eine Vertriebsprovision enthält).
  • Dann gibt es noch eine Kostenpauschale pro Jahr 0,10 % für „Depotgebühren und sonstige Kosten und Gebühren“.
  • Schließlich fallen noch laufende Kosten von 1,29 % pro Jahr an, das sind hauptsächlich die Kosten für die Fondsverwaltung.

Das bedeutet, allein um die auf den Kunden abgewälzten laufenden Kosten hereinzuholen, muss das Fondsmanagement knapp 2 Prozent Gewinn pro Jahr erwirtschaften. Rechnet man den Ausgabeaufschlag auf eine Laufzeit von 6 Jahren, sind es schon 2,5 Prozent. Macht die Fondsgesellschaft darüber hinaus einen Gewinn, nimmt sie sich davon auch noch mal einen erheblichen Anteil. Hier stellt sich die Frage, wie der mittels eines so geringen Aktienanteils überhaupt erzielt werden kann und was dann noch für den Kunden übrig bleibt.

Hier bekommt das Wort Kapitalerhalt auf eine bestimmte Laufzeit m.E. eine ganz neue Bedeutung: Ich kann froh sein, wenn nach Abzug der Kosten überhaupt ein Gewinn übrig bleibt.

FAZIT

Wieso wird der Fonds zusammen mit einem Sparplan als ein Produkt verkauft? Meiner Meinung nach um etwas „Kostenloses“ und „Sicheres“ mit etwas Überteuertem zu verkaufen. Wahrscheinlich wird das Produkt nach Kosten kaum mehr einbringen als Tagesgeld oder ein beliebiger Rentenfonds, dafür bringt es der Bank bzw. Fondsgesellschaft einträgliche Gebühren. Ferner kann man in Zielfonds der eigenen Bank investieren (Die Bank verdient an dieser Stelle wieder etwas), die aber deshalb nicht nicht zur Peergroup der besten 10 Prozent ihrer Klasse gehören müssen. Meiner Meinung nach handelt es sich für den Kunden wieder einmal um eine ebenso unsinnige wie nutzlose Produktform.

Was wäre eine Alternativen? Vielleicht legen sie den Großteil z.B. 75 % auf das Tagesgeldkonto (wenn sie vorerst nicht wissen, was sie die nächsten 3-5 Jahre mit dem Geld vorhaben), und zwar bei einer Bank, wo sie aktuell um die 2 % Zins p.a. bekommen. Kaufen Sie für 15 % einen Fonds oder ein ETF für Unternehmensanleihen, da man für vermeintlich sichere Staatsanleihen kaum mehr Zins bekommt, manche sprechen hier sogar inzwischen vom “zinslosen Risiko”, weil Staaten mit der Schuldenkrise nicht mehr die Schuldnerqualität von einst zugesprochen werden kann. Legen Sie die verbleibenden 10 % in einen Aktienfonds einer unabhängigen Fondsgesellschaft an, z.B. eines renommierten Vermögensverwalters. Vor allem: Vergessen Sie den Quatsch von der risikofreien und wie auch immer abgesicherten Rendite. Die gibt es einfach nicht.

Dr. Guido Kirner (KIRNER-FINANZ)

Anleger kaufen wieder Fonds

Wie die jüngsten Zahlen des Fondsbranchenverbandes BVI zeigen, fließen Investmentfonds wieder mehr Gelder zu als aus ihnen abgezogen werden. Der Nettozufluß bei Mischfonds (die sowohl in Anleeihen als auch Aktien investieren dürfen) lag von Januar bis November letzten Jahres bei 14,1 Milliarden Euro. In Rentenfonds flossen netto 11,5 Milliarden Euro, in Aktienfonds 8,8 Milliarden Euro.

Lebensversicherung und ETFs

Eigentlich müssten sich die Lebensversicherungsgesellschaften ein Wettrennen liefern, wer als erstes das beste Produkt auf den Markt wirft, bei dem im Mantel einer privaten Rentenversicherung das Deckungskapital über börsennotierte Indexfonds (sog. ETFs) aufgebaut wird. Doch obgleich die ETFs – was die Kapitalzuflüsse anbetrifft – als die erfolgreichsten Anlageprodukte der letzten Jahre gelten können, herrscht weitgehend Schweigen zu diesem Thema: keine großangelegten Werbekampagnen, kaum brauchbare Informationen im Internet, auch liest man nichts in einschlägigen Fachzeitschriften.

Was sind ETFs?

Bei ETFs handelt es sich um einen Hybrid zwischen Investmentfonds und Aktien. Die Fonds sind so konstruiert, dass die in ihnen enthaltenen Aktien (nach Diversifikation und Gewichtung) exakt einen Börsen-Index abbilden (DAX, S&P 500, Dow Jones, E-Stoxx 50, Nasdac 100, MSCI World u.v.a.m.). Inzwischen werden hunderte Indices in ETF-Produkten angeboten, so dass sich damit beinahe die gesamte Aktienwelt rund um den Globus abbilden lässt.

Vorteile von ETFs

ETFs haben Vorteile: sie haben erheblich geringere Kosten als Investmentfonds, sie sind äußerst transparent, es besteht ein fortlaufender Börsenhandel und hohe Liquidität und sie bieten auf einfache Weise eine hohe Risikostreuung bzw. Diversifikation.  Der vermeintlich Nachteil, dass auf ein aktives Fondsmanagement verzichtet wird, relativiert sich oder kehrt sich sogar zum Vorteil, wenn man bedenkt, dass es eh nur um die 20 % der Fondsmanager schaffen, die jeweilige Benchmark, d.h. den Vergleichsindex zu schlagen. Und wenn dies eine Minderheit kann, dann selten dauerhaft. Je effizienter die Märkte sind, desto schwieriger wird es für die Fondsmanager eine Outperformance zu generieren. Schließlich stellen die ETFs wie Investmentfonds ein geschütztes Sondervermögen dar und haben deshalb im Unterschied zu Zertifikaten kein Emittentenrisiko (man denke an die Lehman-Zertifikate). Also warum für den langfristigen Kapitalaufbau nicht gleich in ein passives Investment der ETFs investieren?

ETF und Lebensversicherung: eine gute Kombination?

Sicherlich, man kann sich ETFs auch direkt ins Depot legen. Zwar bieten die Banken diese Produkte kaum von sich aus an, weil sich mit ihnen weniger verdienen lässt als mit herkömmlichen und am besten hauseigenen Investmentprodukten. Aber gerade deshalb könnte das der Versicherungsbranche zum Vorteil gereichen, wenn sie in diesem Bereich mehr Engagement zeigen würde. Der Mantel der Lebensversicherung trägt trotz aller Schmähungen zur Disziplinierung des Sparvorgangs bei – und das wird sehr häufig übersehen: die Disziplin ist beim Sparvorgang letztlich wichtiger als die Rendite. Zwar soll die durchschnittliche Lebensdauer der Lebensversicherungen aufgrund vorzeitiger Kündigungen nur bei ca. 8 Jahren liegen; doch ist das immer noch weitaus länger als bei den meisten Fondssparplänen. Zudem könnten sich im Mantel einer Rentenversicherung Vorteile aus der Ertragsanteilbesteuerung im Vergleich zur Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge ergeben.

Handlungsbedarf

Warum also rührt sich so wenig? Die Gründe liegen wohl eher in der Trägheit bei  Vertrieb und Tradition. Noch die wenigsten Berater, ganz zu schweigen von jenen der großen (und kleinen) Finanzvertriebe haben überhaupt Ahnung, was ETFs sind. Nur eine kleine Elite beschäftigt sich damit und könnte ihre Möglichkeiten (dann auf Honorarbasis) darlegen. Die fondgebundene Lebens- bzw. Rentenversicherung hat sich im Laufe der Zeit zu einem immer umfangreichere und damit kostspieligen Produkt entwickelt, d.h. zu einer Art Vermögensverwaltung im Versicherungsmantel. Leider werden dann aber die großen Möglichkeiten nach Abschluss vom Versicherungsnehmer kaum genutzt. Eine ETF-Lebensversicherung könnte wieder den Weg zur neuen Einfachheit bestreiten. Mit nur 25 ETFs ließen sich alle Wünsche für ein breit diversifiziertes Depot abbilden. Einmal festgelegt sollte es 20-30 Jahre ohne große Änderungen bespart werden. Wahrscheinlich wäre der Ertrag mit erheblich weniger Aufwand und Kosten mindestens genauso gut wie bei einer klassischen fondgebundenen Lebensversicherungen mit Investmentfonds. Jedenfalls sollte man es dem Verbraucher anbieten.

Hoffnung machen einzelne Versicherungen (von einer weiß ich), die schon mal einen ETF-Dachfonds in ihren Fondspolicen mit anbieten; und gerade dieser ETF-Dachfonds hat bewiesen, was er selbst in Zeiten der Finanzkrise im Unterscheid zu den meisten Investmentfonds zu leisten vermag. Es kann also nicht mehr lange Dauern und die Versicherungsbranche wird ETF-Policen konzipieren. Es braucht dann aber eben auch die Leute, die diese Produkte den potentiellen Kunden erläutern können.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

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