Gold, Silber, Platin, Diamanten – ein nützliches Einführungsbuch für Anleger in schwierigen Zeiten

9783898797986Wenn Staatsanleihen für viele aktuell  eher ein zinsloses Risiko als risikolosen Zins darstellen, wenn sich nicht jeder eine Immobilie leisten kann oder er hierfür nur noch überteuerte Angebote findet, wem die Aktienmärkte zu aufgebläht sind oder wer eh eine Neigung weg von papierhaften Versprechungen hin zu echten Sachwerten verspürt, der begibt sich inzwischen auf die Suche nach – nennen wir es einmal – nach „mobilen Sachwerten“.

Gold und Silber, Edelmetalle und Diamanten bekommen wieder ihren ganz eigenen Reiz für Geldanlagen, je zweifelhafter und unsicherer Markt und Politik empfunden werden.

Doch Edelmetalle haben ihre je eigenen Märkte, ihre eigenen Gesetze, bringen keinen Zins, dafür aber erhebliche Preisschwankungen mit sich. Wer in Edelmetalle und Rohstoffe investiert, muss zudem die unterschiedlichen Mehrwertsteuern bedenken. Er muss entscheiden, ob er auf einen synthetischen Preisindex wettet oder physisch hinterlegtes Edelmetall haben möchte. Überdies muß die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis bedacht werden. Und es stellt sich das Problem der Verkaufbarkeit, Aufbewahrung und Sicherheit. Schließlich muss er sich für eine Art Produkt entscheiden: Minenaktie, Rohstofffonds, Barren oder Münzen, ETC oder ETF usw. Kurz: er braucht Fachwissen, um sich darüber klar zu werden, wie viel er mit welchem Risiko in welcher Art von Geldanlage investieren möchte, um sein Depot mit edlen Sachwerten zu bereichern.

Eine kurze, anschauliche und hilfreiche Einführung in dieses Thema bietet das Buch von Beate Sander, das nunmehr bereits in der zweiten Auflage erschienen ist.

Es liefert die nötigen Hintergrundinformationen zur Geschichte, dem Gebrauchswert, die Besteuerung, den industriellen oder sonstigen Gebrauch und den entsprechenden Markteigenheiten von Gold, Silber, Platin, Palladium und in einem kurzen Abschnitt (S. 108-106) zu Diamanten. Überdies wird über die wichtigsten Produktkategorien und ihre Vor- und Nachteile informiert sowie entsprechende Empfehlungen abgegeben. Für den „Kleinsparer“ oder jene, die nicht unbedingt die Goldbarren zuhause aufbewahren möchten, sind hier unbedingt die Ausführungen zu den ETCs (Exchange Traded Commodities) interessant.

Zu Beachten ist wie immer bei der Geldanlage: man sollte die Emotionen eher aus dem Spiel  lassen, sich über die Preisschwankungen und Risiken informieren, zumindest als Anfänger mit kleineren Einsätzen beginnen und auf einfache Produkte wetten. Selbstverständlich sollte man auch nicht alles auf eine Karte setzen,  d.h. nur zwischen 5 % und 20 % in Edelmetalle anlegen und hierbei auch eher auf einen Korb, indem über mehrere Metalle gestreut wird.

Die Nützlichkeit des Buches ist unbestreitbar. Schade dass die Ausführungen und Empfehlungen zu Rohstoff-ETFs im Allgemeinen und GOLD-ETFs im Speziellen spärlich ausfallen. Vielleicht hätte man in der 2. Auflage auch etwas anders gliedern und dadurch Redundanzen vermeiden können. Letztlich kann das Buch aber als eine Art Nachschlagewerk genutzt werden, um sich schnell noch mal wichtige Informationen in Erinnerung zu rufen. Hierfür erscheint es unersetzlich.

Guido Kirner (Polling / Weilheim)

Beate Sander: Gold, Silber, Platin, Diamanten. Mit Edelmetallen richtig anlegen in schwierigen Zeiten, München Finanzbuchverlag 2013 (2. Aufl.), 287 S., 24,99 Euro. ISBN 978-3-89879-789-6.

Drei Ideen für den Finanzvertrieb 2013 – Ein offener Brief an die Versicherungsbranche

Sehr geehrte Versicherungsgesellschaften,

für das Neue Jahr wünsche ich euch alles Gute! Für das neue Jahr und die weitere Zukunft habe ich für Euch drei Vorschläge, drei Ideen, denn ich weiß, wie schwer ihr es habt mit zunehmendem Verbraucherschutz, einem rapidem Wandel im Vertrieb (Stichwort: Versicherungsvertrieb 3.0), immer höheren Anforderungen in der IT und dadurch zunehmender Transparenz des Marktes, der damit einhergehenden zunehmenden Vergleichbarkeit der Produkte und stärkerem Wettbewerb.

Trotz Vertriebserfahrung und einiger Fachkenntnis unterbreite ich euch meine Ideen kostenlos; und das, obwohl ihr so ungeheuer viel Geld ausgebt für Leute, von denen ihr glaubt, sie werden eure Verkaufszahlen verbessern d.h. für Vertriebsvorstände, Coaches, Marketingspezialisten, Maklerbetreuer, Produktentwickler usw. Ich möchte mir nicht anmaßen, meine Vorschläge seien der Weisheit letzter Schluss oder von euch noch niemals angedacht worden. Doch wie immer ist es wichtig: lasst den Worten (z.B. in der Werbung) auch Taten folgen, denn daran werdet er ihr sie erkennen.

Ziel sollte für euch sein: ein bei Kunden beliebter Marktführer zu werden, einen Namen zu haben, der sich rumspricht, der tatsächlich weiterempfohlen wird, weil er anders und besser ist. Ihr könntet euch vom „notwendigen Übel“ zum echten Helfer und Kümmerer bei existentiellen und finanziellen Risiken wandeln. Euer spießiger, kaum ernst zu nehmender, ewig fröhlich winkender Herrn Kaiser könnte zum ehrlichen Handwerker für Geldangelegenheiten werden. Das ist ein schwieriger Weg, weil so viel Porzellan im Wandel der Zeiten und Umsatzoptimierung zerschlagen wurde, die Kunden würden es euch jedoch danken und wer den Anfang macht, der wird gerade aufgrund des Wettbewerbsdrucks in der Branche sicherlich belohnt werden. Das kann ganz einfach anfangen.

 

1.       Lernt verständliches, kundenfreundliches Deutsch, wenn ihr euren Versicherten etwas mitteilt!

Es gibt eine Heerschar von Spezialisten, die sich über die einfache Handhabung von Produkten in der Industrie Gedanken machen: vom Design angefangen bis hin zum Lesen von Gebrauchsanweisungen. Ich vermute mal, eine Weltkonzern wie Apple ist nicht deshalb groß geworden, weil es technisch führend ist, sondern eher deswegen, weil es IT schöner und einfacher gemacht hat. Sie haben es geschafft, Lifestyle in eine ansonsten eher dröge Warenwelt zu bringen. Warum versucht ihr nicht Ähnliches?

Die Schnittstelle zwischen euch und euren Versicherten sind (abgesehen von Vermittlern) eure Briefe und Mitteilungen an den Kunden. Aus Sicht der Kunden stellen sie zumeist das Grauen einer Ansammlung von abschreckenden Sätzen und Formulierungen dar, die sich nur lebensferne Bürokraten und Juristen ausdenken können. Ihr braucht hier dringend Übersetzer. Ihr schafft es sogar gute Nachrichten wie einen Haftbefehl aussehen zu lassen. Nicht selten rufen Kunden völlig verstört und verunsichert bei mir an, ich solle Ihnen erklären, was in dem Schreiben der Versicherung steht und zumeist handelt es sich um Banalitäten, die man in zwei einfachen und verständlichen Sätzen hätte mitteilen können. Eure Sprache wirkt abweisend, barsch, unfreundlich, ja sogar unverschämt. Für Leute die Beiträge bezahlen ist das schlicht eine Frechheit und führt nicht zur Kundenbindung. Kurz: Eure Mitteilungen sind semantischer Giftmüll und folglich marketingtechnisch ein Supergau.

Also: lasst alle eure vorgefertigten Briefe überarbeiten, bildet vielleicht ein Team mit Leuten, die dafür verantwortlich sind fragt einige Kunden, was sie verstehen, wie sie sich dabei fühlen und wie sie das freundlich ausdrücken würden. Vielleicht stellt ihr sogar einige arbeitslose Germanisten ein, die euch dabei helfen. Fördert die Kunst rechtlich belastbarer Aussagen in verständlicher Alltagssparache und ich vermute, ihr werdet positive Überraschungen erleben. Nehmt euch nicht die Gesetzesvorlagen aus dem Parlament zum Vorbild, versetzt euch in die Lage derjenigen, die eure Beiträge zahlen und ihr werdet Akzeptanz gewinnen.

 

2.       Sehr gute und trotzdem einfache Produkte und der der Absatz kommt wie von allein

Versicherungspolicen sind keine einfachen Produkte. Sowohl von den rechtlichen Auflagen wie von der den Schwierigkeiten sie zu verkaufen sind sie nichts, was einem aus der Hand gerissen würde. Noch nie habe ich einen Kunden mit glänzenden Augen und verklärtem Blick auf einen Versicherungsantrag schauen sehen. Dabei nützt ihm dieser Vertrag wahrscheinlich weit mehr als das Zweitcabrio, der Golfschläger oder das Mountainbike. Über all das kann er sich stundenlang unterhalten und macht er sich viel mehr Gedanken als über existentielle Absicherungen und Altersvorsorge.

Vielleicht ließe sich das aber ein wenig ändern. Ist es wirklich nötig, dass der Umfang für Versicherungsverträge heute 40 bis 120 Seiten betragen muss. Hilft das dem Verbraucher? Eigentlich sollte ja mal das og. „Produktinformationsblatt“ dazu dienen, dem Kunden alle westlichen Informationen auf einer Seite zu unterbreiten. Aber auch daraus habt ihr etwas gemacht, was sich ungefähr so spannend liest wie der Beipackzettel für ein Medikament. Niemanden hilft das. Was verbraucherfreundlich sein soll, wirkt feindlich. Niemand liest das, niemand wird verlangen können, dass ein Kunde mehrere Wochenenden dafür opfert, einen Rentenversicherungsantrag mit allen dafür rechtsverbindlichen Unterlagen zu studieren, und das vielleicht noch mehrfach, wenn er mehrere Gesellschaften vergleichen möchte.

Eine regelrechte Krankheit im Sachversicherungsbereich sind die Ausnahmen in den Versicherungsbedingungen. In diesen „Klauseln“ liegt nicht nur der bekannte Teufel im Detail, sondern auch das Übel des gängigsten Vorurteils gegenüber Versicherungen: sie kassieren gerne Prämien, aber wenn es darauf ankommet, dann drücken sie sich um ihre Leistung mit Verweis auf irgendwelche obskuren Klauseln in den Versicherungsverträgen.

Ich weiß, selten wird in den Medien darüber berichtet, wenn eine Versicherungssumme im Schadensfall vorbehaltlos ausbezahlt wird. Die Vorurteile halten sich hartnäckig. Warum das so ist, kann man schnell erklären: eure Kunden spüren, dass sie nicht genau wissen, was sie tatsächlich gekauft haben, welchen Schutz sie wirklich „genießen“; und je mehr Papier ihnen ausgehändigt wird, desto mehr fürchten sie, dass sie in irgendeiner perfiden Weise hintergangen werden. Letztlich verlassen Sie sich darauf, dass „ihr Berater nett“ ist. Soll das so sein?

Stellen wir uns also einmal eine Versicherungsurkunde vor, auf welcher selbstbewusst das Logo der Gesellschaft prangt und nur ein Satz zu lesen wäre: „Wenn ihr Haus abbrennt, zahlen wir Ihnen gegen einen Beitrag von x € im Jahr die Summe y. Es gibt nur eine Ausnahme: Sie sind haben das Haus selbst in Brand gesteckt oder dazu angestiftet.“ Oder die Luxusvariante: „Wir schützen ihr Anwesen gegen alle äußeren Gefahren oberhalb einer Schadenssumme von 500 Euro, es sei denn sie haben den Schaden selbst verursacht.“ Wären das nicht klare Aussagen, hervorragende Abmachungen, die regelrecht warme und gute Sicherheitsgefühle beim Kunden wecken könnten? Ist das naiv, ist es nur eine Karikatur. ich sehe schon eure Rechtsabteilungen durchdrehen. Aber es muss euer Ziel sein! Der Kunde muss lesen, verstehen, darauf vertrauen und damit rechnen können, welchen Schutz er gekauft hat – ohne Ausnahme. Einige Gesellschaften, leider eher ausländische, haben hier schon den Anfang gemacht und es ist fast ein Genuss an Übersichtlichkeit. Aber es bleibt noch viel zu tun (bzw. zu unterlassen).

Stellt euch einfach zufriedene Menschen vor, die glücklich sind sich eine finanzielle Sicherheit für bestimmte Risiken erworben zu haben, die sie verstehen und auf die sie bauen können. Das ist doch euer Job – oder etwa nicht? Dann würde auch euer Ansehen wieder erheblich steige.

 

3.       Überlasst die Indexfonds nicht der kleinen Minderheit der Honorarberater!

Wie ihr merkt handelt es sich hier um ein spezielleres Unterfangen. Auch haben hier einige Versicherungsgesellschaften (wie die Allianz oder Condor) schon angefangen, jedoch ist das noch ausbaufähig. Bereits an anderer Stelle habe ich mich vor zwei Jahren (vgl. Lebensversicherungen und ETF>>) ausführlicher dazu geäußert. Auch werde ich künftig hier noch mal eine konkrete Marktuntersuchung machen. Deshalb werde ich jetzt hier nicht im Detail darauf eingehen, dafür aber erläutern, weshalb 2013 genau das richtige das Jahr ist, um damit richtig an den Markt zu gehen.

Ausgangsbasis ist doch: klassischen Kapital-Lebensversicherungen lassen sich kaum mehr vermitteln: die Steuerfreiheit des ausbezahlten Betrages ist seit 2005 dahin, die Vertriebskosten und Gebühren sind hoch, der zu erwirtschaftende Zins gering, d.h. der Policenwert im Vergleich zu Aufwand und Kosten kaum rentabel, zumal wenn auch noch der Inflationsausgleich erwirtschaftet werden muss.

Bleibt die fondgebundene Rentenversicherung. Diese ist in vielen Fällen noch kostenintensiver, rechtlich über die Provisionsrückvergütungen problematisch, für den Kunden insgesamt äußerst komplex und intransparent. Letztlich kann der Vertrag im Mantel einer Lebensversicherung auch nur so gut sein, wie die Fonds selbst, d.h. ihre Auswahl, Zusammenstellung und Wertentwicklung. Aufgrund schlechter Erfahrungen (auch mit schlechten Vermittlern und schlechten Produkten) scheuen viele Kunden dieses Produkt, obwohl es von der Idee her nicht schlecht ist.

Hier mein Vorschlag: kreiert statt einer teuren, kostenintensiven und komplizierten Rentenversicherung mit aktiv gemanagten Investmentfonds eine kostengünstige, einfach strukturierte Rentenversicherung mit passiven Indexfonds. Sie bietet alle Vorteile von Investmentfonds (Risikostreuung, Diversifizierung über alle Anlagenklassen, geschütztes Sondervermögen usw.) ohne deren Nachteile (teure Verwaltungsgebühren ohne nachhaltigen Ertrag). Überlasst dieses Feld nicht den Honorarberatern, die für den Versicherungsmantel dieses hervorragenden Konzeptes auf eine m.E. schwache Versicherungsgesellschaft zurückgreifen müssen.

Warum jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist? Zum einen wird es wohl – wenn ich die Gesetzvorlage richtig interpretiere – künftig Finanz- und Versicherungsmaklern nicht mehr in einer Person möglich sein, für die Produktvermittlung eine Provision zu nehmen und für vermittlungsunabhängige Dienstleistungen ein Honorar zu verlangen. Dass das nicht zum Vorteil des Kunden ist, ist klar, jedoch ein anderes Thema. Entscheidend ist wohl, dass sich die anwachsende Lobby der wenigen Honorarberater politisch beim Gesetzgeber für ihr Berufsbild durchgesetzt hat, wie man das auch immer bewerten möchte. Zumindest bestätigen zahlreiche Untersuchungen immer wieder, dass (noch) die wenigsten Kunden es sich leisten können oder dazu bereit sind, eine angemessene Entlohnung für den Zeit- und Arbeits- und Ausbildungswand in der Finanzberatung in Form eines Honorars zu bezahlen.

Und jetzt kommt der Clou: seit diesem Jahr ist die sog. Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) in Kraft getreten. Ihr Inhalt entspricht in etwa der Wortlänge. Wenn ich das richtig einschätze, werden die Informations-, Dokumentations- und Beratungspflichten so hoch, dass man vorweg eigentlich nicht kostendeckend unter 500 Euro Honorar beraten kann, dabei wäre dann noch nicht einmal etwas verdient, weil man allein mehrere Stunden mit dem Vorbereiten, Ausfüllen und Erläuterung von Formularen beschäftigt ist, egal, ob jemand 5000 Euro oder 5 Millionen Euro anlegen möchte. Auch wenn damit der Schutz des Verbrauchers beabsichtigt wird, so wird der Kostendruck dazu führen, dass die Beratung für kleinere Sparpläne und Anlagesummen letztlich uninteressant wird.

Dieser Irrwitz ist aber eure Chance! Denn in letzter Konsequenz führt der erhöhte bürokratische Aufwand zu Kostendruck, der ausgerechnet Finanzdienstleistung auf Provisionsbasis einen ganz anderen Ruf verschaffen könnte. Denn letztlich ist die Provision zumindest im Lebens- und Rentenversicherungsbereich nichts anderes, als die von der Versicherungsgesellschaft  vorgestreckte Entlohnung für die Vermittlungsarbeit ihres Produktes, wobei die damit verbundene Arbeit und Kosten ratenweise den Beiträgen in den ersten Versicherungsjahren entnommen werden (sie sog. Zillmerung). Wer also nicht mehrere Hundert oder Tausend Euro dafür auf den Tisch legen möchte oder kann, dem bleibt eigentlich nur die provisionsbezogene Beratung, es sei denn man geht davon aus, dass Menschen gerne für umsonst arbeiten (auch die gibt es).

Es fehlt also nur noch die faire Verbindung aus bezahlbaren und langfristig nützlichen Anlage- und Vorsorgeprodukten. Gebt den Kunden deshalb eine Index-Police als ausgezeichnetes und sinnvolles Altersvorsorgeprodukt. Die Provision sollte als eine Art „Ratenkredit“ deutlich ausgewiesen sein, darf durchaus etwas geringer ausfallen, wenn man davon ausgeht, dass sie sich bei entsprechender Überzeugungsarbeit sogar häufiger verkauft. Ich könnte mir hier sogar eine Art Basisvorsorgeprodukt vorstellen, eine „Volks-Police“, bestehend aus nur drei bis fünf Index-Fonds, die man in 10 Minuten erläutern und vermitteln kann.

Dr. Guido Kirner (Polling, Weilheim i. OB)

 

Fehler der Vermögensverwaltung – die Aktivitätsillusion

Die gediegenen Größen der Branche, die vornehmen Vermögensverwalter stehen in der Kritik, zumal immer wieder Studien und Untersuchungen belegen: Vermögensverwaltungen machen (auch bzw. die gleichen) Fehler, wie Privatanleger und kleine Beratungsfirmen. Sowohl aus Sicht der Profis als auch der Kunden könnte man zu dem Schluss kommen, beide geben sich Illusionen hin, die zum „Spiel“ der Anlagebranche gehören, wie die Bühne zum Theater.

Was Autoren wie der Wirtschaftsprofessor Martin Weber oder zuvor Größen wie David F. Swensen, der den milliardenschweren Stiftungsfonds der Universität Yale betreute, schon längst publiziert haben, das wird auch von neueren Studien bestätigt, jüngst von dem in Zürich ansässigen Beratungsunternehmen PPCmetrics, das für Pensionskassen und Vermögensverwalter tätig ist (davon berichtet Gerald Braunberger in der FAZ vom 22.05.2012 S. 17: Vermögensverwaltung. Typische Fehler)

Sie stellen vier Grundfehler von Vermögensverwaltungen fest:

1. Sie suchen eine Extrarendite, wo diese langfristig nicht zu holen ist, weil der Markt auf lange Sicht nicht geschlagen werden kann.

2. Wer das verstanden hat, der könne auf die Vergabe allzu vieler und teurer Verwaltungsmandate verzichten, nur weil diese in der Vergangenheit gut abgeschnitten hätten. Die Vergangenheit bei Anlageerfolgen besagt nichts über die Zukunft.

3. Das gilt auch für sog. alternative Anlagen bis hin zu Hedgefonds, deren Leistungen ungeachtet der enormen Kosten und Komplexität zumeist überschätzt würden.

4. Eine zu niedrige Aktienquote bei deutschen Großanlegern, obgleich bei den derzeit niedrigen Anleihezinsen die Aktien über die Performance im Portfolio entscheiden.

Betrachtet man die vier Kritikpunkte, so kommt man zu dem Ergebnis: man muss kein Nobelpreisträger sein, um zu verstehen, was hier schief läuft. Die Frage ist nur, weshalb hat das so wenig Einfluss auf die Praxis? Der Grund könnte darin liegen, dass es sich hierbei um kein Phänomen handelt, bei welchem die besseren Argumente in einer fachinternen Debatte über langfristige Geldanlage den Sieg davon tragen könnten, sondern bei welchem wissenssoziologische und sozialpsychologische Faktoren dominieren, die weit schwieriger zu durchbrechen sind. Letztlich gibt man sich einer teuren Aktivitätsillusion hin.

1. Wissenssoziologische Illusion

Die Portfoliotheorie hatte es gerade mit Hilfe der Mathematik (und Informatik) erreicht, sich den Mantel der Wissenschaftlichkeit zuzulegen, da könnte man eigentlich mangels Erfolg zu dem Ergebnis kommen, dass sie den Status der Kaffeesatzleserei niemals überwunden hat. Die ganzen Formeln, Programme und Ansätze gepriesener Nobelpreisträger haben es nicht geschafft, die zwei Naturgesetze der Geldanlage zu durchbrechen, auch wenn unablässig versucht wird, den gegenteiligen Eindruck zu verkaufen. Noch immer gilt: mehr Rendite ist nur durch mehr Risiko zu erzielen und der Schluss von der Vergangenheitsanalyse auf die Zukunft ist so sinnvoll wie der Gebrauch der Glaskugel. Prognosen sind einfach Glückssache.

Die angewandte Mathematik, sofern sie (wie zumeist) auf der Gaußschen Normalverteilung basiert, taugt nichts für das Feld der Geldanlage, allenfalls zur scheinwissenschaftlichen Verzauberung. Wie man das so einfach behaupten kann? Nun, nicht nur weil Autoren wie Mandelbrod oder Taleb dies überzeugend dargestellt haben, sondern ganz einfach weil sie durch reale Ereignisse bestenfalls als irreführend falsifiziert wurde, schlimmstenfalls Milliardenwerte vernichtet und die Finanzwelt an den Abgrund geführt hat. Nirgendwo sonst sind Machbarkeitsillusionen so teuer bezahlt worden. Der Crash 1997/87 des hochkarätig – u.a. von Scholes und Merton – verwalteten LTCM-Hedgefonds darf als große Vorwarnung für die gesamte Branche betrachtet werden.

2. Sozialpsychologische Illusion

Teuer ist nicht schlimm, wenn die Leistung dafür stimmt. Gerade wohlhabende oder reiche Kunden haben verinnerlicht, was nichts kostet hat keinen Wert; oder was oft wichtiger ist: bringt kein Prestige oder Renommee. Wer Diamanten, Autos oder Immobilien kauft, der weiß zumeist, was er hat. Wer eine Vermögensverwaltung beauftragt, der weiß das in der Regel selten. Deshalb sind Äußerlichkeiten umso wichtiger und man lässt sich ausnehmen wie eine Weihnachtsgans.

Gediegenes Tuch, Titel, Einladungen zu glanzvollen Events, wo man seinesgleichen trifft und alles nur vom Feinsten ist, eine klingende Adresse im Marmorambiente usw., das alles sind die sozialpsychologischen Voraussetzungen, um Erfolg in der Finanzbranche bei den Schönen und Reichen zu verkaufen.

Die gelebte Visitenkarte und Fassade ist entscheidend für die Akquise in Milieux, das nur allzu gerne auf solche Dinge achtet (um unter Ihresgleichen zu sein) und hereinfällt. Die jüngste Geschichte der einst größten deutschen Privatbank spricht Bände und auch in der Geschichte der untergegangenen vermeintlichen Finanzgenies  fänden sich ausreichend Beispiele. Sie sind nur zumeist vergessen.

Ob sich daran etwas ändern wird, bleibt fraglich. Die menschliche Psyche ist in vielem zu schwach bzw. zu einfältig, um sich davon nicht beeindrucken zu lassen. Schließlich fehlt auch ganz einfach das Wissen, um beurteilen zu können, welchen Wert welche Maßnahme in der Vermögensverwaltung hat und in welchem Verhältnis die Kosten zum Nutzen stehen. Letztlich bezahlen die Kunden all den Pomp selbst und bekommen ihn keinesfalls geschenkt.

3. Die Aktivitätsillusion

Ein Fehler zielt auf den Kernpunkt des Vermögensmanagements: die Aktivitätsillusion. Aktivität rechtfertigt Gebühren, legitimiert Kosten, passiert unter (schein)wissenschaftlichen Methoden und IT-basierten Programmen, entlastet bei Scheitern den Handelnden (“wir haben alles versucht…”) und kann sich in der Herde verstecken (“im Vergleich zu anderen haben wir…”).

Es gibt also viele Gründe für aktives und für den Anleger folglich sehr teures und den Verwalter sehr lukratives Vermögensmanagement, nur die eigentlichen Grund, das MEHR an Rendite ist es kaum, zumindest nicht bei einer nachhaltigen Betrachtung.

Das ganze „Hin und Her macht Taschen leer“, bedeutet hohe Transaktionskosten, ein über einige Jahre ertragreiches höheres Risiko wird durch die höheren Verluste um Anschluss wieder aufgezehrt und selbst die Avantgarde der Anlagebranche, die aktiven Hedgefondmanager, die alles dürfen und viel Geld dafür bekommen, schaffen es nicht einmal, den Aktienindex wie den MSCI World zu schlagen (siehe hier>>).

Die Vermögensverwaltungsbranche sollte m.E. vor einem Wendepunkt in Ihrem Selbstverständnis stehen: zurück zur kostengünstigen Einfachheit und zu inzwischen ausgereiften passiven Investmentstrategien. Die Frage ist, wann das auch bei den Kunden ankommt und verstanden wird.

Dr. Guido Kirner / Polling

14 % Umweltrendite, absolut sicher, konservative Anlage – Achtung, retten Sie ihr Geld!*

Die Entscheidung, Geld zu investieren, basiert nicht zuletzt auch auf der Idee und der damit zusammenhängende Geschichte, die einem präsentiert wird, bevor man ein Investmentprodukt kauft. Der Welt Gutes zu tun, dabei noch kräftig Gewinne einzustreichen und das auch noch absolut sicher, das wünschen wir uns alle. Es gibt nur ein Problem: auf dieser Welt gibt es das nicht, auch wenn immer wieder versucht wird, entsprechende Produkte zu verkaufen, nunmehr gehäuft in Form von Anlageprodukten in erneuerbare Energien, die eine vermeintlich sichere „Umweltrendite“ versprechen.

Gegen Investitionen in „Nachhaltigkeit“ ist grundsätzlich nichts einzuwenden, außer sie geschehen unter völlig falschen Voraussetzungen wie einer fehlgeleiteten Risikoeinschätzung und Kostenverschleierung. Ich möchte das an einem erlebten Beispiel erläutern.

 

Ein Beispielfall

Ein Interessent, nennen wir ihn Herrn Maier, hat mit mir einen Termin zur Ruhestandsplanung vereinbart. Er hat einige Vermögenswerte und Rücklagen und muss nach Auslauf des Sozialplans seiner Firma einige Jahre bis zur Auszahlungen der betrieblichen und gesetzlichen Rente finanziell überbrücken. Dafür soll ihm ein Konzept unter Berücksichtigung bestehender und evtl. noch einzusetzender Kapitalanlagen unterbreitet werden.

So weit so gut. Herr Maier hatte vor mir schon eine Art Kollege von einem sehr großen und erfolgreichen deutschen Allfinanzvertrieb zu Besuch. Nun möchte Herr Maier wissen, was ich davon halte. Das ist immer etwas heikel, zumal wenn der Kunde bereits von einer Idee begeistert ist und/oder auch noch eine freundschaftliche Beziehung zu dem Berater pflegt, der Sie ihm nahe gebracht hat. Sei’s drum, ich fühle mich zu einer offenen Einschätzung verpflichtet.

Der Vorschlag des werten Kollegen basiert (typischerweise) nicht auf einem Konzept, sondern auf einem ganz bestimmten Produkt. Man ahnt es, jedoch braucht es eine Weile, um sich darüber klar zu werden, was hier tatsächlich angeboten wird. Denn Herrn Maier wurde nicht etwa ein umfangreicher Prospekt zu diesem Produkt ausgehändigt, sondern ein Din-A4-Blatt mit anhängender Berechnung. Der Einleitungstext ist großartig und lohnt vollständig zitiert zu werden:

 

Das Versprechen

Wir übertreiben nicht, wenn wir behaupten, Ihnen eine der interessantesten Anlageformen unserer Zeit vorstellen zu können. Einzigartige Merkmale im Bezug auf Sicherheit und Rendite machen dieses innovative Finanzprodukt zu einem absoluten Highlight auf dem Finanzmarkt. Die konservative Form der Anlage verbunden mit einer gesicherten Rendite, wie sie bislang meist nur mit spekulativen Strategien zu erreichen war, zeichnen die Umweltrendite aus.

Versprochen werden 14 % p.a. in monatliche Auszahlungen. Der Vertrag läuft 20 Jahre. Außerordentliche Kündigung ist möglich ab dem 3. Jahr, jedoch gibt es ein Agio von 12 %, so dass freundlich darauf hingewiesen wird, dass eine Kündigung auch erst ab dem 3. Jahr empfehlenswert sei.

Investiert werden soll in eine Beteiligung in Form eines partiarischen Darlehens an Großprojekten zur Erzeugung regenerativer Energie, vorrangig in Biogas-Anlagen und Photovoltaikfarmen. Genaue Standorte werden nicht genannt, es gehe um Länder mit hoher Energieausbeute.

 

Die Sicherheiten

Auch Sicherheiten werden geboten: Zunächst die Abtretung der Erträge an den jeweiligen Investor bei Einstellung des Geschäftsbetriebes durch den Produktgeber. Das verstehe ich nicht. Wieso sollte der Geschäftsbetrieb eingestellt werden, wenn es Erträge gibt? Oder wie sollen Erträge erwirtschaftet werden, die abgetreten werden können, wenn der Betrieb gar nicht mehr läuft? Wieso sollte das Geschäftsmodell bzw. die technische Anlage in einem Fall profitabel arbeiten, im anderen Fall aber nicht? Wer ist überhaupt hier der Produktgeber, welche Rechtskonstruktion liegt genau vor? Wir wissen es nicht.

Dafür gibt es aber noch eine zweite Sicherheit und die ist wirklich rührend: nämlich die „Vermögensschadensversicherung bei nachgewiesener Falschberatung“. Gemeint ist die Vermögensschaden-Haftpflicht-Versicherung, die jeder in meiner Branche haben muss. Ich bin der Meinung, mein Kollege wird sie wahrscheinlich benötigen, wenn er das von ihm angepriesene Produkt an Menschen verkauft, die Sicherheit suchen. Wir werden sehen. Ob aber Herr Mayer auf diese Versicherung vertrauen kann, ist fraglich, sollte der Vertriebsmitarbeiter dann evtl. überhaupt nicht mehr bei der Vertriebsgesellschaft arbeiten (die Fluktuation ist hier bekanntlich groß).

 

Gutes tun

Das Angebot inklusive Berechnung klingt einfach nur gut: zweistellige Rendite, man „investiert in die Umwelt“ (wie es umgangssprachlich häufig heißt) und das Ganze sei auch noch absolut sicher und wird deshalb als konservative Anlage angepriesen. Endlich scheint er gefunden, der heilige Gral der Kapitalanlagen … wäre da nur nicht dieses berechtigte Misstrauen von Herrn Maier gewesen. Wenn alles zu schön klingt, ist vielleicht Vorsicht geboten.

Herr Maier ist branchenfremd und fragte deshalb noch einmal per Mail bei dem Vertreter des Finanzvertriebes nach (die Antwortmail liegt mir vor). Herr Maier möchte drei Sachen wissen: 1. Was ist ein partiarisches Darlehen, 2. ob die Berechnung tatsächlich stimme, dass ihm bei Einzahlung von 120.000 Euro 15 Jahre lang jeden Monat 2.567 Euro ausbezahlt würden, also über 450.000 Euro, 3. welche Kosten dabei anfallen und 4. was passiert, wenn die Idee mit dem Investment in „Hybridanlagen“ scheitert?

Herr Maier trifft mit seinen Fragen das Wesentliche: Die Anlageform, die Sicherheit der Rendite, die Kosten und das Ausfallrisiko. Gehen wir der Reihe nach die Punkte durch.

 

 1.      Partiarisches Darlehen

Die Antwort des “Vermögensberaters” ist bestechend: Partiarisches Darlehen besage nach dem Gesetz, dass Sie an Gewinnen beteiligt sind, nicht aber an Verlusten. Diese müsste die Firma tragen, ohne Sie damit zu belasten. Durch die Garantien und dem Zukunftsmarkt „Energie“ werde es zu keinen Verlusten kommen.

Grundsätzlich handelt es sich (laut Gablers Wirtschaftslexikon) bei einem partiarischen Darlehen um ein Darlehen, bei dem der Gläubiger an Stelle von Zinsen einen bestimmten Anteil am Umsatz oder Gewinn erhält. Die Vertragsparteien können den Vertrag beliebig gestalten.

In einem anderen Finanzlexikon wird es deshalb auch gewinnbeteiligtes Gesellschafterdarlehen genannt, welches eine Personengesellschaft durch ihre Gesellschafter erhält. In einem Rechtswörterbuch wird erwähnt, dass die „Geldhingabe gegen Gewährung von 20 % des erzielten Reingewinns betrage“. Es finden sich dazu selbstverständlich noch viele detailliertere Ausführungen, jedoch konnte ich nichts dazu finden, dass durch die Rechtskonstruktion oder gar „durch Gesetz“ der Darlehensnehmer nur an Gewinnen, nicht aber an Verlusten beteiligt ist.

In Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Partiarisches_Darlehen) wird schließlich die Bedeutung als nicht regulierte Kapitalanlage erwähnt. Dazu gehört auch, dass ein förmlicher Verkaufsprospekt nicht erforderlich ist. Auch eine Banklizenz ist zur Ausgabe eines solchen Anlageproduktes nicht erforderlich. Nun wird mir klar, weshalb kein umfangreiches Verkaufsprospekt ausgehändigt wurde. Allmählich mulmig wird mir, wenn ich den Kommentar lese: Häufig werden die partiarischen Darlehen juristisch mangelhaft konstruiert, so dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) immer wieder Untersagungsverfügungen in Bezug auf die Einwerbung oder Abwicklungsverfügungen in Bezug auf angenommene Darlehen erlässt.

Für den Allfinanzvertrieb ist es bestimmt auch nicht von Nachteil, dass für den Verkauf entsprechender Produkte keine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz, vielmehr ist lediglich eine Erlaubnis nach § 34 c Gewerbeordnung notwendig ist.

Wenngleich ich kein Rechtsexperte für Kapitalanlagen oder Gesellschaftsrecht bin, genügen mir die Informationen für den Verdacht, dass es sich hier schwerlich um eine sichere, konservative Anlage in einem rechtlich verlässlichen Mantel handeln kann. Weshalb wäre sonst diese Konstruktion überhaupt notwendig?

Nebenbei sei erwähnt, dass der Begriff in den Ausführungen des werten Kollegen und selbst auf dem Berechnungsbogen stets falsch als „patriarchisches Darlehen“ bezeichnet wurde. Da ist ein wenig Schmunzeln schon erlaubt. Nicht so lustig und vielleicht bezeichnend ist die Tatsache, dass da Menschen Dinge anpreisen, von denen Sie noch nicht mal wissen, wie man sie schreibt (geschwiege denn, was es ist).

 

2.      Die Renditeberechnung

Auf die Renditeberechnung möchte ich hier im Einzelnen gar nicht eingehen. Erstens fällt auf, dass nirgends begründet wird, woraus sich die 14 % vermeintlich sichere Rendite genau ableiten. Angeblich ja aus dem Eneuerbare Energien Gesetz (EEG). Dieses Gesetz ist ein Monstrum, in das ich mich nicht einarbeiten möchte. Gerade deshalb wäre ich für eine eine Musterberechnung mit Hinweis auf die genauen Gesetzesgrundlagen unter Zitierung der jeweiligen Paragrafen dankbar. So werden sie hier einfach mal nur behauptet.

Entscheidend scheint mir aber der Hinweis auf ein zusätzliches Darlehen. Der Abschluss des Produktes scheint nämlich an ein Darlehen (aus Dubai, warum Dubai?) gekoppelt. Weshalb sollte man sich noch zusätzlich verschulden, wenn man doch schon ausreichend Geld für eine Investition hat? Hier soll wohl mittels Verschuldungsfaktor die Rendite durch den Leverage-Effekt künstlich nach oben gehebelt werden. Diesen Effekt habe ich bereits an anderer Stelle erläutert. Man sollte dazu wissen, dass der Schuss auch nach hinten losgehen und zur Überschuldung führen kann. Also findet sich hier abermals ein Hinweis auf Risikomaximierung und keineswegs auf eine sichere, konservative Anlage.

 

 3.      Die Kosten

 Um es kurz zu machen: die Kosten werden nirgends zusammengestellt und explizit ausgewiesen. Ein brauchbarer Prospekt liegt ja nicht vor. Möglicherweise hat das auch seine Gründe.

Sichtbar ist das Agio von 12 %. Man bedenke, dies würde einen bei Anlage von 120.000 Euro Kosten von 14.400 Euro bedeuten. Nun wird das Agio aber nicht nur auf das Eigenkapital angewendet, sondern auf die Summe der Gesamtanlage, also inklusive der Darlehenssumme. Das wären dann bei einer Gesamtanlage von 375.000 Euro allein 45.000 Euro Agio. Für das eingesetzte Eigenkapital (120.000 Euro) hätte man also ein Drittel allein für das Agio zu bezahlen. Das muss ja auch erst einmal wieder erwirtschaftet werden, bevor überhaupt Gewinne für den Anleger entstehen können!

Zudem hat man jetzt aber auch noch Schulden. Dafür muss man Zinsen bezahlen. Die Zinskosten werden aber nicht eigens ausgewiesen, sondern hinter einer Rate für Zins und Tilgung verschleiert (bei 5,35 % jährlich allein über 20.000 Euro). Da ich nicht sehen kann, wie hoch die Tilgung ist, weiß ich auch nicht, wie hoch die Zinsen sind. Zu den für geschlossene Fonds nicht unerheblichen zusätzlichen Kosten für Provisionen, Honorare und Management gibt es keine Angaben.

Der Vermittler hat die Frage von Herrn Maier nach den Kosten folgendermaßen beantwortet: Keine mehr; alles innerhalb der 120.000 Euro Einzahlsumme verrechnet. Kosten werden also damit abgetan, dass sie verrechnet werden. Es gibt sie nicht, weil sie irgendwo abgezogen werden. Das ist schon haarsträubend. So allmählich wird mir angst und bange. Um nicht falsch verstanden zu werden: hohe Kosten sind bei Beteiligungsfonds normal, doch sollte man erfahren, wie viel wofür ausgegeben wird.

 

4.      Investmentidee und Ausfallrisiko

Die präzise Frage zum Ausfallrisiko wird von dem Vertriebsmitarbeiter schlicht nicht beantwortet. Wahrscheinlich hätte die korrekte Antwort lauten müssen: es besteht die Möglichkeit eines Totalausfalls. Dies ist meistens bei geschlossenen Fonds der Fall, aber bei diversifizierten Anlageformen eher theoretischer Natur. Die Aussage, dass es gar kein Verlustrisiko geben kann, hat m.E. allerdings die Tendenz zur Falschberatung bzw. Vortäuschung falscher Tatsachen.

Dafür erhält Herr Maier in der Antwortmail des Vertreters einen lehrreichen Kommentar zur Investmentidee: Die Hybridanlagen dieser Art sind erst im Aufbau. Günstig Biodiesel herzustellen wird zukunftsträchtig, gerade für Firmen mit großen Fuhrparks, die aus ihren eigenen Abfällen ihre Auto betreiben z.B. Brauereien, Müllunternehmungen, Kommunen usw. Es gibt im Rahmen des EEG eine Abnahmegarantie, so dass was hergestellt wird auch abgenommen werden muss, so werden diese umgeschrieben und bekommen Sie Anteile von einer Anderen.

Mal abgesehen von der unverständlichen Ausdrucksweise möchte ich nun doch mehr wissen zu diesen Anlagen. Zum Glück findet sich auf dem ausgehändigten Papier ein Link zu einer Investmentfirma. Gegen deren Webseite ist meine trotz ihrer Durchschnittlichkeit geradezu ein Hochglanzprodukt. Der Informationswert tendiert gegen Null. Vielleicht hilft aber der zweite Link auf eine Umweltbroschüre. Diese findet sich auf einem Publikationsserver (Issuu.com), jedoch nicht als PDF, weder ausdruckbar noch herunterzuladen. Allmählich schrillen bei mir die Alarmglocken. Auf dem Deckblatt der virtuellen Broschüre werden gleich mal 23,5 % Umweltrendite versprochen. Neben allgemeinen und überlesenswerten Informationen erfährt man immerhin, dass in ein sog. KOI-Hybrid-System (Bezeichnung wurde geändert) investiert wird.

Da ich kein Ingenieur bin, kann ich dazu wenig sagen. Aber auch wenn es sich eine Technik handeln würde, die das Potential hätte, all unsere Energieprobleme zu lösen, so fällt dessen ungeachtet auf, dass es sich hier wohl um kein diversifiziertes Portfolio handelt, d.h. es wird nicht in Dutzende unterschiedliche Firmen oder Verfahren oder gar Branchen investiert, so dass bei Ausfall einiger immer noch von den anderen profitiert werden kann; es wird vielmehr hauptsächlich in eine Technologie investiert und wenn die nicht klappt – tja, was passiert dann? Ich vermute (wissen kann ich es ja nicht, weil kein Prospekt vorliegt), dann war es das wohl nicht nur mit der vermeintlich sicheren Rendite, sondern auch mit dem eingesetzten Kapital, womöglich besteht sogar noch eine Nachschusspflicht und das Darlehen muss auch noch zurückbezahlt werden. Das Agio ist ohnehin weg.

Die Hilfsargumentation beruft sich immer wieder auf das EEG und seine Abnahmegarantie. Selbst wenn diese wie behauptet besteht, wer garantiert mir über Jahrzehnte das Bestehen des EEG? Wird das hochsubventionierte Gesetz so lange Bestand haben? Angesichts der Subventionskürzung in der Solarbranche wird deutlich, wie hoch die Halbwertszeit für gut gemeinte Subventionen sein können, wenn sie nicht mehr zu rechtfertigen sind. Und selbst wenn eine Abnahmegarantie besteht, so wirkt sie sich doch nur profitabel aus, wenn die dadurch erzielten Einnahmen die Kosten der betriebenen Anlagen nicht übersteigen. Wird auch das garantiert? Schließlich stellt sich die Frage, ob genau diese Anlagen angesichts der weltweiten technischen Entwicklung auch noch in 10 Jahren Vorzeigeanlagen sind (falls sie es jetzt überhaupt schon sind), die profitabel arbeiten. Diese Problematik zeigt sich doch ebenfalls in der Solarbranche, wo bestimmte Module inzwischen sehr viel günstiger in China hergestellt werden, weshalb sich die hohen Subventionen für deutsche Firmen kaum mehr rechtfertigen lassen. Das sollte wenigstens bedacht werden, bevor man viel Geld in eine Sache investiert, die als „absolut sicher“ verkauft wird.

 

FAZIT

Investments in geschlossene Beteiligungsfonds mit ökologischen Anliegen können seriöse Grundlagen haben und chancenreiche Investments sein. Sie sind keineswegs grundsätzlich zu verurteilen, schließlich muss das Geld für die enormen Investitionskosten der „Energiewende“ ja auch irgendwie eingesammelt werden. Sie müssen jedoch zum Anlagehorizont und zum Ziel des Kapitalgebers passen! Ist das bei uns der Fall? Nein! Diese Anlageform eignet sich keineswegs dafür, den Rentenausfall für einige Jahre gesichert zu überbrücken. Aus Sicht eines juristischen Laien, haben wir hier m.E. ein hervorragendes Beispiel für eine Falschberatung.

Bei dem empfohlenen Produkt scheint mir das gesunde Misstrauen von Herrn Maier mehr als berechtigt. Sind geschlossene Beteiligungsfonds schon für sich genommen riskant genug, so handelt es sich wohl hier zudem noch um ein potenziertes Risiko: kein ausgehändigter Prospekt, kein renommiertes Emissionshaus, keine Kostenaufstellung, eine fragwürdige Rechtskonstruktion, fehlende Diversifizierung im Anlageportfolio, eine Renditeberechnung unter irgendwelchen Bestannahmen, eine mit der Finanzierung einhergehende Verschuldung sowie ein Agio das ich gerne mal als Honorar verlangen würde, wenn ich vor dieser Investition unbedingt abrate. Es schrillen die Alarmglocken. Für mich ist das schlicht Finanzmüll und ich wünsche mir solidere Formen für die Finanzierung regenerativer Energien. Es gibt schönere Arten, das Geld auszugeben…

Dr. Guido Kirner

*Dem Text liegt ein realer Fall zu Grunde. Die Namen wurden geändert bzw. frei erfunden.

Erschreckende Unkenntnis

Wer des Öfteren als Finanzdienstleister mit Kunden zu tun hat, kann vielleicht bestätigen: Frauen stapeln eher tief, Männer hoch; Frauen entschuldigen sich für Ihre Unkenntnis, stellen dann aber kluge Fragen und entscheiden recht logisch; Männer dagegen geben sich gerne selbst als Fachmann, deuten an, dass sie alles im Griff haben und entscheiden dann viel emotionaler, als sie glauben. Solange beide bedürfnisgerecht beraten werden, ist es egal, und Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel.

Traurig wird das Ganze nur, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Ahnungslosigkeit und Beratungsresistenz. Und tatsächlich bestätigt eine Studie beides in erschreckendem Maße, und zwar unabhängig vom Geschlecht. So liegt nun das Ergebnis einer Umfrage des Fondsbranchenverband BVI vor, bei dem 1000 Leute befragt wurden. Das beginnt damit, dass überhaupt nur 11 % es für wichtig halten, etwas ihre Geldanlagen zu verstehen. Wenn das so ist, dann helfen auch keine Gesetze und kein Verbraucherschutz. Da sind die 20 %, die schlechte Erfahrungen mit Finanzgeschäften gemacht haben, noch erstaunlich wenige; oder ist der Rest vielleicht so unbedarft, noch nicht einmal beurteilen zu können, was ein gutes und was ein schlechtes Geschäft ist?

Tatsächlich glauben 61 % (bei jüngeren sogar 80 %), Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch seien geeignete Geldanlagen für die Altersvorsorge, obgleich diese allenfalls dafür geeignet sind, Geld bis zur besseren Verwendung zu parken und (inzwischen noch nicht einmal) die Inflation auszugleichen. Im Gegenzug halten nur ein Viertel der Jüngeren die betriebliche Altersvorsorge (bAV), Fondssparpläne oder Rentenversicherungen für geeignet. Bei der Mehrheit fehlen also Grundkenntnisse.

Sicherheit ist fast der Hälfte der Befragten das Wichtigste bei der Geldanlage. Verständlich, erstaunlich nur, dass nur 6 % das wichtigste Mittel, nämlich die Risikostreuung für wichtig halten. Eine gewisse Konsequenz im Verhältnis zur Risikoneigung birgt das Ergebnis, das für nur 6 % der Ertrag das wichtigste ist. Da erinnere ich mich an einen Kommentar der FAZ, die Deutschen seien „Renditeverweigerer“.

Die verbreitete Unkenntnis führt jedenfalls dazu, dass die Deutschen zu wenig, falsch bzw. mit ungeeigneten Instrumenten ihre Sparziele verfolgen. Da stellt sich doch die Frage, ob nicht Experten weiterhelfen könnten? Dem widerspricht, dass es immerhin 90 % für immer wichtiger halten, sich selbst mit dem Thema zu befassen. Die wichtigsten Gründe, warum sie das dann aber nicht tun, sind: es macht keinen Spaß (43 %), kein Vertrauen in Finanzinstitute (40 %), starke Verunsicherung, was man tun soll (37 %), Schwierigkeiten beim Verständnis von Informationsmaterialien (37 %). Die FAZ erwähnt in ihrem Artikel noch eine Umfrage. Hier bestätigt sich die umfassende Unkenntnis: so haben z.B.  60 % noch nie etwas vom Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge gehört.

Sind die meisten Bürger selbst schuld an ihrer Unkenntnis oder ist es auch der Branche anzulasten, dass sie zu schlecht beraten? Möglicherweise beides. Die Mission für meinen Beruf sollte also sein: Aufklärung zu mündigen Finanzbürgern, zumindest wenn das Interesse da ist.

Dr. Guido Kirner, Finanzberatung und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB