Inflationsangst und Staatsschuldenkrise

Begründete Ängste

Die Deutschen reagieren besonders sensibel auf das Thema Inflation. Das rührt zum einen vom historischen Wissen um die Hyperinflation im Jahr 1923, welche die Ersparnisse ihrer Vorfahren vernichtete. Ferner nährt die aktuelle Schuldenkrise von Griechenland die Befürchtung, Geld für andere in Europa bezahlen zu müssen, die finanzpolitisch einen Trümmerhaufen hinterlassen haben. Schließlich ist es aber auch der Schuldenberg im eigenen Land, bei dem sich die Frage aufdrängt, wie dieser jemals abbezahlt werden soll, außer durch Geldentwertung.

Zahlmeister Europas

Ob die Hyperinflation im letzten Jahrhundert ein Lehrbeispiel für die aktuelle Situation ist, kann man dahingestellt sein lassen. Die Befürchtung zum Zahlmeister in Europa zu werden, ist jedenfalls nicht unbegründet. Zwar sind die Überlegungen zu einer Euro-Anleihe (erst einmal) vom Tisch. Die Schuldnerstaaten mit geringer Bonität hätten dabei auf Kosten der guten Schuldner in Europa profitiert. Aktuelle Überlegungen zu einem Europäischen Währungsfonds (EWF) deuten aber an, dass man nach einem institutionellen Hintertürchen sucht, wie man denen Geld zuschieben kann, die ihren „Schlampladen“ einfach nicht in den Griff bekommen. So etwas ist durch den Maastricht-Vertrag verboten durch die No-Bail-out-Klausel. Diese Klausel hat einen guten Grund: Jedes Land soll für sich selbst verantwortlich sein und darf nicht auf die Solidarhilfe der anderen zählen, weil andernfalls dem fiskalpolitischen Schlendrian in Europa keine Grenzen gesetzt sind.

Vertrauenskrise

Am meisten Vertrauen kostet das Gebaren, sich nicht einmal an jene Regeln halten zu wollen, die man einst aus guten Gründen anderen auferlegt hat. Die sog. Maastricht-Kriterien sind weitgehend ausgehöhlt. Sie wurden einst gegen starken Widerstand der Franzosen von den Deutschen ins Spiel gebracht, um den Euro zu einer so starken Währung wie die Deutsche Mark zu machen. Wenn sich aber selbst der Lehrmeister nicht an die eigenen Regeln hält, dann reiben sich jene nur die Hände, die schon immer meinten, eine Währung solle Mittel der Politik sein. Die jüngsten Abwertungen des Euro gegenüber anderen Währungen belegen das sinkende Vertrauen in eine starke Währung.

Europa leidet letztlich unter dem finanzpolitischen Problem, vor dem viele Kritiker bei Einführung einer gemeinsamen Währung immer schon gewarnt haben. Ihr Argument war, eine gemeinsame Währung sei nur möglich, wenn es eine gemeinsame Wirtschaftspolitik mit gemeinsamer Interessenlage gibt. Und das ist in Europa wahrlich nicht der Fall. Die Interessen driften immer stärker auseinander. Die Finanzkrise hat das Problem verschärft und sich zu einer  Staatsschuldenkrise ausgeweitet. Der Staat kann für gewisse Banken den Schirm aufspannen, doch wer beschirmt die Staaten, wenn deren Finanzpolitik nicht aufgeht? Es ist schon jetzt für einige Staaten nicht einfach, ihre Staatsanleihen zu platzieren, um Schulden aufzunehmen. So drängt sich die einfach auf Frage auf, was eine hohe Inflation im Rahmen der Staatsschuldenkrise überhaupt noch verhindern kann.

Ist eine starke Inflation noch vermeidbar?

An ein ausreichendes Wirtschaftswachstum in den alternden Volkswirtschaften Europas mag so recht niemand mehr glauben. Dazu fehlt einfach die Dynamik im Vergleich zu den Schwellenländern. Auch Sparen mittels Kürzungen bei den Staatsausgaben scheint kein Thema: zum einen sieht es nicht so aus, als wären unsere Politiker geneigt, das vor den Wählern durchsetzten zu wollen. Hier herrscht eher das Motto: wer damit anfängt, hat schon verloren. Die Hartz-IV-Debatte und die Erfahrung im Bereich Sozialversicherungsreformen sind nicht motivierend.

Zudem hat man sich auf ein keynesianisches Modell eingelassen. Gerade in der Krise wird zur antizyklischen Konjunkturbelebung noch mehr Geld auszugeben, das man sich leihen muss. Überdies haben die Zentralbanken Milliardenbeträge zur Stützung des Finanzsystems in den Markt gepumpt und damit “Geld gedruckt”. Wenn dies bei Erholung der Wirtschaft nicht wieder rechtzeitig abgezogen wird, muss es letztlich zur Geldentwertung kommen. Dagegen könnten die Zentralbanken die Leizinsen erhöhen. Ein Ende der Politik des billigen Geldes würde aber für die Staatsschulden bedeuten, dass die Zinslast noch mehr steigen und die Verschuldungskrise noch schwerer zu bewältigen wäre. Also bleibt letztlich nur der Weg der Geldentwertung, um sich langsam und bequem zu entschulden. Somit bleiben drei Fragen: Wann wird die Inflation kommen, wie hoch wird die Teuerungsrate ausfallen und wie kann sich der Bürger davor schützen.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
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