Der Draghi-Crash. Die Kampfschrift von Markus Krall gegen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

„Die gewaltsame Verzerrung des Zinses ist das Ergebnis einer Anmaßung des Wissens, abgeleitet aus der Arroganz unkontrollierter Macht, verteidigt mit dem Scheinargument der Unabhängigkeit der Notenbank.“

„Unsere geldpolitischen Institutionen haben einen Umwandlungsprozess vollzogen: weg von einer Verfasstheit der Unabhängigkeit hin zu einem Regime ohne Rechenschaftspflicht. Der Fokus auf Preisstabilität wurde ersetzt durch einen Fokus auf Umverteilung und Enteignung der Sparer.”

Selten konnte man eine so gespaltene und widersprüchliche Deutung der wirtschaftlichen Situation seiner Zeit erleben. Im Zentrum stehen dabei die wichtigsten Notenbanken (USA, Japan, Europa). Mit ihren gigantesken Anleihekaufprogrammen haben sie eine Nullzinspolitik etabliert, mit welcher sie die Wirtschaft ankurbeln möchten. Für die einen machen sie einen schwierigen und hervorragenden Job; für die anderen sind sie dagegen der Hort einer sich „Geldplanwirtschaft“, die zu einer noch größeren Finanzkrise führen wird, je länger sie an ihren Maßnahmen festhalten.

Markus Krall ist ein erfahrener Risikoexperte in der Finanzwirtschaft und gehört zu jener Strömung, die vor der EZB-Politik warnt. Er kritisiert ihre Hybris und prognostiziert eine große deflationäre Krise, die er als „Draghi-Crash“ bezeichnet. Deshalb hat er eine Philippika gegen die Europäische Zentralbank geschrieben. Hierbei handelt es sich mehr um ein Pamphlet als um ein Sachbuch. Ironie und Polemik prägen seinen Schreibstil. Auf Anmerkungen, Quellenverweise und Literaturangaben wird verzichtet. Trotzdem liefert er zumindest im 6. Kapitel eine kompakte Analyse, deren Logik man sich nur schwer entziehen kann. Um sie zu verstehen, wird man um einige finanztechnische Grundlagen nicht herumkommen. Doch genau hierin liegt der Wert des Buches! Continue reading Der Draghi-Crash. Die Kampfschrift von Markus Krall gegen die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB).

Goldstandard vs Fiatgeld – Bücher von Steve Forbes und James Rickards

Wenn sich die Wirtschaft mit einer Erweiterung der Geldbasis in Schwung halten ließe, müsste Simbabwe das reichste Land der Welt sein. (S. Forbes)

Man stelle sich die Frage, wie der Wohlstand einer Gesellschaft entsteht: durch international wettbewerbsfähige Unternehmen, mäßige Steuern, Innovationfreude, ausreichend Realzinsen und stabile Währungsverhältnisse? Oder durch manipulierte Zinskurven, Nullzinspolitik, Abwertungen, unbegrenzte Geldvermehrung durch die Notenbanken und staatliche Konjunkturprogramme? Die Antwort dürfte klar sein.

Ein Einwand könnte sein, dass sich die Alternative so nicht stelle, da letzteres allenfalls eine staatliche Ergänzung von ersterem sein könne. Aber ist das so? Aktuell wird einem diese Alternative geradezu aufgezwungen. Es ist ein Konflikt zwischen Wirtschaftsideologien, der das Potential hat, zu der Kampfarena künftiger Finanz- und Währungspolitik zu werden. Im Euroraum macht er selbst vor den Mitgliedern der EZB nicht halt und gewinnt an Schärfe.

Die Notenbanken haben seit der Finanzkrise 2008 nicht nur ihre Bilanzsumme aufgebläht, sondern auch einen ungeheuren Machtzuwachs erfahren. Je mehr sich aber ihre konjunkturellen Not- und Rettungsmaßnahmen (z.B. Quantitative Easing, Operation Twist, OMT) perpetuieren, ohne die eigentlichen strukturellen Probleme der angeschlagenen Wirtschaftsräume und ihrer Banken zu lösen, desto lauter werden die Rufer in der Wüste.

Zur Stützung maroder Geschäftsbanken und überschuldeter Staaten sind die Notenbanken im Rettungsaktionismus zu übermächtigen Institutionen geworden. Über ihre Hybris beim Gelddrucken können Menschen mit gesundem Menschenverstand nur den Kopf schütteln. Wie lange kann das wohl noch gut gehen? In den USA hat die Gegnerschaft zur Zentralbank (Fed) eine längere Tradition. Hier möchte ich zwei amerikanische Autoren vorstellen, die sich mit ihren aktuellen Büchern jeweils in diese Kritik einreihen.

Steve Forbes, Verleger, Geschäftsmann und Chefredakteur des Forbes-Magazine, ist vor allem durch seine jährlich veröffentlichte Liste der reichsten Erdbewohner berühmt. James Rickards ist Rechtsanwalt, Berater von Investmentbanken und Regierungsinstitutionen und hat bereits mit seinem Buch Currency Wars Aufsehen erregt. Der Grundtenor ihrer Bücher ist ähnlich. Continue reading Goldstandard vs Fiatgeld — Bücher von Steve Forbes und James Rickards

Aus den Erinnerungen von Felix Somary

Somary_1Felix Somary war mehr als ein Schweizer Privatbankier. Er war ein gesuchter politischer Seismograph, galt ob seiner scharfen sich bewahrheitenden politischen Prognosen als „Rabe von Zürich“. Er wirkte als internationale Ratgeber in Währungsfragen und Finanzdiplomat in schwierigen Zeiten. Kennzeichen ist seine Allergie wider den Zeitgeist, seine Eigenständigkeit und geistige Unabhängigkeit. Das macht seine Erinnerung zum Kontrastmittel für all jene politischen und volkswirtschaftlichen Moden, die (nicht nur) in dem von ihm behandelten Zeitraum (1899-1955) viel Leid und Opfer hervorgebracht haben. Aber auch heute stimmen manche seiner Sätze nachdenklich. Deshalb möchte ich mir erlauben, einige Auszüge aus seiner Autobiographie hier zu zitieren.
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Sparquote ohne Vermögensbildung

Kaum jemand (außer den Japanern) spart in der OECD-Welt so viel wie die Deutschen, aber kaum jemand bildet damit so wenig Vermögen. Bereits eine EZB-Studie kam zu dem Ergebnis, dass die angeblich so reichen Deutschen im europäischen Vergleich wenig Vermögen hätten. Das hatte in einer Zeit, da viele Politiker einer Transferunion das Wort reden, wo deutsche Steuergelder in europäische Beinahe-Pleite-Staaten umverteilt werden sollen, eine gewisse Brisanz.

Kaum verwunderlich, dass die Ergebnisse der Studie angezweifelt wurden. Wie dem auch sei, eine neue Studie der Banca d’Italia (*) stützt das Ergebnis der EZB-Studie. Wie bereits hier beschrieben, spielt das eher geringe Immobilienvermögen dabei eine gewichtige Rolle. Doch allein damit lässt sich die geringe Vermögensbildung auch nicht erklären. Ein weiterer Grund ist das Sicherheitsstreben der Deutschen. Der Vergleich ihres Anlageverhaltens mit anderen Ländern verdeutlicht die große Risikoaversion und damit gleichzeitig die Renditeverweigerung. Kurz: die Deutschen sparen zwar viel, aber falsch im Hinblick auf Vermögenswachstum.

So liegen mehr als 40 Prozent des Finanzvermögens als sog. Sicht- und Sparvermögen auf Bankkonten. Das sind fast 5 Billionen Euro. Ihr nominaler Wert schwankt zwar kaum oder gar nicht, jedoch sind die Zinsen derart gering, dass sie nach Abzug der Inflation ein Verlustgeschäft darstellen. Bezeichnend niedrig ist dagegen der Aktienanteil: nur 17 Prozent, davon die Hälfte in Fonds. Nur 11 Prozent der Deutschen haben überhaupt ein Aktiendepot. Das bedeutet umgekehrt – so Philip Plickert in der FAZ (**) – dass 89 Prozent von der jüngsten Aktienhausse nicht profitiert haben.

Ob wir nun die Schwankungen an den Börsen mögen oder nicht, fest steht, eine Vermögensbildung ohne Aktienquote ist zumindest unter den aktuellen Bedingungen einer Niedrigzinspolitik kaum möglich. Wer dazu ein Buch eines sehr erfahrenen Vermögensverwalters lesen möchte, dem empfehle ich Gottfried Hellers: Der einfach Weg zum Wohlstand (***). Man kann sein Resümee nach über 40 Jahren Erfahrung mit Geldanlagen (Gründer der FIDUKA u.a. in Zusammenarbeit mit Börsenlegende André Kostolany) als Plädoyer für die Unumgänglichkeit der Investition in  Aktien lesen. Es bietet einen historischen Rückblick, politische Einschätzung und konkrete Vorschläge zur Portfoliodiversifizierung, die sowohl Privatanleger als auch Finanzberater beherzigen sollten.

Guido Kirner

(*) Household aggregate walth in the main OECD countries from 1980 to 2011: What do the data tell as?, Banca d’Italia Occasional Papers, April 2013.

(**) Philip Plickert: FAZ 3. Juni 2013 Nr. 125, S. 18: Das Sparkonto macht uns arm.

(***) Gottfried Heller: Der einfache Weg zum Wohlstand. München FBV.

Jürgen Stark zur Notenbankpolitik

Jürgen Stark war von 2006 bis 2011 Chef-Volkswirt der Europäischen Zentralbank. Er trat nicht zuletzt deshalb zurück, weil er die Geldpolitik der EZB 2011 nicht mehr mit verantworten wollte. Im Münchner Merkur von heute (Nr. 46, 23./24. Februar 2013, S. 7) gibt er ein Interview, aus welchem ich zwei Passagen zitiere.

Zur politischen Unabhängigkeit der Notenbanken

Die EZB hat das so wichtige Element ihrer Unabhängigkeit von der Politik verspielt. Um dem sich intensivierenden Druck der Politik zuvorzukommen, hat die EZB im vorauseilenden Gehorsam gehandelt. Ihr Mandat wurde bis zum Exzess ausgedehnt – das war ja auch ein wesentlicher Grund für meinen Rücktritt. Das Mandat ist spätestens mit dem Kauf von Staatspapieren in Italien und in Spanien im Jahr 2011 überschritten worden. Aber wir erleben nicht nur in Europa, sondern weltweit eine Politisierung der Zentralbanken. Dasselbe gilt für die amerikanische Zentralbank. Das eklatanteste Beispiel ist Japan. Dort ist die Unabhängigkeit der Zentralbank völlig verloren gegangen durch massiven politischen Druck.

Zur Liquiditätsschwemme und Inflationsgefahr

Es gibt eine Blase an den Anleihemärkten. Es gibt Übertreibungen an den Aktienmärkten. Immobilien sind ein heterogenes Feld. Natürlich sieht man Übertreibungen in deutschen Ballungsgebieten. Das muss man beobachten. Die Liquidität, die da ist, findet ihren Weg. Wenn es zunächst nicht der Weg in die Verbraucherpreisinflation ist, dann findet sie ihren Weg in die Vermögenspreise, die Immobilienpreise oder die  Anleihemärkte.  Wir werden höhere Inflationsraten haben, nicht nur in Europa, sondern weltweit. Es gibt eine große Liquiditätsschwemme. Die wird sich nicht heute und nicht morgen, aber irgendwann in höheren Inflationsraten niederschlagen. Die Notenbanken werden nicht in der Lage sein, die von ihnen geschaffene Überschussliquidität wieder einzusammeln, bevor sich die Inflationserwartungen auf einem höheren Niveau festsetzen.