Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Anlageberatung und Vermögensverwaltung werden zunehmend sinnlos, sollte sich herausstellen, dass die hierbei zugrundegelegten Methoden mehr Schein als Sein darstellen und man zudem mit wenigen einfachen Mitteln, dafür aber sehr viel kostengünstiger, gleich gute (oder schlechte) Ergebnisse erzielen kann.

Bestimmte Analysetechniken und die sog. Portfoliotheorie sind nicht in der Lage, die in sie gesetzten Erwartungen zu erfüllen. Wenn Vermögensverwaltung mehr sein soll als Selbstentmündigung des Kunden, muss sie beweisen, dass sie einen Mehrwert nach Kosten im Vergleich zu preiswerteren Alternativen bieten kann. Dies dürfte immer schwieriger werden.

Worin besteht der Wert einer Anlageberatung? In der technischen Analyse der Märkte mit Anwendung der sog. Charttechnik? Im Auffinden von lukrativen Unternehmen, die unterbewertet sind bzw. hohes Wachstumspotential versprechen? In der Fundamentalanalyse mit einem Value– oder Growth-Ansatz? Besteht es in der großartigen Mischung dieser Unternehmen in einer Art Fonds? Oder geht es um die Anwendung irgendeiner Portfoliotheorie zur richtigen Aufteilung des Vermögens über diverse Anlageklassen? Continue reading Geldanlage: Gibt es noch einen Mehrwert der Anlageberatung?

Fahren Sie mit ihrem Oldtimer zur Castell-Bank, um sich über ETFs beraten zu lassen?

In meinem Büro stapeln sich Berichte und Zeitschriften von Investmentexperten. Vieles bleibt ungelesen, weil es auch einfach langweilt. Insbesondere die Fondsbranche ist darauf angewiesen, mit immer neuen Schlagworten – wie z.B. Absolute Return, Multi Asset usw. – für vermeintliche sichere Rezepte zur Erzielung einer dauerhaft hohen Rendite zu werben. Es rauscht so laut, man kann es kaum mehr hören.

Was nützt es? Es müssen ja Billionen Sparvermögen angelegt werden und das möglichst sinnvoll. Da wird man hellhöriger für einfache, aber dennoch exotische Themen. An diesem Wochenende waren es gleich drei, hier die Überschriften: „Der Oldtimer ist die beste Wertanlage“, „ETF schlagen aktive Fonds“ und „Die Castell-Bank wettet nicht auf Aktienkurse“. Was hat es damit auf sich? Wir werden neugierig.  Continue reading Fahren Sie mit ihrem Oldtimer zur Castell-Bank, um sich über ETFs beraten zu lassen?

Anlegen wie die Profis mit ETFs – Ein Buch von Claus Hecher

9783898797078_3ETFs, d.h. Exchange Traded Funds bzw. börsengehandelte Indexfonds erfreuen sich wachsender Beliebtheit und erhalten immer größere Mittelzuflüsse. Was einst nur für institutionelle Großanleger wie Pensionskassen etc. konzipiert wurde, erreicht allmählich den aufgeklärten Privatanleger.

ETFs bilden Indices nach, z.B. den DAX, MSCI World, Dow JonesEuro Stoxx 50, Nikkei 225, um hier nur einige der Bekanntesten zu nennen. Sie verzichten also bewusst auf aktives (und damit teures) Fondsmanagement, das durch Handel versucht, eine Überrendite zu erzielen und besser abzuschneiden als der vergleichbare Markt. Vielmehr beschränken sich auf ein passives Abbild eines bestimmten Marktes, der durch einen bekannten Index vorgezeichnet ist.

Die Gründe für den wachsenden Erfolg sind schnell aufgezählt: sie sind einfach verständlich, damit transparent, wie bei Fonds handelt es sich um ein geschütztes Sondervermögen, dafür sind sie aber überdies liquide und können börsentäglich gehandelt werden, ferner sind sie kostengünstig, flexibel einsetzbar und eignen sich hervorragend um Strategien der Asset Allocation zu realisieren, also der Verteilung einer Investition über verschiedene Märkte und Anlagenklassen zur Risikostreuung.

Wenn dem so ist, handelt es sich wohl um nahezu perfekte Anlagevehikel für Privatanleger. Weshalb sind sie dann noch relativ wenig bekannt? Der wichtigste Grund ist wohl der, dass sie im Vertrieb ohne Ausgabeaufschlag, also ohne Provision angeboten werden. Dessen ungeachtet bedürfen sie für den Finanzlaien aber doch der einführenden Erläuterung. Letztlich kann eine solche Beratung (wenn nicht durch Eigenlektüre) nur gegen Honorar erfolgen. Die Honorarberatung ist im Anlagenbereich aber noch nicht sehr verbreitet.

Zumindest für Kerninvestments werden ETFs in der einschlägigen Fachliteratur schon seit längerem empfohlen (David F. Svensen, Martin Weber, Malkiel & Ellis, Gerd Kommer etc.). Nun hat Claus Hecher ein über ETFs geschrieben, welches zwar auch die Vorzüge prägnant zusammenfasst, darüber hinaus aber insbesondere die technische Seite, d.h. die Konstruktions- und Funktionsweise dieser Anlageprodukte beleuchtet.

Ein Einführungskapitel widmet sich den Merkmalen und Besonderheiten von ETFs, vor allem im Unterschied zu Anlagezertifikaten. Das zweite Kapitel beschreibt, wie man in welche Märkte (Aktien, Anleihen, Geldmarkt, Rohstoffe, Immobilien, Strategien usw.) mit ETFs investieren kann. Das dritte Kapitel verdeutlicht die Auswahlkriterien für ETFs und wie man sich daraus ein Privatkundendepot mit diversen Anlagestrategien zusammenbauen kann. Schließlich wird noch die Besteuerung der börsennotierten Indexfonds dargestellt.

Der Leser erhält überwiegend grundlegende Informationen, jedoch ist das Buch auch für den Fachleute lesenswert. So erfährt man mehr über Regeln der Richtlinienerfüllung dieser Finanzprodukte (OGAW, UCITS), die Bildung eines Index und seiner möglichen Replikationsmethoden (vollständig oder swap-basiert) samt ihrer Risiken (Tracking-Error, Gegenparteirisiko, Liquiditätsrisiko).

Auch die wichtigsten Indexanbieter samt ihrer Marktkapitalisierungen werden erwähnt oder wie der Börsenhandel dieser Produkte stattfindet. Besonders aufschlussreich fand ich die Abschnitte zu Rohstoff- und Stratgieindizes sowie der Bedeutung der Gewichtung der Aktien im jeweiligen Index auch für die Renditeerwartung. Von herausragender praktischer Relevanz dürfte das systematische Kriterien-Schema für den Auswahlprozess von ETFs Seite 142-145 sein.

Freilich handelt es sich hier für den Laien um keine spannende Bettlektüre, dafür um wohl eines der grundlegenden Bücher für all jene, die sich mit dieser Anlageform genauer auseinandersetzen möchten. Wenn sie es nicht selbst lesen möchten, können sie ja ihren Finanzberater fragen ob er dieses Buch kennt; auch das wäre schon ein gutes Zeichen.

Guido Kirner

Claus HECHER: Anlegen wie die Profis mit ETFs, FinanzBuch Verlag München 2013. 24,99 €

Drei Ideen für den Finanzvertrieb 2013 – Ein offener Brief an die Versicherungsbranche

Sehr geehrte Versicherungsgesellschaften,

für das Neue Jahr wünsche ich euch alles Gute! Für das neue Jahr und die weitere Zukunft habe ich für Euch drei Vorschläge, drei Ideen, denn ich weiß, wie schwer ihr es habt mit zunehmendem Verbraucherschutz, einem rapidem Wandel im Vertrieb (Stichwort: Versicherungsvertrieb 3.0), immer höheren Anforderungen in der IT und dadurch zunehmender Transparenz des Marktes, der damit einhergehenden zunehmenden Vergleichbarkeit der Produkte und stärkerem Wettbewerb.

Trotz Vertriebserfahrung und einiger Fachkenntnis unterbreite ich euch meine Ideen kostenlos; und das, obwohl ihr so ungeheuer viel Geld ausgebt für Leute, von denen ihr glaubt, sie werden eure Verkaufszahlen verbessern d.h. für Vertriebsvorstände, Coaches, Marketingspezialisten, Maklerbetreuer, Produktentwickler usw. Ich möchte mir nicht anmaßen, meine Vorschläge seien der Weisheit letzter Schluss oder von euch noch niemals angedacht worden. Doch wie immer ist es wichtig: lasst den Worten (z.B. in der Werbung) auch Taten folgen, denn daran werdet er ihr sie erkennen.

Ziel sollte für euch sein: ein bei Kunden beliebter Marktführer zu werden, einen Namen zu haben, der sich rumspricht, der tatsächlich weiterempfohlen wird, weil er anders und besser ist. Ihr könntet euch vom „notwendigen Übel“ zum echten Helfer und Kümmerer bei existentiellen und finanziellen Risiken wandeln. Euer spießiger, kaum ernst zu nehmender, ewig fröhlich winkender Herrn Kaiser könnte zum ehrlichen Handwerker für Geldangelegenheiten werden. Das ist ein schwieriger Weg, weil so viel Porzellan im Wandel der Zeiten und Umsatzoptimierung zerschlagen wurde, die Kunden würden es euch jedoch danken und wer den Anfang macht, der wird gerade aufgrund des Wettbewerbsdrucks in der Branche sicherlich belohnt werden. Das kann ganz einfach anfangen.

 

1.       Lernt verständliches, kundenfreundliches Deutsch, wenn ihr euren Versicherten etwas mitteilt!

Es gibt eine Heerschar von Spezialisten, die sich über die einfache Handhabung von Produkten in der Industrie Gedanken machen: vom Design angefangen bis hin zum Lesen von Gebrauchsanweisungen. Ich vermute mal, eine Weltkonzern wie Apple ist nicht deshalb groß geworden, weil es technisch führend ist, sondern eher deswegen, weil es IT schöner und einfacher gemacht hat. Sie haben es geschafft, Lifestyle in eine ansonsten eher dröge Warenwelt zu bringen. Warum versucht ihr nicht Ähnliches?

Die Schnittstelle zwischen euch und euren Versicherten sind (abgesehen von Vermittlern) eure Briefe und Mitteilungen an den Kunden. Aus Sicht der Kunden stellen sie zumeist das Grauen einer Ansammlung von abschreckenden Sätzen und Formulierungen dar, die sich nur lebensferne Bürokraten und Juristen ausdenken können. Ihr braucht hier dringend Übersetzer. Ihr schafft es sogar gute Nachrichten wie einen Haftbefehl aussehen zu lassen. Nicht selten rufen Kunden völlig verstört und verunsichert bei mir an, ich solle Ihnen erklären, was in dem Schreiben der Versicherung steht und zumeist handelt es sich um Banalitäten, die man in zwei einfachen und verständlichen Sätzen hätte mitteilen können. Eure Sprache wirkt abweisend, barsch, unfreundlich, ja sogar unverschämt. Für Leute die Beiträge bezahlen ist das schlicht eine Frechheit und führt nicht zur Kundenbindung. Kurz: Eure Mitteilungen sind semantischer Giftmüll und folglich marketingtechnisch ein Supergau.

Also: lasst alle eure vorgefertigten Briefe überarbeiten, bildet vielleicht ein Team mit Leuten, die dafür verantwortlich sind fragt einige Kunden, was sie verstehen, wie sie sich dabei fühlen und wie sie das freundlich ausdrücken würden. Vielleicht stellt ihr sogar einige arbeitslose Germanisten ein, die euch dabei helfen. Fördert die Kunst rechtlich belastbarer Aussagen in verständlicher Alltagssparache und ich vermute, ihr werdet positive Überraschungen erleben. Nehmt euch nicht die Gesetzesvorlagen aus dem Parlament zum Vorbild, versetzt euch in die Lage derjenigen, die eure Beiträge zahlen und ihr werdet Akzeptanz gewinnen.

 

2.       Sehr gute und trotzdem einfache Produkte und der der Absatz kommt wie von allein

Versicherungspolicen sind keine einfachen Produkte. Sowohl von den rechtlichen Auflagen wie von der den Schwierigkeiten sie zu verkaufen sind sie nichts, was einem aus der Hand gerissen würde. Noch nie habe ich einen Kunden mit glänzenden Augen und verklärtem Blick auf einen Versicherungsantrag schauen sehen. Dabei nützt ihm dieser Vertrag wahrscheinlich weit mehr als das Zweitcabrio, der Golfschläger oder das Mountainbike. Über all das kann er sich stundenlang unterhalten und macht er sich viel mehr Gedanken als über existentielle Absicherungen und Altersvorsorge.

Vielleicht ließe sich das aber ein wenig ändern. Ist es wirklich nötig, dass der Umfang für Versicherungsverträge heute 40 bis 120 Seiten betragen muss. Hilft das dem Verbraucher? Eigentlich sollte ja mal das og. „Produktinformationsblatt“ dazu dienen, dem Kunden alle westlichen Informationen auf einer Seite zu unterbreiten. Aber auch daraus habt ihr etwas gemacht, was sich ungefähr so spannend liest wie der Beipackzettel für ein Medikament. Niemanden hilft das. Was verbraucherfreundlich sein soll, wirkt feindlich. Niemand liest das, niemand wird verlangen können, dass ein Kunde mehrere Wochenenden dafür opfert, einen Rentenversicherungsantrag mit allen dafür rechtsverbindlichen Unterlagen zu studieren, und das vielleicht noch mehrfach, wenn er mehrere Gesellschaften vergleichen möchte.

Eine regelrechte Krankheit im Sachversicherungsbereich sind die Ausnahmen in den Versicherungsbedingungen. In diesen „Klauseln“ liegt nicht nur der bekannte Teufel im Detail, sondern auch das Übel des gängigsten Vorurteils gegenüber Versicherungen: sie kassieren gerne Prämien, aber wenn es darauf ankommet, dann drücken sie sich um ihre Leistung mit Verweis auf irgendwelche obskuren Klauseln in den Versicherungsverträgen.

Ich weiß, selten wird in den Medien darüber berichtet, wenn eine Versicherungssumme im Schadensfall vorbehaltlos ausbezahlt wird. Die Vorurteile halten sich hartnäckig. Warum das so ist, kann man schnell erklären: eure Kunden spüren, dass sie nicht genau wissen, was sie tatsächlich gekauft haben, welchen Schutz sie wirklich „genießen“; und je mehr Papier ihnen ausgehändigt wird, desto mehr fürchten sie, dass sie in irgendeiner perfiden Weise hintergangen werden. Letztlich verlassen Sie sich darauf, dass „ihr Berater nett“ ist. Soll das so sein?

Stellen wir uns also einmal eine Versicherungsurkunde vor, auf welcher selbstbewusst das Logo der Gesellschaft prangt und nur ein Satz zu lesen wäre: „Wenn ihr Haus abbrennt, zahlen wir Ihnen gegen einen Beitrag von x € im Jahr die Summe y. Es gibt nur eine Ausnahme: Sie sind haben das Haus selbst in Brand gesteckt oder dazu angestiftet.“ Oder die Luxusvariante: „Wir schützen ihr Anwesen gegen alle äußeren Gefahren oberhalb einer Schadenssumme von 500 Euro, es sei denn sie haben den Schaden selbst verursacht.“ Wären das nicht klare Aussagen, hervorragende Abmachungen, die regelrecht warme und gute Sicherheitsgefühle beim Kunden wecken könnten? Ist das naiv, ist es nur eine Karikatur. ich sehe schon eure Rechtsabteilungen durchdrehen. Aber es muss euer Ziel sein! Der Kunde muss lesen, verstehen, darauf vertrauen und damit rechnen können, welchen Schutz er gekauft hat – ohne Ausnahme. Einige Gesellschaften, leider eher ausländische, haben hier schon den Anfang gemacht und es ist fast ein Genuss an Übersichtlichkeit. Aber es bleibt noch viel zu tun (bzw. zu unterlassen).

Stellt euch einfach zufriedene Menschen vor, die glücklich sind sich eine finanzielle Sicherheit für bestimmte Risiken erworben zu haben, die sie verstehen und auf die sie bauen können. Das ist doch euer Job – oder etwa nicht? Dann würde auch euer Ansehen wieder erheblich steige.

 

3.       Überlasst die Indexfonds nicht der kleinen Minderheit der Honorarberater!

Wie ihr merkt handelt es sich hier um ein spezielleres Unterfangen. Auch haben hier einige Versicherungsgesellschaften (wie die Allianz oder Condor) schon angefangen, jedoch ist das noch ausbaufähig. Bereits an anderer Stelle habe ich mich vor zwei Jahren (vgl. Lebensversicherungen und ETF>>) ausführlicher dazu geäußert. Auch werde ich künftig hier noch mal eine konkrete Marktuntersuchung machen. Deshalb werde ich jetzt hier nicht im Detail darauf eingehen, dafür aber erläutern, weshalb 2013 genau das richtige das Jahr ist, um damit richtig an den Markt zu gehen.

Ausgangsbasis ist doch: klassischen Kapital-Lebensversicherungen lassen sich kaum mehr vermitteln: die Steuerfreiheit des ausbezahlten Betrages ist seit 2005 dahin, die Vertriebskosten und Gebühren sind hoch, der zu erwirtschaftende Zins gering, d.h. der Policenwert im Vergleich zu Aufwand und Kosten kaum rentabel, zumal wenn auch noch der Inflationsausgleich erwirtschaftet werden muss.

Bleibt die fondgebundene Rentenversicherung. Diese ist in vielen Fällen noch kostenintensiver, rechtlich über die Provisionsrückvergütungen problematisch, für den Kunden insgesamt äußerst komplex und intransparent. Letztlich kann der Vertrag im Mantel einer Lebensversicherung auch nur so gut sein, wie die Fonds selbst, d.h. ihre Auswahl, Zusammenstellung und Wertentwicklung. Aufgrund schlechter Erfahrungen (auch mit schlechten Vermittlern und schlechten Produkten) scheuen viele Kunden dieses Produkt, obwohl es von der Idee her nicht schlecht ist.

Hier mein Vorschlag: kreiert statt einer teuren, kostenintensiven und komplizierten Rentenversicherung mit aktiv gemanagten Investmentfonds eine kostengünstige, einfach strukturierte Rentenversicherung mit passiven Indexfonds. Sie bietet alle Vorteile von Investmentfonds (Risikostreuung, Diversifizierung über alle Anlagenklassen, geschütztes Sondervermögen usw.) ohne deren Nachteile (teure Verwaltungsgebühren ohne nachhaltigen Ertrag). Überlasst dieses Feld nicht den Honorarberatern, die für den Versicherungsmantel dieses hervorragenden Konzeptes auf eine m.E. schwache Versicherungsgesellschaft zurückgreifen müssen.

Warum jetzt der richtige Zeitpunkt dafür ist? Zum einen wird es wohl – wenn ich die Gesetzvorlage richtig interpretiere – künftig Finanz- und Versicherungsmaklern nicht mehr in einer Person möglich sein, für die Produktvermittlung eine Provision zu nehmen und für vermittlungsunabhängige Dienstleistungen ein Honorar zu verlangen. Dass das nicht zum Vorteil des Kunden ist, ist klar, jedoch ein anderes Thema. Entscheidend ist wohl, dass sich die anwachsende Lobby der wenigen Honorarberater politisch beim Gesetzgeber für ihr Berufsbild durchgesetzt hat, wie man das auch immer bewerten möchte. Zumindest bestätigen zahlreiche Untersuchungen immer wieder, dass (noch) die wenigsten Kunden es sich leisten können oder dazu bereit sind, eine angemessene Entlohnung für den Zeit- und Arbeits- und Ausbildungswand in der Finanzberatung in Form eines Honorars zu bezahlen.

Und jetzt kommt der Clou: seit diesem Jahr ist die sog. Finanzanlagenvermittlungsverordnung (FinVermV) in Kraft getreten. Ihr Inhalt entspricht in etwa der Wortlänge. Wenn ich das richtig einschätze, werden die Informations-, Dokumentations- und Beratungspflichten so hoch, dass man vorweg eigentlich nicht kostendeckend unter 500 Euro Honorar beraten kann, dabei wäre dann noch nicht einmal etwas verdient, weil man allein mehrere Stunden mit dem Vorbereiten, Ausfüllen und Erläuterung von Formularen beschäftigt ist, egal, ob jemand 5000 Euro oder 5 Millionen Euro anlegen möchte. Auch wenn damit der Schutz des Verbrauchers beabsichtigt wird, so wird der Kostendruck dazu führen, dass die Beratung für kleinere Sparpläne und Anlagesummen letztlich uninteressant wird.

Dieser Irrwitz ist aber eure Chance! Denn in letzter Konsequenz führt der erhöhte bürokratische Aufwand zu Kostendruck, der ausgerechnet Finanzdienstleistung auf Provisionsbasis einen ganz anderen Ruf verschaffen könnte. Denn letztlich ist die Provision zumindest im Lebens- und Rentenversicherungsbereich nichts anderes, als die von der Versicherungsgesellschaft  vorgestreckte Entlohnung für die Vermittlungsarbeit ihres Produktes, wobei die damit verbundene Arbeit und Kosten ratenweise den Beiträgen in den ersten Versicherungsjahren entnommen werden (sie sog. Zillmerung). Wer also nicht mehrere Hundert oder Tausend Euro dafür auf den Tisch legen möchte oder kann, dem bleibt eigentlich nur die provisionsbezogene Beratung, es sei denn man geht davon aus, dass Menschen gerne für umsonst arbeiten (auch die gibt es).

Es fehlt also nur noch die faire Verbindung aus bezahlbaren und langfristig nützlichen Anlage- und Vorsorgeprodukten. Gebt den Kunden deshalb eine Index-Police als ausgezeichnetes und sinnvolles Altersvorsorgeprodukt. Die Provision sollte als eine Art „Ratenkredit“ deutlich ausgewiesen sein, darf durchaus etwas geringer ausfallen, wenn man davon ausgeht, dass sie sich bei entsprechender Überzeugungsarbeit sogar häufiger verkauft. Ich könnte mir hier sogar eine Art Basisvorsorgeprodukt vorstellen, eine „Volks-Police“, bestehend aus nur drei bis fünf Index-Fonds, die man in 10 Minuten erläutern und vermitteln kann.

Dr. Guido Kirner (Polling, Weilheim i. OB)

 

Lebensversicherung und ETFs

Eigentlich müssten sich die Lebensversicherungsgesellschaften ein Wettrennen liefern, wer als erstes das beste Produkt auf den Markt wirft, bei dem im Mantel einer privaten Rentenversicherung das Deckungskapital über börsennotierte Indexfonds (sog. ETFs) aufgebaut wird. Doch obgleich die ETFs – was die Kapitalzuflüsse anbetrifft – als die erfolgreichsten Anlageprodukte der letzten Jahre gelten können, herrscht weitgehend Schweigen zu diesem Thema: keine großangelegten Werbekampagnen, kaum brauchbare Informationen im Internet, auch liest man nichts in einschlägigen Fachzeitschriften.

Was sind ETFs?

Bei ETFs handelt es sich um einen Hybrid zwischen Investmentfonds und Aktien. Die Fonds sind so konstruiert, dass die in ihnen enthaltenen Aktien (nach Diversifikation und Gewichtung) exakt einen Börsen-Index abbilden (DAX, S&P 500, Dow Jones, E-Stoxx 50, Nasdac 100, MSCI World u.v.a.m.). Inzwischen werden hunderte Indices in ETF-Produkten angeboten, so dass sich damit beinahe die gesamte Aktienwelt rund um den Globus abbilden lässt.

Vorteile von ETFs

ETFs haben Vorteile: sie haben erheblich geringere Kosten als Investmentfonds, sie sind äußerst transparent, es besteht ein fortlaufender Börsenhandel und hohe Liquidität und sie bieten auf einfache Weise eine hohe Risikostreuung bzw. Diversifikation.  Der vermeintlich Nachteil, dass auf ein aktives Fondsmanagement verzichtet wird, relativiert sich oder kehrt sich sogar zum Vorteil, wenn man bedenkt, dass es eh nur um die 20 % der Fondsmanager schaffen, die jeweilige Benchmark, d.h. den Vergleichsindex zu schlagen. Und wenn dies eine Minderheit kann, dann selten dauerhaft. Je effizienter die Märkte sind, desto schwieriger wird es für die Fondsmanager eine Outperformance zu generieren. Schließlich stellen die ETFs wie Investmentfonds ein geschütztes Sondervermögen dar und haben deshalb im Unterschied zu Zertifikaten kein Emittentenrisiko (man denke an die Lehman-Zertifikate). Also warum für den langfristigen Kapitalaufbau nicht gleich in ein passives Investment der ETFs investieren?

ETF und Lebensversicherung: eine gute Kombination?

Sicherlich, man kann sich ETFs auch direkt ins Depot legen. Zwar bieten die Banken diese Produkte kaum von sich aus an, weil sich mit ihnen weniger verdienen lässt als mit herkömmlichen und am besten hauseigenen Investmentprodukten. Aber gerade deshalb könnte das der Versicherungsbranche zum Vorteil gereichen, wenn sie in diesem Bereich mehr Engagement zeigen würde. Der Mantel der Lebensversicherung trägt trotz aller Schmähungen zur Disziplinierung des Sparvorgangs bei – und das wird sehr häufig übersehen: die Disziplin ist beim Sparvorgang letztlich wichtiger als die Rendite. Zwar soll die durchschnittliche Lebensdauer der Lebensversicherungen aufgrund vorzeitiger Kündigungen nur bei ca. 8 Jahren liegen; doch ist das immer noch weitaus länger als bei den meisten Fondssparplänen. Zudem könnten sich im Mantel einer Rentenversicherung Vorteile aus der Ertragsanteilbesteuerung im Vergleich zur Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge ergeben.

Handlungsbedarf

Warum also rührt sich so wenig? Die Gründe liegen wohl eher in der Trägheit bei  Vertrieb und Tradition. Noch die wenigsten Berater, ganz zu schweigen von jenen der großen (und kleinen) Finanzvertriebe haben überhaupt Ahnung, was ETFs sind. Nur eine kleine Elite beschäftigt sich damit und könnte ihre Möglichkeiten (dann auf Honorarbasis) darlegen. Die fondgebundene Lebens- bzw. Rentenversicherung hat sich im Laufe der Zeit zu einem immer umfangreichere und damit kostspieligen Produkt entwickelt, d.h. zu einer Art Vermögensverwaltung im Versicherungsmantel. Leider werden dann aber die großen Möglichkeiten nach Abschluss vom Versicherungsnehmer kaum genutzt. Eine ETF-Lebensversicherung könnte wieder den Weg zur neuen Einfachheit bestreiten. Mit nur 25 ETFs ließen sich alle Wünsche für ein breit diversifiziertes Depot abbilden. Einmal festgelegt sollte es 20-30 Jahre ohne große Änderungen bespart werden. Wahrscheinlich wäre der Ertrag mit erheblich weniger Aufwand und Kosten mindestens genauso gut wie bei einer klassischen fondgebundenen Lebensversicherungen mit Investmentfonds. Jedenfalls sollte man es dem Verbraucher anbieten.

Hoffnung machen einzelne Versicherungen (von einer weiß ich), die schon mal einen ETF-Dachfonds in ihren Fondspolicen mit anbieten; und gerade dieser ETF-Dachfonds hat bewiesen, was er selbst in Zeiten der Finanzkrise im Unterscheid zu den meisten Investmentfonds zu leisten vermag. Es kann also nicht mehr lange Dauern und die Versicherungsbranche wird ETF-Policen konzipieren. Es braucht dann aber eben auch die Leute, die diese Produkte den potentiellen Kunden erläutern können.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

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