Wenn nicht lügen, dann täuschen – es reicht!

Was müssen die Bürger da für einen Eindruck gewinnen von den Herren in Nadelstreifen? Private Banken manipulierten Zinssätze, wuschen Drogengelder, jubelten Kunden unbrauchbare Produkte unter, gegen die sie sogar selbst spekulierten, bildeten Anreize zur Steuerhinterziehung usw. usw. Viel ist nicht passiert in der Branche. Der Eigenhandel wurde nicht verboten, die Megabanken nicht zerschlagen, eine Trennung von Einlagen- bzw. Kreditgeschäft vom Investmentbanking ist nicht erfolgt, nur unbrauchbare vermeintliche Kontrollgremien wurden aufgebläht, also Bürokratie statt echte Strukturreformen im Finanzwesen.

Wieso auch, die Staaten leben es vor! Wird wirklich alles getan, um echte, schnelle, ja zugegeben harte Strukturreformen in Ländern wie Griechenland, Spanien und Italien zu erzwingen? Nein. Die geldpolitische Vernunft in der EZB ist schon lange auf verlorenem Posten, d.h. in der nichtssagenden Minderheit, die Vertreter der größten Misswirtschaften geben den Ton an und verzögern das Unvermeidliche mit Milliardenschwemmen an billigem Geld für Banken, die es eigentlich gar nicht mehr geben dürfte. Nun, das spürt und weiß der Großteil der Bevölkerung schon lange, ist aber machtlos, weil er keine politische Vertretung findet.

Was machen die Volksvertreter da eigentlich? Wenn sie nicht überfordert sind, dann sind sie schlicht inkompetent. Oder schlimmer: wenn sie nicht offen lügen, dann täuschen sie! Denn wie soll man es anders verstehen:  Der Finanzminister beteuert, die Haftung des ESM-Vertrages reiche für Deutschlands „nur“ bis  190 Milliarden Euro. Dabei ist sie tatsächlich unbegrenzt, wie Experten, die den Vertrag analysiert haben, feststellen (so Prof. Dr. Stefan Homburg in seinem Artikel „Retten ohne Ende“  im Münchner Merkur vom 01.08.2012, S. 5)

Die Kanzlerin wiederum betont, mit ihr gebe es „solange sie Lebe“ keine Vergemeinschaftung der Schulden wie z.B. durch Eurobonds. Dabei haben wir die schon längst durch die Hintertür, sei es über den ESM-Vertrag, sei es über die Target-Salden, sei es über die skandalöse, von der Politik geduldete und vertragsbrüchige Ausweitung der Kompetenzen der Europäischen Zentralbank, die sich nicht auf Geldpolitik beschränkt, sondern als Handlanger der Interessen bestimmter Länder Fiskalpolitik betreibt. Es reicht, es reicht wirklich! Für wie dumm haltet ihr uns Wähler eigentlich?

Dann dieses Geschwätz: ohne Euro kein Europa. So ein Unsinn. Europa hat es vor dem Euro gegeben und wird es weiterhin geben. Sollte die Europäische Gemeinschaft tatsächlich von den Interessen der Finanzbranche und einigen Vertretern der Großindustrie abhängen, dann ist es diese Konstruktion eh nicht Wert zu überleben. Europa ist eine komplizierte Geschichte, ein Modell, wie sich Völker nach erlebten Katastrophen begegnen, eine Rechts- und Wertegemeinschaft, die es nicht aushält, wenn dauernd gegen ihre Regeln verstoßen wird; kurz: Sie ist mehr als ein Schuldentilgungsfonds.

Noch dümmer ist das Geschwätz davon, dass keiner so sehr vom Euro profitiere wie Deutschland. Mit Einführung hat es einen Kapitalabfluss erlebt in jene Länder, die mit dem Geld nichts anzufangen wussten, außer korrupte Begünstigungssysteme aufzubauen. Dafür zahlt Deutschland nun aber Milliarden und Abermilliarden, haftet in nahezu unbegrenzter Höhe und erntet dafür nichts, außer außenpolitische Missgunst und Häme.

Die letzte Hoffnung ist tatsächlich das Bundesverfassungsgericht, doch ob das den Mut haben wird, eine Entscheidung zu fällen, vor der alle irgendwie Angst haben, weil sie das Ende der Währungsunion bedeuten könnte, ist zweifelhaft. Und was sagt das Sprichwort: Die Hoffnung ist der Tod des Kaufmanns. Und da ist viel Wahres dran, denn wer noch glaubt, sich auf irgendwen in der Finanzpolitik verlassen zu können, der hat schon verloren.

Dr. Guido Kirner (Polling/Weilheim)

Ökonomie-Nobelpreisträger als Fehlallokation

Der Kommentar einer Zeitung überliefert folgende Anekdote. Beim Lindauer Treffen der Ökonomie-Nobelpreisträger gibt es auch eine Fragestunde für Studenten. Eine Studentin stellte kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman-Brothers die Frage, ob es in den westlichen Volkswirtschaften nicht eine „Fehlallokation von Talenten“ gebe. Zu viele kluge Köpfe gingen in die Finanzbranche, die mit hohen Gehältern und Boni lockt; dafür blieben zu wenig Talente für die Realwirtschaft.

Der Kanadische Nobelpreisträger Myron Scholes antwortete selbstbewusst grinsend: „Ich betrachte mich als einen der schlauesten Menschen, die es gibt, und es hat sich als hervorragende Entscheidung herausgestellt, dass sich in die Finanzbranche gegangen bin.“

Das Selbstbewusstsein des Nobelpreisträgers ist bemerkenswert. Zwar ist er der Erfinder der Optionspreisformel, aber er war eben auch einer der Mitbegründer des Hedgefonds LTCM. Dieser Hedgefonds wurde von einigen der klügsten und intelligentesten Köpfe der Investmentbranche nach vermeintlich wissenschaftlichen Methoden und Formeln verwaltet und erwirtschaftete zunächst enorme Gewinne. 1998 brach der Fond mit seinen hochriskanten Anlagen von mehr als 100 Milliarden Dollar fast zusammen und hätte beinahe das gesamte Finanzsystem mit sich in den Abgrund gerissen.

Es war einer umstrittenen Rettungsaktion der amerikanischen Notenbank zu verdanken, dass es nicht bereits damals zu einer Weltfinanzkrise kam, wie 2008 nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank. Gehalten hat sich seitdem das Motto „to big to fail“ für systemrelevante Akteure. Die Folge kann man auch als ungerechtfertigte indirekte Subvention des Finanzsektors betrachten: Großbanken und Versicherungen erhalten eine Art Staatsgarantie, können dadurch günstigere Konditionen bei Zinsen erhalten.

Das hat aber auch eine negative Kehrseite: Die Folgen sind die Neigung, höhere Risiken einzugehen, kurzfristige statt nachhaltige bzw. Scheingewinne zu erwirtschaften, sich vom industriellen Produktionssektor zu entkoppeln sowie eine fehlendes Verantwortungsbewusstsein für die verursachten Investitionsblasen und Finanzkrisen.

Die selbstgefällige Arroganz von nicht wenigen Bankern, Hedgefonds-Managern & Co. zeigt, dass es sich hier wohl nicht nur um eine Fehlallokation von Intelligenz, sondern auch von Charakter und Verantwortungsbewusstsein handelt.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB.

Soziale Marktwirtschaft & finanzielle Haftung

Im Kommentar von Holger Stelzner der heutigen FAZ (S.1) werden zwei Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft zitiert. Sie dienen als Einleitung einer Bewertung der neuen sog. Basel-III-Vorschriften. Darin haben die Notenbanken und Aufsichtsbehörden aus 27 Ländern strengere Kapitalregeln beschlossen. Zwar sind die höheren Eigenkapitalansprüche zu bergüßen, jedoch wurde das Problem der Haftung bzw. Verantwortung für eingegangene finanzielle Risiken damit nicht gelöst.

Zum einen kommt WALTER EUCKEN zu Wort:
“Investitionen werden umso sorgfältiger gemacht, je mehr der Verantwortliche für diese Investitionen haftet. Nur bei fehlender Haftung kommt es zu Exzessen und Zügellosigkeit.”

Der andere, WILHELM RÖPKE, wird ebenfalls zitiert: “Wer sich im Bankwesen betätige, könne nicht dieselbe Freiheit wie bei der Produktion von Schuhwichse beanspruchen. Denn als Glied des Kreditsystems hantiere er mit gefährlichen Explosivstoffen in der Öffentlichkeit und müsse sein Verhalten danach ausrichten.”

Ich bin jung, verdiene erstes Geld, wie fange ich an mit der Vorsorge? (Im Leben I)

Sie sind jung, vielleicht in den 20ern, haben vielseitige Interessen, wissen aber auch, dass man sich nicht früh um seine finanziellen Angelegenheiten kümmern kann. Sie verdienen Ihr erstes gutes Geld und selbst nach Erfüllung ihrer Wünsche bleibt etwas übrig. Nun stellen Sie sich Fragen: Wem kann ich vertrauen, wer berät mich neutral, mit was soll ich anfangen, was ist das wichtigste?

Den wichtigsten Schritt haben Sie bereits getan: Sie sind vernünftig und überlegen bereits in jungen Jahren, wie sie richtig vorsorgen können. Auch haben sie von ihren Eltern und aus dem Bekanntenkreis bereits einige Tipps erhalten. Sie wollen ihren eigenen Weg gehen, wissen aber noch nicht so recht, wie genau sie vorgehen sollen.

TIPP: Bevor Sie große Sparpläne zeichnen, bevor sie sich mit Themen wie Riester-Rente, Rürup-Rente, betriebliche Altersversorgung, gesetzlicher Sozialversicherung und Steuervorteilen auseinandersetzen, fangen Sie lieber bescheiden an und legen die Prioritäten in ihrer Finanzplanung fest.

Was ist das Wichtigste und in welcher Reihenfolge baue ich meine Vorsorge richtig auf?

1. Sparen aber wie?

Nachdem Sie in sich und ihre Ausbildung bereits investiert haben und auch für die Lebensfreude etwas übrig bleibt, legen Sie jeden Monat einen bestimmten Geldbetrag auf die Seite, den Sie „verschmerzen“ können. Sparen ist aufgeschobener Konsum. Sie verzichten auf nichts, sie heben es sich nur für später auf. Besser als ein Sparbuch eignet sich dafür ein (kostenloses) Tagesgeldkonto. Von dort können Sie im Notfall das Geld jederzeit wieder abrufen und es ist nicht langfristig gebunden. Versuchen Sie 5.000 € anzusparen.

2. Sie haften für Schäden!

Alles sparen bringt nichts, wenn Sie ungewollt anderen einen Schaden zufügen, für den Sie vielleicht ihr ganzes Leben bezahlen müssen. Eventuell überfordert dieser Schaden ihre finanziellen Verhältnisse auf lange Sicht und Sie hätten nie mehr eine Chance, finanziell auf die Beine zu kommen. Denn laut Gesetzbuch haften Sie für die von ihnen verursachten Schäden in unbegrenzter Höhe. Deshalb brauchen Sie unbedingt eine Haftpflichtversicherung. Sie gehört zur Grundausstattung eines jeden verantwortungsvollen Menschen und ist zudem kostengünstig.

3. Ihr Leben hängt an ihrer Arbeitskraft!

Was ist überhaupt ihr wertvollstes Kapital? Richtig: Ihre Arbeitskraft. Von ihr wird für die Zukunft ihr wirtschaftlicher Erfolg (vielleicht auch ihrer Familie) abhängen. Was passiert, wenn aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit gar nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten? Sie sind entweder auf die Hilfe anderer angewiesen oder sie haben selbst vorgesorgt.

Die beste Absicherung gegen die finanziellen Folgen des Verlustes der Arbeitskraft ist die Berufsunfähigkeits-Versicherung. Niemand bestreitet, dass Sie mit zu den wichtigsten Absicherungen überhaupt gehört. Dies sollte man gerade in jungen Jahren tun, sofern man noch gesund und die Absicherung bezahlbar ist. Denn sie wird mit zunehmendem Alter immer teurer. Hat man bestimmte Krankheiten, wird es ganz schwer, überhaupt noch eine zu bekommen. Also kümmern sie sich rechtzeitig darum.

FAZIT:

Als junger Mensch brauchen Sie zunächst eine gute Haftpflichtversicherung, weil Sie für (auch unverschuldete) Schäden, die Sie verursacht haben, gesetzlich in unbegrenzter Höhe haften. Dann sichern sie ihre „Geldruckmaschine“, d.h. ihre Arbeitskraft ab, indem Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung in angemessener Höhe abschließen, solange Sie noch gesund sind. Und schließlich schauen Sie, wie viel Geld Sie noch auf die Seite legen können und parken es auf einem Tagesgeldkonto, bis Sie sich den Luxus leisten können, zu überlegen, wie sie es besser investieren können.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
Sie möchten gleich richtig beginnen?