Ein Witz aus Griechenland

In Griechenland erzählt man sich wohl folgenden Witz:

Petrus will die Himmelspforte renovieren und holt dafür drei Angebote ein. Der Albaner verlangt sechshundert Euro – zweihundert für die Farbe, vierhundert für die Arbeit.
Der deutsche Handwerksmeister will tausend Euro, dreihundert für die Farbe (bei der Himmelspforte muss es Qualitätsfarbe sein), dreihundert für die Arbeit und vierhundert für Steuer und Versicherung.
Der Grieche will dreitausend Euro und erklärt dem geschockten Petrus, warum: “Tausend für mich, tausend für dich, zweihundert für die Farbe, fünfhundert, damit der Deutsche sein Angebot zurückzieht, und dreihundert für den Albaner – irgendwer muss die Arbeit ja machen.”

1.000.000.000.000 Euro

Der fiskalpolitische Irrsinn braucht absurd hohe Zahlen, damit die bürgerliche Vorstellungkraft versagt. Das Rettungspaket II ist verabschieded und damit ein weiterer Kredit, nunmehr in Höhe von 120 Milliarden Euro. Kreditpaket I über 110 Millarden Euro verpuffte bereits wirkungslos. Der Krisenfonds über 780 Milliarden (auch für Portugal und Irland) verzeichnete ebenfalls keine Wirkung. Das macht zusammen über eine Billion Euro. Wo führt das hin?

Kanzlerin Merkel und Finanzminsiter Schäuble werden von schlechten Beratern (Finanzlobbysiten) und Politikerkollegen anderer Länder am Nasenring durch die Finanzarena geführt und verbrennen das Geld ihrer Steuerzahler. Das Argument, der klare Schuldenschnitt sei das schlimmere Übel, weil damit eine vermneintliche Kettenreaktion an den Finanzmärkten ausgelöst würde, wird um so unglaubwürdiger, je teurer die mit vielen falschen Argumenten gerechtfertigten Maßnahmen werden.

Euro und Europa werden in der politischen Rhetorik fälschlicherweise gleichgesetzt. Das eine rettet das andere. Geht dann auch beides zusammen unter? Zumindest zwei Argumente stimmen nach neuesten Zahlen des statistischen Bundesamtes nicht mehr: Deutschland gehört seit Einführung des Euro nicht zu den Ländern, das am meisten davon profitiert hätten. Gemessen an durchschnittlichen Wachstumsraten sind ausgerechnet Griechenland und Irland mit 2,7 % bzw. 3,9 % die Gewinner, während Deutschland mit 1,2 % eher zurückbleibt. Und europäische Länder die am Euro gar nicht teilgenommen haben, stehen deshalb gewiss nicht schlechter da. Auch der Anteil des Exportes in hat sich verkleinert und ist um 5% auf 41 % gesunken.

Wenn es heisst, Deutschland profitiere am meisten vom Euro und Europa, so verstehe ich die Exportargument eh nicht. Es wird doch nicht deshalb exportiert, weil es sich um Spenden oder Geschenke handelt oder weil uns andere Länder damit einen Gefallen tun wollen. Exportiert wird doch, weil Kunden an Produkten aus Deutschland interessiert sind, die ihnen irgendweinen Nutzen oder Vorteil versprechen, d.h. es profitieren mit jeder exprotierten Ware auch die Importeure!

In diesen Argumentationen kommt ein Wirtschaftsverständnis zum vorschein, das den Eindruck zurücklässt, egal wer inzwischen bei den Politikern den Mund über Finanz- oder Wirtschaftsfragen den Mund aufmacht, es handelt sich dabei nur noch um vorgefertigte Hohlphrasen.

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Dr. Guido Kirner, Finanzberater & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Der Abwehrkampf um das “Default”

Ein Bekannter fragte mich neulich bei einem Grillabend, was er mit seiner Griechenlandanleihe machen solle. Sie laufe ein Jahr und er bekomme dafür 14 % Zinsen. Würde er sie nun verkaufen, verliert er durch hohe Abschläge viel Geld. Wird Griechenland zahlungsunfähig, droht ihm, alles zu verlieren. Steht die Anleihe das Jahr durch, bekommt er sein Geld mit hohem Zins zurück. Also was tun?

Zunächst sagte ich ihm, ich berate nicht zu Einzelwerten: zum einen dürfe ich das nicht, zum anderen halte ich es für ausgesprochen riskant und überdies ist zumeist kein Anlagekonzept dahinter erkennbar außer waghalsiger Zinsgier. Man will einen alten Bekannten aber auch nicht ganz im Regen stehen lassen. Einen definitiven Rat werde ich nicht geben.

Letztlich sollten seine Entscheidung auf zwei Überlegungen beruhen: 1. Wie hoch ist der Anteil der riskanten Griechenlandanleihe an seinem Gesamtportfolio? 2. Wie schätze ich den Zeitrahmen der Maßnahmen der Europäischen Politik ein, um den Zahlungsausfall Griechenlands abzuwenden?

Der erste Punkt ist klar: je größer der Anteil des Geldes ist, dem ein Totalverlust droht, desto mehr sollte man geneigt sein, Abschläge in Kauf zu nehmen, um zu retten, was noch zu retten ist. Je kleiner der Anteil, desto mehr kann ich auf Zeit zu spielen in der Hoffnung, die europäische Politik werde die endgültige Feststellung des Zahlungsausfalls schon zu verhindern wissen, zumindest für ein knappes Jahr.

Schlussendlich bedeutet dies nichts anderes, als das hier jemand eine riskante Wette eingegangen ist in der Hoffnung, die europäische Politik werde ihn schon raushauen. Er macht dann letztlich ein gutes Geschäft (14% Zins) auf Kosten der Allgemeinheit der Steuerzahler, die das Geld zur Vermeidung der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands bereitstellt.

Der zweite Punkt ist schwieriger, d.h. die Einschätzung der europäischen Politik für das nächste Jahr, ob und wie sie die Überschuldungskrise Griechenlands (und evtl. anderer Staaten) abwenden kann. Aktuell lässt sich dabei die komplexe Gemengelange in einem Wort zusammenfassen: DEFAULT. Es geht um die Abwendung einer Herabstufung Griechenlands durch die Ratingagenturen mit diesem Wörtchen, das mit „Verzug“ übersetzt werden kann.

Was unter Verzug letztlich verstanden werden soll, ist nicht ganz eindeutig, jedoch kann davon ausgegangen werden, dass jede Form einer Schlechterstellung der Gläubiger damit umschreiben ist: also nicht nur die endgültige Feststellung der Zahlungsunfähigkeit, sondern auch eine Umschuldung in Richtung längerer Laufzeiten (Schäuble-Plan). Das ist auch der Grund für die Bedeutung der „Freiwilligkeit“ für Maßnahmen, welche für die Gläubiger eine Schlechterstellung bedeuten. Diese Freiwilligkeit kann als Popanz betrachtet werden oder als letzte kleine Schutzmauer vor Feststellung eines sog. “Kreditereignisses”.

Deshalb setzt die europäische Politik alles daran, die Default-Einstufung zu vermeiden. Damit würde auch das Mittel versiegen, Griechenland überhaupt noch mit Geld versorgen zu können. Nach einer Default-Einstufung dürfte die Europäische Zentralbank (EZB) nämlich keine Griechenlandanleihen mehr kaufen. Dies hat sie bisher in großem Umfang getan, was ihrem Status der Unabhängigkeit von politischem Einfluss nicht gerade gut getan hat.

Eigentlich darf die EZB nur werthaltige Anleihen kaufen. Der Begriff werthaltig ist dehnbar; tatsächlich haben Griechenlandanleihen bereits den Status von „Schrottanleihen“. Deshalb sprechen manche bei der EZB bereits von einer „bad bank“. Mit dem default-Status wäre es endültig aus damit und griechische Banken wären von Geldmarktgeschäften der EZB abgeschnitten. Dann wäre der Kampf gegen die Zeit verloren: Griechenland wäre pleite, bankrott, zahlungsunfähig – wie immer man das umgangssprachlich nennen mag.

Dann bliebe nur noch der große Schuldenschnitt, der sog. haircut. Vor haben alle Angst bzw. die Angst davor wird bewusst geschürt. Gläubiger (Banken, Versicherungen, Anleger, Staaten, EZB) und Schuldner (Griechenland) müssten darüber verhandeln, was die Papiere noch Wert sind bzw. was von den Schulden in welcher Zeit auf welche Weise noch zurückbezahlt werden kann. Das wäre nichts neues und kam in der Geschichte immer wieder vor. Neu ist nur, das das Land in diesem Fall keine eigene Währung hat.

Ich bin der Meinung der haircut hätte schon vor einem Jahr stattfinden sollen. Denn Zeit kostet bekanntlich Geld. Doch die politischen Eliten Europas glauben noch, dass sie die gekaufte Zeit vor etwas bewahrt, was noch sehr viel teurer wird: die sog. Ansteckung auf weitere überschuldete europäische Staaten. Fraglich ist, ob das Szenario der “Ansteckung” wirklich taugt und ob das Kalkül des Abwehrszenarios aufgeht. Ich hatte da von Anfang an meine Zweifel.

Siehe auch die Blogartikel: Institutionalisierte geldpolitische Verantwortungslosigkeit; Europasolidarität als Bankensubventionierung; Das Ende einer Währung; Das Ende der Unabhängigkeit der Europäischen Zentralbank; Hellas – Euro – Europa, was auf dem Spiel steht.

Dr. Guido Kirner, Finanzberatung & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Hellas – Euro – Europa, was auf dem Spiel steht!

Die Würfel sind gefallen

Man wird den Griechen Geld geben und erhofft sich dadurch eine Beruhigung der Finanzmärkte, kann sich europapolitisch solidarisch geben und glaubt folglich jenen Experten, die andernfalls einen katastrophalen Dominoeffekt für weitere überschuldete europäische Länder vorausgesagt haben. Kommen so manche Experten vielleicht aus den Banken, die besonders viel Geld verliehen haben?

Welches Vertrauen?

Man hat damit endgültig den Pfad währungspolitischer Tugend verlassen, wirft den Griechen Geld hinterher, ohne zu wissen wie viel noch gebraucht wird, um den Staatsbankrott zu vermeiden. Reichen 30 Milliarden, 130, 230?

Währungspolitik lebt von Vertrauen. Permanenter Bruch vertraglicher Regeln vernichtet Vertrauen: das Nichteinhalten der Maastrichter Kriterien, das Gerede von einer Euro-Anleihe, dann das von der Einrichtung eines Europäischen Währungsfonds, jetzt der Umweg über den Internationalen Währungsfonds, Umgehung der No-bail-out-Klausel, taktierendes Zögern, dann doch wieder Nachgeben usw. – das ist schlechte Politik und zeugt von Überforderung.

Die Alternative als Katastrophe?

Mit mehr Rückgrat hätte die Sache relativ einfach sein können: Die Griechen wären in ihrem eigenen Interesse aus der Währungsunion ausgetreten, um ihre Währung abwerten zu können. Dann hätte einer Gläubigerkonferenz stattgefunden, wie viel in welchem Zeitraum unter welchen wirtschaftlichen Restrukturierungsmaßnahmen Griechenland zurückbezahlen kann. Das Vertrauen in den Euro ob seiner Regeltreue wäre erhalten geblieben und Griechenland hätte das Vertrauen, das es aus eigener Schuld vorsätzlich verspielt hat, allmählich wieder zurückgewinnen  können, indem es harte aber unvermeidliche wirtschafts- und finanzpolitische Reformen durchsetzt.

Die Gläubiger hätten allerdings nicht ihr ganzes Geld zurückbekommen. Nach Meinung einiger Experten vielleicht 50-70 %. Den Rest hätten sie abschreiben müssen. Das war ihr Risiko. Wir müssen weg von diesen Schmarotzerbanken, die glauben Risiken abwälzen aber Gewinne einfahren zu können, während andere dafür haften. Das sind nichts anderes als Suventionen, das schafft eine Zombiewirtschaft, fördert Verantwortungslosigkeit und reizt zu höchstriskanten Spekulationen. Diese Alibi-Bankenabgabe ist nicht einmal ein Feigenblatt.

Der Gipfel der Dummheit

Das dümmste, was ich (gestern in der Sendung ‚hart aber fair‘) gehört habe, war das Argument, der Austritt ginge schon deshalb nicht, weil Griechenland ja Schulden in Euro habe, mit Wiedereinführung der Drachme diese Schulden also gar nicht zurückbezahlen könne. Wo leben wir eigentlich, dass solche Idioten im Fernsehen zu Wort kommen. Dem Glaübiger wird es egal sein, in welcher Währung zurückbezahlt wird, solange er einen Gegenwert erhält und seien es Oliven.

Was kommt?

Wäre es so zu einer finanzpolitischen Katastrophe gekommen? Die historische Erfahrung sagt nein. Staatsbankrotte und Verschuldungskrisen hat es oft gegeben, zuletzt in Argentinien. Ein klarer Schnitt unter Einhaltung klarer Regeln schafft größeres Vertrauen als das gewählte Szenario. Das ist falsch oft falsch verstandene Solidarität.

Nun werden neue griechische Staatsanleihen ausgegeben. Die Gutmenschen blasen reichlich Luft in ein Feuer, das die nächste Finanzkrise umso stärker anfachen wird und noch mehr Geld verbrennt. Wessen Geld? Ihr Geld! Sie haben es ja den Banken als Einlage zur Verfügung gestellt, damit sie es sehr viel teurer weiterveleihen können und sie mit 1-2 % abspeisen. Bei der nächsten Finanzkrise werden die Staaten den Banken nicht mehr helfen können, denn sie werden selbst das Problem sein. Hoffentlich habe ich unrecht.