Erschreckende Unkenntnis

Wer des Öfteren als Finanzdienstleister mit Kunden zu tun hat, kann vielleicht bestätigen: Frauen stapeln eher tief, Männer hoch; Frauen entschuldigen sich für Ihre Unkenntnis, stellen dann aber kluge Fragen und entscheiden recht logisch; Männer dagegen geben sich gerne selbst als Fachmann, deuten an, dass sie alles im Griff haben und entscheiden dann viel emotionaler, als sie glauben. Solange beide bedürfnisgerecht beraten werden, ist es egal, und Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel.

Traurig wird das Ganze nur, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Ahnungslosigkeit und Beratungsresistenz. Und tatsächlich bestätigt eine Studie beides in erschreckendem Maße, und zwar unabhängig vom Geschlecht. So liegt nun das Ergebnis einer Umfrage des Fondsbranchenverband BVI vor, bei dem 1000 Leute befragt wurden. Das beginnt damit, dass überhaupt nur 11 % es für wichtig halten, etwas ihre Geldanlagen zu verstehen. Wenn das so ist, dann helfen auch keine Gesetze und kein Verbraucherschutz. Da sind die 20 %, die schlechte Erfahrungen mit Finanzgeschäften gemacht haben, noch erstaunlich wenige; oder ist der Rest vielleicht so unbedarft, noch nicht einmal beurteilen zu können, was ein gutes und was ein schlechtes Geschäft ist?

Tatsächlich glauben 61 % (bei jüngeren sogar 80 %), Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch seien geeignete Geldanlagen für die Altersvorsorge, obgleich diese allenfalls dafür geeignet sind, Geld bis zur besseren Verwendung zu parken und (inzwischen noch nicht einmal) die Inflation auszugleichen. Im Gegenzug halten nur ein Viertel der Jüngeren die betriebliche Altersvorsorge (bAV), Fondssparpläne oder Rentenversicherungen für geeignet. Bei der Mehrheit fehlen also Grundkenntnisse.

Sicherheit ist fast der Hälfte der Befragten das Wichtigste bei der Geldanlage. Verständlich, erstaunlich nur, dass nur 6 % das wichtigste Mittel, nämlich die Risikostreuung für wichtig halten. Eine gewisse Konsequenz im Verhältnis zur Risikoneigung birgt das Ergebnis, das für nur 6 % der Ertrag das wichtigste ist. Da erinnere ich mich an einen Kommentar der FAZ, die Deutschen seien „Renditeverweigerer“.

Die verbreitete Unkenntnis führt jedenfalls dazu, dass die Deutschen zu wenig, falsch bzw. mit ungeeigneten Instrumenten ihre Sparziele verfolgen. Da stellt sich doch die Frage, ob nicht Experten weiterhelfen könnten? Dem widerspricht, dass es immerhin 90 % für immer wichtiger halten, sich selbst mit dem Thema zu befassen. Die wichtigsten Gründe, warum sie das dann aber nicht tun, sind: es macht keinen Spaß (43 %), kein Vertrauen in Finanzinstitute (40 %), starke Verunsicherung, was man tun soll (37 %), Schwierigkeiten beim Verständnis von Informationsmaterialien (37 %). Die FAZ erwähnt in ihrem Artikel noch eine Umfrage. Hier bestätigt sich die umfassende Unkenntnis: so haben z.B.  60 % noch nie etwas vom Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge gehört.

Sind die meisten Bürger selbst schuld an ihrer Unkenntnis oder ist es auch der Branche anzulasten, dass sie zu schlecht beraten? Möglicherweise beides. Die Mission für meinen Beruf sollte also sein: Aufklärung zu mündigen Finanzbürgern, zumindest wenn das Interesse da ist.

Dr. Guido Kirner, Finanzberatung und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Verbraucherschutz in der Finanzdienstleistung. 10 Fragen und Antworten helfen Kunden mehr als 100 Paragrafen

Die Qualität der Finanzberatung hängt letztlich von der Qualität des Beraters ab, d.h. seiner Kompetenz, seinem Charakter und seiner Persönlichkeit, auf welche Weise er Sie beraten wird. Überall gibt es gute und schlechte Berater. Richtig ist aber auch: es hängt zudem von den Strukturen ab, wie unabhängig und kompetent er überhaupt für Sie arbeiten kann bzw. darf. Die Wahrscheinlichkeit auf einen guten Berater zu treffen wächst unter bestimmten strukturellen Voraussetzungen.

Zurecht werden deshalb im Rahmen des Verbraucherschutzes die strukturellen Voraussetzungen von fairer Finanzberatung diskutiert. In jüngster Zeit wurde das Thema auf die Gegenüberstellung von Provisionsberatung versus Honorarberatung verkürzt. Nicht selten werden dabei Besitzstände von Verbänden und Einflussgruppen verteidigt und der “Verbraucher” gerät aus dem Blickfeld. Wem es tatsächlich um den Verbraucher geht, der sollte dafür sorgen, dass er sich überhaupt ein Bild machen und selbst entscheiden kann, was für ihn das Beste ist. Alles andere sind obrigkeitsstaatliche Hanswurstiaden mit wenig Praxisrelevanz. Dabei wird noch die beste Absicht in schlechte Gesetze gegossen, deren Folge nur ist, dass der Verbraucher mit noch mehr Papier überschüttet wird, dessen Inhalt er kaum versteht und für dessen Lektüre er auch kaum ein Wochenende opfern möchte.

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Jeder Interessent braucht sich nur 10 Fragen von seinem Finanzdienstleister beantworten lassen. Mit ein wenig Branchenkenntnissen und gesundem Menschenverstand weiß er besser, woran er mit seinem Berater ist. Continue reading Verbraucherschutz in der Finanzdienstleistung. 10 Fragen und Antworten helfen Kunden mehr als 100 Paragrafen