Das Elend der Deutschen Bank

Die Deutsche Bank war einst ein Vorzeigestück der Deutschen Wirtschaft. Sie wurde zum Aushängeschild des für Deutschland prägenden Bankentyps: der Universal- und Industriebank. Ihre Bedeutung wuchs mit jener der deutschen Industrie, deren Wachstum sie maßgeblich seit der Reichsgründung 1870 begleitete.  Entsprechend einflussreich war sie in den Konzernetagen. Man nannte das (auch kritisch) die “Deutschland-AG“ als Hinweis auf die enge Verflechtung von Großindustrie und Finanzkapital mittels Konzentration der Aufsichtsratsmandate. Vor allem Hermann Josef Abs war hierfür brühmt (berüchtigt).

In ihren besten Zeiten gehörte die Bank zu den größten Banken der Welt, genoss weltweites Ansehen und das „Deutsche“ in ihrem Namen stand für Solidität, Zuverlässigkeit und Seriosität. Das Wort eines Deutschbankers hatte Gewicht. In den 90ern stellte man fest: Angelsächsische Investmentbanken verdienen viel mehr Geld mit ihren Handelsaktivitäten. Also musste man amerikanischer bzw. britischer werden und kaufte dazu, wovon man keine Ahnung hatte. Die Erfolge der Trader wurden mit Geld überschüttet. Bald hatten die das sagen und die Bonikultur wurde maßgeblich.

Was ist daraus geworden? Das beinahe schlimmste, was einer Bank passieren kann: sie erntet inzwischen das Mitleid der Branche. Unter den großen Spielern verkehrt sie längst nicht mehr. Der Börsenwert der Deutschen Bank liegt bei nur noch aufgerundeten 23 Mrd Euro (zum Stichtag 25.03.2018). JP Morgan Chase ist 10 mal so wertvoll. Nicht ihre Größe, sondern ihre Verflechtung mit anderen Finanzinstituten macht sie systemrelevant. Ihr Derivatebuch versteht sie wahrscheinlich selbst nicht mehr (sofern das überhaupt jemand heute noch von einer modernen Handelsbank verstehen kann). Und dass sie ihren Finanzmüll seit der Finanzkrise loswerden konnte, bleibt zu hoffen. Der Verlust der Bad Bank beläuft sich immerhin bereits auf 20 Mrd. Euro.

Schlimmer noch: wer in den letzten Jahren mitbekam, wieviel Rückstellungen die DB für gerichtliche Straf- und Vergleichszahlungen machen musste, könnte fast auf die Idee kommen, es handelt sich hier weniger um ein konservatives Finanzinstitut als um eine Art kriminelle Vereinigung: seit 2007 zahlte man hierfür rund 18 Mrd. Euro! Viele Verfahren sind noch anhängig. Von Zinsmanipulationen bis zur Geldwäsche, man hat kaum etwas ausgelassen.

Die Bonizahlungen verstehen sich also kaum als Leistungsvergütung, eher schon als Schmerzensgeld (für den schlechten Ruf), als Treuprämie (damit man nicht zur Konkurrenz geht) oder einfach als Plünderung des eigenen Ladens, solange es noch geht. Allein für 2017 zahlten sich die Deutschbänker 2,2 Mrd Euro an Bonuszahlungen, seit 2010 rund 20 Mrd. Euro. Die Anteilseigener erhielten dagegen 2017 weniger als ein Zehntel als Dividendensumme.

Wenig überraschend ist der Börsenwert dauerhaft im Sinkflug. Die Bank scheint ihre einstige Größe, ihren Einfluss (auch in der Politikberatung) und ihr (eh schon angeschlagenes) Image verspielt zu haben. Ein glaubwürdiges Zukunftsprojekt ist nicht in Sicht. Banken reden bei Problemen zwar gern und oft vom „Kulturwandel“. Stattgefunden hat er selten, verlief sich allenfalls in aktionistischer Hektik.

Kulturwandel bedeutet Personalveränderung (beim Vorstand und beim Aufsichtsrat) und Strukturwandel. Das ist leichter gesagt als getan. Ein Anfang wäre es zu fragen: Wozu braucht man heute noch eine Deutsche Bank und in welchem Bereich wäre sie für unsere Volkswirtschaft nützlich? Worin liegt ihre führende Expertise, die unser Wirtschaftstandort benötigt? Die Antwort findet sich sicherlich nicht bei der Postbank und ihren Kleinkunden. Sie liegt nicht in der Vermögensverwaltung oder im Eigenhandel, was andere besser können.

Die Chance könnte in einer Rückbesinnung als verlässlicher Dienstleister für mittelständische und große Unternehmen in Deutschland liegen: bei der Begleitung von Firmenübernahmen, von Kapitalerhöhungen, von Börsengängen, der Absicherung von Exportgeschäften, der Emission von Firmenanleihen wie überhaupt bei Firmenfinanzierungen. Man könnte sich daran erinnern, was die deutsche Industrie und ihre Banken einst groß gemacht hat. Daraus ließe sich Selbstbewusstsein im internationalen Vergleich schöpfen. Das klingt zwar konservativ, ist aber sicherlich sinnvoller, als den letzten kurzfristigen Finanzmoden und gierigen Zockern in London oder New York hinterherzurennen.

Dr. Guido Kirner

Finanzsouveränität oder Dispositive der Ohnmacht. Ein Rezensionsessay zum Buch von Joseph Vogl: der Souveränitätseffekt

image.phpJoseph Vogl schildert in seinem jüngsten Buch Der Souveränitätseffekt die Expansion des Finanzsektors parallel zum Steuer- und Schuldenstaat seit der Frühen Neuzeit. Dabei enthält das Buch prägnante Ausführungen zum Begriff der politischen Ökonomie, zum prekären Machtverhältnis zwischen fürstlichem Schuldner und kaufmännischem Gläubiger, zur Geschichte des Anleihehandels, zur Macht der Notenbanken als „vierte Gewalt“, zur wuchernden Verbriefungspraxis auf dem Derivatemarkt vor der Finanzkrise 2008* sowie zur enormen Ausweitung finanzpolitischer Organisationen seit dem 20. Jahrhundert.

Die Originalität seines Ansatzes besteht darin, dass er Politik und Wirtschaft nicht als Gegensätze begreift, sondern als einen Prozess sich wechselseitig verstärkender Koevolution. Letztlich sei daraus eine eigene Form von Souveränität entstanden. Für Vogl bedarf es deshalb einer „Neufassung des Begriffs des Politischen, welche die Opposition zwischen Politik und Ökonomie, Souveränität und Regierung unterläuft“.

Ich stimme diesem Ansatz weitgehend zu. Denn dann erweisen sich auch die Polemiken gegen den Neoliberalismus auf Kosten des Staates oder gegen den Regulierungswahn auf Kosten marktwirtschaftlichen Wettbewerbs als Scheingefechte. Finanzpolitik und Finanzwirtschaft sind keine Gegner, sondern Verbündete. Ob beide zusammen deshalb als ein einheitlicher Machtkomplex aufgefasst werden können, auf den sich der Souveränitätsbegriff erkenntnisfördernd anwenden lässt, möchte ich jedoch bezweifeln. Continue reading Finanzsouveränität oder Dispositive der Ohnmacht. Ein Rezensionsessay zum Buch von Joseph Vogl: der Souveränitätseffekt

Besserverdiener, Geldangst und Kapitalvernichtung

Gestern war ein an seinem florierenden Unternehmen beteiligter Geschäftsführer, also ein sog. Besserverdiener samt reizender Gattin in meinen bescheidenen Gefilden und brachte einen Stapel Papier mit. Es waren Broschuren, Berechnungen, Angebote, Flyer, mit welchen er in den letzten Wochen von Vermögensverwaltern, Anlageberatern, Banken usw. bombardiert wurde. Er berichtete mir auch von Anwälten, Ärzten und Unternehmern aus seinem Umfeld und was da so geredet wird, vor allem wie und wo man sein Geld in diesen Zeiten investieren müsse.

Zusammenfassend könnte man sagen: der Wahnsinn ist ausgebrochen! Da wird kopflos Finanzmüll gekauft bzw. finanziert, um sein Geld vermeintlich in Sicherheit zu bringen, und jeder gesunde Menschenverstand scheint im Ausrinnen begriffen, wobei sich jeder für schlauer hält als der Andere.

Wenn überschüssige liquide Finanzmittel bei sicherlich teils berechtigtem Misstrauen gegenüber der Geld- und Finanzpolitik auf umtriebige Verkäufer von obskuren Finanzprodukten treffen, dann braut sich die nächste große Kapitalvernichtung zusammen. Dann wird auch noch der letzte Mist mit vorgeblichen Alleinstellungsmerkmal in der Hülle einer soliden und sicheren Finanzanlage verkauft.

Es wird eine Weile dauern bis all die schön gerechneten Modelle platzen und sich als Luftbuchungen erweisen. Der Katzenjammer wird groß sein, jedoch wird es keinen Aufstand geben, weil sich jeder für sich selbst schämt, wem er sein Geld anvertraut hat. „Wir konnte ich nur so dumm sein?“ wird sich manch einer fragen und so manch altbackene, spießige Form der Geldanlage bekommt auf einmal wieder einen ganz anderen Stellenwert.

Sicherlich, bei den Renditen haben es die Lebensversicherungen schwer auf klassisch verzinste Produkte einen Überschuss zu erwirtschaften, der nach Abzug der Kosten über den Inflationsausgleich (wenn überhaupt) hinausgeht. Und überhaupt kenne ich die angewiderten Mienen von Kunden, wenn der Begriff „Versicherung“ fällt. Sicherlich gibt es „spannendere“ und auch „bessere“ Geldanlagen, zumal flexiblere für bestimmte Lebenssituationen.

Doch was sind die Alternativen, wenn es darum geht eine lebenslange Leibrente zu garantieren? Die Banken? Na dann viel Spaß. Wer hat in den vergangenen Jahrzehnten das Geld reglementierter, überwachter, konservativer und nachhaltiger angelegt als die guten der Lebensversicherungsbranche? Wer heute einen Gesamtzins (Garantiezins mit Überschußverzinsung) zwischen 4-5 Prozent gut geschrieben bekommt, der kann sich doch freuen – oder bekommen sie irgendwo für eine sichere Anlage mehr?

Aber das ist ja langweilig. Stattdessen begeistert man sich für exotische Produkte. Von einer großen Bank wird ein Anleihefonds empfohlen, bei denen man Staaten Geld leiht, von denen man sonst recht selten hört, dafür gibt es endlich über 4 % Rendite, die jedoch allein von Gebühren von über 2 Prozent wieder aufgefressen werden.

Eine Immobilienfirma bietet für nur etwas über 100.000 Euro im schönen Münchner Giesing Wohnungen an, die kaum 25 qm haben; doch was nutzt das, wenn Sie Probleme haben werden für diese Hasenställe eine Finanzierung zu bekommen, weil keine Bank so kleine Wohnungen finanzieren möchte? Deshalb wendet man sich am besten gleich an eine Klientel die entsprechende Summen “nutzlos” auf dem Konto herumliegen hat.

Und was sich sonst nicht so gut verkauft, dass lässt sich ja auch immer noch in einen geschlossenen Beteiligungsfonds schieben. Nichts gegen die nützliche und wichtige Form der Beteiligungen. Aber mal ehrlich, wer ist da nicht alles unterwegs in der Branche und wo ist es schwieriger die Spreu vom Weizen zu trennen? Haben Privatanleger irgendwo mehr Geld verloren als in geschlossenen Fonds für Schiffe, Filme, Immobilien oder was auch immer?

Und die ganz schlauen bringen ihr Geld ja ins Ausland – und nein: die Schweiz ist out; irgendwo in Asien ist in (oder über die Schweiz nach Asien). Asien? Ein großer Kontinent, die Zukunft, der alte, neue wilde Osten. Herrschen da stabile politische Verhältnisse, starke Institutionen, altbewährte Volkswirtschaften, rechtsstaatliche Strukturen, faire Vertragsverhältnisse?

Ja, ich möchte auch an das Geld meiner Kunden, ja ich möchte auch Geld verdienen, ja ich möchte mehr Kunden und mehr Geld verdienen. Und nein, ich bin keine große Nummer in der Finanzmarkt, nein ich zähle nicht zu den ersten Adressen mit Mahagonibüro, Marmorboden und dickem Schlitten vor der Tür.

Mit wenigem kann ich beeindrucken, nur mit etwas Übersicht, Erfahrung und Argumenten. Ich halte mich noch nicht einmal für Schlauer als andere, sicherlich für weniger gerissen (ich habe noch diese kleinbürgerlichen Skrupel). Ich halte viel von gesundem Menschenverstand und Einfachheit, muss mich aber sicherlich noch mehr darin schulen, das Einfache auch einfach darzustellen.

Einiges davon möchte ich hier in Form kleiner Kolumnen mitteilen. Mein Anreiz ist zum einen der, dass auch mir all diese Lackaffen, Schwätzer und Poser in meiner Branche auf die Nerven gehen; zum anderen soll es Eigenwerbung sein, Werbung für ein Konzept, dass nicht dadurch überzeugen soll, dass es einen Popanz aufbaut, sondern sie selbst fit und mündig macht, mutige Entscheidungen zu treffen.Es geht nicht immer darum, genau das Richtige zu tun – wer weiß das schon; wichtiger ist manchmal in Geldangelegenheiten das Falsche zu unterlassen. Es kann schlimme Folgen haben.

Da wird nichts glänzen, damit wird kein Event verbunden sein, kein Golfturnier, kein Champangnerempfang, kein sonstiger Anreiz. Trivialität und Langeweile können aber gerade in Geldangelegenheiten sehr beruhigend und schließlich äußerst nützlich sein.

Dr. Guido Kirner (Polling)

14 % Umweltrendite, absolut sicher, konservative Anlage – Achtung, retten Sie ihr Geld!*

Die Entscheidung, Geld zu investieren, basiert nicht zuletzt auch auf der Idee und der damit zusammenhängende Geschichte, die einem präsentiert wird, bevor man ein Investmentprodukt kauft. Der Welt Gutes zu tun, dabei noch kräftig Gewinne einzustreichen und das auch noch absolut sicher, das wünschen wir uns alle. Es gibt nur ein Problem: auf dieser Welt gibt es das nicht, auch wenn immer wieder versucht wird, entsprechende Produkte zu verkaufen, nunmehr gehäuft in Form von Anlageprodukten in erneuerbare Energien, die eine vermeintlich sichere „Umweltrendite“ versprechen.

Gegen Investitionen in „Nachhaltigkeit“ ist grundsätzlich nichts einzuwenden, außer sie geschehen unter völlig falschen Voraussetzungen wie einer fehlgeleiteten Risikoeinschätzung und Kostenverschleierung. Ich möchte das an einem erlebten Beispiel erläutern.

 

Ein Beispielfall

Ein Interessent, nennen wir ihn Herrn Maier, hat mit mir einen Termin zur Ruhestandsplanung vereinbart. Er hat einige Vermögenswerte und Rücklagen und muss nach Auslauf des Sozialplans seiner Firma einige Jahre bis zur Auszahlungen der betrieblichen und gesetzlichen Rente finanziell überbrücken. Dafür soll ihm ein Konzept unter Berücksichtigung bestehender und evtl. noch einzusetzender Kapitalanlagen unterbreitet werden.

So weit so gut. Herr Maier hatte vor mir schon eine Art Kollege von einem sehr großen und erfolgreichen deutschen Allfinanzvertrieb zu Besuch. Nun möchte Herr Maier wissen, was ich davon halte. Das ist immer etwas heikel, zumal wenn der Kunde bereits von einer Idee begeistert ist und/oder auch noch eine freundschaftliche Beziehung zu dem Berater pflegt, der Sie ihm nahe gebracht hat. Sei’s drum, ich fühle mich zu einer offenen Einschätzung verpflichtet.

Der Vorschlag des werten Kollegen basiert (typischerweise) nicht auf einem Konzept, sondern auf einem ganz bestimmten Produkt. Man ahnt es, jedoch braucht es eine Weile, um sich darüber klar zu werden, was hier tatsächlich angeboten wird. Denn Herrn Maier wurde nicht etwa ein umfangreicher Prospekt zu diesem Produkt ausgehändigt, sondern ein Din-A4-Blatt mit anhängender Berechnung. Der Einleitungstext ist großartig und lohnt vollständig zitiert zu werden:

 

Das Versprechen

Wir übertreiben nicht, wenn wir behaupten, Ihnen eine der interessantesten Anlageformen unserer Zeit vorstellen zu können. Einzigartige Merkmale im Bezug auf Sicherheit und Rendite machen dieses innovative Finanzprodukt zu einem absoluten Highlight auf dem Finanzmarkt. Die konservative Form der Anlage verbunden mit einer gesicherten Rendite, wie sie bislang meist nur mit spekulativen Strategien zu erreichen war, zeichnen die Umweltrendite aus.

Versprochen werden 14 % p.a. in monatliche Auszahlungen. Der Vertrag läuft 20 Jahre. Außerordentliche Kündigung ist möglich ab dem 3. Jahr, jedoch gibt es ein Agio von 12 %, so dass freundlich darauf hingewiesen wird, dass eine Kündigung auch erst ab dem 3. Jahr empfehlenswert sei.

Investiert werden soll in eine Beteiligung in Form eines partiarischen Darlehens an Großprojekten zur Erzeugung regenerativer Energie, vorrangig in Biogas-Anlagen und Photovoltaikfarmen. Genaue Standorte werden nicht genannt, es gehe um Länder mit hoher Energieausbeute.

 

Die Sicherheiten

Auch Sicherheiten werden geboten: Zunächst die Abtretung der Erträge an den jeweiligen Investor bei Einstellung des Geschäftsbetriebes durch den Produktgeber. Das verstehe ich nicht. Wieso sollte der Geschäftsbetrieb eingestellt werden, wenn es Erträge gibt? Oder wie sollen Erträge erwirtschaftet werden, die abgetreten werden können, wenn der Betrieb gar nicht mehr läuft? Wieso sollte das Geschäftsmodell bzw. die technische Anlage in einem Fall profitabel arbeiten, im anderen Fall aber nicht? Wer ist überhaupt hier der Produktgeber, welche Rechtskonstruktion liegt genau vor? Wir wissen es nicht.

Dafür gibt es aber noch eine zweite Sicherheit und die ist wirklich rührend: nämlich die „Vermögensschadensversicherung bei nachgewiesener Falschberatung“. Gemeint ist die Vermögensschaden-Haftpflicht-Versicherung, die jeder in meiner Branche haben muss. Ich bin der Meinung, mein Kollege wird sie wahrscheinlich benötigen, wenn er das von ihm angepriesene Produkt an Menschen verkauft, die Sicherheit suchen. Wir werden sehen. Ob aber Herr Mayer auf diese Versicherung vertrauen kann, ist fraglich, sollte der Vertriebsmitarbeiter dann evtl. überhaupt nicht mehr bei der Vertriebsgesellschaft arbeiten (die Fluktuation ist hier bekanntlich groß).

 

Gutes tun

Das Angebot inklusive Berechnung klingt einfach nur gut: zweistellige Rendite, man „investiert in die Umwelt“ (wie es umgangssprachlich häufig heißt) und das Ganze sei auch noch absolut sicher und wird deshalb als konservative Anlage angepriesen. Endlich scheint er gefunden, der heilige Gral der Kapitalanlagen … wäre da nur nicht dieses berechtigte Misstrauen von Herrn Maier gewesen. Wenn alles zu schön klingt, ist vielleicht Vorsicht geboten.

Herr Maier ist branchenfremd und fragte deshalb noch einmal per Mail bei dem Vertreter des Finanzvertriebes nach (die Antwortmail liegt mir vor). Herr Maier möchte drei Sachen wissen: 1. Was ist ein partiarisches Darlehen, 2. ob die Berechnung tatsächlich stimme, dass ihm bei Einzahlung von 120.000 Euro 15 Jahre lang jeden Monat 2.567 Euro ausbezahlt würden, also über 450.000 Euro, 3. welche Kosten dabei anfallen und 4. was passiert, wenn die Idee mit dem Investment in „Hybridanlagen“ scheitert?

Herr Maier trifft mit seinen Fragen das Wesentliche: Die Anlageform, die Sicherheit der Rendite, die Kosten und das Ausfallrisiko. Gehen wir der Reihe nach die Punkte durch.

 

 1.      Partiarisches Darlehen

Die Antwort des “Vermögensberaters” ist bestechend: Partiarisches Darlehen besage nach dem Gesetz, dass Sie an Gewinnen beteiligt sind, nicht aber an Verlusten. Diese müsste die Firma tragen, ohne Sie damit zu belasten. Durch die Garantien und dem Zukunftsmarkt „Energie“ werde es zu keinen Verlusten kommen.

Grundsätzlich handelt es sich (laut Gablers Wirtschaftslexikon) bei einem partiarischen Darlehen um ein Darlehen, bei dem der Gläubiger an Stelle von Zinsen einen bestimmten Anteil am Umsatz oder Gewinn erhält. Die Vertragsparteien können den Vertrag beliebig gestalten.

In einem anderen Finanzlexikon wird es deshalb auch gewinnbeteiligtes Gesellschafterdarlehen genannt, welches eine Personengesellschaft durch ihre Gesellschafter erhält. In einem Rechtswörterbuch wird erwähnt, dass die „Geldhingabe gegen Gewährung von 20 % des erzielten Reingewinns betrage“. Es finden sich dazu selbstverständlich noch viele detailliertere Ausführungen, jedoch konnte ich nichts dazu finden, dass durch die Rechtskonstruktion oder gar „durch Gesetz“ der Darlehensnehmer nur an Gewinnen, nicht aber an Verlusten beteiligt ist.

In Wikipedia (