Währungstäuscher

Was soll man davon halten? Unabhängig davon, ob man nun den sog. Prozess der europäischen Einigung mit Begeisterung, Ignoranz oder Ablehnung bewertet, Einigkeit sollte darüber bestehen, dass er überhaupt nur funktionieren kann, wenn die beteiligten Völker und Bürger einen gewisses Grundvertrauen in seine Entwicklung haben.

Die Reizschwelle der Enttäuschung wird je nach Einstellung zur Europäischen Union unterschiedlich hoch liegen; was sich jedoch die Regierungen Deutschlands seit Einführung des Euros leisten, kann im besten Fall Resignation, im schlimmsten Fall Wut hervorrufen.

Zunächst etabliert man in zähen Verhandlung Kriterien zur Währungsstabilität – die sog. Maastricht-Kriterien, an die man sich dann selbst nicht hält. Wieso sollten sich Länder daran halten, die sie gar nicht erst wollten? Und in der Währungskrise als Folge der Banken- und Verschuldungskrise überbietet man sich, einst hochbeschworene Prinzipien über Bord zu werfen.

Im März lässt die Kanzlerin verlauten, man lehne eine Griechenlandhilfe ab; im Mai wird ein Rettungsschirm von 750 Mrd. Euro aufgespannt. Im Oktober sollten die privaten Gläubiger für Schulden zahlungsunfähiger Staaten noch an der Haftung beteiligt werden, nun wird die Befristung des Euro-Rettungsschirmes auf drei Jahre aufgehoben und verewigt.

Wir werden misstrauisch: je stärker die Ablehnung einer Euro-Anleihe aus Berlin verkündet wird, desto mehr ist es womöglich nur noch eine Frage der Zeit bis sie kommt. Damit würden unterschiedliche Bonitätsrisiken im Euroraum endgültig verwischt.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB