Anlegen wie die Profis mit ETFs – Ein Buch von Claus Hecher

9783898797078_3ETFs, d.h. Exchange Traded Funds bzw. börsengehandelte Indexfonds erfreuen sich wachsender Beliebtheit und erhalten immer größere Mittelzuflüsse. Was einst nur für institutionelle Großanleger wie Pensionskassen etc. konzipiert wurde, erreicht allmählich den aufgeklärten Privatanleger.

ETFs bilden Indices nach, z.B. den DAX, MSCI World, Dow Jones,¬†Euro Stoxx 50, Nikkei 225, um hier nur einige der Bekanntesten zu nennen. Sie verzichten also bewusst auf aktives (und damit teures) Fondsmanagement, das durch Handel versucht, eine Überrendite zu erzielen und besser abzuschneiden als der vergleichbare Markt. Vielmehr beschränken sich auf ein passives Abbild eines bestimmten Marktes, der durch einen bekannten Index vorgezeichnet ist.

Die Gründe für den wachsenden Erfolg sind schnell aufgezählt: sie sind einfach verständlich, damit transparent, wie bei Fonds handelt es sich um ein geschütztes Sondervermögen, dafür sind sie aber überdies liquide und können börsentäglich gehandelt werden, ferner sind sie kostengünstig, flexibel einsetzbar und eignen sich hervorragend um Strategien der Asset Allocation zu realisieren, also der Verteilung einer Investition über verschiedene Märkte und Anlagenklassen zur Risikostreuung.

Wenn dem so ist, handelt es sich wohl um nahezu perfekte Anlagevehikel für Privatanleger. Weshalb sind sie dann noch relativ wenig bekannt? Der wichtigste Grund ist wohl der, dass sie im Vertrieb ohne Ausgabeaufschlag, also ohne Provision angeboten werden. Dessen ungeachtet bedürfen sie für den Finanzlaien aber doch der einführenden Erläuterung. Letztlich kann eine solche Beratung (wenn nicht durch Eigenlektüre) nur gegen Honorar erfolgen. Die Honorarberatung ist im Anlagenbereich aber noch nicht sehr verbreitet.

Zumindest für Kerninvestments werden ETFs in der einschlägigen Fachliteratur schon seit längerem empfohlen (David F. Svensen, Martin Weber, Malkiel & Ellis, Gerd Kommer etc.). Nun hat Claus Hecher ein über ETFs geschrieben, welches zwar auch die Vorzüge prägnant zusammenfasst, darüber hinaus aber insbesondere die technische Seite, d.h. die Konstruktions- und Funktionsweise dieser Anlageprodukte beleuchtet.

Ein Einführungskapitel widmet sich den Merkmalen und Besonderheiten von ETFs, vor allem im Unterschied zu Anlagezertifikaten. Das zweite Kapitel beschreibt, wie man in welche Märkte (Aktien, Anleihen, Geldmarkt, Rohstoffe, Immobilien, Strategien usw.) mit ETFs investieren kann. Das dritte Kapitel verdeutlicht die Auswahlkriterien für ETFs und wie man sich daraus ein Privatkundendepot mit diversen Anlagestrategien zusammenbauen kann. Schließlich wird noch die Besteuerung der börsennotierten Indexfonds dargestellt.

Der Leser erhält überwiegend grundlegende Informationen, jedoch ist das Buch auch für den Fachleute lesenswert. So erfährt man mehr über Regeln der Richtlinienerfüllung dieser Finanzprodukte (OGAW, UCITS), die Bildung eines Index und seiner möglichen Replikationsmethoden (vollständig oder swap-basiert) samt ihrer Risiken (Tracking-Error, Gegenparteirisiko, Liquiditätsrisiko).

Auch die wichtigsten Indexanbieter samt ihrer Marktkapitalisierungen werden erwähnt oder wie der Börsenhandel dieser Produkte stattfindet. Besonders aufschlussreich fand ich die Abschnitte zu Rohstoff- und Stratgieindizes sowie der Bedeutung der Gewichtung der Aktien im jeweiligen Index auch für die Renditeerwartung. Von herausragender praktischer Relevanz dürfte das systematische Kriterien-Schema für den Auswahlprozess von ETFs Seite 142-145 sein.

Freilich handelt es sich hier für den Laien um keine spannende Bettlektüre, dafür um wohl eines der grundlegenden Bücher für all jene, die sich mit dieser Anlageform genauer auseinandersetzen möchten. Wenn sie es nicht selbst lesen möchten, können sie ja ihren Finanzberater fragen ob er dieses Buch kennt; auch das wäre schon ein gutes Zeichen.

Guido Kirner

Claus HECHER: Anlegen wie die Profis mit ETFs, FinanzBuch Verlag München 2013. 24,99 ‚ā¨

Empfehlungen von Vermögensverwaltern: Anlagemix für 2011

Des Öfteren habe ich die Finanzkrise beschrieben du kommentiert. Doch wie soll man als Privatanleger darauf reagieren? Die FAZ hat 10 renommierte Vermögensverwalter* befragt, wie sie ihre Portfolios im Jahr 2011 ausrichten. Die Vorschläge unterscheiden sich einmal für einen 30jährigen, sodann für einen 60järigen Anleger.

Im Folgenden bilde ich den Durchschnitt der 10 Vermögensverwalter* und gebe in Klammern die Bandbreite zwischen niedrigstem und höchstem Wert der Anteilsquote an. Keine Angaben werden mit 0 % gewertet. Die Angaben können je nach Einschätzung der Zukunft stark abweichen. Dessen ungeachtet scheinen mir die Durschnittwerte zumindest für die Feststellung von Trends in der Anlageberatung ganz nützlich.

Der Anlagemix 30jährige

52,5 %             Aktien (15, 90)

17,5 %             Anleihen kurzer Laufzeit (10, 60, 2 ohne Angabe!)

4,5 %              Anleihen langer Laufzeit (5, 30, 7 ohne Angabe!)

12,5 %             Rohstoffe (5, 40, 2 decken Rohstoffe als Aktien ab)

6 %                  Immobilien (10, 20, 6 ohne Angabe!)

7 %                  Kasse (0-15, 1 ohne Angabe)

Der Anlagemix 60jährige

40,5 %            Aktien (15, 80)

26,5 %            Anleihen kurzer Laufzeit (10, 60, 1 ohne Angabe)

5 %                  Anleihen langer Laufzeit (5, 35, 7 ohne Angabe!)

12 %                Rohstoffe (5, 20, 2 decken Rohstoffe als Aktien ab)

6,5 %               Immobilien (15, 25, 6 ohne Angabe!)

9,5 %               Kasse (0-15, 1 ohne Angabe)

MEIN FAZIT

Interessant ist zunächst, die Werte der Anlageempfehlungen für die unterschiedlichen Altersgruppen liegen überraschend eng beieinander. Zumeist wird empfohlen, das Risiko mit steigendem Alter zu senken, weil dann Lebenszeit fehlt, mögliche Verluste wieder auszugleichen. Der Grund für die hohe Aktienquote im Alter liegt womöglich einfach in der geringen Attraktivität risikoarmer Anlagen (Zinstief bei Inflationsangst) bzw. die einst als risikoarm eingeschätzten Anlagen wie (langlaufende) Staatsanleihen werden angesichts der Staatsschuldenkrise nicht mehr als solche eingestuft. Demgegenüber steht eindeutig der Trend zu Sachwerten: Aktien , Immobilien, Rohstoffe. Wie bereits betont, sollen hier nur Trends dargestellt werden. Eine Anlageberatung hat immer im persönlichen Gespräch vor dem Hintergrund der individuellen Lebenssituation und den Zielen und Wünschen des Anlegers zu erfolgen.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner Weilheim i.OB

*Bei den Vermögensberatern handelt es sich um: Artus Direct (Frankfurt), Fiduka (München), Fossbach & von Storch (Köln), Hansen & Heinrich (Berlin), Johannes Führ (Frankfurt), PAM Hamburg, Partners (München), PSM (München), Dr. Seibold (Gmund), Dr. Thilenius (Stuttgart)

Was ist vom “wissenschaftlichen” Depotcheck zu halten?

Was ist davon zu halten, wenn Finanzvertriebe, Banken oder Medien dazu aufrufen, sein Depot nach wissenschaftlichen Methoden ‚Äěchecken” zu lassen. Eine unabhängige Beratungsfirma für Investments würde dann ihre Investitionsentscheidungen prüfen und Ihnen das Resultat mitteilen. Kann das funktionieren?

Zunächst einmal sollten Sie misstrauisch sein, ihre Vermögensverhältnisse und damit schutzrelevante Daten irgendwelchen Menschen anzuvertrauen, die sich nicht kennen. Sofern Ihr Name und Adressen erfragt werden, sollten Sie überlegen, ob es sich hier nicht einfach um ‚ÄěAdressenfang” handelt, d.h. eine Firma erhält über den Fernsehsender eine Menge Anschriften, Mails oder Telefonnummern, die als potentielle Kunden wahrgenommen werden.

Depot-Analyse

Wenn Sie aber ihre Depotdaten eingesendet haben, was passiert dann damit? Offen gesagt ich weiß es nicht; der gesunde Menschenverstand sagt mir aber folgendes: Bestenfalls erhalten Sie irgendwann einen schicken Ausdruck mit Begriffen aus dem us-amerikanischem Bankerslang, Kurven und Bildchen, aus dem hervorgeht, dass Sie nicht das optimale Risiko-Rendite-Verhältnis haben. Möglicherweise wird ihnen erklärt, dass Sie Ihr Depot nach den wissenschaftlichen Methoden der Portfoliotheorie des Nobelpreisträgers Harry M. Markowitz(1) ausrichten sollten. Vielleicht sind Sie nun beeindruckt, fühlen sich als Laie und vereinbaren einen Termin.

Markovitz

Spätestens wenn dieser Name Markovitz mit gewichtigem Ton und hochgezogenen Augenbrauen des Beraters ins Spiel gebracht wird, um Sie zu beeindrucken, sollten Sie sich den Spaß gönnen und folgendes tun. Freuen Sie sich darüber, dass endlich jemand wissenschaftlich an das Thema geht und dazu noch mit einem Nobelpreisträger im Hintergrund. Bitten Sie ihn, alle Aktien und alle Werte in den Fonds zu analysieren und ausrechnen, wie es besser gemacht werden sollte, um das optimale Rendite-Risiko zu erhalten. Dazu solle er die möglichen Kapitalwerte aller Teilprojekte in ihrem Erwartungswert und Standardabweichung ermitteln. Dann würde Sie gerne wissen, welche Risikominimierung sich über den Diversifikationseffekt der projektspezifischen Kennzahlen erreichen ließe. Dabei soll er ihnen die informatorischen Voraussetzungen für Sigma als Risikoindikator erläutern.

Sie haben nichts verstanden? Macht nichts. In 99 % der Fälle hat ihr Berater auch nichts verstanden und wird in Zukunft vorsichtiger mit Namen um sich schmeißen, von deren Theorie er auch nichts versteht. Ist der Berater schlagfertig, wird er darauf verweisen, dass diese komplexen Berechnungen sich in der Kürze der Zeit heute nur noch mit dem Computer simulieren lassen und genau das habe er vor.¬† Dann liegt der Balls wieder bei ihnen. Jetzt stellt sich heraus ob Sie naiv wissenschaftsgläubig sind oder ob ihren Berater einfach nur aus anderen Gründen sympathisch und vertrauenswürdig finden. Vielleicht können Sie Ihn noch fragen, weshalb trotz dieser Theorie so viele Verluste ganz großer Experten nicht verhindert werden konnten.

Ferner sollten Sie wissen: Markovitz hat sein eigenes Geld angeblich auch nicht nach seiner eigenen Theorie angelegt. Der Informations- und Berechnungsaufwand war vor dem Computerzeitalter dazu auch viel zu hoch. Er gebrauchte die 1:N-Methode, d.h. ganz einfach: Verteile dein Geld gleichmäßig auf jeden von N Fonds. Hierbei kann ihnen auch heute noch ein guter Berater behilflich sein. Sie sollten zusammen mit ihrem Berater die Schwankungsbreiten der Börsenkurse verschiedener Anlageklassen, den zeitlichen Anlagehorizont ihres Investmentvorhabens auf ihre Risikoneigung und persönlichen Lebensumstände abstimmen. Ein guter Berater wird Ihnen immer auch die Frage stellen, mit welchen Verlusten sie noch gut schlafen können.

Was Sie aber ganz bestimmt nicht brauchen, ist eine Massenanalyse von Depots über einen Fernsehsender nach vermeintlich aktuellen wissenschaftlichen Methoden.

(1)Markovitz, Harry M. (1952): Portfolio Selection; Journal of Finance, Vol. 7, S. 77-91; ders. (1959) Portfolio Selection, New Haven / London.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB