Lemminge und Spekulanten

imagesWenn wir uns einen Markt vorstellen, dann vielleicht naheliegend einen Wochenmarkt in der nächst größeren Stadt: ein Gewimmel von Menschen, viele Stände mit Verkäufern und Waren, die um Aufmerksamkeit buhlen. Das geschäftige Treiben bedeutet Angebot und Nachfrage- Beides trifft aufeinander, gleicht sich aus und in dem Gewimmel von Menschen und Waren bildet sich eine spontane Ordnung, die Versorgung und Einkommen ermöglicht. Der Markt funktioniert, wenn Händler und Käufer zufrieden nach Hause gehen. Unsichtbar bleibt bis zum Konfliktfall die Marktordnung, die kommunale Aufsicht und gesetzlichen Reglen, welchen den reibungslosen Ablauf garantieren sollen.

1911_originalEin Musterbeispiel eines Marktes ist bekanntlich die Börse. Kaum ein Gebilde kommt dem so nahe, was Ökonomen einen vollkommenen Markt nennen. Persönliche, zeitliche, sachliche und räumliche Unterschiede spielen kaum (mehr) eine Rolle. Jeder kann heute zu fast jeder Zeit von überall auf der Welt mittels elektronischer Medien Wertpapiere handeln. Die Standortvorteile der Handelsplätze heben sich auf, Werbung spielt eine untergeordnete Rolle, Serviceunterschiede gleichen sich an.

Das Wichtigste sind neben der gehandelten Ware die Informationen über sie. Davon gibt es reichlich, eher zu viele und Bilanzen, Quartalsberichte, Experteneinschätzungen, Studien, Ratings usw. lassen sich im Internet mühelos beschaffen. Man könnte fast meinen: der Markt ist tatsächlich transparent. Überdies sind die gehandelten Güter, nämlich die Wertpapiere homogen: jeder kann Wertpapiere der gleichen Qualität kaufen und verkaufen.

Weshalb aber nur nehmen wir die Börse trotz dieser besten Voraussetzungen für fairen Handel und Chancengleichheit nicht als vollkommenen Markt war? Womöglich ist die Chancengleichheit auch hier eine Illusion. Denn die Informationen sind womöglich doch asymmetrischer verteilt als viele (zumal die Händler selbst) glauben. Continue reading Lemminge und Spekulanten

Gold, Aktien und Anleihen auf lange Sicht

Aktuell gibt es angesichts der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten ob der bankenverschuldeten Krise, der enormen Staatsverschuldung und damit einhergehenden Inflationsängste sehr widersprüchliche Diskussionen, wie man am besten sein Geld investiert. Dabei taucht immer auch immer wieder das Thema Sachwerte und Gold als sicherer Hafen für Geldanlagen auf. Die Stimmung wird partiell auch ausgenutzt, um zu überteuerten Preisen Sachwerte anzubieten.

Die Siegel-Studie (1802-1992)

Hierzu ist es interessant, einen sehr langfristig angelegten Vergleich von Jeremy J. Siegel aus seinem Buch „Stocks oft he Long Run“ (auch deutsch vergriffen) zur Kenntnis zu nehmen. Er vergleicht, was aus dem Geld geworden wäre, wenn jemand um 1802 einen US-Dollar in den amerikanischen Aktienmarkt, in amerikanische Staatsanleihen oder in Gold investiert hätte.

Das Ergebnis: Im Jahr 1992 wären aus der Goldanlage 13 USD geworden. Mit der Investition in Staatsanleihen hätte er 6.620 USD gemacht und aus seinem Investment in Aktien wären 3 Millionen USD geworden.

Vergessen wird oft, auch im 19. Jahrhundert hat es Finanzkrisen gegeben, und zwar trotz des Goldstandards der Währung. Ferner wird übersehen, dass Gold zwar in Krisenzeiten hohe Kursgewinne verzeichnet, insgesamt und auf lange Sicht ein sehr volatiles Investment darstellt. Wie schon an anderer Stelle betont, sollte es nie darum gehen, das eine gegen das andere Investment auszuspielen. Es sollte darum gehen, eine vernünftige Streuung in Depot zu bringen, um das Risiko auf unterschiedliche Anlagen aufzuteilen.

Was wäre aus dem Geld in den letzten 30 Jahren geworden?

Nun ist der Betrachtungszeitraum dieser Studie kaum praxisrelevant. Nehmen wir also einen für Privatanleger realistischeren Zeitraum für langfristige Geldanlagen z.B. für die Altersvorsorge. Ohne behaupten zu wollen, dass man problemlos von der Vergangenheit auf die Zukunft extrapolieren kann und die Welt der Finanzen die gleiche geblieben wäre, ist es dennoch interessant zu sehen, was aus einer Geldanlage in den letzten 30 Jahren geworden wäre. Was hätte derjenige auf dem Konto, der am 01.01.1980 einen Betrag i.H.v. 10.000 Euro als Einmalanlage bis zum 31.12.2009 investiert hätte.

Für den Inflationsausgleich (Wertverlust aufgrund der Teuerungsrate) hätten wir allein 2,30%  zum Kapitalerhalt benötigt. Dann wären daraus 19.773 € geworden. Mit dem Sparbuch wäre das nicht gelungen (18.949 €, 2,15 %). Mit dem Preis für Gold hätte man es ebenfalls nicht geschafft (19.179 €, 2,19 %). Ein Immobilienfonds Europa hätte es immerhin auf 5,88 % und damit auf eine Summe von 55.552 € gebracht. Deutsche Rentenpapiere (REX) hätten 6,86 % mit einer Endsumme von 119.677 € erzielt. Mit einer Anlage in weltweite Aktien (MSCI World) hätte man trotz all der Schwankungen eine Summe von 154.081 € auf dem Konto stehen (9,54%); mit einem Investment in europäische Aktien (MSCI Europe) sogar 212.494 €, was einer Wertentwicklung von 10,72 % entspricht.

Sicher können wir festhalten: gut wenn man überhaupt gespart und noch besser, wenn man zudem so lange durchgehaltenhätte. Das ist wichtiger als irgendwelchen Trends hinterherzujagen oder sich als Daytrader aufzuspielen. Denn ein Börsenspruch bewahrheitet sich auch immer wieder (und macht nur den Broker, die Bank oder Finanzberater reicher): “Hin und her macht Taschen leer.”

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
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Börse & Banker, gestern und heute

ZITAT „Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als Banker in der Londoner City zwischen 20 und 11 Uhr ins Büro kamen. Um halb eins gab’s den ersten Sherry, dann speiste man ausgiebig mit interessanten Leuten zu Mittag. Dann musste man noch im Büro bleiben, bis die Wall Street aufmacht: mit fünf Stunden Zeitunterschied, also bis halb vier Uhr nachmittags. Danach fuhren alle nach Hause. Das hat sich vollkommen verändert. Eine permanente Informationsverfügbarkeit hat eine neue Art von Wirtschaftssubjekten geschaffen: Leute, die vierundzwanzig Stunden arbeiten und sich völlig kaputtmachen. Zwischendurch wird sich zur Erholung betrunken, danach geht es wieder ins Büro, weil in Hongkong, an der Wall Street oder wo auch immer ständig etwas passiert. Das ist eine faszinierende Entwicklung.“
Lord Ralf Dahrendorf, Interview in der FAZ 10.10.2008: S. 44.