Berufsunfähigkeitsversicherung – das Nadelöhr in der Existenzabsicherung

Selten besteht solche Einigkeit unter Sozialpolitikern, Versicherungsbranche und Verbraucherschutz: die finanzielle Absicherung gegen den Verlust der Arbeitskraft gehört zu den dringlichen und wesentlichen Vorsorgemaßnahmen von Arbeitnehmern und Selbständigen. Umso erstaunlicher ist es, wie Anspruch und Wirklichkeit hier auseinanderfallen. Von den 42 Millionen Menschen, die in Deutschland in irgendeiner Form einer Arbeit nachgehen, besitzen nur etwa drei Millionen eine entsprechende Absicherung, nämlich die sog. Berufsunfähigkeitsversicherung.
Dabei geht eine versicherungsmathematische Studie der Deutschen Aktuarvereinigung davon aus: „43 Prozent der heute 20-jährigen Männer und 28 Prozent der heute 20-jährigen Frauen werden bis zum Rentenbeginn mit 65 Jahren einmal berufsunfähig sein.“ (Vgl. auch hier >>)

Die mangelnde Durchdringung dieser Existenzabsicherung hat auch politische Gründe: im Jahr 2001 wurde die Absicherung bei Berufsunfähigkeit aus der staatlichen Sozialversicherung für alle nach 1961 Geborenen herausgenommen und durch die Erwerbsminderungsrente mit weit schlechteren Leistungen ersetzt (vgl. hier >>). Verblüffend! Die  drastische Kürzung erregte kaum die Öffentlichkeit, obgleich sonst gerne jede soziale Schieflage mit dem Begriff der „Gerechtigkeitslücke“ kommentiert wird. Während also aktuell Milliarden für eine „Mütterrente“ unter dem Postulat der Gleichstellung verschiedener Rentenjahrgänge ausgegeben werden, wurden hier einfach mal willkürlich alle sozialversicherungspflichtigen Bürger unter 52 Jahren diskriminiert.

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Sendung im Deutschlandfunk zum Risiko der Berufsunfähigkeit

Hier der Link zur Sendung

In der Beschreibung zur Sendung heisst es:

Die Statistik spricht eine deutliche und erschreckende Sprache: Etwa jeder vierte Arbeitnehmer erreicht das gesetzliche Rentenalter nicht, weil er zuvor invalide geworden ist und nicht mehr oder nur eingeschränkt arbeiten kann.

Die Gründe dafür sind vielfältig, wie zum Beispiel eine zu hohe psychische Belastung, die Folgen einer schweren Erkrankung oder eines Unfalls. Um den sozialen Absturz zu verhindern, ist deshalb eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung wichtig, denn die Rente aus dem staatlichen Fürsorgesystem ist denkbar knapp bemessen.

Was kostet eine entsprechende Versicherung? Wie findet man einen Vertrag mit gutem Schutz? Und warum erhalten viele Menschen keinen Vertrag oder müssen mit deutlichen Einschränkungen beim Leistungsangebot rechnen?”

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Wichtige Klauseln in der Berufsunfähigkeitsversicherung

Obgleich die Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) nach einhelliger Meinung inzwischen zu den wichtigsten Absicherungen überhaupt gehört, haben viele Versicherte entweder einen zu niedrigen oder einen zu schlechten Schutz. Dies kann an schlechter Beratung liegen, am Alter der Versicherungsbedingungen, oder daran, weil am falschen Ende gespart wurde. Dabei sind die BUVs mit sehr guten Versicherunsbedingungen nicht einmal die teuersten.
In den Bedingungswerken der BUVs finden sich viele wichtige Klauseln, auf die man vor Abschluss achten sollte. Auf die Wichtigsten möchte ich kurz hionweisen.

Verzicht auf abstrakte Verweisung

An vorderster Stelle steht der sog. Verzicht auf abstrakte Verweisung. Damit verzichtet das Versicherungsunternehmen im Versicherungsfall darauf, den Versicherten auf einen anderen Beruf zu verweisen, der auf Grund der Ausbildung, Erfahrung und Lebensstellung (besonders Gehalt) mit dem bisherigen vergleichbar ist. Wenngleich das auch gar nicht so schlecht klingt, so hat es gerade aufgrund der Verweisbarkeit immer wieder Ärger und Rechtsstreit gegeben. Deshalb ist es am besten, der Versicherer verzichtet einfach darauf.

Prognosezeitraum und Rückwirkung

Der Versicherer sollte den Fall der Berufsunfähigkeit anerkennen, wenn ein Mediziner diese für voraussichtlich sechs Monate prognostiziert. Die Leistung der Berufsunfähigkeitsrente sollte für deren Beginn anerkannt werden. Also wenn der Arzt keine Prognose über den Zeitraum der Berufsunfähigkeit abgeben kann, der Versicherte aber ununterbrochen sechs Monate berufsunfähig ist, sollte die Rente rückwirkend ab dem ersten Monat gezahlt werden. Bei verspäteter Meldung der Berufsunfähigkeit sollte der Versicherer auch rückwirkend leisten (mind. Bis zu drei Jahren).

Verzicht auf Rücktrittsrecht

Versicherungsverträge sind immer Verträge zwischen zwei Parteien. Das wird von den Versicherten oft vergessen. So hat z.B. der Versicherer das Recht vom Vertrag (und damit von der Leistung) zurückzutreten, wenn er die sog. vorvertragliche Anzeigepflicht verletzt sieht, z.B. wenn der Kunde falsche Angaben bei Beantwortung der Gesundheitsfragen im Antrag gemacht hat. Der Versicherer sollte maximal fünf Jahre lang vom Vertrag zurücktreten können. Der Versicherer kann auf sein Recht gem. § 41 VVG verzichten, bei schuldloser Falschbeantwortung der Gesundheitsfragen Beiträge zu erhöhen bzw. den Vertrag zu kündigen.

Nachversicherungsgrantien

Am besten ist es, die Gesundheitsfragen im Antrag werden beantwortet, so lange der Versicherungsnehmer möglichst gesund ist. Bekanntlich können sich der Gesundheitszustand sowie die Lebensumstände ändern. Deshalb sind Nachversicherungsgarantien, d.h. die Erhöhung des Versicherungsschutzes (der BU-Rente) ohne erneute Beantwortung von Gesundheitsfragen wichtig, wie z.B. bei Heirat, der Geburt eines Kindes, einer massiven Gehaltserhöhung, beim Finanzierung einer Immobilie usw.

Dienstunfähigkeitsklausel für Beamte

Beamte sollten vor Abschluss einer BUV unbedingt auf eine vollständige Dienstunfähigkeitsklausel wert legen. Denn nur sie gewährleistet den vollen Schutz, worin die Versetzung und Entlassung in den Ruhestand eindeutig geregelt sind. Die Klausel wird selten und nur von wenigen Unternehmen angeboten.

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Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Die Absicherung der Arbeitskraft durch die Berufsunfähigkeitsversicherung

Wer braucht eine BUV?

Die Berufsunfähigkeitsversicherung (BUV) gehört zu den wichtigsten Absicherungen. Nötig hat sie jeder, der sein Einkommen durch Ausübung eines Berufes erzielt und nicht auf ein Vermögen zurückgreifen kann, welches ihm auch bei widrigsten Umständen ein ausreichendes Auskommen sichert. Es geht also darum, sich (und seine Familie) vor den finanziellen Folgen des Verlustes der Arbeitskraft abzusichern, zumal inzwischen jeder Vierte bis Fünfte aufgrund von Krankheit oder Unfall seinen Beruf nicht mehr bis zum Rentenalter ausüben kann. Einen auffälligen Zuwachs erleben hierbei psychische Erkrankungen.

Ursachen Berufsunfähigkeit
Ursachen Berufsunfähigkeit

Die Arbeitskraft verkörpert eine Art Gelddruckmaschine. An hier hängt die Versorgung von Familie, der weitere Vermögensaufbau (auch die Altersvorsorge) sowie die Tilgung von Darlehen z.B. bei der Immobilienfinanzierung. Kurz: Es geht um die Erhaltung des Lebensstandards durch Einkommenssicherung mittels Zahlung einer Rente aus einer privaten Versicherung, wenn ich nicht mehr in der Lage bin, meinen Beruf (oder einen anderen) auszuüben. Insbesondere für nicht sozialversicherungspflichtige Selbständige, die nicht auf staatliche Leistungen hoffen können, ist die BUV die einzige Möglichkeit der Vorsorge.

Aber auch Angestellte sind durch die gesetzliche Rentenversicherung nicht mehr ausreichend abgesichert, zumal für jene, die nach dem 01.01.1961 geboren sind. Denn für sie gibt es die (geringe) staatliche Berufsunfähigkeitsrente nicht mehr. Anspruch besteht nur noch auf die sog. Erwerbsminderungsrente, sofern in den letzten fünf Jahren mindestens 36 Monate Pflichtbeiträge in die Sozialversicherung einbezahlt wurden. Die volle Erwerbsminderungsrente erhält, wer nur noch bis zu 3 Stunden, die halbe wer noch zwischen 3 und 6 Stunden täglich arbeiten kann. Wer über sechs Stunden arbeiten kann, geht leer aus. Maßstab für die Feststellung der Erwerbsminderung ist allein das Leistungsvermögen in jeder nur denkbaren Tätigkeit auf dem allg. Arbeitsmarkt. Dies ist der Hauptunterschied zwischen Erwerbsunfähigkeit und Berufsunfähigkeit. Jeder sozialversicherte Beschäftigte kann auf dem jährlich verschickten Bescheid der gesetzlichen Rentenversicherung nachlesen, was er im Fall der Erwerbsminderung erwarten kann. Er darf sich dann überlegen, ob er mit dem dort angegebenen Betrag leben könnte. In den seltensten Fällen ist damit die Lebensqualität gesichert.

Wann gilt man als berufsunfähig?

Laut dem sechsten Sozialgesetzbuch gilt derjenige als berufsunfähig, „deren Erwerbsunfähigkeit wegen Krankheit oder Behinderung auf weniger als die Hälfte derjenigen von körperlich, geistig und seelisch gesunden Versicherten mit ähnlicher Ausbildung und gleichwertigen Kenntnissen und Fähigkeiten gesunken ist.“

Entscheidend ist hier also weniger die Ursache für die Berufsunfähigkeit (allgemeine oder beruflich bedingte oder psychische Krankheit oder Unfallfolgen), wie z.B. bei der privaten Unfallversicherung, die nur für die Folgen eines Unfalls zahlt; entscheidend ist die zu mehr als 50% eingeschränkte Fähigkeit (aus welchen Gründen auch immer) die berufliche Leistung ausüben zu können.

Wann sollte ich eine private Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen?

Für die Höhe des Beitrages bei Abschluss einer privaten Berufsunfähigkeitsversicherung sind mehrere Faktoren verantwortlich: das Alter, das Geschlecht, die Art des ausgeübten Berufes, die selbst gewählte Höhe der Absicherung, der Gesundheitszustand, der Leistungsumfang des Tarifes und nicht zuletzt der ausgewählte Anbieter.

WICHTIG: Sie sollten sich absichern, solange sie noch jung und gesund sind. Andernfalls ist es oft zu spät. Zum einen bleibt der Beitrag in jungen Jahren noch bezahlbar, zum anderen kann es mir im schlimmsten Fall passieren, dass ich überhaupt keine gute Berufsunfähigkeitsversicherung mehr bekomme, wenn ich in den Gesundheitsfragen auf Vorerkrankungen hinweisen muss, die für Versicherer ein rotes Tuch darstellen (z.B. Bandscheibenvorfall, Psychotherapien). Die Versicherer können je nach ihrer Annahmepolitik mit Ausschlüssen bestimmter Krankheiten, mit Prämienerhöhung oder mit Totalablehnung reagieren. Auch Risikosportarten werden in den Anträgen erfragt.

Wie bei allen Absicherungen, wo Gesundheitsfragen und Ausschlussklauseln eine Rolle spielen, ist eine kompetente Beratung unerlässlich. Auch gibt es enorme Preisunterscheide, je nach Anbieter und Berufsgruppe. Umso besser ist es, wenn ihr Berater die wichtigsten und besten Unternehmen für diesen Absicherungsbereich anbieten kann. Wer hier nur nach dem Preis schaut, braucht sich nicht zu wundern, wenn es im Versicherungsfall Ärger gibt und es zum Rechtstreit kommt.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner u. Versicherungsmakler, Weilheim
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Ich bin jung, verdiene erstes Geld, wie fange ich an mit der Vorsorge? (Im Leben I)

Sie sind jung, vielleicht in den 20ern, haben vielseitige Interessen, wissen aber auch, dass man sich nicht früh um seine finanziellen Angelegenheiten kümmern kann. Sie verdienen Ihr erstes gutes Geld und selbst nach Erfüllung ihrer Wünsche bleibt etwas übrig. Nun stellen Sie sich Fragen: Wem kann ich vertrauen, wer berät mich neutral, mit was soll ich anfangen, was ist das wichtigste?

Den wichtigsten Schritt haben Sie bereits getan: Sie sind vernünftig und überlegen bereits in jungen Jahren, wie sie richtig vorsorgen können. Auch haben sie von ihren Eltern und aus dem Bekanntenkreis bereits einige Tipps erhalten. Sie wollen ihren eigenen Weg gehen, wissen aber noch nicht so recht, wie genau sie vorgehen sollen.

TIPP: Bevor Sie große Sparpläne zeichnen, bevor sie sich mit Themen wie Riester-Rente, Rürup-Rente, betriebliche Altersversorgung, gesetzlicher Sozialversicherung und Steuervorteilen auseinandersetzen, fangen Sie lieber bescheiden an und legen die Prioritäten in ihrer Finanzplanung fest.

Was ist das Wichtigste und in welcher Reihenfolge baue ich meine Vorsorge richtig auf?

1. Sparen aber wie?

Nachdem Sie in sich und ihre Ausbildung bereits investiert haben und auch für die Lebensfreude etwas übrig bleibt, legen Sie jeden Monat einen bestimmten Geldbetrag auf die Seite, den Sie „verschmerzen“ können. Sparen ist aufgeschobener Konsum. Sie verzichten auf nichts, sie heben es sich nur für später auf. Besser als ein Sparbuch eignet sich dafür ein (kostenloses) Tagesgeldkonto. Von dort können Sie im Notfall das Geld jederzeit wieder abrufen und es ist nicht langfristig gebunden. Versuchen Sie 5.000 € anzusparen.

2. Sie haften für Schäden!

Alles sparen bringt nichts, wenn Sie ungewollt anderen einen Schaden zufügen, für den Sie vielleicht ihr ganzes Leben bezahlen müssen. Eventuell überfordert dieser Schaden ihre finanziellen Verhältnisse auf lange Sicht und Sie hätten nie mehr eine Chance, finanziell auf die Beine zu kommen. Denn laut Gesetzbuch haften Sie für die von ihnen verursachten Schäden in unbegrenzter Höhe. Deshalb brauchen Sie unbedingt eine Haftpflichtversicherung. Sie gehört zur Grundausstattung eines jeden verantwortungsvollen Menschen und ist zudem kostengünstig.

3. Ihr Leben hängt an ihrer Arbeitskraft!

Was ist überhaupt ihr wertvollstes Kapital? Richtig: Ihre Arbeitskraft. Von ihr wird für die Zukunft ihr wirtschaftlicher Erfolg (vielleicht auch ihrer Familie) abhängen. Was passiert, wenn aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit gar nicht mehr in der Lage sind zu arbeiten? Sie sind entweder auf die Hilfe anderer angewiesen oder sie haben selbst vorgesorgt.

Die beste Absicherung gegen die finanziellen Folgen des Verlustes der Arbeitskraft ist die Berufsunfähigkeits-Versicherung. Niemand bestreitet, dass Sie mit zu den wichtigsten Absicherungen überhaupt gehört. Dies sollte man gerade in jungen Jahren tun, sofern man noch gesund und die Absicherung bezahlbar ist. Denn sie wird mit zunehmendem Alter immer teurer. Hat man bestimmte Krankheiten, wird es ganz schwer, überhaupt noch eine zu bekommen. Also kümmern sie sich rechtzeitig darum.

FAZIT:

Als junger Mensch brauchen Sie zunächst eine gute Haftpflichtversicherung, weil Sie für (auch unverschuldete) Schäden, die Sie verursacht haben, gesetzlich in unbegrenzter Höhe haften. Dann sichern sie ihre „Geldruckmaschine“, d.h. ihre Arbeitskraft ab, indem Sie eine Berufsunfähigkeitsversicherung in angemessener Höhe abschließen, solange Sie noch gesund sind. Und schließlich schauen Sie, wie viel Geld Sie noch auf die Seite legen können und parken es auf einem Tagesgeldkonto, bis Sie sich den Luxus leisten können, zu überlegen, wie sie es besser investieren können.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
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