Zynische Mails von Goldman-Sachs-Banker

In der gestrigen Financial Times Deutschland (FTD) vom 27.04.2010, S. 1 wurden Mails zitiert, die eine wichtige Rolle in der Betrugsaffäre um Goldman-Sachs spielen könnten. Wie gerichtsrelevant sie werden, ist noch nicht geklärt.
Eine stammt von dem inzwischen suspendierten Anleihe-Händler Fabrice Tourre an seine Freundin aus dem Jahr 2007. Daraus könnte man schliessen, dass die Wall-Street-Bank von der Qualität der Wertpapiere wusste, die sie an Kunden – unter anderem auch an die IKB-Bank in Deutschland verkaufte

Da heisst es:

Laut (meinem Kollgen Daniel) Sparks liegt dieses Geschäft völlig am Boden. Die armen, kleinen Kreditgeber werden es nicht mehr lange machen!!!

Oder

Wenn ich mir überlege, das ich nicht ganz unbeteiligt bin an der Entstehung dieses Produkts war (…), schmerzt mir das Herz, wenn ich mit ansehen muss, wie es abgeschossen wird.

Vom Goldman Chef Lloyd Blankfein wurde folgende Mail zitiert:

Wir haben Geld verloren, dann aber mithilfe von Wetten auf fallende Preise mehr gewonnen als verloren”

Ich möchte es mal vorsichtig ausdrücken: Das sind einfach keine anständigen Menschen, welche da als Führungskräfte in wichtigen Investmentbanken arbeiten. Ich hoffe, sie sind nicht repräsentativ für die Branche, wenngleich man sich bald schwer tut das anzunehmen. Das sind ….

Hier zum Hintergrund

Börse & Banker, gestern und heute

ZITAT „Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als Banker in der Londoner City zwischen 20 und 11 Uhr ins Büro kamen. Um halb eins gab’s den ersten Sherry, dann speiste man ausgiebig mit interessanten Leuten zu Mittag. Dann musste man noch im Büro bleiben, bis die Wall Street aufmacht: mit fünf Stunden Zeitunterschied, also bis halb vier Uhr nachmittags. Danach fuhren alle nach Hause. Das hat sich vollkommen verändert. Eine permanente Informationsverfügbarkeit hat eine neue Art von Wirtschaftssubjekten geschaffen: Leute, die vierundzwanzig Stunden arbeiten und sich völlig kaputtmachen. Zwischendurch wird sich zur Erholung betrunken, danach geht es wieder ins Büro, weil in Hongkong, an der Wall Street oder wo auch immer ständig etwas passiert. Das ist eine faszinierende Entwicklung.“
Lord Ralf Dahrendorf, Interview in der FAZ 10.10.2008: S. 44.