Goldmänner und Deutschbanker

Einmal angenommen Sie hätten eine Kiste Äpfel, die saftig und frisch aussehen, von denen Sie aber wissen, dass sie innen morsch und faulig sind. Nun entscheiden Sie sich ohne Skrupel, die Kiste Äpfel an Kunden als frische Ware zum Preis guter Äpfel zu verkaufen. Das genügt Ihnen aber nicht. Sie möchten noch mehr Profit machen. Also gehen Sie gleichzeitig Wetten ein, dass die Äpfel, die sie im Wissen ihrer schlechten Qualität verkauft haben, im Preis sinken werden. Wenn Sie so gehandelt hätten, was wären sie dann? Ein redlicher Kaufmann? Nein! Ein Bankkaufmann! Nein. Wären Sie ein skrupelloser Verkäufer? Schon eher, aber Sie hätten noch nicht einmal den Namen des Verkäufers verdient, weil diesem auch etwas an der Zufriedenheit des Kunden liegen sollte.

Was soll die Geschichte mit den Äpfeln? Nun der wohl mächtigsten amerikanischen Investmentbank Goldman Sachs wird genau dieser Vorwurf gemacht, sie habe ihren Kunden Kreditderivate verkauft während sie selbst intern gegen diese Papiere spekulierte. Die amerikanische Börsenaufsicht SEC hat deshalb Ermittlungen wegen Betrugsverdachtes eingeleitet. Nun sind auch die deutschen Behörden aufgeschreckt. Schließlich war einer der Käufer dieser schlechten Produkte die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB, die dabei 150.000.000 USD verloren hat. Sie hatte aber die Finanzinstrumente, die sie beinahe in den Ruin getrieben hat, nicht nur von Goldman Sachs erworben, sondern unter anderem auch von der Deutschen Bank. Zu diesem Vorgang liegen einige Rechtsgutachten vor. Es bleibt abzuwarten, wie die Rolle der Deutschen Bank dabei zu bewerten ist.

Im Dorf von Asterix und Obelix gab es regelmäßig Schlägereien wegen des stinkenden Fisches beim Fischhändler. Ich kann nicht leugnen, dass ich mir manchmal heimlich für die Chefetagen bestimmter Banken ähnliches wünsche. Doch die Herren im feinen Zwirn lassen das andere mit anderen Mitteln ausfechten – Anwälte.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Hedgefonds als Bauernhof

ZITAT: „Ein Unternehmen muss wie eine Organisation für sesshafte Landwirte aufgezogen werden und nicht wie für Jäger. Jäger essen, was sie erjagt haben. Mit Jägern lässt sich kein richtiges Unternehmen aufziehen. Organisationen überleben, wenn sie wie ein Bauernhof arbeiten. LTCM war eine Jäger-Organisation.“ – Was meinen sie damit? – „Die Händler haben alles kontrolliert. Jäger wollen danach bezahlt werden, wie viel Geld sie für das Unternehmen gemacht haben. Sie wollen niemanden Einblick in ihre Handelsstrategien geben, ihre Erfolgsrezepte geheim halten. Gleichzeitig beobachten sie die übrigen Jäger, und wenn einer erfolgreich ist, versuchen Sie ihn auf seinen Beutegrund zu folgen und ihn zu imitieren. Ist ein Unternehmen hingegen wie ein Bauernhof aufgezogen, richtet sich das Gehalt der Mitarbeiter danach, wie gut es dem ganzen Hof geht. Die Mitarbeiter müssen daran glauben, dass das Ganze mehr wert ist als die Summe der Einzelteile.“
FAZ-Interveiw mit Myron S. Scholes (Nobelpreisträger und Verwaltungsratsvorsitzender des Hedge-Fonds Platinum Growth Asset Management) auf die Frage nach dem Kollaps des von ihm einst mitgegründeten Hedge-Fonds LTCM)
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Finanzkrise und Leverage-Effekt

Viel wird immer noch von der Bankenkrise bzw. Finanzkrise gesprochen. Ihre Folgen sind noch lange nicht behoben. Wer zum Kern vieler Spekulationsdesaster vordringen möchte, der braucht eine Antwort auf die Frage, weshalb es so verlockend ist, mit Fremdkapital – also geliehenem Geld – zu arbeiten. Dahinter steckt zunächst ein völlig normaler Vorgang unseres Wirtschaftskreislaufes. Jeder Unternehmer leiht sich irgendwann  Geld in der Erwartung mit diesem Geld mehr zu verdienen, als er für das Ausleihen bezahlen muss. Dies ist die Banalität des Kapitalismus. Etwas anderes ist es, wenn diese Einstellung ins Extrem getrieben wird, und die Verschuldung nicht aus Notwendigkeit der Unternehmensfinanzierung, sondern zum Spekulationszweck schlechthin wird.

Die Grundüberlegung ist einfach: Wenn ich mit jedem geliehenen Euro mehr Gewinn erwirtschafte (Zins, Rendite) als ich für das Ausleihen dieser Euros zahlen muss (Schuldzins), so mache ich mit jedem geliehenen Euro Gewinn. Je mehr Geld ich mir also leihe, desto mehr Gewinn mache ich auf das eingesetzte Kapital. Man hat hier eine HEBELWIRKUNG mittels Verschuldungsgrad, denn je höher die Verschuldung, desto größer wird der Gewinn. Das ist laienhaft  aber verständlich ausgedrückt, was man im Fachjargon den Leverage-Effekt nennt. Er drückt sich in folgender Formel aus:

EKR = GKR + (GKR – FKR) x V

EKR = Eigenkapitalrendite
GKR = Gesamtkapitalrendite
FKR = Fremdkapitalrendite bzw. Fremdkapitalzins
V = Verschuldungsgrad, d.h. Fremdkapital : Eigenkapital

Der Schuss kann allerdings auch nach hinten losgehen (negativer Leverage Effekt), wenn z.B. die Kosten (Zinsen) auf das geliehene Kapital steigen. Die Hebelwirkung für die Eigenkapitalrendite ist nämlich nur positiv, solange zwischen Gesamtkapitalrendite und Fremdkapitalzins eine positive Differenz versteht. Andernfalls mache ich mit jedem geliehenen Euro Verluste und auch hier wirkt der Hebel. Die finanzielle Existenz ist bedroht, wenn die daraus entstehenden Verluste nicht mehr aufgefangen werden können. Das Problem bei der Spekulation besteht nun, dass keiner so recht weiß, wie sich die Zinskosten im Verhältnis zu den Renditeerwartungen entwickeln.

Zur Finanzkatastrophe kommt es, wenn massenweise zwei Erwartungen enttäuscht werden: die Finanzierungskosten des Fremdkapitals bleiben dauerhaft gering und die Spekulationsobjekte werfen dauerhaft eine hohe Renditen ab. Der Optimismus ist hier Programm und die Neigung zum Risiko nimmt bekanntlich zu, je länger diese Erwartungen nicht enttäuscht werden, weil jeder etwas von dem Renditekuchen abhaben möchte.

Dreht sich das Verhältnis allerdings um, kommt es zu Massenpleiten, wie z.B. auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Bis dahin wäre es nur ein amerikanisches Problem. Doch die Spirale dreht sich weiter. Nicht nur die Renditeerwartung der Immobilien wurde enttäuscht, weil die Kreditzinsen stiegen (die von der FED künstlich niedrig gehalten wurden); auch die Renditeerwartung auf Finanzprodukte wurde enttäuscht, in denen diese Immobilienkredite (und andere Kredite) in Derivaten verbrieft und weltweit erfolgreich weiterverkauft wurden. Zur Kettenreaktion kam es, weil diese Verbriefungen immer wieder neu kombiniert in neue Finanzprodukte gepackt und weiterverkauft wurden. Es wird nun niemand wundern: zumeist kauften diese Abnehmer, d.h. Banken und in Deutschland besonders die Landesbanken, diese Derivate mit geliehenem Geld. Das Versagen der Ratingagenturen und Risikoabteilungen in der Einschätzung dieser Produkte ist bis heute unerfindlich.

Genau deshalb ist es so wichtig, dass für alle Finanzinstitutionen (nicht nur für Banken, auch für Hedgefonds u.ä.) die Eigenkapitalanforderungen auf die eingegangenen Risiken international gesetzlich strenger gehandhabt werden. Ferner darf die Derivatebranche nicht mehr als Avantgarde des Laissez-faire behandelt werden. Andernfalls hat Kurt Tucholsky recht, jede Wirtschaft beruhe auf dem „Kreditsystem, das heißt, auf der irrtümlichen Annahme, der andere werde gepumptes Geld zurückzahlen.”  Wer wird die Schulden aus der Finanzkrise zurückzahlen? Die Volkswirtschaft sollte keine „Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung” für Schäden sein, die letztlich das Resultat einer zu optimistischen Renditegier mit dem Geld anderer Leute einiger Institutionen ist.

Autor: Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

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Verbraucherschutz in der Finanzdienstleistung. 10 Fragen und Antworten helfen Kunden mehr als 100 Paragrafen

Die Qualität der Finanzberatung hängt letztlich von der Qualität des Beraters ab, d.h. seiner Kompetenz, seinem Charakter und seiner Persönlichkeit, auf welche Weise er Sie beraten wird. Überall gibt es gute und schlechte Berater. Richtig ist aber auch: es hängt zudem von den Strukturen ab, wie unabhängig und kompetent er überhaupt für Sie arbeiten kann bzw. darf. Die Wahrscheinlichkeit auf einen guten Berater zu treffen wächst unter bestimmten strukturellen Voraussetzungen.

Zurecht werden deshalb im Rahmen des Verbraucherschutzes die strukturellen Voraussetzungen von fairer Finanzberatung diskutiert. In jüngster Zeit wurde das Thema auf die Gegenüberstellung von Provisionsberatung versus Honorarberatung verkürzt. Nicht selten werden dabei Besitzstände von Verbänden und Einflussgruppen verteidigt und der “Verbraucher” gerät aus dem Blickfeld. Wem es tatsächlich um den Verbraucher geht, der sollte dafür sorgen, dass er sich überhaupt ein Bild machen und selbst entscheiden kann, was für ihn das Beste ist. Alles andere sind obrigkeitsstaatliche Hanswurstiaden mit wenig Praxisrelevanz. Dabei wird noch die beste Absicht in schlechte Gesetze gegossen, deren Folge nur ist, dass der Verbraucher mit noch mehr Papier überschüttet wird, dessen Inhalt er kaum versteht und für dessen Lektüre er auch kaum ein Wochenende opfern möchte.

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