Ein Buch zum “Austrian Investing”

 „Der Systemtrottel der Gegenwart flieht die Verantwortung und untergräbt damit seine eigene Freiheit. Ein Großteil der Anlegerliteratur dient diesem Bedürfnis, die Verantwortung für schwierige Entscheidungen an Gurus zu delegieren, auf die man sich dann ausreden kann, wenn es schief geht.“
 „Die größte Gefahr für jeden privaten Anleger ist und bleibt der Staat.“
„Ein Ökonom muss zuallererst den Mut haben, unpopulär zu sein.“ (Friedrich von Hayek)
 „Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur, ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems.“ (Ludwig von Mises)
 

In seinen konkreten Anlagevorschlägen ist dieses Buch wenig originell. Dafür macht es aber auch keine falschen Versprechungen. Vielmehr erscheint es mir ein willkommenes Immunisierungsmittel gegen Politikergeschwätz und Notenbankhybris.

So setzen sich die Autoren zunächst von der Mainstream-Ökonomie ab. Sie vertrauen nicht auf die Effizienz des staatlich geführten Marktes, bei welchem Bürger den Banken und Politikern vertrauen müssen und die Zukunft als eingepreist, kontrollierbar und prognostizierbar gilt. Dies wird als unrealistische Pseudowissenschaft abgetan. Ein Großteil der Volkswirte sei eh zu politiknah und nicht wissenschaftlich unabhängig. Die politisch motivierten Steuerungsversuche der Wirtschaft seien hoffnungslos und pendelten zwischen fehlgeleiteter Wirtschaftsfeindlichkeit und Finanzeuphorie.

Als Zukunftsszenario halten die Autoren eine „kurzfristige Stagflation auf einem schmalen Grat zwischen Hyperinflation und Hyperdeflation“ für wahrscheinlich. Diese Situation werde „zunehmend durch finanzielle Repression flankiert wird.“ Mittelfristig könne dies mit dem konfliktreichen Versuch einer globalen Koordination unter einer neuen Leitwährung einhergehen. Langfristig rechnen die Autoren mit einer massiven Korrektur die Wirtschaftsstruktur.

Mit der Österreichischen Schule gegen die Wohlstandsillusion

Auf dem Weg zu diesem Fazit erläutern die Autoren zunächst die Grundlagen der sog. Österreichischen Schule der Nationalökonomie, deren wichtigste Gründerväter Carl Menger, Ludwig von Mieses und Friedrich von Hayek sind. Sie begründeten u.a. die subjektivistische Wertlehre, die Grenznutzenschule, legten ihrer wirtschaftlichen Betrachtung eine individualistische Handlungslehre zugrunde und zeichneten sich durch eine Realismus aus.

Dem folgt ein historischer Exkurs. Die Schaffung einer Blasenökonomie mit unbegrenzter Schuldenvermehrung parallel zur staatlichen Industriealisierung begann für die Autoren nicht zufällig im 18. Jahrhundert mit Schaffung eines Zentralstaates inkl. Zentralbankensystem und Papierwährung. Ideengeschichtlich kontrastieren sie den Wettbewerbskapitalismus gegen den staatlich-interventionistischen Kapitalismus Saint-Simonistischer Provenienz. Dies ist zwar schön vereinfachend, ob es jedoch einer differenzierten wirtschaftshistorischen Analyse stand hielte, darf bezweifelt werden.

Dessen ungeachtet sprechen die Autoren ein Thema an, das für die neuere Wirtschaftsgeschichte sicherlich von Bedeutung ist: die wiederholte Wohlstandsillusion, d.h. durch Schulden künstlich induzierter Scheinreichtum bei Kapitalkonsum und Überschätzung der Vermögensverhältnisse, welcher dann bei Wegfall der Vertrauensbasis bzw. Bewusstwerdung der realen wirtschaftlichen Grundlagen in sich zusammenbricht. Continue reading Ein Buch zum “Austrian Investing”

Kredit, Keynes & Krise – Drei Thesen zur Finanzmüllproduktion

Gewiss, die Erläuterung der Ursachen und Wirkungen der Finanz- und Staatsschuldenkrise ist nicht einfach. Sie ist so komplex wie andere historische Tatsache auch. Selbst unsere europäischen Gipfelpolitiker sind überfordert und wirken auf Pressekonferenzen wie Patienten, die nach unverständlichen Wortkaskaden der Ärzte die bitteren Pillen einfach schlucken.

Nachdem mit den neuen europäischen Beschlüssen ein erneuter Gipfelpunkt in der fiskal- und geldpolitischen Verwahrlosung erreicht worden ist, möchte ein wenig zur Vereinfachung des Themas beitragen. Ausgangspunkt meiner Überlegung ist:

Beinahe jede finanzielle Entscheidung und Erwartung findet seinen Ausdruck in Finanzprodukten. Dieses Finanzprodukte erlauben den Kauf, Verkauf und folglich die Bewertung der dahinterstehenden Entscheidungen bzw. Erwartungen. Das gilt auch für Schulden. Kredite werden in Form von Finanzprodukten – z.B. Anleihen – gekauft, verkauft und bewertet. Die Entscheidung bzw. Erwartung eines Kredites bilden den Wunsch ab, geliehenes Geld gewinnbringend zu investieren und im Gegenzug mit Zins zurückzuzahlen. Kredite, die nicht gewinnberingend investiert und/oder nicht zurückbezahlt werden und Eingang in Finanzprodukte gefunden haben, sind im wahrsten Sinne des Wortes minderwertige Finanzprodukte, die keiner haben will. Sie sind Finanzmüll.

I. Meine erste These ist: die gesamte Finanzkrise beginnend mit dem Markt für minderwertige Hypothekenanleihen am amerikanischen Häusermarkt bis zur aktuellen europäischen Staatsschuldenkrise lässt sich als eine Kette fortwährender Finanzmüllproduktion beschreiben, für deren Entsorgung (genauer: zeitlichen und räumliche Verschiebung) immer neue Finanzprodukte bzw. Institutionen erfunden werden müssen, die jedoch dadurch nur selbst zu Finanzmüll werden. Denn am Inhalt ändern auch neue Verpackungen und Namen nichts.

II. Meine zweite These ist: Die Logik dieses Prozesses beruht auf der politischen Realitätsverweigerung, den Finanzmüll als das zu betrachten, was er ist (nämlich Müll, d.h. Schulden, die nicht zurückbezahlt werden) sowie auf dem mangelnden politischen Interesse, jene in die Haftung und Verantwortung zu nehmen, die diesen Finanzmüll produziert haben. Dadurch werden die Probleme nicht gelöst, sondern nur verstaatlicht, sozialisiert bzw. europäisiert. Letztlich drohen die betroffenen europäischen Staaten, Europa und seine Währung an ihrem eigenen Finanzmüll zu ersticken.

III. Meine dritte These ist: Auslöser sind zwei Prozesse, die in einander gegriffen und sich wechselseitig verstärkt haben: Am langen Ende finden wir einen Prozess sich auftürmender Staatsschulden, der sich nicht zuletzt aus einer fehlgeleiteten Wirtschaftsideologie speist, die ich als Vulgärkeynesianismus bezeichne; am kurzen Ende finden wir die Finanzkrise des Jahres 2008. Letztere hat die schwelenden Probleme westlicher europäischer Staaten beschleunigt und womöglich dazu geführt, dass am Ende der Staatsschuldenkrise dem Vulgärkeynesianismus ein ähnliches Ende droht wie dem real existierenden Sozialismus: er zerschellt an der wirtschaftspolitischen Realität.

In der nächsten Zeit möchte ich meine drei Thesen auf diesem Blog in weiteren Beiträgen näher erläutern.

Dr. Guido Kirner, Finanzberater und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Gold, Aktien und Anleihen auf lange Sicht

Aktuell gibt es angesichts der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten ob der bankenverschuldeten Krise, der enormen Staatsverschuldung und damit einhergehenden Inflationsängste sehr widersprüchliche Diskussionen, wie man am besten sein Geld investiert. Dabei taucht immer auch immer wieder das Thema Sachwerte und Gold als sicherer Hafen für Geldanlagen auf. Die Stimmung wird partiell auch ausgenutzt, um zu überteuerten Preisen Sachwerte anzubieten.

Die Siegel-Studie (1802-1992)

Hierzu ist es interessant, einen sehr langfristig angelegten Vergleich von Jeremy J. Siegel aus seinem Buch „Stocks oft he Long Run“ (auch deutsch vergriffen) zur Kenntnis zu nehmen. Er vergleicht, was aus dem Geld geworden wäre, wenn jemand um 1802 einen US-Dollar in den amerikanischen Aktienmarkt, in amerikanische Staatsanleihen oder in Gold investiert hätte.

Das Ergebnis: Im Jahr 1992 wären aus der Goldanlage 13 USD geworden. Mit der Investition in Staatsanleihen hätte er 6.620 USD gemacht und aus seinem Investment in Aktien wären 3 Millionen USD geworden.

Vergessen wird oft, auch im 19. Jahrhundert hat es Finanzkrisen gegeben, und zwar trotz des Goldstandards der Währung. Ferner wird übersehen, dass Gold zwar in Krisenzeiten hohe Kursgewinne verzeichnet, insgesamt und auf lange Sicht ein sehr volatiles Investment darstellt. Wie schon an anderer Stelle betont, sollte es nie darum gehen, das eine gegen das andere Investment auszuspielen. Es sollte darum gehen, eine vernünftige Streuung in Depot zu bringen, um das Risiko auf unterschiedliche Anlagen aufzuteilen.

Was wäre aus dem Geld in den letzten 30 Jahren geworden?

Nun ist der Betrachtungszeitraum dieser Studie kaum praxisrelevant. Nehmen wir also einen für Privatanleger realistischeren Zeitraum für langfristige Geldanlagen z.B. für die Altersvorsorge. Ohne behaupten zu wollen, dass man problemlos von der Vergangenheit auf die Zukunft extrapolieren kann und die Welt der Finanzen die gleiche geblieben wäre, ist es dennoch interessant zu sehen, was aus einer Geldanlage in den letzten 30 Jahren geworden wäre. Was hätte derjenige auf dem Konto, der am 01.01.1980 einen Betrag i.H.v. 10.000 Euro als Einmalanlage bis zum 31.12.2009 investiert hätte.

Für den Inflationsausgleich (Wertverlust aufgrund der Teuerungsrate) hätten wir allein 2,30%  zum Kapitalerhalt benötigt. Dann wären daraus 19.773 € geworden. Mit dem Sparbuch wäre das nicht gelungen (18.949 €, 2,15 %). Mit dem Preis für Gold hätte man es ebenfalls nicht geschafft (19.179 €, 2,19 %). Ein Immobilienfonds Europa hätte es immerhin auf 5,88 % und damit auf eine Summe von 55.552 € gebracht. Deutsche Rentenpapiere (REX) hätten 6,86 % mit einer Endsumme von 119.677 € erzielt. Mit einer Anlage in weltweite Aktien (MSCI World) hätte man trotz all der Schwankungen eine Summe von 154.081 € auf dem Konto stehen (9,54%); mit einem Investment in europäische Aktien (MSCI Europe) sogar 212.494 €, was einer Wertentwicklung von 10,72 % entspricht.

Sicher können wir festhalten: gut wenn man überhaupt gespart und noch besser, wenn man zudem so lange durchgehaltenhätte. Das ist wichtiger als irgendwelchen Trends hinterherzujagen oder sich als Daytrader aufzuspielen. Denn ein Börsenspruch bewahrheitet sich auch immer wieder (und macht nur den Broker, die Bank oder Finanzberater reicher): “Hin und her macht Taschen leer.”

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
Sie möchten ihr Geld langfristig sinnvoll anlegen?