Besserverdiener, Geldangst und Kapitalvernichtung

Gestern war ein an seinem florierenden Unternehmen beteiligter Geschäftsführer, also ein sog. Besserverdiener samt reizender Gattin in meinen bescheidenen Gefilden und brachte einen Stapel Papier mit. Es waren Broschuren, Berechnungen, Angebote, Flyer, mit welchen er in den letzten Wochen von Vermögensverwaltern, Anlageberatern, Banken usw. bombardiert wurde. Er berichtete mir auch von Anwälten, Ärzten und Unternehmern aus seinem Umfeld und was da so geredet wird, vor allem wie und wo man sein Geld in diesen Zeiten investieren müsse.

Zusammenfassend könnte man sagen: der Wahnsinn ist ausgebrochen! Da wird kopflos Finanzmüll gekauft bzw. finanziert, um sein Geld vermeintlich in Sicherheit zu bringen, und jeder gesunde Menschenverstand scheint im Ausrinnen begriffen, wobei sich jeder für schlauer hält als der Andere.

Wenn überschüssige liquide Finanzmittel bei sicherlich teils berechtigtem Misstrauen gegenüber der Geld- und Finanzpolitik auf umtriebige Verkäufer von obskuren Finanzprodukten treffen, dann braut sich die nächste große Kapitalvernichtung zusammen. Dann wird auch noch der letzte Mist mit vorgeblichen Alleinstellungsmerkmal in der Hülle einer soliden und sicheren Finanzanlage verkauft.

Es wird eine Weile dauern bis all die schön gerechneten Modelle platzen und sich als Luftbuchungen erweisen. Der Katzenjammer wird groß sein, jedoch wird es keinen Aufstand geben, weil sich jeder für sich selbst schämt, wem er sein Geld anvertraut hat. „Wir konnte ich nur so dumm sein?“ wird sich manch einer fragen und so manch altbackene, spießige Form der Geldanlage bekommt auf einmal wieder einen ganz anderen Stellenwert.

Sicherlich, bei den Renditen haben es die Lebensversicherungen schwer auf klassisch verzinste Produkte einen Überschuss zu erwirtschaften, der nach Abzug der Kosten über den Inflationsausgleich (wenn überhaupt) hinausgeht. Und überhaupt kenne ich die angewiderten Mienen von Kunden, wenn der Begriff „Versicherung“ fällt. Sicherlich gibt es „spannendere“ und auch „bessere“ Geldanlagen, zumal flexiblere für bestimmte Lebenssituationen.

Doch was sind die Alternativen, wenn es darum geht eine lebenslange Leibrente zu garantieren? Die Banken? Na dann viel Spaß. Wer hat in den vergangenen Jahrzehnten das Geld reglementierter, überwachter, konservativer und nachhaltiger angelegt als die guten der Lebensversicherungsbranche? Wer heute einen Gesamtzins (Garantiezins mit Überschußverzinsung) zwischen 4-5 Prozent gut geschrieben bekommt, der kann sich doch freuen – oder bekommen sie irgendwo für eine sichere Anlage mehr?

Aber das ist ja langweilig. Stattdessen begeistert man sich für exotische Produkte. Von einer großen Bank wird ein Anleihefonds empfohlen, bei denen man Staaten Geld leiht, von denen man sonst recht selten hört, dafür gibt es endlich über 4 % Rendite, die jedoch allein von Gebühren von über 2 Prozent wieder aufgefressen werden.

Eine Immobilienfirma bietet für nur etwas über 100.000 Euro im schönen Münchner Giesing Wohnungen an, die kaum 25 qm haben; doch was nutzt das, wenn Sie Probleme haben werden für diese Hasenställe eine Finanzierung zu bekommen, weil keine Bank so kleine Wohnungen finanzieren möchte? Deshalb wendet man sich am besten gleich an eine Klientel die entsprechende Summen “nutzlos” auf dem Konto herumliegen hat.

Und was sich sonst nicht so gut verkauft, dass lässt sich ja auch immer noch in einen geschlossenen Beteiligungsfonds schieben. Nichts gegen die nützliche und wichtige Form der Beteiligungen. Aber mal ehrlich, wer ist da nicht alles unterwegs in der Branche und wo ist es schwieriger die Spreu vom Weizen zu trennen? Haben Privatanleger irgendwo mehr Geld verloren als in geschlossenen Fonds für Schiffe, Filme, Immobilien oder was auch immer?

Und die ganz schlauen bringen ihr Geld ja ins Ausland – und nein: die Schweiz ist out; irgendwo in Asien ist in (oder über die Schweiz nach Asien). Asien? Ein großer Kontinent, die Zukunft, der alte, neue wilde Osten. Herrschen da stabile politische Verhältnisse, starke Institutionen, altbewährte Volkswirtschaften, rechtsstaatliche Strukturen, faire Vertragsverhältnisse?

Ja, ich möchte auch an das Geld meiner Kunden, ja ich möchte auch Geld verdienen, ja ich möchte mehr Kunden und mehr Geld verdienen. Und nein, ich bin keine große Nummer in der Finanzmarkt, nein ich zähle nicht zu den ersten Adressen mit Mahagonibüro, Marmorboden und dickem Schlitten vor der Tür.

Mit wenigem kann ich beeindrucken, nur mit etwas Übersicht, Erfahrung und Argumenten. Ich halte mich noch nicht einmal für Schlauer als andere, sicherlich für weniger gerissen (ich habe noch diese kleinbürgerlichen Skrupel). Ich halte viel von gesundem Menschenverstand und Einfachheit, muss mich aber sicherlich noch mehr darin schulen, das Einfache auch einfach darzustellen.

Einiges davon möchte ich hier in Form kleiner Kolumnen mitteilen. Mein Anreiz ist zum einen der, dass auch mir all diese Lackaffen, Schwätzer und Poser in meiner Branche auf die Nerven gehen; zum anderen soll es Eigenwerbung sein, Werbung für ein Konzept, dass nicht dadurch überzeugen soll, dass es einen Popanz aufbaut, sondern sie selbst fit und mündig macht, mutige Entscheidungen zu treffen.Es geht nicht immer darum, genau das Richtige zu tun – wer weiß das schon; wichtiger ist manchmal in Geldangelegenheiten das Falsche zu unterlassen. Es kann schlimme Folgen haben.

Da wird nichts glänzen, damit wird kein Event verbunden sein, kein Golfturnier, kein Champangnerempfang, kein sonstiger Anreiz. Trivialität und Langeweile können aber gerade in Geldangelegenheiten sehr beruhigend und schließlich äußerst nützlich sein.

Dr. Guido Kirner (Polling)

Empfehlungen von Vermögensverwaltern: Anlagemix für 2011

Des Öfteren habe ich die Finanzkrise beschrieben du kommentiert. Doch wie soll man als Privatanleger darauf reagieren? Die FAZ hat 10 renommierte Vermögensverwalter* befragt, wie sie ihre Portfolios im Jahr 2011 ausrichten. Die Vorschläge unterscheiden sich einmal für einen 30jährigen, sodann für einen 60järigen Anleger.

Im Folgenden bilde ich den Durchschnitt der 10 Vermögensverwalter* und gebe in Klammern die Bandbreite zwischen niedrigstem und höchstem Wert der Anteilsquote an. Keine Angaben werden mit 0 % gewertet. Die Angaben können je nach Einschätzung der Zukunft stark abweichen. Dessen ungeachtet scheinen mir die Durschnittwerte zumindest für die Feststellung von Trends in der Anlageberatung ganz nützlich.

Der Anlagemix 30jährige

52,5 %             Aktien (15, 90)

17,5 %             Anleihen kurzer Laufzeit (10, 60, 2 ohne Angabe!)

4,5 %              Anleihen langer Laufzeit (5, 30, 7 ohne Angabe!)

12,5 %             Rohstoffe (5, 40, 2 decken Rohstoffe als Aktien ab)

6 %                  Immobilien (10, 20, 6 ohne Angabe!)

7 %                  Kasse (0-15, 1 ohne Angabe)

Der Anlagemix 60jährige

40,5 %            Aktien (15, 80)

26,5 %            Anleihen kurzer Laufzeit (10, 60, 1 ohne Angabe)

5 %                  Anleihen langer Laufzeit (5, 35, 7 ohne Angabe!)

12 %                Rohstoffe (5, 20, 2 decken Rohstoffe als Aktien ab)

6,5 %               Immobilien (15, 25, 6 ohne Angabe!)

9,5 %               Kasse (0-15, 1 ohne Angabe)

MEIN FAZIT

Interessant ist zunächst, die Werte der Anlageempfehlungen für die unterschiedlichen Altersgruppen liegen überraschend eng beieinander. Zumeist wird empfohlen, das Risiko mit steigendem Alter zu senken, weil dann Lebenszeit fehlt, mögliche Verluste wieder auszugleichen. Der Grund für die hohe Aktienquote im Alter liegt womöglich einfach in der geringen Attraktivität risikoarmer Anlagen (Zinstief bei Inflationsangst) bzw. die einst als risikoarm eingeschätzten Anlagen wie (langlaufende) Staatsanleihen werden angesichts der Staatsschuldenkrise nicht mehr als solche eingestuft. Demgegenüber steht eindeutig der Trend zu Sachwerten: Aktien , Immobilien, Rohstoffe. Wie bereits betont, sollen hier nur Trends dargestellt werden. Eine Anlageberatung hat immer im persönlichen Gespräch vor dem Hintergrund der individuellen Lebenssituation und den Zielen und Wünschen des Anlegers zu erfolgen.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner Weilheim i.OB

*Bei den Vermögensberatern handelt es sich um: Artus Direct (Frankfurt), Fiduka (München), Fossbach & von Storch (Köln), Hansen & Heinrich (Berlin), Johannes Führ (Frankfurt), PAM Hamburg, Partners (München), PSM (München), Dr. Seibold (Gmund), Dr. Thilenius (Stuttgart)

Depot als Rumpelkammer

ZITAT: “Ich begegne allzu oft Menschen, deren Portfolio dadurch zustande gekommen ist, deass sie alles zusammengekauft haben, was gerade angesagt war oder was ihr Broker ihm aufdrängte. Solche Portfolios sehen aus wie ein Dachboden voller Krimskrams, ohne übergreifendes Anlageziel.”
Aus dem Buch von: David M. Darst ‘The little book that saves your assets’, deutsche Version, S. 60]

Wenn Sie das Gefühl haben, dass es in Ihrem Depot ähnlich aussieht, dann sollten Sie sich wohl einen besseren Berater zulegen.
Dr. Guido Kirner, Finanzmakler & Versicherungmakler, Weilheim i.OB

Gold, Aktien und Anleihen auf lange Sicht

Aktuell gibt es angesichts der Unsicherheiten auf den Finanzmärkten ob der bankenverschuldeten Krise, der enormen Staatsverschuldung und damit einhergehenden Inflationsängste sehr widersprüchliche Diskussionen, wie man am besten sein Geld investiert. Dabei taucht immer auch immer wieder das Thema Sachwerte und Gold als sicherer Hafen für Geldanlagen auf. Die Stimmung wird partiell auch ausgenutzt, um zu überteuerten Preisen Sachwerte anzubieten.

Die Siegel-Studie (1802-1992)

Hierzu ist es interessant, einen sehr langfristig angelegten Vergleich von Jeremy J. Siegel aus seinem Buch „Stocks oft he Long Run“ (auch deutsch vergriffen) zur Kenntnis zu nehmen. Er vergleicht, was aus dem Geld geworden wäre, wenn jemand um 1802 einen US-Dollar in den amerikanischen Aktienmarkt, in amerikanische Staatsanleihen oder in Gold investiert hätte.

Das Ergebnis: Im Jahr 1992 wären aus der Goldanlage 13 USD geworden. Mit der Investition in Staatsanleihen hätte er 6.620 USD gemacht und aus seinem Investment in Aktien wären 3 Millionen USD geworden.

Vergessen wird oft, auch im 19. Jahrhundert hat es Finanzkrisen gegeben, und zwar trotz des Goldstandards der Währung. Ferner wird übersehen, dass Gold zwar in Krisenzeiten hohe Kursgewinne verzeichnet, insgesamt und auf lange Sicht ein sehr volatiles Investment darstellt. Wie schon an anderer Stelle betont, sollte es nie darum gehen, das eine gegen das andere Investment auszuspielen. Es sollte darum gehen, eine vernünftige Streuung in Depot zu bringen, um das Risiko auf unterschiedliche Anlagen aufzuteilen.

Was wäre aus dem Geld in den letzten 30 Jahren geworden?

Nun ist der Betrachtungszeitraum dieser Studie kaum praxisrelevant. Nehmen wir also einen für Privatanleger realistischeren Zeitraum für langfristige Geldanlagen z.B. für die Altersvorsorge. Ohne behaupten zu wollen, dass man problemlos von der Vergangenheit auf die Zukunft extrapolieren kann und die Welt der Finanzen die gleiche geblieben wäre, ist es dennoch interessant zu sehen, was aus einer Geldanlage in den letzten 30 Jahren geworden wäre. Was hätte derjenige auf dem Konto, der am 01.01.1980 einen Betrag i.H.v. 10.000 Euro als Einmalanlage bis zum 31.12.2009 investiert hätte.

Für den Inflationsausgleich (Wertverlust aufgrund der Teuerungsrate) hätten wir allein 2,30%  zum Kapitalerhalt benötigt. Dann wären daraus 19.773 € geworden. Mit dem Sparbuch wäre das nicht gelungen (18.949 €, 2,15 %). Mit dem Preis für Gold hätte man es ebenfalls nicht geschafft (19.179 €, 2,19 %). Ein Immobilienfonds Europa hätte es immerhin auf 5,88 % und damit auf eine Summe von 55.552 € gebracht. Deutsche Rentenpapiere (REX) hätten 6,86 % mit einer Endsumme von 119.677 € erzielt. Mit einer Anlage in weltweite Aktien (MSCI World) hätte man trotz all der Schwankungen eine Summe von 154.081 € auf dem Konto stehen (9,54%); mit einem Investment in europäische Aktien (MSCI Europe) sogar 212.494 €, was einer Wertentwicklung von 10,72 % entspricht.

Sicher können wir festhalten: gut wenn man überhaupt gespart und noch besser, wenn man zudem so lange durchgehaltenhätte. Das ist wichtiger als irgendwelchen Trends hinterherzujagen oder sich als Daytrader aufzuspielen. Denn ein Börsenspruch bewahrheitet sich auch immer wieder (und macht nur den Broker, die Bank oder Finanzberater reicher): “Hin und her macht Taschen leer.”

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
Sie möchten ihr Geld langfristig sinnvoll anlegen?