Abzocke mit Sachwerten

Die Unsicherheit wird ausgenutzt

Die Unsicherheit nach der Finanzkrise auf der einen, die Sucht der Deutschen nach sicheren Anlagen auf der anderen Seite sehen einige Anbieter von Finanzprodukten als besonders günstige Gelegenheit. Das ist ihr gutes Recht und gegen Sachwerte – also Edelmetalle, Immobilien, Beteiligungen an Schiffen usw. sowie übrigens auch Aktien – ist gar nichts einzuwenden. Die Sache kann aber absurde Ausmaße annehmen bis hin zu völlig unseriösen Angeboten.

“Wollen Sie den Wert Ihrer Lebensversicherung verdoppeln?”

So rief mich letzte Woche eine Dame an, die mich fragte, ob ich Lebensversicherungen besitze und ob ich deren Wert verdoppeln wolle. Sie rief mich als Privatmann an und wusste wohl nichts von meiner Eigenschaft als Finanzplaner. Als ich nachfragte, wie das denn möglich sei, antwortete sie mir, ja das könne mir nur jemand in einem Termin erklären. Ich blieb hartnäckig und wollte mehr wissen. Es gehe darum, seine Lebensversicherung zu verkaufen und in Immobilien zu investieren, mehr könne sie mir nicht sagen. DANKE – AUF WIEDERHÖREN.

SO ETWAS KANN EINFACH NICHT SERIÖS SEIN !!!

Es ist schon ein starkes Stück, Kunden überhaupt dazu überreden zu wollen, ihre Lebensversicherungen zu kündigen, um ein anderes Geschäft zu tätigen. Die Investition in Opportunity-Immobilien ist nicht per se schlecht; auch kann man darüber nachdenken, ob man für das Alter nur mit Lebensversicherungen vorsorgen soll. Doch die Masche dieser Art Verkäufer ist schlicht skandalös. Es kann bei einer guten Finanzplanung nicht darum gehen, das eine durch das andere zu ersetzen. Die schlaue Aufteilung des Vermögens auf unterschiedliche Anlageklassen je nach Lebenssituation und Möglichkeiten sollte das Ziel sein.

Während der Boomjahre wurde die Sau in die andere Richtung durchs Dorf gejagt. Menschen haben ihre Altersvorsorge aufs Spiel gesetzt, weil sie überredet wurden, Schulden auf ihre lastenfreie Immobilie aufzunehmen, Lebensversicherungen aufzulösen und dafür in hochspekulative Anlagen zu investieren. In der Krise war das Geld dann auf einmal weg. Nun läuft es wohl in die andere Richtung. Die Leute sollen ihr in Lebensversicherungen angespartes Kapital in vermeintlich lukrative Immobilien stecken. Es tut mir leid, ich hege heute schon den Verdacht, dass das Konzept nicht aufgehen wird, weil die Immobilien nicht das hergeben, was die Vermittler versprechen.

Aber noch andere wollen die Stunde nutzen. Da werden mit Missionseifer Fachforen veranstaltet, wo Leute mit wirtschaftshistorischem Halbwissen über Inflationskrisen sich als Edelmetallexperten aufspielen und den Untergang der Papierwährung prophezeien. Sicherlich sind das wichtige Themen, gerade angesichts der Staatsverschuldung sind gewisse Ängste durchaus berechtigt. Es ist aber bezeichnend, wofür dann diese Ängste ausgenutzt werden sollen.

Da gibt es Ansparpläne für ein Gold- bzw. Silberdepot mit so hohen Kosten, dass Sie alleine dafür schon einiges an Edelmetall kaufen können. Oder es gibt sog. Realwert- bzw. Sachwertpolicen. Im Mantel einer Lebensversicherung wird dabei in Edelmetalle, Beteiligungen und Immobilien investiert. Dabei soll wohl das Risiko von Beteiligungen in geschlossene Fonds und die Kosten verschleiert werden. Das Problem ist letztlich, nur Profis können hier die guten (die es auch gibt) von den schlechten Produkten unterscheiden.

Sie können sich allein dadurch schützen, kein Geld für Finanzprodukte auszugeben, die sie nicht verstehen. In Sachwerte können Sie auch anders investieren. Finanzieren Sie ein Grundstück, ein Haus, kaufen Sie Gold- und Silbermünzen oder investieren Sie in Aktien. Ein seriöser Finanzplaner kann Ihnen dabei helfen. Dann werden Sie nicht in ein paar Jahren vor einer Kamera sitzen und ihre traurige Geschichte erzählen, wie sie ihre Altersvorsorge verloren haben, weil man Ihnen das blaue von Himmel versprochen hat.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Die Riester-Rente bzw. Zulagenrente (Altersvorsorge)

Die Riester-Rente (auch Zulagenrente genannt) ist wahrlich kein Geheimtipp. Über 12 Millionen Bundesbürger sparen inzwischen in ein zertifiziertes Riesterprodukt – etwa 9 Millionen in Form einer Lebensversicherung – und das trotz aller anfänglichen Kritik bei ihrer Einführung im Jahr 2001 (auch von Zeitschriften wie Finanztest). Ein Grund dafür war sicherlich auch der erhöhte bürokratische Aufwand beim Dauerzulagenantrages, der aber mit Verbesserungen 2005 erheblich reduziert worden ist. Der Erfolg der Riesterrente kann als eine Art Abstimmung über die Notwendigkeit gesehen werden, die gesetzliche Rente um einen kapitalgedeckten Baustein zu ergänzen.

Konkret funktioniert die Riesterrente einfach so: Spare etwas von deinem Nettogehalt für die Altersvorsorge in einen Riestervertrag – zumeist eine Lebensversicherung, aber auch Banksparpläne oder Bausparverträge sind möglich – und der Staat wird diesen Sparvorgang unter bestimmten Auflagen mit einer Zulage bezuschussen. Darüber hinaus sind während der Ansparphase auch Steuervorteile möglich.

Für wen lohnt sich die Riesterrente?

Die Förderquote der Riesterrente hängt von mehreren Faktoren ab: vom eigenen Einkommen, dem Familienstand, der Anzahl der zu erziehenden Kindern und selbstverständlich welcher Betrag in einen Riestervertrag gespart wird. Die hohen Förderquoten (25-80 %) werden durch eine Kombination von Zulagen und Steuervorteilen erzielt. Geringverdiener mit mehreren Kindern profitieren eher von den Zulagen, Personen mit höheren Einkommen profitieren dagegen eher von den Steuervorteilen. Gerade für Bezieher höherer Einkommen ist die Riesterförderung eine Alternative, lassen sich die Beiträge in der Ansparphase im Rahmen der gesetzlichen Höchstgrenze vollständig als Sonderausgaben absetzen.

Wer darf riestern?

Die Riesterförderung ist an die Sozialversicherung gekoppelt. Grundsätzlich ist jeder, der Beiträge an die gesetzliche Rentenversicherung abführt, auch riesterberechtigt. Dazu gehören neben allen Pflichtversicherten auch Auszubildende, pflichtversicherte Selbständige (Handwerker) Wehr- und Zivildienstleistende, Bezieher von Lohnersatzleistungen, Versicherte in der Kindererziehungszeit (3 Jahre), Versicherte in der landwirtschaftlichen Alterskasse (LAK), geringfügig Beschäftigte, die auf die Sozialversicherungsfreiheit verzichtet haben, Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst mit beamtenähnlicher Besoldung (VBL), aber auch Beamte Richter und Soldaten.
Nicht gefördert werden Selbständige ohne sozialversicherungspflicht oder freiwillig Versicherte, Pflichtversicherte in den berufsständischen Versorgungswerken (Ärzte, Rechtsanwälte etc.), Studenten, die während des Studiums erforderliche Praktika ableisten und regelmäßig unter 400 € verdienen und Empfänger von Berufs- bzw. Erwerbsminderungsrenten (es sei denn sie gehen gleichzeitig einer versicherungspflichtigen Arbeit nach).

Welche Zulagen bekomme ich?

Seit dem Jahr 2008 erhält jeder Erwachsene eine Grundzulage von 154 € im Jahr, Kinder bekommen eine Zulage von 185 €. Für ab 2008 geborene Kinder beträgt die Zulage 300 €. Förderberechtigte, die das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet haben erhalten eine erhöhte Grundzulage von 200 €. Die Zulagen werden dem Riestervertrag gutgeschrieben.

Voraussetzung für den Erhalt der vollen Zulage ist, dass 4% der rentenversicherungspflichtigen Einnahmen des vorangegangenen Kalenderjahres abzüglich der Zulagen (mindestens jedoch den Sockelbeitrag von 60 € im Jahr) als Eigenbeitrag in einen Riestervertrag gespart werden (§10a EStG). Die Sparhöchstleistung (Eigenleistung und Zulage) liegt bei 2.100 Euro Bei geringerem Eigenbeitrag wird die Zulage entsprechend gekürzt. So kann z.B. ein Ehepaar mit zwei Kindern pro Jahr eine Zulage von bis zu 908 € bekommen.

Ehepaare werden besonders gefördert. So kann selbst der Ehepartner, der nicht sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, mittelbar über seinen Ehepartner einen eigenen Riestervertrag abschließen. Er zahlt den Sockelbeitrag von 60 € im Jahr ein und erhält eine Zulage von 154 € geschenkt. Darüber hinaus ist es möglich auch die Kinderzulagen in diesen Vertrag zu sparen, sofern es sich um die kindergeldberechtigte Person handelt.

Steuerliche Behandlung?

Die Summe aus Eigenbeitrag und Zulagen darf als Sonderausgabenabzug geltend gemacht werden. Bei der Einkommenssteuererklärung prüft das Finanzamt automatisch, ob eine zusätzliche jährliche Steuerersparnis vorliegt. Ist das der Fall, wird diese im Zuge der Einkommenssteuererklärung überwiesen. So kann z.B. ein Alleinstehender mit 40.000 € Jahresbruttogehalt neben der Grundzulage noch eine Steuerersparnis von 402 € im Jahr erzielen.

Im Alter, also während der Rentenbezugsphase, werden die Riesterrenten gem. § 22 Nr. 5 EStG nachgelagert mit ihrem dann gültigen persönlichen Steuersatz besteuert. Der Steuervorteil resultiert also insbesondere für den Fall, dass jemand während der Berufsausübung hohe Steuerleistungen erbringen muss, seine Einnahmen als Rentner aber eher gering ansetzt und sich die nachgelagerte Besteuerung kaum auswirkt.

Weitere Kriterien für Riesterverträge

Der Gesetzgeber hat nach dem Altersvorsorgeverträge-Zertifizierungsgesetz (AltZertG) weitere Bedingungen an eine Riesterrente geknüpft. Nur die Wichtigsten seien hier genannt: Grundsätzlich kann die Riesterrente erst ab Vollendung des 60. Lebensjahres und nur in Form einer lebenslangen Rente bezogen werden. Eine Teilkapitalisierung bis zu 30 % des zu Beginn der Auszahlungsphase zur Verfügung stehenden Kapitals ist allerdings möglich.

Fazit:

Die Riesterrente kann auf die Zulage (Geringverdiener, kinderreiche Familien) oder auf den steuerlichen Sonderausgabenabzug (Singles mit höheren Einkommen) hin optimiert werden. Ihre genaue Förderquote lässt sich nur im Rahmen einer genauen Berechnung unter Berücksichtigung der persönlichen Umstände feststellen. Sie sollten dazu ihren Berater konsultieren und mit ihm die Vor- und Nachteile abwägen. Ferner sollten sie ihren Berater konsultieren, wenn sich ihr Einkommen oder ihre Lebensumstände verändern (Geburt, Heirat usw.). Ihr Riestervertrag sollte entsprechend optimiert und in regelmäßigen Abständen überprüft werden. Immer wieder liest man, dass Milliarden an Fördergeldern pro Jahr im Rahmen der Riesterverträge gar nicht abgerufen werden, sei es, dass die Kunden schlecht beraten wurden oder einen schlechten Service erhalten Das sollte Ihnen nicht passieren.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB
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