Hedgefonds als Bauernhof

ZITAT: „Ein Unternehmen muss wie eine Organisation für sesshafte Landwirte aufgezogen werden und nicht wie für Jäger. Jäger essen, was sie erjagt haben. Mit Jägern lässt sich kein richtiges Unternehmen aufziehen. Organisationen überleben, wenn sie wie ein Bauernhof arbeiten. LTCM war eine Jäger-Organisation.“ – Was meinen sie damit? – „Die Händler haben alles kontrolliert. Jäger wollen danach bezahlt werden, wie viel Geld sie für das Unternehmen gemacht haben. Sie wollen niemanden Einblick in ihre Handelsstrategien geben, ihre Erfolgsrezepte geheim halten. Gleichzeitig beobachten sie die übrigen Jäger, und wenn einer erfolgreich ist, versuchen Sie ihn auf seinen Beutegrund zu folgen und ihn zu imitieren. Ist ein Unternehmen hingegen wie ein Bauernhof aufgezogen, richtet sich das Gehalt der Mitarbeiter danach, wie gut es dem ganzen Hof geht. Die Mitarbeiter müssen daran glauben, dass das Ganze mehr wert ist als die Summe der Einzelteile.“
FAZ-Interveiw mit Myron S. Scholes (Nobelpreisträger und Verwaltungsratsvorsitzender des Hedge-Fonds Platinum Growth Asset Management) auf die Frage nach dem Kollaps des von ihm einst mitgegründeten Hedge-Fonds LTCM)
Sie möchten Kontakt zu einem Unternehmen, das nachhaltig arbeitet: KONTAKT

Goldmänner

ZITAT: “Zu den bisher lukrativen Anlagen gehören faule thailändische Autokredite, Anleihen koreanischer Schnapshersteller und angeschlagene Golfplatzbetreiber in Japan.“ (FAZ 17.12.2008, S. 14 Artikel: „Goldmann Sachs macht Milliardenverlust.“

Bundeshaushalt 2010 – einmal anders

Einmal angenommen sie hätten ein kleines Unternehmen. Letztes Jahr hatten Sie 35.000 € Ausgaben, könnten dieses Jahr jedoch nur mit 24.000 € Einnahmen rechnen, hätten Sie da ein gutes Gefühl? Richtig, ihr Gefühl würde zum einen von ihren Reserven aus der Vergangenheit, zum anderen von ihrer Zukunftserwartung abhängen. Wie nervös werden Sie, weil sie wissen, auch in den letzten Jahren hatten sie stets mehr Ausgaben als Einnahmen und die Rücklagen sind weitgehend aufgebraucht? Deshalb haben Sie zudem noch Schulden in Höhe von fast 100.000 €.

Die Gedanken verfinstern sich, zumal sie allein 4.000 € an Schuldzinsen berappen müssen. Aber macht ja nichts, sie könnten ja die Ausgaben kürzen und/oder die Einnahmen erhöhen. Leider geht das aber nicht so einfach, weil sie viele Versprechungen an ihre Mitarbeiter und Kunden gemacht haben.

Doch manche ahnen schon, dass ihre Versprechen nicht viel wert sind. Denn sie haben gehört, der größte Teil – nämlich 8.000 € ihrer Ausgaben – fließt in den Unterhalt eines maroden  Systems R, bei dem ebenfalls schon feststeht, dass es bei gleichbleibenden Ansprüchen künftig eher mehr als weniger Geld braucht. Letztes gilt auch für ein zweites System G, dass sie mit knapp 1.200 € bezuschussen. Auch dieses sollte sich der Idee nach eigentlich selbst tragen, doch es funktioniert einfach nicht so, wie man es sich bei Firmengründung vor 60 Jahren gedacht hat.  1.600 € Defizit ergeben sich aus einem Posten, der überhaupt nicht arbeitet. Nur 5.000 € geben Sie für Zwecke aus, die man als zukunftsweisend bezeichnen könnte.

Vielleicht würden Sie mir zustimmen, eine solche Finanzsituation zeichnet kein solides Unternehmen aus. Leider können Sie aber den Laden auch nicht so einfach dicht machen. Ihre Einnahmen lassen sich nicht so einfach erhöhen, weil die Preise im Gefühl ihrer Kunden schon das Maximum erreicht haben; und die Ausgaben laufen regelmäßig aus dem Ruder, obwohl sie immer wieder Besserung geloben. Sie haben sich in ihrer Firma einfach daran gewöhnt, Gelder zu verteilen, die sie nicht haben, nur um ihre Ruhe bei ihren Mitarbeitern zu haben und damit die Kunden ihnen treu bleiben.

Die Sache verkompliziert sich durch eine Besonderheit: Kunden und Mitarbeiter sind weitgehend identisch. Denn jeder von uns ist zugleich Kunde und Mitarbeiter dieser Firma. Hängen Sie an die Zahlen nur sieben Nullen an und sie entsprechen in etwa den Zahlen des Bundeshaushaltes 2010. Die Schulden all der Unterabteilungen dieser Firma (Länder und Gemeinden) sind da noch gar nicht eingerechnet. Mit System R sind die Leistungen der Rentenversicherung gemeint, mit System G der Bundeszuschuss an die gesetzliche Krankenversicherung.

Autor: Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Sie möchten besser für sich selbst vorsorgen?

Zwei Immobilienstudien

Zwei Immobilienstudien zu Deutschland sind erschienen: eine von der Marktforschungsfirma ‚F+B Forschung und Beratung’ (Hamburg) zu den Neuvermietungspreisen in deutschen Städten mit mehr als 25.000 Einwohnern, eine andere des Beratungsunternehmens ‚Empirika’ im Auftrag der Bayerischen Landesbank wagt die Prognose für den Immobilienmarkt im Jahr 2040.

Was die erste Studie anbetrifft, so zeigt sich Bayern als Bundesland der Extreme: München hat wenig überraschend die teuersten Mieten in Deutschland (11,14 € pro qm ohne NK), Hof die günstigsten (3,87 €). Der Durchschnitt für eine mittelgroße Standardwohnung liegt bei 6,14 € pro qm. Nach München folgen mit hohen Quadratmeterpreisen: Frankfurt a.M., dann im Münchner Umland Germering, Unterschleißheim und Dachau (also Münchner Umland). Drauf folgen Bad Homburg und Oberursel als die teuersten Pflaster. Am Ende Skala rangieren hinter Hof die Städte Plauen, Zittau, Brilon, Halberstadt und Görlitz. Ausgewertet wurden für diese Studie die 1,8 Millionen Angebote für vermietete Wohnungen normaler Ausstattung mit einer Größe von 50 bis 80 qm des Jahres 2009.

Die zweite Studie zur Wohnraumentwicklung im Jahr 2040 geht von einer schrumpfenden Bevölkerung aus. Es werde 5,4 Millionen weniger Deutsche geben, ein überschaubarer Rückgang. Die Hälfte der Bevölkerung werde über 50 Jahre alt sein und es werde nur noch 11 % Kinder und Jugendliche geben. Weniger Menschen bedeuten aber noch nicht weniger Haushalte, da immer mehr Menschen allein leben werden. Eine Flucht in die Stadt wird nicht erwartet. Vielmehr verfestige sich der seit 50 Jahren beobachtete Trend, dass die Menschen auch im Alter in ihren Wohnungen bleiben. Feststellbar sei das Entstehen von regelrechten „Familienvierteln”. Die wenigen in der Stadt verbliebenen „meist bildungshungrigen Familien rotten sich zusammen”. Auf Grund der Familiendichte könnten auch die spezifischen Bedürfnisse, (z.B. Kinderbetreuungsangebote) besser erfüllt werden.

Verschärfen wird sich die „Tradition knappen Baulands” im süddeutschen Raum, wenngleich es nicht zu einer Wohnungsnot kommen werde. Absehbar sei jedoch, dass sich Einfamilienhäuser hier auch Besserverdiende kaum leisten können werden, allenfalls Topverdiener. Das läge auch daran, dass sich die Politik bewusst restriktiv verhalte.
Die Nachfrage nach Einfamilienhäusern wird steigen. Bis 2040 sollen 2,9 Millionen hinzukommen, auch wenn in den wenigsten überhaupt noch Familien wohnen werden. Die Eltern bleiben in ihren Häusern auch nach Auszug der Kinder wohnen. Die Kindergeneration baut sich eigene Häuser.

Die Baubranche werde einen fundamentalen Wandel erfahren. Die „Neubau-Industrie” von der Planung bis zur Finanzierung verliere an Bedeutung, weil der Zuwachs hier äußerst moderat ausfalle. Dagegen werde die Bedeutung von Umbauten zunehmen.

Soweit die Studien. Jede Prognose ist nur so gut wie ihre Annahmen. Objektives Kriterium ist wohl die demografische Entwicklung. Wie die Menschen jedoch damit umgehen werden, steht noch überhaupt nicht fest. Ob der Trend zu mehr Wohnraum pro Person weiterhin anhält, kann bezweifelt werden, schon allein wegen der Bewirtschaftungskosten. Ferner stellt sich die Frage, ob der Wohlstand der Gesellschaft überhaupt der gleiche sein wird, wie in den vergangenen Jahrzehnten. Schließlich werden sich neue intelligente Umgangsformen im Hinblick auf die Energieproblematik, gesellschaftlichen Wandel und Wohnformen entwickeln, die heute noch gar nicht berücksichtigt werden.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Sie suchen nach der optimalen Immobilienfinanzierung oder einer Immobilie als Kapitalanlage?

Lebensversicherung und ETFs

Eigentlich müssten sich die Lebensversicherungsgesellschaften ein Wettrennen liefern, wer als erstes das beste Produkt auf den Markt wirft, bei dem im Mantel einer privaten Rentenversicherung das Deckungskapital über börsennotierte Indexfonds (sog. ETFs) aufgebaut wird. Doch obgleich die ETFs – was die Kapitalzuflüsse anbetrifft – als die erfolgreichsten Anlageprodukte der letzten Jahre gelten können, herrscht weitgehend Schweigen zu diesem Thema: keine großangelegten Werbekampagnen, kaum brauchbare Informationen im Internet, auch liest man nichts in einschlägigen Fachzeitschriften.

Was sind ETFs?

Bei ETFs handelt es sich um einen Hybrid zwischen Investmentfonds und Aktien. Die Fonds sind so konstruiert, dass die in ihnen enthaltenen Aktien (nach Diversifikation und Gewichtung) exakt einen Börsen-Index abbilden (DAX, S&P 500, Dow Jones, E-Stoxx 50, Nasdac 100, MSCI World u.v.a.m.). Inzwischen werden hunderte Indices in ETF-Produkten angeboten, so dass sich damit beinahe die gesamte Aktienwelt rund um den Globus abbilden lässt.

Vorteile von ETFs

ETFs haben Vorteile: sie haben erheblich geringere Kosten als Investmentfonds, sie sind äußerst transparent, es besteht ein fortlaufender Börsenhandel und hohe Liquidität und sie bieten auf einfache Weise eine hohe Risikostreuung bzw. Diversifikation.  Der vermeintlich Nachteil, dass auf ein aktives Fondsmanagement verzichtet wird, relativiert sich oder kehrt sich sogar zum Vorteil, wenn man bedenkt, dass es eh nur um die 20 % der Fondsmanager schaffen, die jeweilige Benchmark, d.h. den Vergleichsindex zu schlagen. Und wenn dies eine Minderheit kann, dann selten dauerhaft. Je effizienter die Märkte sind, desto schwieriger wird es für die Fondsmanager eine Outperformance zu generieren. Schließlich stellen die ETFs wie Investmentfonds ein geschütztes Sondervermögen dar und haben deshalb im Unterschied zu Zertifikaten kein Emittentenrisiko (man denke an die Lehman-Zertifikate). Also warum für den langfristigen Kapitalaufbau nicht gleich in ein passives Investment der ETFs investieren?

ETF und Lebensversicherung: eine gute Kombination?

Sicherlich, man kann sich ETFs auch direkt ins Depot legen. Zwar bieten die Banken diese Produkte kaum von sich aus an, weil sich mit ihnen weniger verdienen lässt als mit herkömmlichen und am besten hauseigenen Investmentprodukten. Aber gerade deshalb könnte das der Versicherungsbranche zum Vorteil gereichen, wenn sie in diesem Bereich mehr Engagement zeigen würde. Der Mantel der Lebensversicherung trägt trotz aller Schmähungen zur Disziplinierung des Sparvorgangs bei – und das wird sehr häufig übersehen: die Disziplin ist beim Sparvorgang letztlich wichtiger als die Rendite. Zwar soll die durchschnittliche Lebensdauer der Lebensversicherungen aufgrund vorzeitiger Kündigungen nur bei ca. 8 Jahren liegen; doch ist das immer noch weitaus länger als bei den meisten Fondssparplänen. Zudem könnten sich im Mantel einer Rentenversicherung Vorteile aus der Ertragsanteilbesteuerung im Vergleich zur Abgeltungssteuer auf Kapitalerträge ergeben.

Handlungsbedarf

Warum also rührt sich so wenig? Die Gründe liegen wohl eher in der Trägheit bei  Vertrieb und Tradition. Noch die wenigsten Berater, ganz zu schweigen von jenen der großen (und kleinen) Finanzvertriebe haben überhaupt Ahnung, was ETFs sind. Nur eine kleine Elite beschäftigt sich damit und könnte ihre Möglichkeiten (dann auf Honorarbasis) darlegen. Die fondgebundene Lebens- bzw. Rentenversicherung hat sich im Laufe der Zeit zu einem immer umfangreichere und damit kostspieligen Produkt entwickelt, d.h. zu einer Art Vermögensverwaltung im Versicherungsmantel. Leider werden dann aber die großen Möglichkeiten nach Abschluss vom Versicherungsnehmer kaum genutzt. Eine ETF-Lebensversicherung könnte wieder den Weg zur neuen Einfachheit bestreiten. Mit nur 25 ETFs ließen sich alle Wünsche für ein breit diversifiziertes Depot abbilden. Einmal festgelegt sollte es 20-30 Jahre ohne große Änderungen bespart werden. Wahrscheinlich wäre der Ertrag mit erheblich weniger Aufwand und Kosten mindestens genauso gut wie bei einer klassischen fondgebundenen Lebensversicherungen mit Investmentfonds. Jedenfalls sollte man es dem Verbraucher anbieten.

Hoffnung machen einzelne Versicherungen (von einer weiß ich), die schon mal einen ETF-Dachfonds in ihren Fondspolicen mit anbieten; und gerade dieser ETF-Dachfonds hat bewiesen, was er selbst in Zeiten der Finanzkrise im Unterscheid zu den meisten Investmentfonds zu leisten vermag. Es kann also nicht mehr lange Dauern und die Versicherungsbranche wird ETF-Policen konzipieren. Es braucht dann aber eben auch die Leute, die diese Produkte den potentiellen Kunden erläutern können.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Sie suchen nach der passenden Rentenversicherung für sich?