Aus den Erinnerungen von Felix Somary

Somary_1Felix Somary war mehr als ein Schweizer Privatbankier. Er war ein gesuchter politischer Seismograph, galt ob seiner scharfen sich bewahrheitenden politischen Prognosen als „Rabe von Zürich“. Er wirkte als internationale Ratgeber in Währungsfragen und Finanzdiplomat in schwierigen Zeiten. Kennzeichen ist seine Allergie wider den Zeitgeist, seine Eigenständigkeit und geistige Unabhängigkeit. Das macht seine Erinnerung zum Kontrastmittel für all jene politischen und volkswirtschaftlichen Moden, die (nicht nur) in dem von ihm behandelten Zeitraum (1899-1955) viel Leid und Opfer hervorgebracht haben. Aber auch heute stimmen manche seiner Sätze nachdenklich. Deshalb möchte ich mir erlauben, einige Auszüge aus seiner Autobiographie hier zu zitieren.
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Das Gerede vom “Primat des Politischen”

It´s the Economy, stupit war 1992 das legendäre Wahlkampfmotto eines Bill Clinton; und von Walter Rathenau wird der Ausruf überliefert: Die Wirtschaft ist unser Schicksal. Und ich erinnere mich noch an das Lamento nicht weniger Intellektueller und Professoren in Berliner Vorkrisenzeiten, dass das „Primat des Politischen“ von der Wirtschaft wieder zurückgewonnen werden müsse.

Wenn man den Satz wie der berühmte General von Clausewitz in Relation zum Militärischen setzt, muss man ihn bejahen, beruht dieser Bereich von vorne herein auf Kommando und Gehorsam. Und weil man sich als freiheitsliebender Mensch keine Militärdiktatur wünschen kann, sollte man dafür sorgen, dass die Politik resp. das Parlament hier das letzte Wort behält.

Setzt man den Satz allerdings ins Verhältnis zum Ökonomischen, muss man das ablehnen, es sei denn, man wünscht sich eine Wirtschaftsdiktatur, die ebenfalls auf Kommando und Gehorsam beruht, also eine Planwirtschaft.

Deshalb hat der weitsichtige und damals gegen den intellektuellen Trend totalitärer Ideologien anschreibende Friedrich von Hayek in seinem „Der Weg zur Knechtschaft“ 1944 davor gewarnt:

Der Gegensatz zwischen einem liberalen System und einer totalen Planwirtschaft findet eine treffende Illustration in den Nationalsozialisten und den Sozialisten gemeinsamen Klage über die ‚künstliche Trennung von Wirtschaft und Politik‘ und in der ihnen ebenfalls gemeinsamen Forderung nach dem Primat der Politik über die Wirtschaft.

Nun, nachdem so manche Krise durch Kurzarbeiterregelung, enorme Subventionen, Bankenrettung usw. vermeintlich gelöst wurde, erkennt man das selbstzufriedene Grinsen einer politischen Klasse, die mit stolz geschwellter Brust jubelt: wir, die Politiker haben jetzt mal der Wirtschaft gezeigt, auf wen es letztlich doch im „Ausnahmezustand“ ankommt.

Die Frage ist: Wer wird uns retten, wenn die Staaten kollabieren? Wir haben aktuelle keine Krise des Neoliberalismus (übrigens einer der größten, aufgebauschten Pappkameraden der politischen Semantik seit ungefähr 20 Jahren); wir haben eine „STAATS-Schulden-Krise“, also eine Krise des Spät-Etatismus.

Und nun finde ich beim stets anregenden Sloterdijk Worte, die meinen Eindruck bestätigen:

Was die Rückkehr zum Primat der Politik und des Politischen bedeutet: Hochkonjunktur für Einseitigkeit, Wahnurteil, Wichtigtuerei, Alles-oder-Nichts-Entscheidung. Man wird sich bald nach der entspannten Zeit der Marktideologie und der Neutralitätsillusion zurücksehnen. Die Hetzer nehmen wieder ihre Plätze ein, die Bombenwerfer arbeiten noch im Keller. Die Kritischen von gestern sind zu geschwächt, um Wirksamen dagegen aufbieten zu können.

Ist das so? Wir müssen jedenfalls nicht nur auf Radikalen achten, sondern auch auf jene politischen Wendehälse, die gestern noch von der Derivatelobby bezahlt wurden und Bankvorständen in den Hintern krochen, sich heute aber als politische Retter gebärden. So oder so kann man Millionen verdienen. Positionseliten zeichnen sich wohl auch dadurch aus, dass man eben erst einmal eine gewisse Position erreicht haben muss, dann kommt die entsprechende Gesinnung und das entsprechende Konto von ganz alleine. Ob uns damit geholfen ist?

Guido Kirner

 

Sinnlose Meetings

In einem Wirtschaftsbuch lese ich folgende Passage:

“Je mehr Produktionsmittel einer einzigen Entscheidungsmacht unterliegen, desto schwieriger wird die Kalkulation. Knappe Ressourcen werden dann verschwendet, so beispielsweise in sinnlosen “Meetings” die Zeit der Mitarbeiter, eben weil sie keinen Preis trägt. Das ist einer der Gründe, warum den sogenannten positiven Skaleneffekten auch negative gegenüberstehen. Skaleneffekte nennen Ökonomen sinkende oder steigende Grenzkosten in Abhängigkeit von der Betriebsgröße. Die Konzentration ist daher kein notwendiger Weg zu größerem Wohlstand, denn irgendwann überwiegen die Nachteile die Vorzüge. Aufgrund des Kalkulationsproblems und des Koordinationsaufwands sind größere Betriebe kleineren nicht immer überlegen.”

Kommentar: Es mag sinnvolle, sogar unverzichtbare Versammlungen und Diskussionsrunden von Mitarbeitern geben. Die Merhzahl ist jedoch Zeitverschwendung. Der tiefere Grund von sog. Meetings ist eher soziologischer als ökonomischer Natur. Meetings stellen nicht selten reine Selbstbeweihräucherungsrituale von Führungskräften dar. Ferner dienen sie dazu, ungewollte Entscheidungen aufzuschieben bzw. zu verhindern nach dem Motto: “wenn du etwas nicht willst, gründe dazu eine Expertengruppe.” Ganz wichtig erscheint mir auch die Funktion, Verantwortung abwälzen zu können (diese Funktion haben auch Unternehmensberatungen). Der ökonomische Hintergrund ist dessen ungeachtet wichtig, weil sinnlose Meetings um so wahrscheinlicher werden, je weniger die dabei verschwendete Zeit als Kostenfaktor bewußt ist. Das ist um so mehr der Fall, je größer und/oder bürokratischer eine Institution bzw. Unternehmung ist.

Dr. Guido Kirner, Finanzberater & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Ökonomie-Nobelpreisträger als Fehlallokation

Der Kommentar einer Zeitung überliefert folgende Anekdote. Beim Lindauer Treffen der Ökonomie-Nobelpreisträger gibt es auch eine Fragestunde für Studenten. Eine Studentin stellte kurz vor dem Zusammenbruch von Lehman-Brothers die Frage, ob es in den westlichen Volkswirtschaften nicht eine „Fehlallokation von Talenten“ gebe. Zu viele kluge Köpfe gingen in die Finanzbranche, die mit hohen Gehältern und Boni lockt; dafür blieben zu wenig Talente für die Realwirtschaft.

Der Kanadische Nobelpreisträger Myron Scholes antwortete selbstbewusst grinsend: „Ich betrachte mich als einen der schlauesten Menschen, die es gibt, und es hat sich als hervorragende Entscheidung herausgestellt, dass sich in die Finanzbranche gegangen bin.“

Das Selbstbewusstsein des Nobelpreisträgers ist bemerkenswert. Zwar ist er der Erfinder der Optionspreisformel, aber er war eben auch einer der Mitbegründer des Hedgefonds LTCM. Dieser Hedgefonds wurde von einigen der klügsten und intelligentesten Köpfe der Investmentbranche nach vermeintlich wissenschaftlichen Methoden und Formeln verwaltet und erwirtschaftete zunächst enorme Gewinne. 1998 brach der Fond mit seinen hochriskanten Anlagen von mehr als 100 Milliarden Dollar fast zusammen und hätte beinahe das gesamte Finanzsystem mit sich in den Abgrund gerissen.

Es war einer umstrittenen Rettungsaktion der amerikanischen Notenbank zu verdanken, dass es nicht bereits damals zu einer Weltfinanzkrise kam, wie 2008 nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank. Gehalten hat sich seitdem das Motto „to big to fail“ für systemrelevante Akteure. Die Folge kann man auch als ungerechtfertigte indirekte Subvention des Finanzsektors betrachten: Großbanken und Versicherungen erhalten eine Art Staatsgarantie, können dadurch günstigere Konditionen bei Zinsen erhalten.

Das hat aber auch eine negative Kehrseite: Die Folgen sind die Neigung, höhere Risiken einzugehen, kurzfristige statt nachhaltige bzw. Scheingewinne zu erwirtschaften, sich vom industriellen Produktionssektor zu entkoppeln sowie eine fehlendes Verantwortungsbewusstsein für die verursachten Investitionsblasen und Finanzkrisen.

Die selbstgefällige Arroganz von nicht wenigen Bankern, Hedgefonds-Managern & Co. zeigt, dass es sich hier wohl nicht nur um eine Fehlallokation von Intelligenz, sondern auch von Charakter und Verantwortungsbewusstsein handelt.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB.

Glauben sie den Zukunftsprognosen der Experten?

„Das Telefon hat … zu viele Mängel für ein Kommunikationsmittel. Das Gerät hat von Natur aus keinen Wert für uns.“ Internes Papier der Telegrafengesellschaft Western Union 1876

„In den nächsten Jahren wird kein Mensch fliegen.“ Wilbur Wright, Flugpionier, 1901

„Es gibt einen weltweiten Bedarf von vielleicht 5 Computern.“ Thomas Watson, IBM-Chef 1943

Wer seid Ihr? Die Beatles? Wir mögen den Sound nicht, und Gitarrenmusik ist sowieso am aussterben!“ Dirk Rowe, Manager der Plattenfirma Decca 1962.

„Man sollte die neue Generation in Deutschland nicht über die Chancen der Wiedervereinigung belügen. Es gibt sie nicht.“ Gerhard Schröder im Juni 1989

Bilden Sie lieber ihre eigene Meinung und erarbeiten zusammen mit einem Experten das Konzept,

welches Sie auf unterschiedlichste Situationen vorbereitet:

Finanzplanung ist Zukunftsplanung!

Dr. Guido Kirner