Neuerungen in der Kranken- und Lebensversicherung 2016

Lebensversicherung

Ab 01. Januar 2016 erhöhen sich die Sonderausgaben, die in der Steuererklärung als Beiträge in die Rürup-Rente vom zu versteuernden Einkommen abgezogen werden können.
Diese erhöhen sich auf zukünftig 82 % statt der in 2015 möglichen 80 %.

Ebenfalls ändert sich der mögliche Höchstbetrag. Dieser wird von bislang 22.172 EUR für Alleinstehende und 44.3744 EUR für Verheiratete auf 22.766 EUR bzw. 45.532 EUR angehoben.

Personen, die in 2016 in Rente gehen, müssen zukünftig 72 % statt der in 2015 geltenden 70 % versteuern. Dieser Besteuerungssatz ist einmalig bezogen auf das Renteneintrittsalter festgelegt und wird in den Folgejahren für die Personen, die bereits Rente beziehen, nicht weiter erhöht.

Steuerfreie Höchstbeiträge für Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds (§ 3 Nr. 63 EStG)

4 % der RV-BBG (West) 74.400 € sind 2.976 € p. a. = 248 € monatlich, zuzüglich 1.800 €* p. a.

*für Neuzusagen ab 2005 und sofern keine Nutzung §40b EStG

Mindestentgeltumwandlung (§ 1a Abs. 1 BetrAVG): 1/160 der Bezugsgröße sind 217,88 p. a. = 18,16 € monatlich

Höchstgrenze des Übertagungswerts (§ 4 Abs. 3 BetrAVG): RV-BBG (West) in Höhe von 74.400 €

Abfindungsgrenzen (§ 3 Abs. 2 BetrAVG): Für Renten 1% der Bezugsgröße sind 29,05 € monatlich (West) und 25,20 € monatlich (Ost); für Kapital 12/10 der Bezugsgröße sind 3.486 € (West) und 3.024 € (Ost)

Krankenversicherung

JAEG (Allgemeine Jahresarbeitsentgelt-Grenze): Die neue Versicherungspflichtgrenze beträgt 56.250 EUR

BBMG (Beitragsbemessungsgrenze Kranken- und Pflegeversicherung): Im kommenden Jahr beläuft sich das als Bemessungsgrenze festgelegte Arbeitsentgelt auf 50.850 EUR

kirnerfinanz

Die Macht der Ratingagenturen – Ein Buch von Ulrich Horstmann

978-3-89879-793-1Im Wirtschaftsteil von Tageszeitungen finden sich Überschriften wie „Moody’s bewertet slowenische Anleihen als Ramsch“, „S&P-Hochstufung macht Philippinen attraktiver“ oder: „Fitch stuft Italiens Bonität herab“. Wer sind diese Institutionen, die sich erlauben, ganze Staaten zu beurteilen? Welche Macht und welchen Einfluss haben sie auf Politik und Wirtschaft? Wie arbeiten diese Firmen und weshalb dürfen sie ihre Arbeit einfach fortsetzen, obwohl Sie z.B. im Bereich der Bewertungen von Immobilienverbriefungen im Vorfeld der Finanzkrise nachweislich versagt haben?

Ratingagenturen haben ihre Aufgabe darin, Risiken – und das bedeutet zumeist die Ausfallwahrscheinlichkeit von Anleihen – für Anleger transparenter zu machen, indem sie Bonitätsnoten für Schuldner vergeben. Gute Bonitätsnoten bedeuten deshalb geringere, schlechte höhere Kapitalbeschaffungskosten (Zinsen) bzw. Eigenkapitalhinterlegung.

Folglich erfüllen Sie eine wichtige Aufgabe. Doch erfüllen sie Ihre Aufgaben gut? Worauf vertraut der Investor, wenn er die Bonitätsnoten der Ratingagenturen berücksichtigt? Ulrich Hortsmanns jüngstes Buch widmet sich diesem wichtigen Thema.

Sein Ergebnis ist ernüchternd: Ratingagenturen unterliegen politischen Zwängen, sie arbeiten nicht unabhängig und mit zweifelhaften Methoden unter permanenten Zeitdruck. Es handelt sich um ein Oligopol von nur drei maßgeblichen Agenturen, die ihre Stellung durchaus ausnutzen und ihren Auftraggebern, Eigentümern und Kunden sowie kommerziellen Interessen in einer Weise verpflichtet sind, dass sie kaum als neutrale Bewertungsinstanzen gelten können.

Ein historischer Wendepunkt war sicherlich 1930, als die US-Wertpapieraufsicht (SEC) empfahl, das US-Banken und Versicherungen lediglich Papiere mit Bestnoten der Ratingagenturen in ihre Portfolios nehmen sollten. Darüber hinaus veränderte sich das Geschäftsmodell abermals in den 70er Jahren mit Auflösung des Goldstandards. Die kreditfinanzierte Staatstätigkeit nahm zu, Zinsen und Wechselkurse wurden volatiler. Bald waren es nicht mehr die Nutzer, zumeist Investoren, die für die Daten und Bewertungen der Ratingagenturen zahlten, sondern die bewerteten Gesellschaften bzw. Herausgeber der Wertpapiere. Mit der Umstellung der Kundenbeziehung nahm der Preisdruck ab und der „ruinöse Wettbewerb wurde durch die kollektive Veränderung des Bezahlmodus verhindert.“

Das Ratinggeschäft wurde zum florierenden Beratungsgeschäft. 1975 erhielten die drei führenden Ratinginstitute – S&P, Moody’s und Fitch – in den USA den Status als National Recognized Statistical Rating Organization (NRSRO-Status). Damit bekamen die Bewertungen der Ratingfirmen offiziellen Charakter, ihre Markt- und Machtstellung war zementiert. Mit der Globalisierung des Finanzmärkte nach angelsächsischem Vorbild seit den 80er Jahren wuchs ihre Bedeutung noch für das internationale System.

Das „Zusammenspiel ihrer Aktivitäten und die dadurch faktisch bestehende geballte Macht, über Zinssätze und Preise diversester Anlageformen in der Volkswirtschaft mitzubestimmen – flankiert durch einen Regierungsschutz und die einträgliche Einkunftsquelle Beratung zur optimalen Strukturierung der Schulden für zahlende Emittenten -, macht sie schließlich zu den Spielmachern des modernen Finanzkapitalismus.“ (S. 64)

Nicht nur deshalb ist die Frage wichtig, wem die Ratingagenturen eigentlich gehören. Alles in allem zeigt sich (siehe die Übersicht S. 65), sie sind „Bestandteil des Netzwerks von großen, international tätigen US-Finanzanlegern, zum Teil Hedgefonds“ (Capital Group, Blackrock, Vanguard, State Street, T. Rowe Price u.a. besitzen jeweils nicht unerhebliche Kapitalanteile an S&P und Moody’s). Neben dem Bezahlmodell und der oligopolistischen Stellung sowie dem gleichsam unangreifbaren Lizenzwert der Bonitätsnoten spricht auch die Eigentümerstruktur nicht für neutrale Unabhängigkeit der Ratingagenturen.

Auch ihre Prognosefähigkeit ist begrenzt. Ihre Bewertungsmodelle und Methoden sind angreifbar. In vielen Fällen war ihre Leistung unrühmlich: beim New-Economy-Hype, beim Enron-Skandal, bei der Derivate-Expansion, der Politik des billigen Geldes durch die Notenbanken und fraglichen Methoden bei Finanzierungen und Firmenübernahmen.

Dessen ungeachtet besitzen sie eine gleichsam staatlich sanktionierte Stellung im Finanzsystem. Großinvestoren wie Investmentfonds, Banken und Versicherungen müssen die Ratings berücksichtigen. So haben die Ratingagenturen auf der einen Seite eine unabkömmliche Rolle im Finanzsystem, müssen aber andererseits für Fehlurteile nicht haften, da die Ergebnisse ihrer Analysen als bloße Meinungsäußerungen gelten (möglicherweise kommt es hier in der Rechtsprechung hier aber zu einer Trendumkehr bei den Klagemöglichkeiten).

Hat man all die gut und übersichtlich aufbereiteten Informationen von Horstmanns Buch gelesen, muss die Frage aufgeworfen werden: Wieso gibt es sie eigentlich noch? Wieso hat sich ob der bekannten negativen Fakten so wenig verändert? Alles auf Lobbyismus zu schieben, kann wenig überzeugen. Erfüllen sie womöglich eher schlecht als recht eine unverzichtbare Funktion, die noch nichts Besseres ersetzen kann? Sind sie in die Finanzstrukturen so stark eingewebt, dass man sie unmöglich daraus einfach entfernen kann? Und in welchem Verhältnis stehen all die spektakulären Fehlfunktionen, die Horstmann anführt, zum Alltagsgeschäft von Bonitätsurteilen, die vielleicht durchaus brauchbar sind? Wäre die Welt der Finanzmärkte ohne Ratingagenturen besser? Eine Menge Fragen bleiben offen, um zu einem abschließenden Urteil zu kommen.

Wenn Finanzinstitutionen eine fast unabkömmliche und oligopolistische Stellung bekommen haben, dann haben die Bonitätsurteile einen gutachterlichen Charakter, wofür die herausgebenden Unternehmen haften müssen. Auch muss wieder ein echter Wettbewerb um die besten Bewertungsmodelle entstehen. Dafür sollten die Nutzer und nicht die Auftraggeber zahlen, d.h. der Bezahlmodus muss wieder umgekehrt werden, wie es vor den 70ern einmal war. Andernfalls leidet die Glaubwürdigkeit und es kommt unvermeidbar zu schädlichen Interessenskonflikten.

Der Zwang, Bonitätsnoten von bestimmten Ratingagenturen verpflichtend zu berücksichtigen, sollte aufgebrochen werden, zumal die Bewertungsmodelle einem Bild von Wirtschaft unterliegen, das womöglich veraltet ist und in gravierenden Fällen versagt hat. Die Unabhängigkeit von Ratingagenturen ist womöglich einfacher gefordert als praktisch umgesetzt. Womöglich ist es genau diese Ratlosigkeit, welche ihnen ihre enorme Macht verleiht.

Horstmanns Buch wagt sich auf ein bedeutsames Thema bei der Analyse globaler Finanzstrukturen vor. Es ist ein wichtiger Schritt auf einem viel zu selten behandelten Thema. Es verdeutlicht eindringlich: auch hier besteht Handlungsbedarf zur institutionellen Veränderung des internationalen Finanzsystems.

Ulrich Horstmann: Die geheime Macht der Ratingagenturen. Die Spielmacher des Weltfinanzsystems. 304 Seiten, Hardcover. 19,99 €, ISBN 978-3-89879-793-1, FinanzBuch Verlag, München 2013.

FPA: „Was sind die Haupttreiber ihres Ratingmodells?“
Fitch: „FICO Scores und Hauspreisteigerungen im unteren und mittleren einstelligen Bereich jährlich, wie dies in den letzten 50 Jahren der Fall war.“
FPA: „Was passiert, wenn die Hauspreise für eine längere Phase unverändert bleiben?“
Fitch: „Unser Modell würde anfangen, zusammenzubrechen.“
FPA: „Was passiert, wenn die Hauspreise um ein bis zwei Prozent jährlich für längere Zeit fallen?“
Fitch: „Unser Modell würde komplett zusammenbrechen.“
FPA: „Mit einer zweiprozentigen Wertminderung, inwieweit würde es der Rating-Skala schaden?“
Fitch: „Es könnte so hoch sein wie die AA- oder AAA-Tranchen.“
(Gem. einer Befragung von Robert Rodrigez, CFO der Investmentgesellschaft First Pacific Advisors an die Ratingagentur Fitch, deren Ratingmodell nur auf steigenden Immobilienpreise basierte; im Buch S. 174)

Dr. Guido Kirner (Polling/Weilheim)

Marktspiegel für Immobilienpreise in Oberbayern

Die Preise für Immobilien sind in Oberbayern erneut gestiegen. Weiterhin trifft eine kontinuierliche Nachfrage auf wenig Angebot. In den Ballungszentren ist der Markt fast leergefegt. Niedrige Zinsen erleichtern die Finanzierung und befeuern die Nachfrage.

Der Marktspiegel für Bayern der Sparkassen Immobilien Vermittlungs-GmbH & Co 2013 (siehe auch Münchner Merkur vom 9. April 2013, S. 6) liefert einen Überblick zu den aktuellen Immobilienpreisen für gebrauchte und neue Reihenhäuser/Doppelhaushälften bzw. Eigentumswohnungen.

Mit Abstand zu den teuersten Regionen gehört wenig überraschend München Stadt gefolgt von München Land. In mittleren Lagen zahlt man im Stadtgebiet 478-665.000 Euro für eine gebrauchte Doppelhaushälfte (neu bis 775.000 €, in Topplagen bis knapp über 1 Million Euro); für eine neue Eigentumswohnung müssen hier inzwischen 3.650-4.650 Euro/qm gezahlt werden (für gebrauchte etwa 1000 € weniger). In Topplagen der Stadt München steigt der Quadratmeterpreis für ETW auf bis zu 6.650 Euro.

Gefolgt wird die Münchner Region von zwei Seengebieten: einmal das Tegernseer Tal (Kreis Miesbach) und Starnberg, wobei die Region Gauting mit Starnberg fast gleichauf ist. Gebrauchte Doppelhaushälften in mittleren Lagen kosten 550.000 Euro, neue in Spitzenlagen 700-800.000 Euro. Die Quadratmeterpreise sind hier je nach Alter und Lage breit gefächert. Bei gebrauchten Eigentumswohnung zahlt man zwischen 1.800 in einfacher Lage bis hin zu 5.000 Euro in bevorzugten Lagen.

Danach folgen bei den Immobilienpreisen schon Weilheim und Murnau.

Raum Weilheim (Kreis Weilheim-Schongau)

Lage

Gebrauchtwohnungsmarkt

Neubaumarkt

DHH/Reihenhaus 3-Zi-Whg. €/qm DDH/Reihenhaus 3-Zi-Whg. €/qm
einfach 280-350.000 1.500-1.800 300-375.000 2.500-2.800
mittel 350-400.000 1.800-2.200 400-450.000 2.600-3.000
bevorzugt 450-600.000 2.400-2800 450-520.000 3.000-3.300

 

Raum Murnau (Kreis Garmisch-Partenkirchen)

Lage

Gebrauchtwohnungsmarkt

Neubaumarkt

DHH/Reihenhaus 3-Zi-Whg. €/qm DDH/Reihenhaus 3-Zi-Whg. €/qm
einfach 220-320.000 1.200-1.900 320-370.000 2.700-3.100
mittel 280-375.000 2.000-2.600 350-490.000 2.900-3.300
bevorzugt 320-525.000 2.500-3.400 450-600.000 3.200-4.300

 

Hierbei ist zu beachten, dass mit den Preisangaben hier tatsächlich nur der nähere Stadtraum gemeint ist, zumal im Kreisgebiet selbst ein beachtliches Preisgefälle herrscht.Am größten ist die Preisspanne je nach Lage in Garmisch (180.000-800.000 Euro für eine gebrauchtes RH/DHH). Im Bereich Schongau sind die Immobilienpreise sichtlich günstiger: 100-200.000 Euro bei RH bzw. DDH, 500-1.200 Euro/qm bei Eigentumswohnungen.

Dr. Guido Kirner (Weilheim / Polling)

Preisentwicklung der Immobilien in Oberbayern – Inflation bei Vermögenswerten

Die Nachrichten über sich verteuernden Baugrund und Immobilien in Oberbayern und insbesondere München reißen nicht ab. Nun berichtet das Marktforschungsinstitut des Maklerverbandes IVD über die Preisentwicklung. Allein zwischen Frühjahr und Herbst diesen Jahres 2012 gibt es Preissteigerungen über 3 bis 6 Prozent. Alles Weitere zeigt die folgende Tabelle (Quelle IVD):

Oberbayern München
Baugrund Einfamilienhaus + 3,2 % + 14,8 %
Baugrund Geschossbau + 6,9 % + 4,2 %
Einfamilienhaus freistehend + 3,9 % + 4,7 %
Reihenmittelhaus – Bestand + 5,7 % + 2,5 %
Reihenmittelhaus – Neubau + 4,4 % + 3,2 %
Doppelhaushälfte – Bestand + 6,1 % + 2,7 %
Doppelhaushälfte – Neubau + 5,2 % + 2,4 %
Eigentumswhg. – Bestand + 4,0 % + 5,6 %
Eigentumswhg. – Neubau + 3,1 % + 4,2 %

Angesichts der anhaltenden Preisentwicklung wird immer wieder die Frage aufgeworfen, ob es sich um eine Immobilienblase handele. Dies wird von Experten in der Regel verneint, zumal die Situation mit jener in den USA oder Spanien kaum vergleichbar ist. Die Nachfrage ist echt und das Angebot knapp. Weder gibt es ein Überangebot an Immobilien durch einen angeheizten Bauboom, noch wird die Nachfrage durch fragwürdige Kreditvergabepraktiken geschürt. Sicherlich hängt das zunehmende Kaufinteresse nicht nur von Familien von Privatnutzern wie Kapitalanlegern mit der Finanzkrise und einer Flucht in Sachwerte mangels Ideen für alternative Anlagemöglichkeiten zusammen. Aber von einer Blasenbildung kann hier wohl noch nicht gesprochen werden.

Meine Interpretation ist die, dass es sich hier um eine klassische Vermögenspreisinflation handelt, angetrieben durch billiges Geld, d.h. mit niedrigen Zinssätzen und Furcht vor einem Finanzcrash aufgrund der Überschuldungskrise.

Dr. Guido Kirner (Polling)