Gib zwei Prozent, nimm mehr – ein Kombinationsprodukt aus Sparbrief und Investmentfonds der Sparkasse

Meine Regionalzeitung hatte heute Morgen eine Beilage, eine Produktwerbung der Vereinigten Sparkassen. Wie ein Gütesiegel gehalten findet sich die Aufschrift: Das aktuelle Angebot. Fair. Menschlich. Nah. So präsentiert sich die Sparkasse um die Ecke, spätestens seit man das Image der großen Geschäftsbanken nicht mehr so gerne teilen möchte.

Mit dem beworbenen Produkt kommt man mit doppelter Kraft leichter ans Ziel. Es handelt sich nämlich um eine Kombination aus einem Sparkassenbrief und einem Investmentfonds, in denen jeweils die Hälfte des Anlagebetrages angelegt werden  soll.

Selbstverständlich findet sich irgendwo ein Sternchen, das auf Kleingedrucktes verweist, dass die Information (also das Werbeblatt) keine Beratungsgespräch ersetzen kann usw. Ich möchte dessen ungeachtet einige Überlegungen zu diesem Produkt anstellen.

Was verspricht also nun die doppelte Kraft und welches Ziel wird angestrebt?

Baustein I: Der Sparbrief

Der erste Baustein ist also ein Sparbrief. Hier muss man mindestens 2.500 Euro anlegen, die Laufzeit beträgt 11 Monate, es entstehen keine Kosten und es gibt eine attraktive Verzinsung von 2 % p.a.

Zwei Prozent Zins sind gar nicht schlecht, wenngleich ich aktuell gut und gerne auf das Tagesgeld anderer Banken 25 Prozent mehr Zins bekommen kann, also um die 2,5 Prozent. Also schon bei dieser Komponente ist nicht unbedingt ein großer Vorteil zu erkennen. Was meine Stirnrunzeln vergrößert ist die Frage: Wieso beträgt die Laufzeit 11 Monate, das Produkt wird aber  jährlich, also auf 12 Monate verzinst. Wie viel Zins bekomme ich also, wenn ich nach 11 Monaten aussteige, oder nach 17 Monaten? Welche Zinsgarantie habe bei sechs Jahren? Dies würde ich unbedingt den Bankberater fragen.

Zwischenfazit: Gibt es einen Zinsvorteil im Wettbewerb? Kaum. Gibt es einen Flexibilitätsvorteil im Hinblick auf die tägliche Verfügbarkeit im Vergleich z.B. zum Tagesgeldkonto? Nein (im Gegenteil, es gibt eine Laufzeit). Gibt es ein vermindertes Risiko im Vergleich zu anderen Produkten, die 2 Prozent abwerfen? Nein.

Baustein II: der Investmentfonds

Betrachten wir nun den zweiten Baustein: den Investmentfonds, in welchem die andere Hälfte des Geldes angelegt wird. Hier hat man die Auswahl zwischen drei Varianten eines Dachfonds. Dachfonds bedeutet, es wird in andere, sog. Zielfonds investiert, zumeist hauseigene Fonds der Deka, vielleicht noch zusätzliche etwaiger Kooperationspartner; jedenfalls wird hier nicht unabhängig in die aufgrund bestimmter Kriterien für am Besten befundenen Fonds am Markt investiert.

Wir schauen uns einmal die mittlere Variante A40 genauer an. In der Fahrrad-Metaphorik der Werbebotschaft kommt man mit „etwas mehr Druck auf den Pedalen in Richtung Ziel“. Was ist mit Ziel also gemeint? Auch hier findest sich ein Sternchen mit dem Kleingedruckten: „Bei den definierten Zielen handelt es sich um angestrebte Werte. Keine Garantie“. Ich erfahre also nur, dass ich keine Garantien habe. Was bedeutet das?

Ich brenne nun vor Neugier: Was sind die „definierten Ziele“? Wenn ich das Blatt wende, erfahre ich immerhin, es geht um eine Mindesthaltedauer mit dem Ziel des Kapitalerhalts mittels einer Höchststandssteuerung. Alles klar? Fangen wir von hinten an. Höchststandsteuerung meint, dass ein bestimmter Aktienanteil – in unserem Fall von 40 %, nicht überschritten werden darf. Klar, indem ich den risikobehafteteren Anteil gering halte, vermeide ich Verluste; die Kehrseite ist: ich vermeide auch mögliche Gewinne. Wie haftbar ist jedoch die versprochene Sicherheit. Es handelt sich wohl um kein echtes Garantiefondskonzept, sondern – wie erwähnt – eben nur um ein angestrebtes Ziel. Was fange ich aber mit einer solchen Aussage an?

Wenn ein gewisses Risiko mittels eines zu hohen Aktienanteils vermieden werden soll, dann möchte ich freilich wissen, was sind denn dann die absichernden Anteile? Auf der Webseite zum Fonds erfahre ich zur Struktur:

–          nur 17 % fließen in Aktienfonds

–          20 % in Rentenspezialthemen

–          36 % in Bundesanleihen

–          27 % in Geldmarktfonds

Ich möchte mir hier Details ersparen, weil mir eines sofort klar wird: 83 % des Anlagebetrages fließen in Anlagenklassen, mit welchen ich aktuell schwerlich mehr als 2 % Gewinn erziele, etwa im Vergleich zum ersten Baustein. Nimmt man beide Bausteine zusammen, so fließen von z.B. 100 Euro nur 8,50 Euro in Aktienfonds. Da stellt sich doch die Frage: wozu der ganze Aufwand?

Die Kosten

Wir haben aber noch gar nicht die Kosten des Fonds berücksichtigt – und da kommt einiges zusammen:

–          Zunächst ein einmaliger Ausgabeaufschlag von 3 %. Da ist im Marktvergleich für einen Dachfonds eher gering, es bleibt aber abzuwarten, was noch hinzukommt.

–          Und dann kommt es: wo der Ausgabepreis eher gering ist, da nimmt man an anderer Stelle, z.B. bei einer erfolgsbezogenen Vergütung. Klingt fair, ist aber völlig undurchsichtig und bedeutet, wenn die Fondsgesellschaft einen Gewinn für mich erzielt, nimmt sie sich 20% der Wertentwicklung, die die variantenindividuelle Gesamt-Schwelle (EZB-Leitzins zuzüglich Hurdle-Rate in Höhe von 2%) übertrifft, jedoch maximal 2% p.a. Verstanden? Nein? Na dann lassen Sie es sich doch einfach mal ganz genau von ihrem Bankberater bei der Sparkasse erklären. Eines ist klar: macht die Deka mit diesem Fonds für mich einen Gewinn, der über eine gewisse Schwelle hinausgeht, dann nimmt sich davon zusätzlich zu den sonstigen Gebühren einen happigen Anteil als Erfolgsvergütung.

–          Hinzu kommen nämlich weitere Gebühren:

  • Eine sog. Verwaltungsvergütung von 0,6% (welche eine Vertriebsprovision enthält).
  • Dann gibt es noch eine Kostenpauschale pro Jahr 0,10 % für „Depotgebühren und sonstige Kosten und Gebühren“.
  • Schließlich fallen noch laufende Kosten von 1,29 % pro Jahr an, das sind hauptsächlich die Kosten für die Fondsverwaltung.

Das bedeutet, allein um die auf den Kunden abgewälzten laufenden Kosten hereinzuholen, muss das Fondsmanagement knapp 2 Prozent Gewinn pro Jahr erwirtschaften. Rechnet man den Ausgabeaufschlag auf eine Laufzeit von 6 Jahren, sind es schon 2,5 Prozent. Macht die Fondsgesellschaft darüber hinaus einen Gewinn, nimmt sie sich davon auch noch mal einen erheblichen Anteil. Hier stellt sich die Frage, wie der mittels eines so geringen Aktienanteils überhaupt erzielt werden kann und was dann noch für den Kunden übrig bleibt.

Hier bekommt das Wort Kapitalerhalt auf eine bestimmte Laufzeit m.E. eine ganz neue Bedeutung: Ich kann froh sein, wenn nach Abzug der Kosten überhaupt ein Gewinn übrig bleibt.

FAZIT

Wieso wird der Fonds zusammen mit einem Sparplan als ein Produkt verkauft? Meiner Meinung nach um etwas „Kostenloses“ und „Sicheres“ mit etwas Überteuertem zu verkaufen. Wahrscheinlich wird das Produkt nach Kosten kaum mehr einbringen als Tagesgeld oder ein beliebiger Rentenfonds, dafür bringt es der Bank bzw. Fondsgesellschaft einträgliche Gebühren. Ferner kann man in Zielfonds der eigenen Bank investieren (Die Bank verdient an dieser Stelle wieder etwas), die aber deshalb nicht nicht zur Peergroup der besten 10 Prozent ihrer Klasse gehören müssen. Meiner Meinung nach handelt es sich für den Kunden wieder einmal um eine ebenso unsinnige wie nutzlose Produktform.

Was wäre eine Alternativen? Vielleicht legen sie den Großteil z.B. 75 % auf das Tagesgeldkonto (wenn sie vorerst nicht wissen, was sie die nächsten 3-5 Jahre mit dem Geld vorhaben), und zwar bei einer Bank, wo sie aktuell um die 2 % Zins p.a. bekommen. Kaufen Sie für 15 % einen Fonds oder ein ETF für Unternehmensanleihen, da man für vermeintlich sichere Staatsanleihen kaum mehr Zins bekommt, manche sprechen hier sogar inzwischen vom “zinslosen Risiko”, weil Staaten mit der Schuldenkrise nicht mehr die Schuldnerqualität von einst zugesprochen werden kann. Legen Sie die verbleibenden 10 % in einen Aktienfonds einer unabhängigen Fondsgesellschaft an, z.B. eines renommierten Vermögensverwalters. Vor allem: Vergessen Sie den Quatsch von der risikofreien und wie auch immer abgesicherten Rendite. Die gibt es einfach nicht.

Dr. Guido Kirner (KIRNER-FINANZ)

14 % Umweltrendite, absolut sicher, konservative Anlage – Achtung, retten Sie ihr Geld!*

Die Entscheidung, Geld zu investieren, basiert nicht zuletzt auch auf der Idee und der damit zusammenhängende Geschichte, die einem präsentiert wird, bevor man ein Investmentprodukt kauft. Der Welt Gutes zu tun, dabei noch kräftig Gewinne einzustreichen und das auch noch absolut sicher, das wünschen wir uns alle. Es gibt nur ein Problem: auf dieser Welt gibt es das nicht, auch wenn immer wieder versucht wird, entsprechende Produkte zu verkaufen, nunmehr gehäuft in Form von Anlageprodukten in erneuerbare Energien, die eine vermeintlich sichere „Umweltrendite“ versprechen.

Gegen Investitionen in „Nachhaltigkeit“ ist grundsätzlich nichts einzuwenden, außer sie geschehen unter völlig falschen Voraussetzungen wie einer fehlgeleiteten Risikoeinschätzung und Kostenverschleierung. Ich möchte das an einem erlebten Beispiel erläutern.

 

Ein Beispielfall

Ein Interessent, nennen wir ihn Herrn Maier, hat mit mir einen Termin zur Ruhestandsplanung vereinbart. Er hat einige Vermögenswerte und Rücklagen und muss nach Auslauf des Sozialplans seiner Firma einige Jahre bis zur Auszahlungen der betrieblichen und gesetzlichen Rente finanziell überbrücken. Dafür soll ihm ein Konzept unter Berücksichtigung bestehender und evtl. noch einzusetzender Kapitalanlagen unterbreitet werden.

So weit so gut. Herr Maier hatte vor mir schon eine Art Kollege von einem sehr großen und erfolgreichen deutschen Allfinanzvertrieb zu Besuch. Nun möchte Herr Maier wissen, was ich davon halte. Das ist immer etwas heikel, zumal wenn der Kunde bereits von einer Idee begeistert ist und/oder auch noch eine freundschaftliche Beziehung zu dem Berater pflegt, der Sie ihm nahe gebracht hat. Sei’s drum, ich fühle mich zu einer offenen Einschätzung verpflichtet.

Der Vorschlag des werten Kollegen basiert (typischerweise) nicht auf einem Konzept, sondern auf einem ganz bestimmten Produkt. Man ahnt es, jedoch braucht es eine Weile, um sich darüber klar zu werden, was hier tatsächlich angeboten wird. Denn Herrn Maier wurde nicht etwa ein umfangreicher Prospekt zu diesem Produkt ausgehändigt, sondern ein Din-A4-Blatt mit anhängender Berechnung. Der Einleitungstext ist großartig und lohnt vollständig zitiert zu werden:

 

Das Versprechen

Wir übertreiben nicht, wenn wir behaupten, Ihnen eine der interessantesten Anlageformen unserer Zeit vorstellen zu können. Einzigartige Merkmale im Bezug auf Sicherheit und Rendite machen dieses innovative Finanzprodukt zu einem absoluten Highlight auf dem Finanzmarkt. Die konservative Form der Anlage verbunden mit einer gesicherten Rendite, wie sie bislang meist nur mit spekulativen Strategien zu erreichen war, zeichnen die Umweltrendite aus.

Versprochen werden 14 % p.a. in monatliche Auszahlungen. Der Vertrag läuft 20 Jahre. Außerordentliche Kündigung ist möglich ab dem 3. Jahr, jedoch gibt es ein Agio von 12 %, so dass freundlich darauf hingewiesen wird, dass eine Kündigung auch erst ab dem 3. Jahr empfehlenswert sei.

Investiert werden soll in eine Beteiligung in Form eines partiarischen Darlehens an Großprojekten zur Erzeugung regenerativer Energie, vorrangig in Biogas-Anlagen und Photovoltaikfarmen. Genaue Standorte werden nicht genannt, es gehe um Länder mit hoher Energieausbeute.

 

Die Sicherheiten

Auch Sicherheiten werden geboten: Zunächst die Abtretung der Erträge an den jeweiligen Investor bei Einstellung des Geschäftsbetriebes durch den Produktgeber. Das verstehe ich nicht. Wieso sollte der Geschäftsbetrieb eingestellt werden, wenn es Erträge gibt? Oder wie sollen Erträge erwirtschaftet werden, die abgetreten werden können, wenn der Betrieb gar nicht mehr läuft? Wieso sollte das Geschäftsmodell bzw. die technische Anlage in einem Fall profitabel arbeiten, im anderen Fall aber nicht? Wer ist überhaupt hier der Produktgeber, welche Rechtskonstruktion liegt genau vor? Wir wissen es nicht.

Dafür gibt es aber noch eine zweite Sicherheit und die ist wirklich rührend: nämlich die „Vermögensschadensversicherung bei nachgewiesener Falschberatung“. Gemeint ist die Vermögensschaden-Haftpflicht-Versicherung, die jeder in meiner Branche haben muss. Ich bin der Meinung, mein Kollege wird sie wahrscheinlich benötigen, wenn er das von ihm angepriesene Produkt an Menschen verkauft, die Sicherheit suchen. Wir werden sehen. Ob aber Herr Mayer auf diese Versicherung vertrauen kann, ist fraglich, sollte der Vertriebsmitarbeiter dann evtl. überhaupt nicht mehr bei der Vertriebsgesellschaft arbeiten (die Fluktuation ist hier bekanntlich groß).

 

Gutes tun

Das Angebot inklusive Berechnung klingt einfach nur gut: zweistellige Rendite, man „investiert in die Umwelt“ (wie es umgangssprachlich häufig heißt) und das Ganze sei auch noch absolut sicher und wird deshalb als konservative Anlage angepriesen. Endlich scheint er gefunden, der heilige Gral der Kapitalanlagen … wäre da nur nicht dieses berechtigte Misstrauen von Herrn Maier gewesen. Wenn alles zu schön klingt, ist vielleicht Vorsicht geboten.

Herr Maier ist branchenfremd und fragte deshalb noch einmal per Mail bei dem Vertreter des Finanzvertriebes nach (die Antwortmail liegt mir vor). Herr Maier möchte drei Sachen wissen: 1. Was ist ein partiarisches Darlehen, 2. ob die Berechnung tatsächlich stimme, dass ihm bei Einzahlung von 120.000 Euro 15 Jahre lang jeden Monat 2.567 Euro ausbezahlt würden, also über 450.000 Euro, 3. welche Kosten dabei anfallen und 4. was passiert, wenn die Idee mit dem Investment in „Hybridanlagen“ scheitert?

Herr Maier trifft mit seinen Fragen das Wesentliche: Die Anlageform, die Sicherheit der Rendite, die Kosten und das Ausfallrisiko. Gehen wir der Reihe nach die Punkte durch.

 

 1.      Partiarisches Darlehen

Die Antwort des “Vermögensberaters” ist bestechend: Partiarisches Darlehen besage nach dem Gesetz, dass Sie an Gewinnen beteiligt sind, nicht aber an Verlusten. Diese müsste die Firma tragen, ohne Sie damit zu belasten. Durch die Garantien und dem Zukunftsmarkt „Energie“ werde es zu keinen Verlusten kommen.

Grundsätzlich handelt es sich (laut Gablers Wirtschaftslexikon) bei einem partiarischen Darlehen um ein Darlehen, bei dem der Gläubiger an Stelle von Zinsen einen bestimmten Anteil am Umsatz oder Gewinn erhält. Die Vertragsparteien können den Vertrag beliebig gestalten.

In einem anderen Finanzlexikon wird es deshalb auch gewinnbeteiligtes Gesellschafterdarlehen genannt, welches eine Personengesellschaft durch ihre Gesellschafter erhält. In einem Rechtswörterbuch wird erwähnt, dass die „Geldhingabe gegen Gewährung von 20 % des erzielten Reingewinns betrage“. Es finden sich dazu selbstverständlich noch viele detailliertere Ausführungen, jedoch konnte ich nichts dazu finden, dass durch die Rechtskonstruktion oder gar „durch Gesetz“ der Darlehensnehmer nur an Gewinnen, nicht aber an Verlusten beteiligt ist.

In Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Partiarisches_Darlehen) wird schließlich die Bedeutung als nicht regulierte Kapitalanlage erwähnt. Dazu gehört auch, dass ein förmlicher Verkaufsprospekt nicht erforderlich ist. Auch eine Banklizenz ist zur Ausgabe eines solchen Anlageproduktes nicht erforderlich. Nun wird mir klar, weshalb kein umfangreiches Verkaufsprospekt ausgehändigt wurde. Allmählich mulmig wird mir, wenn ich den Kommentar lese: Häufig werden die partiarischen Darlehen juristisch mangelhaft konstruiert, so dass die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) immer wieder Untersagungsverfügungen in Bezug auf die Einwerbung oder Abwicklungsverfügungen in Bezug auf angenommene Darlehen erlässt.

Für den Allfinanzvertrieb ist es bestimmt auch nicht von Nachteil, dass für den Verkauf entsprechender Produkte keine Erlaubnis nach dem Kreditwesengesetz, vielmehr ist lediglich eine Erlaubnis nach § 34 c Gewerbeordnung notwendig ist.

Wenngleich ich kein Rechtsexperte für Kapitalanlagen oder Gesellschaftsrecht bin, genügen mir die Informationen für den Verdacht, dass es sich hier schwerlich um eine sichere, konservative Anlage in einem rechtlich verlässlichen Mantel handeln kann. Weshalb wäre sonst diese Konstruktion überhaupt notwendig?

Nebenbei sei erwähnt, dass der Begriff in den Ausführungen des werten Kollegen und selbst auf dem Berechnungsbogen stets falsch als „patriarchisches Darlehen“ bezeichnet wurde. Da ist ein wenig Schmunzeln schon erlaubt. Nicht so lustig und vielleicht bezeichnend ist die Tatsache, dass da Menschen Dinge anpreisen, von denen Sie noch nicht mal wissen, wie man sie schreibt (geschwiege denn, was es ist).

 

2.      Die Renditeberechnung

Auf die Renditeberechnung möchte ich hier im Einzelnen gar nicht eingehen. Erstens fällt auf, dass nirgends begründet wird, woraus sich die 14 % vermeintlich sichere Rendite genau ableiten. Angeblich ja aus dem Eneuerbare Energien Gesetz (EEG). Dieses Gesetz ist ein Monstrum, in das ich mich nicht einarbeiten möchte. Gerade deshalb wäre ich für eine eine Musterberechnung mit Hinweis auf die genauen Gesetzesgrundlagen unter Zitierung der jeweiligen Paragrafen dankbar. So werden sie hier einfach mal nur behauptet.

Entscheidend scheint mir aber der Hinweis auf ein zusätzliches Darlehen. Der Abschluss des Produktes scheint nämlich an ein Darlehen (aus Dubai, warum Dubai?) gekoppelt. Weshalb sollte man sich noch zusätzlich verschulden, wenn man doch schon ausreichend Geld für eine Investition hat? Hier soll wohl mittels Verschuldungsfaktor die Rendite durch den Leverage-Effekt künstlich nach oben gehebelt werden. Diesen Effekt habe ich bereits an anderer Stelle erläutert. Man sollte dazu wissen, dass der Schuss auch nach hinten losgehen und zur Überschuldung führen kann. Also findet sich hier abermals ein Hinweis auf Risikomaximierung und keineswegs auf eine sichere, konservative Anlage.

 

 3.      Die Kosten

 Um es kurz zu machen: die Kosten werden nirgends zusammengestellt und explizit ausgewiesen. Ein brauchbarer Prospekt liegt ja nicht vor. Möglicherweise hat das auch seine Gründe.

Sichtbar ist das Agio von 12 %. Man bedenke, dies würde einen bei Anlage von 120.000 Euro Kosten von 14.400 Euro bedeuten. Nun wird das Agio aber nicht nur auf das Eigenkapital angewendet, sondern auf die Summe der Gesamtanlage, also inklusive der Darlehenssumme. Das wären dann bei einer Gesamtanlage von 375.000 Euro allein 45.000 Euro Agio. Für das eingesetzte Eigenkapital (120.000 Euro) hätte man also ein Drittel allein für das Agio zu bezahlen. Das muss ja auch erst einmal wieder erwirtschaftet werden, bevor überhaupt Gewinne für den Anleger entstehen können!

Zudem hat man jetzt aber auch noch Schulden. Dafür muss man Zinsen bezahlen. Die Zinskosten werden aber nicht eigens ausgewiesen, sondern hinter einer Rate für Zins und Tilgung verschleiert (bei 5,35 % jährlich allein über 20.000 Euro). Da ich nicht sehen kann, wie hoch die Tilgung ist, weiß ich auch nicht, wie hoch die Zinsen sind. Zu den für geschlossene Fonds nicht unerheblichen zusätzlichen Kosten für Provisionen, Honorare und Management gibt es keine Angaben.

Der Vermittler hat die Frage von Herrn Maier nach den Kosten folgendermaßen beantwortet: Keine mehr; alles innerhalb der 120.000 Euro Einzahlsumme verrechnet. Kosten werden also damit abgetan, dass sie verrechnet werden. Es gibt sie nicht, weil sie irgendwo abgezogen werden. Das ist schon haarsträubend. So allmählich wird mir angst und bange. Um nicht falsch verstanden zu werden: hohe Kosten sind bei Beteiligungsfonds normal, doch sollte man erfahren, wie viel wofür ausgegeben wird.

 

4.      Investmentidee und Ausfallrisiko

Die präzise Frage zum Ausfallrisiko wird von dem Vertriebsmitarbeiter schlicht nicht beantwortet. Wahrscheinlich hätte die korrekte Antwort lauten müssen: es besteht die Möglichkeit eines Totalausfalls. Dies ist meistens bei geschlossenen Fonds der Fall, aber bei diversifizierten Anlageformen eher theoretischer Natur. Die Aussage, dass es gar kein Verlustrisiko geben kann, hat m.E. allerdings die Tendenz zur Falschberatung bzw. Vortäuschung falscher Tatsachen.

Dafür erhält Herr Maier in der Antwortmail des Vertreters einen lehrreichen Kommentar zur Investmentidee: Die Hybridanlagen dieser Art sind erst im Aufbau. Günstig Biodiesel herzustellen wird zukunftsträchtig, gerade für Firmen mit großen Fuhrparks, die aus ihren eigenen Abfällen ihre Auto betreiben z.B. Brauereien, Müllunternehmungen, Kommunen usw. Es gibt im Rahmen des EEG eine Abnahmegarantie, so dass was hergestellt wird auch abgenommen werden muss, so werden diese umgeschrieben und bekommen Sie Anteile von einer Anderen.

Mal abgesehen von der unverständlichen Ausdrucksweise möchte ich nun doch mehr wissen zu diesen Anlagen. Zum Glück findet sich auf dem ausgehändigten Papier ein Link zu einer Investmentfirma. Gegen deren Webseite ist meine trotz ihrer Durchschnittlichkeit geradezu ein Hochglanzprodukt. Der Informationswert tendiert gegen Null. Vielleicht hilft aber der zweite Link auf eine Umweltbroschüre. Diese findet sich auf einem Publikationsserver (Issuu.com), jedoch nicht als PDF, weder ausdruckbar noch herunterzuladen. Allmählich schrillen bei mir die Alarmglocken. Auf dem Deckblatt der virtuellen Broschüre werden gleich mal 23,5 % Umweltrendite versprochen. Neben allgemeinen und überlesenswerten Informationen erfährt man immerhin, dass in ein sog. KOI-Hybrid-System (Bezeichnung wurde geändert) investiert wird.

Da ich kein Ingenieur bin, kann ich dazu wenig sagen. Aber auch wenn es sich eine Technik handeln würde, die das Potential hätte, all unsere Energieprobleme zu lösen, so fällt dessen ungeachtet auf, dass es sich hier wohl um kein diversifiziertes Portfolio handelt, d.h. es wird nicht in Dutzende unterschiedliche Firmen oder Verfahren oder gar Branchen investiert, so dass bei Ausfall einiger immer noch von den anderen profitiert werden kann; es wird vielmehr hauptsächlich in eine Technologie investiert und wenn die nicht klappt – tja, was passiert dann? Ich vermute (wissen kann ich es ja nicht, weil kein Prospekt vorliegt), dann war es das wohl nicht nur mit der vermeintlich sicheren Rendite, sondern auch mit dem eingesetzten Kapital, womöglich besteht sogar noch eine Nachschusspflicht und das Darlehen muss auch noch zurückbezahlt werden. Das Agio ist ohnehin weg.

Die Hilfsargumentation beruft sich immer wieder auf das EEG und seine Abnahmegarantie. Selbst wenn diese wie behauptet besteht, wer garantiert mir über Jahrzehnte das Bestehen des EEG? Wird das hochsubventionierte Gesetz so lange Bestand haben? Angesichts der Subventionskürzung in der Solarbranche wird deutlich, wie hoch die Halbwertszeit für gut gemeinte Subventionen sein können, wenn sie nicht mehr zu rechtfertigen sind. Und selbst wenn eine Abnahmegarantie besteht, so wirkt sie sich doch nur profitabel aus, wenn die dadurch erzielten Einnahmen die Kosten der betriebenen Anlagen nicht übersteigen. Wird auch das garantiert? Schließlich stellt sich die Frage, ob genau diese Anlagen angesichts der weltweiten technischen Entwicklung auch noch in 10 Jahren Vorzeigeanlagen sind (falls sie es jetzt überhaupt schon sind), die profitabel arbeiten. Diese Problematik zeigt sich doch ebenfalls in der Solarbranche, wo bestimmte Module inzwischen sehr viel günstiger in China hergestellt werden, weshalb sich die hohen Subventionen für deutsche Firmen kaum mehr rechtfertigen lassen. Das sollte wenigstens bedacht werden, bevor man viel Geld in eine Sache investiert, die als „absolut sicher“ verkauft wird.

 

FAZIT

Investments in geschlossene Beteiligungsfonds mit ökologischen Anliegen können seriöse Grundlagen haben und chancenreiche Investments sein. Sie sind keineswegs grundsätzlich zu verurteilen, schließlich muss das Geld für die enormen Investitionskosten der „Energiewende“ ja auch irgendwie eingesammelt werden. Sie müssen jedoch zum Anlagehorizont und zum Ziel des Kapitalgebers passen! Ist das bei uns der Fall? Nein! Diese Anlageform eignet sich keineswegs dafür, den Rentenausfall für einige Jahre gesichert zu überbrücken. Aus Sicht eines juristischen Laien, haben wir hier m.E. ein hervorragendes Beispiel für eine Falschberatung.

Bei dem empfohlenen Produkt scheint mir das gesunde Misstrauen von Herrn Maier mehr als berechtigt. Sind geschlossene Beteiligungsfonds schon für sich genommen riskant genug, so handelt es sich wohl hier zudem noch um ein potenziertes Risiko: kein ausgehändigter Prospekt, kein renommiertes Emissionshaus, keine Kostenaufstellung, eine fragwürdige Rechtskonstruktion, fehlende Diversifizierung im Anlageportfolio, eine Renditeberechnung unter irgendwelchen Bestannahmen, eine mit der Finanzierung einhergehende Verschuldung sowie ein Agio das ich gerne mal als Honorar verlangen würde, wenn ich vor dieser Investition unbedingt abrate. Es schrillen die Alarmglocken. Für mich ist das schlicht Finanzmüll und ich wünsche mir solidere Formen für die Finanzierung regenerativer Energien. Es gibt schönere Arten, das Geld auszugeben…

Dr. Guido Kirner

*Dem Text liegt ein realer Fall zu Grunde. Die Namen wurden geändert bzw. frei erfunden.

Riester für Besserverdiener – Eine Beispielberechnung für eine leitende Angestellte

Die Altersvorsorge in Form sog. Riesterverträge erlebt je seit Einführung (2001) ebenso Kritik wie Anerkennung. Je nach Zeitpunkt, Zeitschrift, Autor, Interessenlage usw. wird alles möglich behauptet. Tatsache ist, viele Argumente und Berechnungen sind ebenso richtig wie falsch: letztlich hängt es von der individuellen Einstellung, Interessenlage und Situation des Verbrauchers ab, ob sich ein Riestervertrag lohnt oder nicht.

Pauschale Behauptungen zum Riestersparen helfen nicht weiter

Jede Finanzplanung ist nur so gut wie Annahmen über die Rahmenbedingungen. Diese ändern sich bekanntlich im persönlichen Bereich ebenso wie im Politischen. Da wird mit einem Sozial- und Steuersystem argumentiert, bei dem sich die Frage stellt, ob es in dieser Form in 30 Jahren noch existiert. Da werden Zinsannahmen zugrundegelegt, von denen behauptet werden kann, dass sie in 5 Jahren eh überholt sind. Schließlich wird mit Lehrbuchweisheiten über Sicherheit und Unsicherheit bestimmter Anlageklassen gesprochen als wären diese seit der Staatsschuldenkrise noch gültig.

Kurz: die Stetigkeit in Politik und Wirtschaft ist eine Illusion, dessen ungeachtet wollen vernünftige Menschen ihre Finanzen planen. Und genau das ist das Problem: Unsicherheit fordert Planung, aber Planung setzt Stetigkeit voraus. Auch Finanzprodukte, die letztlich für die Planung herhalten müssen, unterliegen diesem Problem. Sie müssen flexibel genug sein, um auf Wandel reagieren zu können, sie sollten aber Stetigkeit in der Besparung voraussetzen können, damit am Ende auch etwas dabei herauskommt.

Pauschale Behauptungen, wie sie manche reißerische Überschriften rüberbringen, helfen jedenfalls nicht weiter. So jüngst im aktuellen Heft der von mir geschätzten Wirtschaftwoche (42/2011, S. 102 ff.) mit dem Tenor: Riesterrente lohnt sich erst ab 90. Als Finanzplaner wollen wir für unsere Kunden selbst nachprüfen und rechnen und eine seriöse Empfehlung geben. An dieser Stelle soll das einmal am Beispiel einer leitenden Angestellten mit gutem Gehalt geschehen. Dies soll vorerst produktunabhängig geschehen. In einem folgenden zweiten Teil soll erörtert werden, welche Form von Riestervertrag sich besonders eignet, wenn dabei die Auswirkungen der aktuellen Staatsschuldenkrise bedacht werden.

Eine Beispielberechnung

Nennen wir eine nette junge Dame Eva. Sie ist 38 Jahre jung, akademisch gebildet und verdient in der freien Wirtschaft als Angestellte ein Bruttojahresgehalt von 85.000 Euro. Eine selbständige Tätigkeit strebt Eva in der Zukunft nicht an. Etwa 400 Euro könnte sie noch langfristig für die Altersvorsorge zur Seite legen. Die Voraussetzungen für einen Riestervertrag sind erfüllt. Sie bezieht ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen.

Um Zulagen und Steuervorteile auszunutzen kann sie 4% des Vorjahresbruttoeinkommens in einen Riestervertrag sparen (das wären 3.400 Euro), jedoch ist dieser Betrag gesetzlich auf maximal 2.100 Euro gedeckelt. Davon ist noch die staatliche Förderprämie bzw. Zulage von 154 Euro p.a. abzuziehen, um den sog. Eigenbeitrag zu bestimmen. Dieser beläuft sich also auf 1.946 Euro im Jahr bzw. 162,17 Euro im Monat. Damit steht fest: der Riestervertrag wäre nur ein Baustein für die Altersversorge neben der Gesetzlichen Rentenversicherung und anderen möglichen Sparformen. Er sollte deshalb nicht als der Weisheit letzter Schluss oder Generallösung aller Probleme der Altersvorsorge verstanden werden.

Zulagen und Steuervorteile in der Ansparphase

Die Frage ist nun, wie sich ein Riestervertrag auswirken würde. Hier müssen wir die Ansparphase von der Rentenbezugsphase unterscheiden. Schauen wir zunächst auf den Zeitraum, in welcher der Riestervertrag in voller Höhe bespart wird. Man erkennt schnell: Die staatliche Zulage fällt bei hohem Einkommen weniger ins Gewicht als die Steuervorteile. Die gesamte Sparleistung von Eva bis zum Rentenalter im Jahr 2039 beträgt 60.900 Euro. Bleibt Eva kinderloser Single beträgt der Anteil staatlicher Geschenke 4.466 Euro auf das eingesetzte Kapital von 56.434 Euro. Das allein sind gute 8 %. In welcher nicht geförderten Anlage bekomme ich derzeit allein diese Rendite?

Das ist aber noch wenig, wenn wir noch den Steuervorteil einkalkulieren. Dieser fällt nicht wie die Zulage dem Sparguthaben im Riestervertrag zu, sondern wirkt sich bei der Einkommenssteuererklärung aus. Das sind jährlich noch einmal 776,51 Euro; die Steuerersparnis auf die gesamte Laufzeit beträgt dann stolze 22.519 Euro. Nun versteht sich auch, weshalb die vermeintlichen Expertenstimmen alsbald verstummten, die behauptet haben, „Riester“ sei etwas für Geringverdiener mit vielen Kindern. In unserem Fall beträgt die Förderquote auf die Sparleistung ganze 44,3 Prozent.

Die Verrentung des Riesterkapitals

Angesichts dieser Zahl stellt sich nur eine Frage: wo ist der Haken? Und tatsächlich hat der Gesetzgeber einige Verpflichtungen auferlegt, um diese Vorteile nutzen zu können. So verbietet er, dass das angesammelte Kapital im Riestervertrag als Einmalbetrag ausbezahlt werden kann. Das können nur maximal 30 %; ansonsten muss der Vertrag als Leibrente ausbezahlt werden. Das bedeutet, ich muss entweder ein bestimmtes Rentenalter erreichen oder das Kapital auf eine andere Person im Todesfall übertragen können, damit sich die Riesterrente lohnt.

Sehen wir einmal von der Tatsache ab, dass das Kapital aus einem Riestervertrag im Todesfall in der Rentenbezugsphase auf den Riestervertrag des Ehepartners übertragen werden kann. Eva bleibt unverheiratet. Auch lässt sie sich den möglichen Teilbetrag nicht kapitalisieren. Gehen wir davon aus, sie fühlt sich mit 67 noch fit und glaubt, ein hohes Alter zu erreichen. Nach wie viel Jahren Rentenbezug aus dem Riestervertrag kommt Eva in die Gewinnzone, damit sie wenigstens ihren Nettoaufwand (Sparleistung abzüglich Zulagen und Steuervorteil) wieder drin hat? Denn ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich das Ganze zu einem interessanten Geschäft.

Die Besteuerung in der Bezugsphase der Riesterrente

Bevor wird diese Frage beantworten können, müssen wir einen zweiten Nachteil berücksichtigen: die Renten aus dem Riestervertrag werden im Alter als Einkommen voll versteuert. Wie hoch werden das Einkommen im Alter und der entsprechende Steuersatz sein? Wir wissen es nicht. Laut Rentenauskunft wird Eva im Alter einmal eine gesetzliche Rente von 2.270 Euro erzielen. Die Deutsche Rentenversicherung geht bei ihrer Hochrechnung von den an sie entrichteten Beiträgen der letzten 5 Jahre aus und erwähnt nicht ohne Grund, dass hierbei „Rentenanpassungen“ nicht berücksichtigt werden.

Drei Dinge gilt es zu beachten: Erstens, diese auf den ersten Blick beachtliche Rente von 2.270 Euro wird bei einer unterstellten durchschnittlichen Inflation von 2,5 % in 30 Jahren nur noch eine Kaufkraft nach heutigen Maßstäben von einer Rente i.H.v. 1.082 Euro haben. Die Deutsche Rentenversicherung weist übrigens eigens etwas umständlich unter der Überschrift „Zusätzlicher Versorgungsbedarf“ auf dieses Phänomen der Entwertung hin.

Zweitens wissen wir nicht, wie sich das Gehalt von Eva entwickelt wird. Da aber auch die Beiträge an die Rentenversicherung gedeckelt sind, haben wir hier eher das Problem, dass sich Gutverdiener mit steigendem Einkommen an einen gewissen Lebensstil anpassen, dass die abgeführten Beiträge und folglich auch die Altersrente aus der Gesetzlichen Rentenversicherung diesem Einkommen aber nicht mehr entsprechen. Jedes Einkommen über dieser Beitragsbemessungsgrenze von 66.000 Euro (Alte Bundesländer) bleibt unberücksichtigt.

Der größte Unsicherheitsfaktor ist jedoch politischer Natur: nämlich ob in 30 Jahren unser Sozialversicherungssystem noch in der aktuellen Form bestehen und funktionieren wird. Von welcher Rentenhöhe und welchem Steuersatz sollen wir also im Alter ausgehen. Sollen wir die Besteuerung im Alter nach heutiger oder künftiger Kaufkraft berechnen? Wir wissen es nicht! Hier werden in vielen Zeitschriften von vielen Instituten und vielen Experten schlicht Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Eine nicht gerade filigrane aber auch nicht dumme Überlegung wäre: Wenn ich schon nicht weiß, was die Zukunft bringt, dann nutze ich wenigstens jetzt jeden Steuervorteil aus, denn besser wird es sehr wahrscheinlich nicht.

Gehen wir einmal fiktiv von einer Steuerbelastung von 20 % aus. Das ist nicht unrealistisch. Aus einer Produktberechnung erfahre ich, dass sie im schlechtesten Fall eine Rente von 200 Euro garantiert, bei einer Wertsteigerung von 3 % immerhin eine lebenslange Rente von 360 Euro. Kürzen wir diesen Betrag um die Steuer erhalten wir eine Nettomonatsrente von 288 Euro. Der Nettoaufwand nach Abzug der bereits bezogenen Steuervorteile und Zulagen beträgt für Eva in der Ansparphase 33.915 Euro. Das bedeutet, dass Eva nach 9,8 Jahren – also mit 77 Jahren – den Nettoaufwand wieder drin hätte und alles darüber ein Gewinn wäre. Angesichts einer nach aktuellen Sterbetafeln prognostizierten Lebenserwartung von 98 Jahren für Frauen, die das 67. Lebensjahr erreicht haben, handelt es sich durchaus um kein schlechtes Geschäft.

Durchaus eine Empfehlung

Sichere Geldanlagen gibt es nicht. Hierbei handelt es sich um eine Illusion, die besonders bei Deutschen verbreitet ist. Ferner spielen Unsicherheiten eine Rolle: Welcher Zins, welche Inflationsrate, welche Lebenserwartung darf den Berechnungen bei der privaten Finanzplanung zugrundegelegt werden? Die oben angestellten Überlegungen halte ich für brauchbar, dürfen aber gerne berichtigt, korrigiert oder diskutiert werden. Ich würde Eva den Abschluss eines Riestervertrages als ein Baustein der Altersvorsorge neben anderen empfehlen. Die Frage, die wir in einem zweiten Teil besprechen ist nun: in welcher Form sollte sie das tun?

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner aus Weilheim i.OB

Unfallversicherung mit besonderen Schutzklauseln

Private Unfallversicherungen waren und sind beliebt. Nicht selten gammelt noch ein alter Versicherungsschein in irgendwelchen Ordnern vor sich hin. Die Prämie wird fleißig bezahlt, vielleicht sogar von Eltern oder Großeltern, welche sie vor langer Zeit für einen abgeschlossen haben.

Welchen Schutz diese Absicherung noch bietet, ist aber selten wirklich klar. Eine Überpüfung wäre notwendig, doch wen interessiert das schon, es sei denn man hat den Schaden und wundert sich dann, weshalb eine Versicherung nicht zahlt.

Inzwischen haben die Versicherungsgesellschaften den Schutz regelrecht aufgebläht und bieten weit mehr als eine Zahlung nach einem klassischen Unfall. Was für den einen unnütz ist, kann für den anderen sehr interessant sein. Hier einige Beispiele:

Borreliose durch Zeckenbiss. Besonders betroffen: Pilzesammler, Waldarbeiter, Spaziergänger (mit Hunden), Landwirte usw.

Die durch einen Zeckenbiss übertragbare Borreliose ist eine tückische Krankheit, die bis zur völligen Lähmung fürhen kann. Gerade in süddeutschen Mittelgebirgen ist sie verbreitet.

Gute Unfallversicherungen haben diesbezüglich eine Klausel für Infektionskrankheiten durch Tiere, welche durch Hautverletzungen übertragen werden, z.B. Borreliose, Brucellose, Enzephalitis, Fleckfieber, Gelbfieber, Dreitagefieber, Menengistis usw.

Unter diese Klausel fallen auch:

Krankheiten durch Insektenstiche wie z.B. Malaria: Besonders betroffen: Tropenurlauber, Geschäftsreisende in Tropen usw.

Bänderriss, Kapselriss, Meniskusschaden usw.: Sportler, Fußballer, Handballer, Tennispieler, Skifahrer usw.

Hier bieten nur wenige Versicherungstarife wirklich guten Schutz. Die Vertragsbedingungen sind hier auf Klauseln zum Stichpunkt “Eigenbewegung” zu überprüfen. Versichert sind dann durch Eigenbewegung verursachte Schädigungen an Gliedmaßen und Wirbelsäule. Generell ausgeschlossen sind Schädigungen der Bandscheibe! Zumeisst auch Schäden des Meniskus.

Gute Tarife versichern aber auch durch erhöhte Kraftantrengungt oder Eigenbewegung verursachte Unfälle, Bauch- oder Unterleibs- und Knochenbrüche sowie Schädigungenm an Gliemaßen oder Wirbelsäule, Verrenkungen eines Gelenks, Zerrungen oder ZERREISSEN VON MUSKELN, SEHNEN, BÄNDER, KAPSELN ODER MENISKEN ! Sportler sollten hier hellhörig werden.

Tauchunfall:

Wer als Taucher keine spezielle Tauchversicherung abschließen möchte, der kann bei seiner Unfallversicherung auf die Absicherung tauchtypischen Gesundheitsschäden achten. Dazu gehören dann nicht nur der Schaden durch den Tauchunfall selbt, sondern auch die Kosten für die Dekompressionskammer.

Alkoholklausel:

Wer geht in Bayern nicht mal gerne in den Biergarten? Trinken Sie mal gerne ein Glas Wein? Haben Sie überprüft, ob ihre Versicherung bei einem Unfall nach Alkoholgenuß leistet? Die meisten zahlen dann nicht. Deshalb sollten sie unbedingt auf die Alkoholklausel achten! Gute Tarife sichern einen ab, auch bei bis zu 1,4 oder gar 1,6 Promille.

Schlägerei:

Wirtshaus- und Bierzeltschlägereien sind nicht mehr so verbreitet wie einst, dafür sind die Gewalttätigkeiten brutaler geworden. Auch dagegen bieten manche Unfallversicherungen Schutz, sofern man nicht selbst der Urheber der Auseinandersetzung war.

Assistance Leistungen:

Es gibt immer mehr Singlehaushalte. Angenommen Sie hätten einen schweren Unfall hinter sich, sind zu Hause aber immer noch schwer mitgenommen, wer kümmert sich um Sie? Wer kauft ein, erledigt die bürokratischen Angelegenheiten, fährt sie zum Arzt? Wenn Sie niemanden damit belasten wollen und können, dann schließen sie einfach solche Hilfeleistungen mit ein.

Dr. Guido Kirner, Finanzmakler & Versicherungsmakler im Oberland, Bayern