Meine Finanzen – Ein neues Portal der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

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Mit dem obigen Link gelangen Sie auf das diesen Dienstag neu eröffnete Portal Meine Finanzen der FAZ online, das ich hiermit empfehlen möchte.

Hier kann man sich Rat zu unterschiedlichsten Bereichen der privaten Finanzplanung holen und entsprechend informieren.

Guido Kirner

 

Die Geburt eines Kindes. Eine kurze Checkliste für Finanzen und Vorsorge

Vor, mit und nach der Geburt eines Kindes entsteht zumeist eine zunächst unruhige Zeit. Die Geburt selbst ist aufregend, Großeltern und Freunde kommen zu Besuch, Gratulationen, viele mehr oder weniger nützliche Tipps, ein neuer Lebensrhythmus, kurz: Neuorientierung wird verlangt bis sich die Routinen einstellen. Auch müssen bestimmte zunächst lästige aber wichtige Formalitäten abgearbeitet werden. Einige davon betreffen Finanzen und Vorsorge.

Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich hier in Form einer Art Checkliste eine erste Orientierung geben, was beachtet werden sollte.

–          Klärung der Krankenversicherung

Die Krankenversicherung des neugeborenen Kindes richtet sich in der Regel nach jener der Eltern und stellt in den meisten Fällen kein Problem dar. Sie müssen ihr Kind eben nur bei der Krankenkasse anmelden.

Komplizierter wird es bei verheirateten Ehepaaren, wenn ein Elternteil gesetzlich, das andere aber privat krankenversichert ist. Ich habe die komplizierten Regelungen einmal in einem Artikel auf dem Blog zu ordnen versucht und genauer dargestellt [siehe hier>>]. Am besten Sie klären die Mitgliedschaft vor der Geburt, zumal ja bereits die Geburt selbst einen medizinischen Eingriff darstellt und auch für die anschließenden U-Untersuchungen geklärt sein sollte, wie ihr Kind versichert ist. In der privaten Krankenversicherung (PKV) ist unbedingt die Zwei-Monatsfrist zu beachten. Nur innerhalb dieser Frist nach der Geburt wird das Kind ohne Gesundheitsfragen automatisch nachversichert. Informieren Sie sich also bereits im Vorfeld der Geburt bei Ihrer Krankenkasse.

–          Kindergeld beantragen

Einer der ersten bürokratischen Schritte nach der Geburt ihres Kindes sollte die Beantragung des Kindergeldes sein. Denn erst wenn Kindergeldstelle und Kindergeldnummer vorhanden sind, können weitere Schritte veranlasst werden.

Download PDF: MB-Kindergeld>>

–          Kindergeld oder Kinderfreibetrag

Dazu zählt z.B. die Klärung der Frage, ob es für Sie steuerlich günstiger ist, Kindergeld zu bekommen oder ob sie sich besser einen Kinderfreibetrag eintragen lassen. Letzteres wird sich für höhere Einkommen lohnen. Hierfür prüft das Finanzamt, was günstiger ist, jedoch nicht die Ansprüche selbst und auch nicht deren Höhe. Folglich muss das Kindergeld überhaupt erst einmal beantragt sein. Ihr Steuerberater wird Ihnen dabei helfen. Man kann sich daran orientieren, dass für Alleinerziehende ab einem Bruttoeinkommen von 35.000 Euro und für zusammenveranlagte Ehepaare ab 63.000 Euro Freibeträge günstiger sind. Das Kindergeld wird mindestens bis zum 18. Lebensjahr, längstens bis zum 25. Lebensjahr des Kindes bezahlt.

Siehe auch hier>>

–          Steuerklassen prüfen und ggf. wechseln

Mit der Geburt des Kindes kann sich die berufliche und zeitliche Situation der Eltern erheblich ändern. Das wirkt sich auch auf die jeweilige Einkommenssituation aus. Deshalb sollten verheiratete Paare ihre Steuerklassen prüfen. Falls die z.B. die Frau zur Betreuung des Kindes erst einmal zu Haus bleibt, kann sich ein Wechsel von Steuerklasse 5 in Steuerklasse 3 lohnen. Der Tausch ist allerdings sieben Monate vor der Geburt vorzunehmen. Fragen Sie auch dazu ihren Steuerberater rechtzeitig.

–          Elterngeld beantragen

Vorausgesetzt beide Eltern können und möchten sich eine Auszeit nehmen, um sich ihrem Neugeborenen mindestens zwei Monate zu widmen, sollte das sog. Elterngeld beantragt werden, welches bis zu 14 Monaten bezahlt wird. Die Höhe beträgt 300-1800 Euro, je nach dem Prozentsatz des Nettoeinkommens (i.d.R. ca. 65 %). Die Berechnungsgrundlage wird sich dieses Jahr noch ändern, wobei statt dem realen Nettolohn Pauschale Beträge berechnet werden.

–          Bei Riesterverträgen: Kinderzulage beantragen

Sofern Sie in einen sog. Riestervertrag sparen und Ihnen die Kindergeldstelle und Kindergeldnummer bereits bekannt ist, sollten sie auch die Zulage für Ihr Kind beantragen, immerhin 300 Euro die ihnen der Staat im Jahr als Zulage obendrauf einbezahlt. Nehmen sie also Kontakt zu der Gesellschaft auf, bei welcher sie den Riestervertrag abgeschlossen haben oder kontaktieren sie ihren Vermittler. Er wird Ihnen sicherlich gerne behilflich sein und den Antrag vorzubereiten.

–          In der Haftpflichtversicherung: Schutz auch für Kinder unter 7 Jahren

Die Haftpflichtversicherung gehört zur Basisausstattung der Existenzsicherung. Sie ist überdies günstig (50-100 Euro im Jahr). Prüfen sie also, ob sie einen Familientarif in der Haftpflichtversicherung haben. Als Alleinerziehender gibt es auch (wenige, aber sehr gute) Tarife, die ihr Kind kostenlos mitversichert.

Grundsätzlich haften Eltern für Handlungen ihrer Kinder, auch wenn sie unmündig anderen einen Schaden zufügen. Denn es besteht eine Aufsichtspflicht. Diese kann aber nicht als Totalüberwachung ausgelegt werden. Wenn keine Aufsichtspflichtverletzung nachgewiesen werden kann geht der Geschädigte leer aus. Handelt es sich um einen Nachbarn (dessen Auto z.B. vom Roller ihres Kindes zerkratzt wurde) kann hier unnötiger Ärger entstehen, zumal gute Tarife hier durchaus Schutz bieten. Wenden Sie sich an ihren Versicherungsvermittler und lassen ihren Tarif einmal daraufhin überprüfen.

–          Schutz bei Invalidität oder Krankheit

Auf dem Weg zum Kindergarten oder zur Schule und zurück sind Kinder (ähnlich wie Arbeitnehmer) grundsätzlich unfallversichert. Jedoch sind hier einige Feinheiten zu beachten, so muss z.B. der direkte Weg genommen werden usw. Letztlich haben Kinder aber darüber hinaus und insbesondere in ihrer Freizeit (bei Sport und Spiel), wo die häufigsten Unfälle passieren, keine finanzielle Absicherung (siehe auch hier>>). Sie sollten deshalb für ihr Kind eine Private Unfallrente und Invaliditätssumme absichern, die keinen hohen Kostenaufwand darstellen. Empfohlen wird darüber hinaus auch eine Absicherung für lange und schwere Krankheiten. Lesen sie dazu folgenden Artikel Unfallversicherung resp. Invaliditätsversicherungen auf meinem Blog>>

–          Finanzielle Absicherung im Todesfall der Eltern

Die Wahrscheinlichkeit ist gering, umso größer können aber die wirtschaftlichen Auswirkungen eines Todesfalls von Vater und/oder Mutter für das Kind (und den überlebenden Elternteil) sein. Auch muss berücksichtigt werden, ob ggf. Hypotheken oder andere Verbindlichkeiten zu bedienen sind. Kinder, Lebens- und Ehepartner sollten keine Schulden erben. Wahrscheinlich fällt auch ein Einkommen weg. Die Lebenshaltungskosten müssen jedenfalls irgendwie aufgebracht werden. Deshalb sollten Eltern eine Risikolebensversicherung abschließen. Gerade für junge Paare ist diese Absicherung zudem recht günstig: 100.000 Euro Absicherung kosten im Monat oft weniger als eine Pizza (sofern keine erhöhten Risiken in Beruf, Hobby oder Gesundheit vorliegen).

–          Betreuungskosten absetzen

Bis zum 14. Lebensjahr können Sie Beiträge für einen Kindergartenplatz, für einen Hort oder eine Tagesmutter steuerlich geltend machen. Das gilt nur für die Betreuung, nicht für Verpflegung. Zwei Drittel sind absetzbar bis maximal 4000 Euro im Jahr. Selbst die Benzinkosten für die Anfahrt der Großeltern können abgesetzt werden. Siehe auch hier>>

–          Zuschüsse vom Arbeitgeber?

Vielleicht möchte Sie auch Ihr Arbeitgeber bei den Betreungskosten z.B. für die Kita unterstützen. Möglicherweise haben Sie im Arbeitsvertrag, tarifvertraglich Vereinbarungen getroffen, die sie nutzen können. Vielleicht möchte Sie ihr Chef auch einfach wieder gerne möglichst schnell in der Firma sehen und hat offene Ohren für Ihr Anliegen. Fragen Sie ihren Arbeitgeber zu den Möglichkeiten.

–          Kostenloses Sparplankonto als Ausbildungsversicherung

Nach der Geburt eines Kindes fragen nicht selten Großeltern, Onkel und Tanten, wie sie das Kind finanziell unterstützen können. Der Klassiker ist sicherlich das Sparbuch, jedoch liegen hier die Zinsen unterhalb der Teuerungsraten. Von sog. Ausbildungsversicherungen (egtl. mit kürzerer Laufzeit abgeschlossene Kapitallebensversicherungen) rate ich mangels Flexibilität und Kosten eher ab.

Eröffnen Sie besser ein kostenloses Fondssparplankonto, auf welchem Sie und andere sinnvoll Geld für Ihr Kind ansparen können, sei es für den Führerschein, für einen längeren Auslandsaufenthalt, für das erste Auto, für das Studium …..Gründe (und Kosten) gibt es genug.

Dr. Guido Kirner (Polling/Weilheim)

Absicherung von Kindern – Unfallversicherung und Invaliditätsversicherung

Die Fürsorge von Eltern Neugeborener oder von Kleinkindern ist besonders groß. Sie sind erpicht darauf, alles für ihre neuen kleinen Erdenbürger richtig zu machen. Sobald der Kopf etwas frei geworden ist, stellt sich auch die Frage nach der richtigen Vorsorge und wie das Kind vor den finanziellen Folgen bestimmter Lebensrisiken geschützt werden kann. Neben der besseren Krankenversorgung durch Krankenzusatzversicherungen kommen auch Ansparvorgänge z.B. für die spätere Ausbildung und ähnliches zur Sprache.

Am häufigsten bei der Sorge um existentielle Risiken wird sicherlich die private Unfallversicherung zum Thema. Während man bei Erwachsenen je nach Risikoneigung, Hobbies, Beruf und anderweitiger Absicherungen (insbesondere bei bestehender Berufsunfähigkeitsversicherung) über Sinn und Zweck von Unfallversicherungen streiten kann (zumal wenn die Bedingungen seit Jahren nicht mehr überprüft worden sind), bestehen hinsichtlich des Nutzens für Kinder kaum Zweifel. Verbraucherschützer, also eher versicherungskritische Experten, empfehlen sogar einen noch umfassenderen Schutz für Kinder, nämlich die sog. Invaliditätsversicherung (vgl. Finanztest 1/2010, S. 60-65; s.a. Capital 05/2011, S. 122-124). Um was geht es dabei?

Zunächst einige Fakten

In Deutschland ist ein Kind von 100 behindert. Ein Drittel davon kam mit der Behinderung zur Welt. Die meisten anderen wurden nach schwerer Krankheit nicht mehr ganz gesund. Folglich sind Krankheiten die häufigste Ursache von Schwerbehinderungen während nur ein knappes halbes Prozent der Kinder und Jugendlichen durch Unfälle beeinträchtigt ist. Der staatliche Kinderschutz ist dürftig. Unfallschutz gibt es nur im Kindergarten bzw. in der Schule sowie auf dem direkten Weg dorthin und zurück. Die Pflegekasse zahlt je nach Stufe der Invalidität durch Unfall oder Krankheit zwischen 225 und 685 Euro (in seltensten Ausnahmen auch mal mehr). FAZIT: der gesetzliche Schutz der Kinder ist dürftig und wiegt weder bei Invalidität durch Krankheit oder Unfall die Kosten z.B. für zusätzliche Betreuung, Umbau der Wohnung, Anpassung von Fortbewegungsmitteln oder gar den finanziellen Nachteilen im späteren Erwerbsleben. Eine private Absicherung tut Not.

 Unfallversicherung oder Invaliditätsversicherung?

Wie aus dem gesagten deutlich wird, ist der Unfall in den seltensten Fällen der Grund für eine Invalidität bei Kindern. Gerade weil die Wahrscheinlichkeit eher gering ist, sind die Prämien für eine private Unfallversicherung von Kindern selbst bei hohen Versicherungssummen recht günstig. Deshalb sollte die private Unfallversicherung allenfalls als eine Mindestabsicherung betrachtet werden, sofern eine Absicherung mittels Invaliditätsversicherung nicht bezahlbar erscheint.

Unbedingt empfehlenswert für Kinder ist bei einer Unfallversicherung der Zusatzbaustein einer Invaliditätsrente. Diese garantiert für das Kind die regelmäßige Zahlung einer gleichbleibenden Summe pro Monat lebenslang, sofern ein Invaliditätsgrad über 50 % festgestellt wird. Diese Möglichkeit verteuert zwar eine Unfallversicherung deutlich, schafft jedoch auch eine beruhigende Vorstellung, wenn bei Schwerbehinderung eine Art Grundeinkommen gesichert ist, selbst wenn die Eltern nicht mehr für ihr Kind sorgen können.

Hier ist man gewissermaßen bereits auf halbem Weg zur Invaliditätsversicherung. Denn diese zahlt wahlweise eine lebenslange Rente oder einen Einmalbetrag bei bleibenden Schäden ab einem gewissen Schweregrad, unabhängig davon, ob sie nach einem Unfall oder eine Krankheit eingetreten sind. Damit ist der Schutz sehr viel umfassender als bei der reinen Unfallversicherung. Hier bekommt Familie von der Versicherung Geld, wenn das Versorgungsamt dem Kind einen Grad der Behinderung (GdB) von 50 oder mehr bescheinigt.

Wichtige Klauseln

Wie immer und insbesondere bei Versicherungen liegt die Qualität für solche Kinderpolicen im Detail, d.h. es ist auf bestimmte Klauseln zu achten. Im Jahr 2007 entschied z.B. der Bundesgerichtshof, dass Versicherungen auch bei angeborenen Krankheiten zahlen müssen, wenn diese erst nach Abschluss des Vertrages diagnostiziert wurden. Überall, wo Gesundheitsfragen eine Rolle spielen, sollte der Vertrag möglichst früh abgeschlossen werden. Ferner sollte auf die sog. Gutachterklausel sowie auch insgesamt auf die Vorschriften zur Leistungsprüfung geachtet werden.

Kosten

Bei Interesse sollten sie sich von einem versierten Makler einen Angebotsvergleich und/oder ein Rating vorlegen lassen, bei dem die Versicherungsbedingungen im Allgemeinen und die angesprochenen Klauseln berücksichtigt sind.

Gute Verträge für Kinder im Alter zwischen 1 bis 15 kosten zwischen 250 und 600 Euro im Jahr, je nach Höhe und Umfang der Leistungen. Die von der Finanztest im letzten Jahr am besten bewertete Kinderinvaliditätsversicherung leistet ab 50 GdB und kostet für eine lebenslange Rente von 1.000 Euro für Jungen und Mädchen bis zum 14. Lebensjahr 363 Euro, danach 470 Euro pro Jahr. Sie kann ab der 6 Woche bis zum 24. Lebensjahr abgeschlossen werden.

Dr. Guido Kirner, Finanzberatung & Versicherungsmakler, Weilheim in Oberbayern

Der Todesfall ist kein “theoretisches Risiko”

Wenn ich mich als Versicherungsmakler bei Kunden verpflichtet fühle, die wichtigsten existentiellen Risiken anzusprechen, dann stellt sich bei Familien stets auch die unangenehme Frage: Was passiert, wenn ihr Mann bzw. Ihre Frau einmal nicht mehr nach Hause kommt? Wie würde es ihrer Familie ergehen, wenn das Haupteinkommen durch einen Todesfall wegfiele? Wie hoch sind ihre Ansprüche aus der Witwenrente der gesetzlichen Rentenversicherung?

Insbesondere bei Männern ruft diese Frage nicht selten ironisch bis zynische Reaktionen hervor. Da kommen dann Witzchen mit dem Verweis auf den „Mann danach“ oder das Risiko des Todesfalls wird als „rein theoretisch“ abgetan. Der Gedanke, was nach dem eigenen Tod mit der Familie passiert, ist unangenehm, wird verdrängt oder bewitzelt.

Im Gegensatz dazu erhielt ich kürzlich eine Mail von einem Kunden, bei dem ich dieses Thema angesprochen hatte. Er teilte mir darin u.a. folgendes mit:

„C…. [seine Frau] traf auf dem Weg zum Kindergarten eine andere Mutter, die erzählte, der Vater eines Mitschülers ihres anderen Kindes sei tödlich verunglückt und nun werde für die Familie gesammelt, weil er offenbar keine RLV hatte. Dies war zum einen eine Bestätigung für Deinen guten Rat und unser Vorhaben“.

Das Risiko des Todesfalls ist nicht theoretisch. Es ist ganz real. Sportunfälle, Autounfälle, Herzinfarkt, Krebsopfer usw., das ist alles real. Das wissen aber leider zunächst nur jene, die trauernd und zurückgelassen den Alltag ohne ihren Lebenspartner bewältigen müssen.

Richtig ist: der Todesfall ist in jungen Jahren nicht sehr wahrscheinlich! Genau das ist aber auch der Grund, weshalb diese Absicherung durch eine Risikolebensversicherung (RLV) relativ preisgünstig sind, z.B. im Vergleich zu einer anderen wichtigen existentiellen Absicherung, der Berufsunfähigkeitsversicherung.

Die Unterschiede der Beiträge sind jedoch je nach Versicherung sehr groß, so dass man sich unbedingt an einen Makler wenden sollte, der einem eine Beitragsübersicht unterschiedlicher Gesellschaften vorlegen kann. So kostet z.B. einem 1970 geborenen Ingenieur heute die Absicherung der Hinterbliebenen mit einer RLV über gleichbleibend 250.000 Euro bis zum 65. Lebensjahr bei günstigen Gesellschaften um die 50 Euro im Monat, bei den teuersten dagegen 150 Euro.

Ein weiterer Grund, weshalb diese Versicherung nicht beliebt ist, kann man an dem Einwand erkennen, dass man nach Ablauf der Versicherung nichts von den Beiträgen zurückbekommt. Das stimmt, sofern das reine Risiko des Todesfalles abgesichert wird und keinen zusätzlichen Sparbeitrag einbezahlt und wenn die sog. Risikogewinne gleich verrechnet und nicht verzinslich oder in Fonds angelegt werden. Es handelt sich um eine reine Risikoabsicherung auf den Versicherungsfall (Versterben der versicherten Person) und nicht um eine Kapitalanlage.

Der Trost bei der Sache ist: Das was ihnen dieser Form der Absicherung nach Ende der Laufzeit bei einer Risikolebensversicherung nicht ausbezahlt wird, wird ihnen auch zuvor nicht weggenommen.  Sie bleibt dadurch günstiger.  Das so Eingesparte könnten sie selbst anlegen und hätten dann wahrscheinlich sogar mehr davon.

Es ist grundsätzlich besser, wenn sie die Geldanlage von den Risikoabsicherungen trennen, auch wenn das die klassischen Versicherungsvertreter nicht gerne hören. Beides sind zwei völlig verschiedene Angelegenheiten, die nicht unbedingt zusammengehören. Oder käme es Ihnen auch in den Sinn ihre KFZ-Haftpflichtversicherung mit einem Sparvertrag für ein neues Auto zu verbinden?

FAZIT: Die Risikolebensversicherung gehört zu den existentiellen Absicherungsformen. Lebenspartner sollten sich grundsätzlich Gedanken machen über eine Mindestsumme, die dem Hinterbliebenen hilft, den Lebensstandard für sich und ggf. die Kinder zumindest für eine gewisse Übergangszeit aufrechtzuerhalten. Wenn darüber hinaus Verbindlichkeiten z.B. für die Finanzierung eines Eigenheims bestehen, sollte der Hinterbliebene nach Versterben des Lebenspartners diese tilgen können.  Es gibt diverse Gestaltungsmöglichkeiten für die RLV, so dass zum einen Beiträge gespart, zum anderen an die jeweiligen Bedürfnisse angepasst werden können. Fragen Sie dazu einen Experten, der ihnen zudem einen Preisvergleich unterschiedlicher Gesellschaften vorlegen kann. Übrigens: Nichtraucher zahlen für eine RLV immer erheblich weniger.

Dr. Guido Kirner, Finanzmakler & Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Erschreckende Unkenntnis

Wer des Öfteren als Finanzdienstleister mit Kunden zu tun hat, kann vielleicht bestätigen: Frauen stapeln eher tief, Männer hoch; Frauen entschuldigen sich für Ihre Unkenntnis, stellen dann aber kluge Fragen und entscheiden recht logisch; Männer dagegen geben sich gerne selbst als Fachmann, deuten an, dass sie alles im Griff haben und entscheiden dann viel emotionaler, als sie glauben. Solange beide bedürfnisgerecht beraten werden, ist es egal, und Ausnahmen bestätigen natürlich wie immer die Regel.

Traurig wird das Ganze nur, wenn zwei Dinge zusammenkommen: Ahnungslosigkeit und Beratungsresistenz. Und tatsächlich bestätigt eine Studie beides in erschreckendem Maße, und zwar unabhängig vom Geschlecht. So liegt nun das Ergebnis einer Umfrage des Fondsbranchenverband BVI vor, bei dem 1000 Leute befragt wurden. Das beginnt damit, dass überhaupt nur 11 % es für wichtig halten, etwas ihre Geldanlagen zu verstehen. Wenn das so ist, dann helfen auch keine Gesetze und kein Verbraucherschutz. Da sind die 20 %, die schlechte Erfahrungen mit Finanzgeschäften gemacht haben, noch erstaunlich wenige; oder ist der Rest vielleicht so unbedarft, noch nicht einmal beurteilen zu können, was ein gutes und was ein schlechtes Geschäft ist?

Tatsächlich glauben 61 % (bei jüngeren sogar 80 %), Geldanlagen wie Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch seien geeignete Geldanlagen für die Altersvorsorge, obgleich diese allenfalls dafür geeignet sind, Geld bis zur besseren Verwendung zu parken und (inzwischen noch nicht einmal) die Inflation auszugleichen. Im Gegenzug halten nur ein Viertel der Jüngeren die betriebliche Altersvorsorge (bAV), Fondssparpläne oder Rentenversicherungen für geeignet. Bei der Mehrheit fehlen also Grundkenntnisse.

Sicherheit ist fast der Hälfte der Befragten das Wichtigste bei der Geldanlage. Verständlich, erstaunlich nur, dass nur 6 % das wichtigste Mittel, nämlich die Risikostreuung für wichtig halten. Eine gewisse Konsequenz im Verhältnis zur Risikoneigung birgt das Ergebnis, das für nur 6 % der Ertrag das wichtigste ist. Da erinnere ich mich an einen Kommentar der FAZ, die Deutschen seien „Renditeverweigerer“.

Die verbreitete Unkenntnis führt jedenfalls dazu, dass die Deutschen zu wenig, falsch bzw. mit ungeeigneten Instrumenten ihre Sparziele verfolgen. Da stellt sich doch die Frage, ob nicht Experten weiterhelfen könnten? Dem widerspricht, dass es immerhin 90 % für immer wichtiger halten, sich selbst mit dem Thema zu befassen. Die wichtigsten Gründe, warum sie das dann aber nicht tun, sind: es macht keinen Spaß (43 %), kein Vertrauen in Finanzinstitute (40 %), starke Verunsicherung, was man tun soll (37 %), Schwierigkeiten beim Verständnis von Informationsmaterialien (37 %). Die FAZ erwähnt in ihrem Artikel noch eine Umfrage. Hier bestätigt sich die umfassende Unkenntnis: so haben z.B.  60 % noch nie etwas vom Drei-Säulen-Modell der Altersvorsorge gehört.

Sind die meisten Bürger selbst schuld an ihrer Unkenntnis oder ist es auch der Branche anzulasten, dass sie zu schlecht beraten? Möglicherweise beides. Die Mission für meinen Beruf sollte also sein: Aufklärung zu mündigen Finanzbürgern, zumindest wenn das Interesse da ist.

Dr. Guido Kirner, Finanzberatung und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB