Der verkaufte Kunde. Einige große Lebensversicherer wollen ihre hoch verzinsten Bestandsverträge loswerden

Ergo, Generali & Co. wollen ihre Lebensversicherungsverträge mit teuren Zinsversprechen an Finanzinvestoren verkaufen. Was folgt daraus für die Versicherten und wie sollen sie darauf reagieren?

Die Niedrig- bzw. Nullzinspolitik der Europäischen Notenbank macht auch den Lebensversicherern das Leben schwer. Je mehr Verträge sie aus der Vergangenheit mit hohen Zinsgarantien haben, desto schwieriger fällt es Ihnen, diese heute im Niedrigzinsumfeld zu erwirtschaften. Lebensversicherungen legen ihren Deckungsstock in der Hauptsache in Anleihen an, für die man aktuell kaum mehr Zinsen bekommt.

Das Zinsumfeld erzwingt nun einen Kulturwandel in der Versicherungsbranche. Einst galten ihre Altersvorsorgeprodukte als langweilig aber zuverlässig. Gefordert sind nun neue, kosteneinsparende und flexible Produkte mit mehr Risiko. Das muss dem Kunden erst einmal vermittelt werden.

Manche Versicherungsgesellschaft haben hier den Anschluss an Produktinnovationen verpasst (z.B. Verträge ohne Zinsgarantien, Index-Renten, ETF-Portfolios). Nicht selten sind es auch jene Gesellschaften, die bereits wegen anderer Vorfälle in der Vergangenheit schon ins Gerede gekommen sind, deren Werbeversprechen mangels Realitätsbezug nur noch als Zynismus interpretiert werden können. Mag es für die eine oder andere Gesellschaft wirtschaftlich sinnvoll oder gar notwendig sein, Bestandsverträge zu veräußern, für das Image der Branche ist es ein Desaster.

Die Ergo ist schon seit langem das Sorgenkind der Muttergesellschaft Münchner Rück. Sie möchte etwa 6 Millionen Policen verkaufen, findet hierfür aber aktuell keinen Abnehmer. Auch der französische Versicherungsriese AXA sondiert wohl Möglichkeiten, sich von teuren Verträgen zu trennen.

Die Generali (drittgrößter Versicherungskonzern Europas; in Deutschland gehören ihm Marken wie: AachenMünchner, Cosmos, Dialog, Advocard, Central Krankenversicherung, Badenia Bausparkasse) plant einen umfassenden Konzernumbau: Markenvereinheitlichung, Kostensenkung durch Fusionen, Mitarbeiterabbau und Abwicklung von rund 4 Millionen Policen. Die 2800 Außendienstvertreter  sollen in den Strukturvertrieb DVAG integriert werden, an welchem die Generali 40 Prozent Anteile hält, die aber rund 50 Prozent der Prämieneinnahmen erwirtschaften.

Womöglich ist das erst der Anfang, bei der sich in der Lebensversicherungsbranche allmählich die die Spreu vom Weizen trennt. Tatsache ist jedenfalls: große und traditionsreiche Lebensversicherer wollen mit einem sog. run off ihr Firmenkapital entlasten und die teuren Lebensversicherungsverträge mit hohen Zinsgarantien loswerden.

Was bedeutet das nun aber für den Kunden?

Für den Kunden ändert sich zunächst erst einmal wenig, außer dass er die unschöne Botschaft erhält, dass er mit seinen alten Verträge unerwünscht ist. Mittelfristig wird er es zu spüren bekommen, egal ob sein Vertrag an einen Finanzinvestoren verkauft oder von einem zusammengekürzten Serviceteam betreut oder gar an die Strukturvertrieb abgegeben wird.

Rein rechtlich handelt es sich um einen privatrechtlichen Vertrag, dessen Versicherungsbedingungen weiterhin gelten. Sollte es hierbei zu einseitigen Änderungen kommen, ist das Einverständnis des Versicherungsnehmers einzuholen. Wahrscheinlich wird es dann eine Reihe von Prozessen geben, ähnlich wie bei den Bausparkassen. All das bleibt abzuwarten.

Wer das als Kunde nicht mitmachen möchte, von der Gesellschaft enttäuscht ist usw., kann als Kunde seinen Vertrag selbstverständlich kündigen. Einen größeren Gefallen könnte er der Versicherung freilich kaum machen; sie möchte den Vertrag ja eh am liebsten abwickeln.

Handelt es sich bei den Verträgen um sog. Riester- oder Rürup-Renten, also Verträge mit staatlicher bzw. steuerlicher Förderung, so muss man vor einer Kündigung einiges beachten. Zulagen oder Steuervorteile müssten dann ggf. zurückbezahlt werden. Einfacher wäre deshalb die Beitragsfreistellung, was den Vertrag nicht auflöst bzw. beendet, sondern die weitere Besparung nur unterbricht. Noch etwas komplexer gestaltet sich das Thema bei der betrieblichen Altersversorgung. Hier muss der Arbeitgeber genau überlegen, wen er sich ins Boot holt und wie er mit Altervrträgen umgeht.

Für die zahlreichen Riester-Verträge gibt es noch eine einfache Lösung, die der Gesetzgeber ausdrücklich vorgesehen hat. Anders als bei Rürup- bzw. Basisrenten ist der Wechsel des Versicherers ausdrücklich vorgesehen. Riester-Kunden haben das Recht, ihr angespartes Kapital (abzüglich der Vertriebs- und Verwaltungskosten) auf einen neuen Vertrag der Gesellschaft zu übertragen. Der Nachteil ist: neben einer kleineren Wechselgebühr fallen erneut Vertriebskosten an, die zu Lasten des neuen Vertrages gehen. Kurz: man hätte zwei Mal Provision bezahlt. Ob sich das dann lohnt, sollte man sich gut überlegen.

Wechsel in einen sog. Nettotarif

Schließlich könnte die Lösung aber noch darin bestehen, das angesparte Kapital auf einen neuen provisionsfreien Vertag (sog. Nettotarif) zu übertragen. Angeboten werden diese Tarife in der Regel aber nur von Honorarberatern. Die Höhe des anfallenden Honorars und die damit einhergehenden Kosten, müssten ebenfalls berücksichtigt werden.

Auch Versicherungsmakler haben die Möglichkeit Nettotarife anzubieten, sofern sie geneigt sind, auf Einkommen (Provision, Courtage) zu verzichten. Gute Kunden, die mehrere Verträge bei einem Versicherungsmakler und über Jahre ein gutes Vertrauensverhältnis aufgebaut haben, werden sicherlich ein offenes Ohr bei ihrem Vermittler finden, zumal wenn er Ihnen den betreffenden Vertrag einst selbst vermittelt hat.

Wichtig ist nur: der neue Vertrag sollte auch wirklich Vorteile zum alten Vertrag bieten und bei einer Gesellschaft untergebracht werden, bei der nicht zu erwarten ist, dass sie in absehbarer Zeit ihre Kundverträge loswerden möchten.

Guido Kirner

Riester für Besserverdiener – Eine Beispielberechnung für eine leitende Angestellte

Die Altersvorsorge in Form sog. Riesterverträge erlebt je seit Einführung (2001) ebenso Kritik wie Anerkennung. Je nach Zeitpunkt, Zeitschrift, Autor, Interessenlage usw. wird alles möglich behauptet. Tatsache ist, viele Argumente und Berechnungen sind ebenso richtig wie falsch: letztlich hängt es von der individuellen Einstellung, Interessenlage und Situation des Verbrauchers ab, ob sich ein Riestervertrag lohnt oder nicht.

Pauschale Behauptungen zum Riestersparen helfen nicht weiter

Jede Finanzplanung ist nur so gut wie Annahmen über die Rahmenbedingungen. Diese ändern sich bekanntlich im persönlichen Bereich ebenso wie im Politischen. Da wird mit einem Sozial- und Steuersystem argumentiert, bei dem sich die Frage stellt, ob es in dieser Form in 30 Jahren noch existiert. Da werden Zinsannahmen zugrundegelegt, von denen behauptet werden kann, dass sie in 5 Jahren eh überholt sind. Schließlich wird mit Lehrbuchweisheiten über Sicherheit und Unsicherheit bestimmter Anlageklassen gesprochen als wären diese seit der Staatsschuldenkrise noch gültig.

Kurz: die Stetigkeit in Politik und Wirtschaft ist eine Illusion, dessen ungeachtet wollen vernünftige Menschen ihre Finanzen planen. Und genau das ist das Problem: Unsicherheit fordert Planung, aber Planung setzt Stetigkeit voraus. Auch Finanzprodukte, die letztlich für die Planung herhalten müssen, unterliegen diesem Problem. Sie müssen flexibel genug sein, um auf Wandel reagieren zu können, sie sollten aber Stetigkeit in der Besparung voraussetzen können, damit am Ende auch etwas dabei herauskommt.

Pauschale Behauptungen, wie sie manche reißerische Überschriften rüberbringen, helfen jedenfalls nicht weiter. So jüngst im aktuellen Heft der von mir geschätzten Wirtschaftwoche (42/2011, S. 102 ff.) mit dem Tenor: Riesterrente lohnt sich erst ab 90. Als Finanzplaner wollen wir für unsere Kunden selbst nachprüfen und rechnen und eine seriöse Empfehlung geben. An dieser Stelle soll das einmal am Beispiel einer leitenden Angestellten mit gutem Gehalt geschehen. Dies soll vorerst produktunabhängig geschehen. In einem folgenden zweiten Teil soll erörtert werden, welche Form von Riestervertrag sich besonders eignet, wenn dabei die Auswirkungen der aktuellen Staatsschuldenkrise bedacht werden.

Eine Beispielberechnung

Nennen wir eine nette junge Dame Eva. Sie ist 38 Jahre jung, akademisch gebildet und verdient in der freien Wirtschaft als Angestellte ein Bruttojahresgehalt von 85.000 Euro. Eine selbständige Tätigkeit strebt Eva in der Zukunft nicht an. Etwa 400 Euro könnte sie noch langfristig für die Altersvorsorge zur Seite legen. Die Voraussetzungen für einen Riestervertrag sind erfüllt. Sie bezieht ein sozialversicherungspflichtiges Einkommen.

Um Zulagen und Steuervorteile auszunutzen kann sie 4% des Vorjahresbruttoeinkommens in einen Riestervertrag sparen (das wären 3.400 Euro), jedoch ist dieser Betrag gesetzlich auf maximal 2.100 Euro gedeckelt. Davon ist noch die staatliche Förderprämie bzw. Zulage von 154 Euro p.a. abzuziehen, um den sog. Eigenbeitrag zu bestimmen. Dieser beläuft sich also auf 1.946 Euro im Jahr bzw. 162,17 Euro im Monat. Damit steht fest: der Riestervertrag wäre nur ein Baustein für die Altersversorge neben der Gesetzlichen Rentenversicherung und anderen möglichen Sparformen. Er sollte deshalb nicht als der Weisheit letzter Schluss oder Generallösung aller Probleme der Altersvorsorge verstanden werden.

Zulagen und Steuervorteile in der Ansparphase

Die Frage ist nun, wie sich ein Riestervertrag auswirken würde. Hier müssen wir die Ansparphase von der Rentenbezugsphase unterscheiden. Schauen wir zunächst auf den Zeitraum, in welcher der Riestervertrag in voller Höhe bespart wird. Man erkennt schnell: Die staatliche Zulage fällt bei hohem Einkommen weniger ins Gewicht als die Steuervorteile. Die gesamte Sparleistung von Eva bis zum Rentenalter im Jahr 2039 beträgt 60.900 Euro. Bleibt Eva kinderloser Single beträgt der Anteil staatlicher Geschenke 4.466 Euro auf das eingesetzte Kapital von 56.434 Euro. Das allein sind gute 8 %. In welcher nicht geförderten Anlage bekomme ich derzeit allein diese Rendite?

Das ist aber noch wenig, wenn wir noch den Steuervorteil einkalkulieren. Dieser fällt nicht wie die Zulage dem Sparguthaben im Riestervertrag zu, sondern wirkt sich bei der Einkommenssteuererklärung aus. Das sind jährlich noch einmal 776,51 Euro; die Steuerersparnis auf die gesamte Laufzeit beträgt dann stolze 22.519 Euro. Nun versteht sich auch, weshalb die vermeintlichen Expertenstimmen alsbald verstummten, die behauptet haben, „Riester“ sei etwas für Geringverdiener mit vielen Kindern. In unserem Fall beträgt die Förderquote auf die Sparleistung ganze 44,3 Prozent.

Die Verrentung des Riesterkapitals

Angesichts dieser Zahl stellt sich nur eine Frage: wo ist der Haken? Und tatsächlich hat der Gesetzgeber einige Verpflichtungen auferlegt, um diese Vorteile nutzen zu können. So verbietet er, dass das angesammelte Kapital im Riestervertrag als Einmalbetrag ausbezahlt werden kann. Das können nur maximal 30 %; ansonsten muss der Vertrag als Leibrente ausbezahlt werden. Das bedeutet, ich muss entweder ein bestimmtes Rentenalter erreichen oder das Kapital auf eine andere Person im Todesfall übertragen können, damit sich die Riesterrente lohnt.

Sehen wir einmal von der Tatsache ab, dass das Kapital aus einem Riestervertrag im Todesfall in der Rentenbezugsphase auf den Riestervertrag des Ehepartners übertragen werden kann. Eva bleibt unverheiratet. Auch lässt sie sich den möglichen Teilbetrag nicht kapitalisieren. Gehen wir davon aus, sie fühlt sich mit 67 noch fit und glaubt, ein hohes Alter zu erreichen. Nach wie viel Jahren Rentenbezug aus dem Riestervertrag kommt Eva in die Gewinnzone, damit sie wenigstens ihren Nettoaufwand (Sparleistung abzüglich Zulagen und Steuervorteil) wieder drin hat? Denn ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich das Ganze zu einem interessanten Geschäft.

Die Besteuerung in der Bezugsphase der Riesterrente

Bevor wird diese Frage beantworten können, müssen wir einen zweiten Nachteil berücksichtigen: die Renten aus dem Riestervertrag werden im Alter als Einkommen voll versteuert. Wie hoch werden das Einkommen im Alter und der entsprechende Steuersatz sein? Wir wissen es nicht. Laut Rentenauskunft wird Eva im Alter einmal eine gesetzliche Rente von 2.270 Euro erzielen. Die Deutsche Rentenversicherung geht bei ihrer Hochrechnung von den an sie entrichteten Beiträgen der letzten 5 Jahre aus und erwähnt nicht ohne Grund, dass hierbei „Rentenanpassungen“ nicht berücksichtigt werden.

Drei Dinge gilt es zu beachten: Erstens, diese auf den ersten Blick beachtliche Rente von 2.270 Euro wird bei einer unterstellten durchschnittlichen Inflation von 2,5 % in 30 Jahren nur noch eine Kaufkraft nach heutigen Maßstäben von einer Rente i.H.v. 1.082 Euro haben. Die Deutsche Rentenversicherung weist übrigens eigens etwas umständlich unter der Überschrift „Zusätzlicher Versorgungsbedarf“ auf dieses Phänomen der Entwertung hin.

Zweitens wissen wir nicht, wie sich das Gehalt von Eva entwickelt wird. Da aber auch die Beiträge an die Rentenversicherung gedeckelt sind, haben wir hier eher das Problem, dass sich Gutverdiener mit steigendem Einkommen an einen gewissen Lebensstil anpassen, dass die abgeführten Beiträge und folglich auch die Altersrente aus der Gesetzlichen Rentenversicherung diesem Einkommen aber nicht mehr entsprechen. Jedes Einkommen über dieser Beitragsbemessungsgrenze von 66.000 Euro (Alte Bundesländer) bleibt unberücksichtigt.

Der größte Unsicherheitsfaktor ist jedoch politischer Natur: nämlich ob in 30 Jahren unser Sozialversicherungssystem noch in der aktuellen Form bestehen und funktionieren wird. Von welcher Rentenhöhe und welchem Steuersatz sollen wir also im Alter ausgehen. Sollen wir die Besteuerung im Alter nach heutiger oder künftiger Kaufkraft berechnen? Wir wissen es nicht! Hier werden in vielen Zeitschriften von vielen Instituten und vielen Experten schlicht Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Eine nicht gerade filigrane aber auch nicht dumme Überlegung wäre: Wenn ich schon nicht weiß, was die Zukunft bringt, dann nutze ich wenigstens jetzt jeden Steuervorteil aus, denn besser wird es sehr wahrscheinlich nicht.

Gehen wir einmal fiktiv von einer Steuerbelastung von 20 % aus. Das ist nicht unrealistisch. Aus einer Produktberechnung erfahre ich, dass sie im schlechtesten Fall eine Rente von 200 Euro garantiert, bei einer Wertsteigerung von 3 % immerhin eine lebenslange Rente von 360 Euro. Kürzen wir diesen Betrag um die Steuer erhalten wir eine Nettomonatsrente von 288 Euro. Der Nettoaufwand nach Abzug der bereits bezogenen Steuervorteile und Zulagen beträgt für Eva in der Ansparphase 33.915 Euro. Das bedeutet, dass Eva nach 9,8 Jahren – also mit 77 Jahren – den Nettoaufwand wieder drin hätte und alles darüber ein Gewinn wäre. Angesichts einer nach aktuellen Sterbetafeln prognostizierten Lebenserwartung von 98 Jahren für Frauen, die das 67. Lebensjahr erreicht haben, handelt es sich durchaus um kein schlechtes Geschäft.

Durchaus eine Empfehlung

Sichere Geldanlagen gibt es nicht. Hierbei handelt es sich um eine Illusion, die besonders bei Deutschen verbreitet ist. Ferner spielen Unsicherheiten eine Rolle: Welcher Zins, welche Inflationsrate, welche Lebenserwartung darf den Berechnungen bei der privaten Finanzplanung zugrundegelegt werden? Die oben angestellten Überlegungen halte ich für brauchbar, dürfen aber gerne berichtigt, korrigiert oder diskutiert werden. Ich würde Eva den Abschluss eines Riestervertrages als ein Baustein der Altersvorsorge neben anderen empfehlen. Die Frage, die wir in einem zweiten Teil besprechen ist nun: in welcher Form sollte sie das tun?

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner aus Weilheim i.OB

Die drei Hürden der Altersvorsorge

Das Thema Altersvorsorge wirkt auf die meisten in etwa so spannend wie das Wörtchen Kopfkissenbezug. Der Nutzen und die Notwendigkeit ist geläufig, doch auch hier herrscht oft die Einstellung, was du heute nicht willst besorgen, dass verschiebe auf morgen. Dabei ist es schon finanzmathematisch erwiesen: Wer früher anfängt erreicht mit niedrigen Beiträgen mehr als jemand der spät anfängt mit hohen Beiträgen (Zinseszinseffekt). Die erste Hürde besteht also darin, sich mit dem Thema überhaupt auseinandersetzen zu wollen.

Wer sich einmal dazu entschlossen hat seine Rente aufzubessern, der steht vor neuen Hürden: Wie soll ich sparen? Seit Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes 2005 ist die Altersvorsorge in drei Schichten unterteilt und in jeder Schicht greifen andere Regeln:

–        Unterschiedliche steuerliche Absetzbarkeit und Förderung beim Ansparen

–        Unterschiedliche Besteuerung bei Rentenbezug

–        Unterschiede im anspruchsberechtigen Personenkreis

–        Unterschiede in der Verfügungsberechtigung und in den Auszahlungsweisen

In der 1. Schicht findet sich die sog. Basis-Rente bzw. Rüruprente gemeinsam mit der Gesetzlichen Rentenversicherung und den Versorgungswerken für Freiberufler. Diese Schicht dient der Ansparung einer Grundversorgung für das Rentenalter. Die Basis- bzw Rüruprente versteht sich als eine Parallelkonstruktion zur Gesetzlichen Rentenversicherung für Selbständige, die ihre Altersvorsorge steuerlich gefördert selbst mit eigenem Kapital aufbauen sollen.

In der zweiten Schicht ist die sog. Riester-Rente bzw. Zulagen-Rente geregelt sowie die betriebliche Altersversorgung (bAV). Hier winken Zulagen und/oder Steuervorteile in der Ansparphase, jedoch nur für Angestellte bzw. Personen, die Sozialversicherungsbeiträge abführen. Diese Schicht dient der Absicherung einer Zusatzversorgung, die steuerlich bzw. über Zulagen stark gefördert wird.

Beiden Schichten ist die staatliche Förderung über die steuerliche Absetzbarkeit und/oder über Zulagen in der Ansparphase gemeinsam. Im Gegenzug hat der Gesetzgeber einige Nachteile verfügt, insbesondere die nachgelagerte Besteuerung für die ausgezahlten Renten. Je weniger Rente ich im Alter zu erwarten habe und je mehr Steuern ich in Ausübung meines Berufs zu zahlen habe, desto lukrativer ist die Inanspruchnahme der staatlichen Förderung in der Ansparphasn, ganz abgesehen von den Zulagen für Kinder bei der Riesterrente.

Auch ist das Kapital erst nach Vollendung des 60. Lebensjahrs beziehbar: die Basis-Rente wie die gesetzliche nur als monatliche Auszahlung, bei der Riesterrente können bis zu 30% als Einmalbetrag ausbezahlt werden, bei der betrieblichen Altersversorgung habe ich kurz vor Auszahlung die Wahl, ob ich das Geld als Rentenzahlung oder als Einmalbetrag erhalten möchte.

In der dritten, der sog. „privaten“ Schicht, erhalte ich keine Steuervorteile und Zulagen, dafür ist die Besteuerung im Alter von Vorteil, sei es durch die Ertragsanteilsbesteuerung bei Rentenzahlungen oder das Halbeinkünfteverfahren bei Kapitalauszahlung.

Nun ist die Verwirrung groß und es ist kein Wunder das immer noch Gerüchte, Meinungen und Vorurteile gegen staatlich geförderte Altersversorgung ihre Runde machen. Die Frage ist hier, ob ich mich genau informieren und professionell beraten lassen möchte, mir einfach etwas aufschwatzen lasse oder mich Abschotte nach dem Motto, lass mich mit diesem Thema in Ruhe.

Denn zuletzt folgt noch eine dritte Hürde: Wenn ich mich für einen Weg der zusätzlichen Altersversorgung entschieden habe, stellt sich noch die Frage, mit welcher Art Finanzprodukt ich dies tun möchte: in einem Bankprodukt oder einem Versicherungsprodukt? In einem mit mehr oder mit weniger Risiko? In einem Zinsprodukt oder mit einer Kapitalanlage? Bei einem eher bekannten Unternehmen oder einem Exoten? Welches Produkt macht mir das Versprechen, das zu mir passt?

Über diese drei Hürden sollten sie seriös beraten lassen, sie sollten sich genau über die Vor- und Nachteile der drei Schichten der Altersversorgung sowie über jene der entsprechenden Finanzprodukte und Möglichkeiten informieren (vorausgesetzt ihr Vermittler hat überhaupt eine Auswahl) und sie sollten darauf achten, dass ihr Berater dabei genau auf ihre Situation und Zukunftspläne eingeht.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner Weilheim i.OB

Weitere Informationen (auch kleine Lehrfilme) finden sich auch auf meiner Webseite:
betriebliche ALtersversorgung>>
Riesterrente (Zulagenrente)>>
Rüruprente (Basisrente)>>

Alle Jahre wieder…Riester-Förderungs-Verschwendung

Alle Jahre wieder erscheinen zum Jahresende Artikel, dass die Deutschen zwar “riestern”, d.h. eine Riesterente abgeschlossen haben, die ihnen zustehenden Zulagen und Steuervorteile jedoch nur mangelhaft nutzen.

Eine Untersuchung der Universität Freiburg (“Vorsorgeatlas Deutschland”) kommt zu dem Ergebnis:

  • Nur etwa die Hälfte der Anspurchnberechtigten hat überhaupt einen Riestervertrag abgeschlossen
  • Von diesen nutzen rund 60 Prozent die Möglichkeit nicht aus, die maximale staatliche Zulage zu bekommen

Allein 2007 seien 977 Millionen Euro an Zulagen ungenutzt geblieben.

Der eigentliche Skandal ist dabei nicht, dass nicht alle bis zur vollen Höhe riestern, nicht jeder kann die entsprechende Höhe der Pärmie einfach erbringen. Dieser liegt vielmehr in der Tatsache: der größte Teil der entgangenen Förderungen ist darauf zurückzuführen, dass der Zulagenantrag gar nicht erst gestellt wurde.

Allein dadurch wird auf 665 Millionen Euro verzichtet.

Wenn das so ist, dann liegt der Fehler hier eindeutig in der Beratung bzw. bei der Vermittlung des Riestervertrages. Der Zulagenantrag sollte gleich mit dem Riestervertrag ausgefüllt und eingereicht werden. Auch gehört es zum Service, dass sie zusammen mit ihrem Vermittler die Zulagen und Steuervorteile in regelmäßigen Abständen überprüfen, inbesondere nach Geburt eines Kindes, Heirat, Gehaltserhöhung usw.

Überprüfen sie also, ob ihr Riestervertrag überhaupt noch ihrer Lebenssituation und ihrem Einkommen entspricht. Nach einem Wechsel in die Selbständigkeit ohne Sozialversicherungspflicht sollte der VErtrag unbedingt beitragsfrei gestellt werden. Ob der Zulagenantrag gleich korrekt mit eingereicht wurde, wissen oft viele gar nicht mehr. Dazu braucht es immer die Angabe der Sozialversicherungsnummer, Steuernummer und ggf. Kindergeldstelle. Sollten Sie sich daran nicht erinnern oder sollte sich heraustellen, dass sie womöglich jahrelang keine Zulagen erhalten haben, obwohl sie ihnen zustehen, dann ist es evtl. angebracht nicht nur ihren Riestervertrag zu überprüfen, sondern auch den dazugehörigen Service ihres Vermittlers.

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner und Versicherungsmakler, Weilheim i.OB

Allgemeine Informationen zur Riester-Rente finden sie auch hier>>

“Wohn-Riester” – Bausparkassen im Test

Die Deutschen suchen gerne Sicherheit in der Immobile. Ob es sich dabei um eine wirklich sichere Investition handelt, hängt von mehreren Faktoren ab, ist aber keineswegs ein Naturgesetz. Jedenfalls benötigt man meistens eine Finanzierung. Hier wiederum ist der Bausparer ebenfalls immer noch sehr beliebt. Ob sich der Einsatz eines Bausparvertrages für die Baufinanzierung wirklich lohnt – zumal in einer Niedrigzinsphase, sei dahingestellt; ebenso ob ein Bausparvertrag in Form einer Riesterrente das geeignetste Produkt für die Altersvorsorge ist.

Heute darf scheinbar jeder alles: Banken verkaufen Versicherungen, Investments finden im Versicherungsmantel statt und Bausparkassen dürfen auch bei der Altersversorgung mitmischen. Ob das alles zum Vorteil des Kunden ist, darf bezweifelt werden. Zur oft geforderten Transparenz trägt es jedenfalls nicht bei. Der sog. Wohnriestervertrag findet im Vergleich zu anderen Formen wie Lebensversicherung und Banksparpläne eher geringen Absatz. Dort wo er gute Aufnahme findet, kommen beim Kunden zumeist drei Faktoren zusammen: Der Wunsch nach Sicherheit des Bausparens, der Wille zum Erwerb einer Immobilie und eine gewisse “Halbinformiertheit”.

Es ist mir schon des öfteren begegnet, dass Kunden, die vom Wohn-Riester angetan waren, einiges über Zulagen und Steuervorteile in der Ansparphase wussten, jedoch kaum etwas über die Besteuerung im Alter. Diese gestaltet sich im Unterscheid zu anderen Riesterverträgen schon deshalb komplizierter, weil das angesparte Vermögen im Alter nicht in liquider Form vorliegt. Es ist verbaut. Das große Stöhnen wird diesbezüglich dann wohl in ca. 15-20 Jahren losgehen, wenn die ersten Verträge in größerer Zahl in die Besteuerungsphase eintreten und entsprechende Nachzahlungen drohen.

Ich finde: wer bauen will soll bauen und sich ein möglichst günstiges Annuitätendarlehen sichern. Wer seine Rente verbessern möchte, der solle dies tun, indem er – zumindest für die Basisversorgung – in ein Produkt spart, das im eine lebenslange Auszahlung (die sog. Leibrente) garantieren kann, und das können eben nur Lebensversicherer. Selbst Banken bzw. Kapitalanlagegesellschaften müssen das in Form von Sparplänen angesparte Kapital ihrer Kunden im Alter in eine Lebensversicherung umschichten, die diese noch gar nicht kennen. Und das soll günstiger sein? “Schuster bleib bei deinen Leisten” möchte man hier ausrufen.

Wenn jemand nun aber unbedingt einen Wohn-Riester möchte, dann sollte er dies wenigsten bei einem sehr guten Anbieter tun. Hierbei hilft jetzt eine aufwendige Untersuchung von FMH Finanzberatung im Auftrag für das Handelsblatt die Verträge mittels der Barwertmethode verglichen hat. Der Tarif F Maxx der BHW am besten abgschnitten. Es folgten Dt. BSK Badenia, LBS Wewst, Alte Leipziger, LBS Nord. (vgl. den Artigel im Handelsblatt vom 18.22.2010, Nr. 224, S. 39).

Dr. Guido Kirner, Finanzplaner, Weilheim i.OB