Geld als Versprechen. Eine Soziologie des Geldes im goldenen Zeitalter des Kredits von Aaron Sahr

„Gold ist Geld. Alles andere ist Kredit“ (J.P. Morgan)

„Heute ist alles Geld Kredit.“ (Aaron Sahr)

Geldtheoretiker von Aristoteles bis in unsere Tage beschreiben zumeist die Funktionen des Geldes (Tausch- bzw. Zahlungsmittel, Wertaufbewahrungsmittel und Recheneinheit) sowie die hierfür erforderlichen Eigenschaften: Geld sollte transportabel, wertbeständig, haltbar, teilbar und allgemein anerkannt sein.

Gold- und Silbermünzen waren hierfür über Jahrhunderte bestens geeignet.  Zunehmend haben Zahlungsmittel ihren Warenbezug und Eigenwert verloren. Von der Münzprägung über das Papiergeld bis zum elektronischen Buchgeld oder Internetwährungen à la Bitcoin war es ein weiter Weg. Die Frage ist, ob und wie sich neue Formen des Geldes auf die Sozialbeziehungen ausgewirkt haben und ob sich hierbei auch die Funktion des Geldes fundamental verändert haben könnte?

Was Geld eigentlich ist und unter welchen Bedingungen es entsteht, ist unter Forschern umstritten. Man kann hier liberale und etatistische Strömungen unterscheiden. Während die Mehrheit der Forschung traditionell auf den Warencharakter und die Tauschfunktion des Geldes in arbeitsteiligen Gesellschaften rekurriert, sieht eine wachsende Minderheit den Ursprung des Geldes nicht im Tausch, sondern von Anfang an im Kredit.

Infolgedessen wird auch nicht der Akt der intersubjektiven Wertanerkennung von Einzelindividuen im Tauschakt hervorgehoben, sondern die Monopolisierung und Institutionalisierung des Annahmezwangs von (Steuer)Schuldbegleichungsmitteln durch eine politische Autorität (Tempel, Staat, Notenbank).*

Der Autor des vorliegenden Buches, das aus einer Hamburger Dissertation hervorgegangen ist, reiht sich in die zweite Strömung ein, baut sie umfangreich aus und möchte sie theoretisch überbieten. Hierzu entwickelt er eine eigene soziologischen “Praxeologie”.

Das Erstaunliche daran ist, Sahr möchte Geld überhaupt nicht mehr mit Ware, Tausch und Knappheit assoziiert wissen. Geld sei heute nur noch Kredit als (Zahlungs)Versprechen ohne praxisrelevante Limitierung (Free-Lunch-Privileg). Diese These ist mutig und ihre Plausibilisierung erfordert einen hohen intellektuellen Aufwand – denn anders kann man gegen die Alltagserfahrung der meisten Menschen nicht argumentieren (vgl. z.B.  Mullainathan/Shafir).

Empirisch lässt sie sich mit Phänomenen aus der jüngsten Entwicklung des Finanzsystems unterfüttern. Überdies hat sie den sozialwissenschaftlichen Zeitgeist auf seiner Seite, der sich aber auch gerne mal lieber mit einer avantgardistischen Theorie irrt, als mit gesundem Menschenverstand Recht zu haben).

Sahrs Argumentation für den Übergang vom „distributiven zum kreativen Kreditverständnis“ steht und fällt mit seiner Plausibilisierung im vierten Kapitel. Im Ergebnis stellt er fest:

“Weder Spareinlagen noch die Reserven der Zentralbanken, weder Eigenkapital oder gar die Menge kreditwürdiger Kunden sind im strengen Sinne knapp. Banken erschaffen bei jeder Geldvergabe neues Geld aus dem Nichts, ohne dabei zuvor Ressourcen akkumulieren zu müssen. Kredite sind deswegen heute keine Kapitaltransportakte mehr, sondern autonome Schöpfungsakte, die außerhalb ökonomischer Beschränkungen funktionieren.“

Schon einleitend erwähnt der Autor: Geld existiere heute nur noch „insofern es in Bilanzen von Banken und Kunden eingetragen ist“ und das sog. Giralgeld als Finanzwert sei keine Ware, sondern eine „soziale Beziehung.“

Dass (Giral)Geld heute aus der Kreditschöpfung der Geschäftsbanken entsteht, werden nur noch wenige bestreiten (vgl. Mayer, Krall). Dass Geld in der Masse heute zumeist nur noch elektronisch die Seiten wechselt, ist keine neue Erkenntnis. Dass es aber deshalb nichts mehr mit Tausch, Ware, Knappheit und Ökonomie zu tun haben soll, ist eine gewagte Behauptung. Ihre Plausibilisierung bedarf einiger methodischer Kunstgriffe:

  • Erstens generalisiert A. Sahr die Kreditvergabepraktiken eines bestimmten Zeitalters (1971-2008) mit all seinen Auswüchsen und wirtschaftsideologischen Implikationen zum paradigmatischen Normalfall.

Spätestens bei der nächsten kumulierenden Banken-, Finanz- und Wirtschaftskrise könnten sich die geldpolitischen Exzesse der letzten Dekaden und die aktuell zu ihrer Stabilisierung beitragende Notenbankpolitik als gescheitertes Projekt offenbaren. Sahr hätte dann eine relativ kurze historische Phase prägnant analysiert, aber noch keine allgemeingültige Soziologie des Geldes formuliert.

  • Zweitens markiert Sahr den Wandel als paradigmatischen Bruch im Gestus der Ausschließlichkeit. Bestimmte Funktionen des Geldes werden für obsolet erklärt, während andere hervorgehoben werden.

Selbstverständlich vertraut die Mehrheit der Menschen im heutigen Zahlungsverehr auf Wertzuschreibungen und Mittel, für die sie selbst nicht garantieren können. Das bedeutet aber nicht, dass Geld überhaupt nur durch ein politisch vorgängiges Machtmonopol existiert (vgl. Chartalismus, Gerorg Friedrich Knapp, Currency vs. Banking).

Unterschwellig findet immer ein Wettbewerb zwischen offiziellen Währungen sowie zwischen diesen mit inoffiziellen Währungen statt. Menschen machen sich jene Währungen zu eigen, die ihren Zwecken und Bedürfnissen im wirtschaftlichen Austausch am meisten dienen. Nach dem Zusammenbruch eines staatlichen Währungssystems suchen sich die Menschen eigene Währungen, kehren zum Naturaltausch zurück, nutzen Zigaretten oder künftig vielleicht Simkarten als Zahlungsmittel; oder vertrauen evtl. auf einen obskuren Algorithmus von Computerwährungen.

Geld ist für Gesellschaften derart essentiell, dass es auch außerhalb von Standardbedingungen und auktorialen Setzungen funktionieren muss. Das ist das erfrischend anarchische Element des Geldes gegenüber etatistischen Vorstellungen. In diesem Sinne lässt sich auch Ludwig von Mises Regressionstheorem verstehen. Vertrauen in den erwarteten künftigen Tauschwert einer Währung lässt sich nicht einfach staatlich verordnen. Genau hier müsste m.E. eine soziologische Theorie ansetzen.

  • Drittens kann Sahr die Warentauschfunktion überhaupt nur leugnen, weil er die Mikroebene verlässt und sich stattdessen auf eine vom Einzelfall enthobene Makroebene begibt.

Aus der Vogelperspektive wird dann die Summe der Geldschöpfungs- und Kreditvergabepraktiken im Bankwesen als zeitlich und räumlich schier unbegrenzter Reproduktionskreislauf in steter Ausweitung dargestellt. Dass die Verfügbarkeit der Spareinlagen oder die Zentralbankgeldmenge heute für die Giralgeldschöpfung nicht mehr so wesentlich ist, darf man annehmen. Der aus der Mode gekommene Eigenkapitalpuffer von Banken erfährt allmählich wieder eine Renaissance (vgl. Hellwig/Admati).

Gerade weil äußere Beschränkungen für die Geschäftsbanken weitgehend fehlen, ist die (nicht immer wahrgenommene) Eigenverantwortung bei der Kreditvergabe im Wettbewerb um kreditwürdige Kunden umso wichtiger. Hier haben wir es durchaus mit einem verknappenden Selektionsprozess zu tun. Auf der Angebotsseite finden Kreditprüfungen statt (Scoringverfahren, Bonitäts- und Bilanzprüfungen, Bewertung der Besicherungsobjekte usw.). Auch auf der Nachfrageseite finden Prüfungen statt, ob man sich die Kreditbedingungen zumuten möchte.

Es ist ohnehin aufällig, dass bestimmte Theorien die Unternehmen und Privathaushalte behandeln, als wären sie willenlose Erfüllungsgehilfen ihrer darin empfohlenen Konjunkturbelebungsmaßnahmen. Vernünftigerweise sind Unternehmen und Privathaushalte in der Krise mit ihren Konsumausgaben und Investitionen zurückhaltend und versuchen ihre Finanzen zu konsolidieren (vgl. z.B. Amir/Sufi).

Ist die Nachfrage nach Krediten größer als die Vergabe, herrscht Knappheit (an Darlehen). Ist die Nachfrage geringer als der Wunsch der Vergabe, herrscht ebenfalls Knappheit (an Darlehensnehmern).

  • Erkennbar wird viertens eine Verengung des Wirtschaftsbegriffs auf ein Nullsummenspiel unter den Voraussetzungen stets knapper Ressourcen.

Sahr kann seine These einer paraökonomischen Kreditvergabe und Geldschöpfung nur vertreten, indem er seinen Wirtschaftsbegriff zunächst verengt, um dann alles darüber hinausweisende als unökonomisch zu deklarieren. Doch weder sind Märkte mit Gütern im Überfluss außerökonomisch, noch handelt es sich im Wirtschaftsverkehr um reine Nullsummenspiele, bei welchem dem einen fehlt, was der andere gewinnt.

So gesehen würde unter freiwilligen Bedingungen überhaupt kein Tausch, Handel, Kredit und darauf basierende Sozialbeziehungen zustande kommen. Denn diese leben im Kontext von Win-Win-Situationen, d.h. sowohl Verkäufer und Käufer, Gläubiger und Schuldner versprechen sich einen Vorteil, Nutzen bzw. Mehrwert. Auch verbraucht sich eine Ressource nicht im Tausch oder durch einen Kredit (allenfalls im Konsum), sondern wechselt nur die Seiten. Es geht also in der Wirtschaft auch um Positivsummen.

  • Durch die Ausblendung der Mikroebene des Kredits oder Warentauschs kann Sahr seinen Ansatz fünftens gegen Einwände mit Einzelfallbeispielen immunisieren und von Normativität auf Kontingenz umstellen.

Schicksale wie Insolvenz, Zwangsvollstreckung und Pfändungen spielen dann keine Rolle mehr. Die Härte des Gesetztes als Folge einer Überschuldung soll die Beliebigkeitsunterstellung für die allgemeine Kreditpraxis nicht erschüttern. So kann Sahr fröhlich auf der Welle avantgardistischer Geldtheorien bis hin zur Floskel vom Keystroke-Kapitalismus weiterreiten. Der gesamte Kreditkreislauf wird für Sahr gleichsam zu einer riesigen kollektiven Bilanzverlängerung.

Ausgeblendet wird dabei, dass jede aufgeblähte Bilanz sich auch irgendwann wieder verkürzt, im besten Fall durch Tilgung, andernfalls durch Insolvenz, Schuldenschnitt oder Abschreibung. Die Geldmengen- und Kreditexpansion muss zudem eine Verhältnismäßigkeit zur Gesamtwirtschaftsleistung eines Währungsraums aufweisen. Hier herrscht sicherlich eine gewisse Elastizität (Inflation, Deflation) aber auch eine trotz staatlicher Missbrauchspotentiale nicht dauerhaft  übergehbare Begrenzung.

  • Sechstens: Geld als Ware und Geld als Kredit sind keine Gegensätze, sondern gleichsam die zwei Seiten derselben Medaille mit jeweils unterschiedlichen Zeitpräferenzen.

Sie bedingen sich gegenseitig: Geld kann überhaupt nur aus einer Kreditvergabe entstehen, sofern seine erwartbare Umtauschbarkeit in eine Ware oder Dienstleistung gewährleistet ist. Sonst würde es ja niemand benötigen.

Kredit (im Unterschied zur Schenkung oder zum Opfer) macht überhaupt nur Sinn, wenn für den Gläubiger von einer Rückzahlung (Tilgung) ausgegangen werden kann; und für den Kreditnehmer, wenn er das ausgeliehene Geld in etwas (Ware, Dienstleistung) investiert, das ihm einen (Grenz)Nutzen verspricht.

Der eine schiebt seinen Konsum auf und erhält dafür einen Zins, der andere möchte ihn gleich und verspricht sich davon eine Verbesserung seines Geschäftes oder seiner Lebensqualität.

  • Geld ist kein Kredit, sondern dient dem Kredit. Geld ist keine Ware, sondern symbolisiert das Versprechen, es für die Beschaffung eines Wertes nutzen zu können.

Geld existiert aufgrund reiner Funktionalität. Es hat keinen Selbstzweck. Deshalb eignen sich ja auch funktionalistische oder konstruktivistische Theorieansätze bestens zu seiner Beschreibung. Theorieansätze, welche mit Gleichsetzungen operieren (Geld=Kredit, Geld=Ware), argumentieren von vornherein tautologisch bzw. zirkelschlüssig. Wie verquer dieser Ansatz ist, zeigt sich, wenn jemand behaupten würde, der Kochtopf sei das Kochen oder der Fußball das Fußballspiel. Es macht einfach keinen Sinn.

Die Makroebene kann einen dazu verleiten, Einzelheiten der Mikroebene aus den Augen zu verlieren. Der weite Blick auf das Kornfeld lässt die einzelne Ähre aus dem Blickfeld verschwinden und dafür größere Gebilde erkennen; gleichwohl existiert die kleine Ähre immer noch, weshalb man sie nicht einfach verleugnen sollte.

Sahrs Interpretation ist ein frischer Blick auf die gegenwärtige Geldwirtschaft, läuft aber Gefahr, mit beeindruckendem intellektuellem Aufwand die Wahrnehmung eher zu vernebeln als zu schärfen. Methodisch habe ich meine Zweifel, dass seine aufwendig entwickelte „Praxeologie“ einen analytischen Mehrwert aufweist. Theorie droht hier zum Selbstzweck zu degenerieren.

Geld als eine Frage des Vertrauens

Die zentrale Frage ist, wie und weshalb Geld in unseren Gesellschaften überhaupt funktioniert. Was ist hierfür (außer einem Rechtsrahmen) nötig bzw. muss vorausgesetzt werden? Wie findet Geld seine gesellschaftliche Anerkennung?  Mit rein ökonomischen Erklärungen wird man hier in der Tat kaum weiterkommen.

Für ausgezeichnet halte ich Sahrs Idee, eine Theorie des Geldes in eine Soziologie des Vertrauens einzubetten. Vorzüglich legt er hierbei den noch jungen Forschungsstand dar. Da Sahr theoretisch eher exkludierend als inkludierend arbeitet, kommt ihm leider nicht in den Sinn, die waren- und kredittheoretische Seite des Geldes zusammenzuführen.

Man hätte z.B. untersuchen können, ob der Warenaspekt des Geldes umso wichtiger wird, je mehr Misstrauen gegenüber einer Währung herrscht; und ob der Kreditaspekt umso bedeutender wird, je mehr Vertrauen dem System über längere Zeit entgegengebracht wird.

Interessanter Weise greift Sahr auch auf die Beobachtung von Minsky zurück, dass die Neigung zur riskanten Kreditvergabe- und Verschuldung zunimmt, je länger diese Phase andauert. Während es Minsky dabei um die Analyse der Instabilität von Finanzmärkten geht, geht es Sahr um die Normalität eines euphorischen Verschuldungsklimas. Er läuft dabei m.E. Gefahr, den ökonomischen Ausnahmezustand zum soziologischen Normalzustand umzudeuten.

Eine wichtige Erkenntnis ist jedoch, dass trotz der euphorischen Kreditexpansion der letzten Jahrzehnte, diese nicht (wie man hätte erwarten können) von Maßnahmen institutionalisierten Misstrauens (effektive Kontroll- und Überwachungsstrukturen) begleitet wurde.

Trotz sich auftürmender Risiken, wechselseitiger Abhängigkeiten und zunehmender Konzentration auf den Finanzmärkten ist das Misstrauen geradezu erodiert: Deregulierung, Umgehungsstrategien (Zweckgesellschaften, Offshore), Drehtüreffekte zwischen Politikern und Finanzmanagern, abschmelzende Eigenkapitalpuffer und aufgeweichte Bilanzierungsrichtlinien, m.E. gescheiterte mathematische Verfahren zur Risikobewertung (Value at Risk) und die implizite politische Subventionierung der Kreditwürdigkeit von Finanzfirmen (to big to fail), dies alles ist zutreffend beobachtet und dargestellt.

Doch was folgern wir daraus? Wie erklären wir diesen naiven (und bereits enttäuschten) Vertrauensvorschuss im Finanzsystem? Auch kann man nicht feststellen, dass seit der Krise 2008 ein fundamentaler Wandel und Umdenken stattgefunden hätte. Wir können das hier nicht weiter vertiefen, klar ist nur, hier tun sich fruchtbare neue Forschungsfelder auf.

An Sahrs Werk beeindruckt mich die intellektuelle Durchdringung eines schwierigen Themas. Der stringente Aufbau entspricht den besten Regeln akademischer Argumentation. Inhaltlich ist es eine ausgezeichnete Beschreibung des Finanzsystems von 1971 bis 2008, liefert aber wenig neue Erkenntnisse.

Dafür bietet es die Schlagwörter, die sicherlich begierig von den Befürwortern postkeynesianischer Geldphantasien aufgegriffen werden. Wir sind bekanntermaßen ohnehin im Begriff, den ökonomischen Ausnahmzustand als Normalität zu begreifen. Doch welches Versprechen würde ein Geld im Rahmen schier grenzenloser Kreditvergabe ohne Knappheitsrestriktionen abgeben? Es wären wohl leere Versprechen!

Guido Kirner

Aaron Sahr. Das Versprechen des Geldes. Eine Praxistheorie des Kredits. Hamburger Edition 2017, 392 Seiten, geb. 35 Euro. ISBN 978-3-86854-306-3.

 

* Viele Ansätze verdeutlichen, dass hier mehr oder weniger offen mit den Mitteln der Geschichte und Anthropologie eine politisch-ideologische Auseinandersetzung über Wirtschaftsweisen und ihren Umgang mit Schulden geführt wird. Der Rückgriff auf Erkenntnisse über vormoderne Gesellschaften dient seit je der Gesellschaftskritik und dem Willen, der marktliberalen Rationalität etwas entgegenzustellen (vgl. jüngst auch Chr. Türcke).

Das viel zitierte Buch von David Graeber (Schulden, die letzten 5000 Jahre, vgl. auch die Schriften von Michael Hudson) ist da keine Ausnahme. Mit großem Aufwand möchte es den Nachweis liefern, dass Schulden (von überschuldeten Staaten) nicht zurückgezahlt werden müssen, weil Kredite in der Frühzeit eine andere Funktionalität gehabt hätten. Das ist natürlich Unsinn, fällt aber im linken politischen Spektrum auf fruchtbaren Boden.

Dass Sahr Graebers Werk als Referenz für die gesamte historische Forschung anführt,  ist nachlässig, passt aber zu seiner Argumentationsweise.  Kennzeichnend ist auch hier diese fatale Ausschließlichkeitsrhetorik, welche verkennt, dass historisch unterschiedliche Wirtschaftsweisen durchaus nebeneinander bestehen konnten. In der Antike hatte der Fernhandel seine eigenen Gesetze im Verhältnis zum Dorfmarkt oder einer Tempelökonomie.

Der seit Foucaults Nietzscheadaptation in Mode gekommene Begriff der Genealogie ist übrigens nicht selten ein Hinweis auf eine mangelhaft betriebene Rezeption des Forschungsstandes der Altertumswissenschaften.

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