Goldstandard vs Fiatgeld – Bücher von Steve Forbes und James Rickards

Wenn sich die Wirtschaft mit einer Erweiterung der Geldbasis in Schwung halten ließe, müsste Simbabwe das reichste Land der Welt sein. (S. Forbes)

Man stelle sich die Frage, wie der Wohlstand einer Gesellschaft entsteht: durch international wettbewerbsfähige Unternehmen, mäßige Steuern, Innovationfreude, ausreichend Realzinsen und stabile Währungsverhältnisse? Oder durch manipulierte Zinskurven, Nullzinspolitik, Abwertungen, unbegrenzte Geldvermehrung durch die Notenbanken und staatliche Konjunkturprogramme? Die Antwort dürfte klar sein.

Ein Einwand könnte sein, dass sich die Alternative so nicht stelle, da letzteres allenfalls eine staatliche Ergänzung von ersterem sein könne. Aber ist das so? Aktuell wird einem diese Alternative geradezu aufgezwungen. Es ist ein Konflikt zwischen Wirtschaftsideologien, der das Potential hat, zu der Kampfarena künftiger Finanz- und Währungspolitik zu werden. Im Euroraum macht er selbst vor den Mitgliedern der EZB nicht halt und gewinnt an Schärfe.

Die Notenbanken haben seit der Finanzkrise 2008 nicht nur ihre Bilanzsumme aufgebläht, sondern auch einen ungeheuren Machtzuwachs erfahren. Je mehr sich aber ihre konjunkturellen Not- und Rettungsmaßnahmen (z.B. Quantitative Easing, Operation Twist, OMT) perpetuieren, ohne die eigentlichen strukturellen Probleme der angeschlagenen Wirtschaftsräume und ihrer Banken zu lösen, desto lauter werden die Rufer in der Wüste.

Zur Stützung maroder Geschäftsbanken und überschuldeter Staaten sind die Notenbanken im Rettungsaktionismus zu übermächtigen Institutionen geworden. Über ihre Hybris beim Gelddrucken können Menschen mit gesundem Menschenverstand nur den Kopf schütteln. Wie lange kann das wohl noch gut gehen? In den USA hat die Gegnerschaft zur Zentralbank (Fed) eine längere Tradition. Hier möchte ich zwei amerikanische Autoren vorstellen, die sich mit ihren aktuellen Büchern jeweils in diese Kritik einreihen.

Steve Forbes, Verleger, Geschäftsmann und Chefredakteur des Forbes-Magazine, ist vor allem durch seine jährlich veröffentlichte Liste der reichsten Erdbewohner berühmt. James Rickards ist Rechtsanwalt, Berater von Investmentbanken und Regierungsinstitutionen und hat bereits mit seinem Buch Currency Wars Aufsehen erregt. Der Grundtenor ihrer Bücher ist ähnlich.

Bemerkbar ist ein wirtschaftsliberales Credo bei gleichzeitiger Verlustangst der amerikanischen Hegemonie und des Dollars als Leitwährung. Der aktuelle Anlass ist die ihres Erachtens langfristig nicht zu beherrschende Politik des billigen Geldes der wichtigsten Notenbanken (USA, EZB, Japan, Großbritannien). Sie glauben nicht an die Stabilität des Fiat-Money bei uferloser Ausweitung der Geldmenge ohne Bindung an einen realen Wertmaßstab. Diese Politik verspreche keine nachhaltige Lösung, weil konjunkturelle (zyklische) Maßnahmen nicht zu strukturell verbesserter Wettbewerbsfähigkeit führten. Man schiebe hier mit dem Seil. So werde auch kein Wohlstand geschaffen, sondern vernichtet. Schleichender Wertverlust des Geldes, Monetisierung der Staatsschulden und das Platzen neu erzeugter Finanzblasen, womöglich sogar der Zusammenbruch des globalen Finanzsystems werden die Folge sein.

Beide Autoren rechnen dabei mit Wirtschaftstheorien ab, die zur Rechtfertigung aktueller Geldpolitik herangezogen werden, insbesondere keynesianischer oder monetaristischer Provenienz. Historisch wird der Niedergang und Wertverslust des Dollars seit Aufgabe des Systems von Bretton Woods 1971 aufgezeigt. Wer weiß heute noch, dass 1978 eine Hyperinflation drohte und amerikanische Anleihen auf Schweizer Franken herausgegeben werden mussten (Carter-Bonds)? Auch die Finanzkrise von 2007/8 wird als Banken- und insbesondere Notenbankkrise entlarvt, zumal als Folge der politisch gewollten Niedrigzinspolitik eines Alan Greenspan. Im Gegenzug wird eine neue stabile Weltwährung gefordert, die wieder an den Goldpreis gekoppelt ist und hierbei die neuen geopolitischen Bedingungen und die Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) berücksichtigt.

 

Schlechte Wissenschaft, schlechtes Geld, illusionärer Wohlstand

Cover ForbesForbes bleibt eher im traditionellen Rahmen wirtschaftliberaler Argumentationsmuster. Originell ist seine Kritik an der vermeintlichen Bedeutung von Handelsbilanzdefiziten. Er erkennt darin einen Rückschritt zu merkantilistischen Zeiten und zeigt die Fragwürdigkeit dieser Kennzahl auf, weil es letztlich gar keine nationalen Produkte mehr gebe, deren Zusammensetzung aus Zulieferungen aus der ganzen Welt resultiere, weil sie überdies keine Kapitalflüsse messe (also was im Ausland investiert wird und Ausländer im Inland investieren) und sich auch historisch zeige, dass hegemoniale Wirtschaftsmächte (wie Großbritannien und die USA) mit einem Handelsdefizit sehr gut leben konnten.

Desweiteren beklagt er die Absurdität der Philipps-Kurve, wenn mit Inflation die Arbeitslosigkeit bekämpft werden soll. Bereits neun Ökonomen mit sieben Nobelpreisen hätten diese widerlegt, trotzdem hielten keynesianische Politiker und Meinungsmacher an dieser Idee fest. Sowohl Forbes als auch Rickards zeigen auf, dass es den Notenbanken genau darum geht, nämlich mittels vermeintlich beherrschbarer Inflation die Konjunktur beleben zu wollen, um Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. „Auch die größte Geldpolitische Stimulation aller Zeiten“ unter Präsident Obama habe – so Forbes – „dabei nichts weiter bewirkt als die schwächste Erholung nach einer schweren Rezession, die es in der USA je gab.“ Dabei bewege sich die Fed  – so Rickards – wie „ein Seiltänzer ohne Netz“ und müsse „Zuversicht ausstrahlen, ohne eine Vorstellung davon zu haben, ob ihre Politik funktionieren und wann sie enden wird.“

Letztlich seien ökonomische Theorien, welche auf das Ideal eines gesamtwirtschaftlichen Gleichgewichts abstellen, ein Wunschtraum von Akademikern. Im wahren Leben sei die Volkswirtschaft keine Maschine. Eine Notenbank – so Forbes – sei nicht besser in der Lage, die wirtschaftlichen Aktivitäten von Millionen Menschen zu steuern, als das Wetter von morgen zu beeinflussen.

All diese Maßnahmen hätten allenfalls kurzfristige Wirkung, seien Diebstahl am einfachen Bürger und erzeugten illusionären Pseudo-Wohlstand bis zum nächsten Crash sowie ungerechte Umverteilung zugunsten privilegierter Gruppen (Banken, Großunternehmen, staatsnahe Institutionen). In letzter Konsequenz erschüttern sie sogar das Vertrauen in die Wertmaßstäbe einer Gesellschaft.

Rickards vermag bei seiner Kritik auch zu überraschen und kann komplizierte Sachverhalte hervorragend darstellen. Sein Überblick über die Währungspolitiken oder der aktuellen Geldtheorien belegen das. So verbleiben z.B. seine Darstellungen von der Rolle des IWF, der Möglichkeit von Goldpreismanipulationen, heimlicher Goldkäufe durch die Notenbanken oder der drohenden Cyberkriminalität nicht bei Verschwörungstheorien, sondern sind hervorragender Wirtschaftsjournalismus mit sachlichen und technischen Ausführungen. In vielem seiner Argumente steht er bewusst quer zu den parteipolitischen Debatten seines Heimatlandes, die an den tatsächlichen Problemen vorbeigehen. Sein Abschnitt zur nachhaltigen Schuldenpolitik mittels des von John Makin modifizierten PDS-Modells (primary deficit sustainability) sollte zur Pflichtlektüre aller Finanzpolitiker werden.

 

Die Geopolitik des Geldes

Cover RickardsBeide Autoren lassen den Blick in die Welt schweifen mit der Frage, wer das Potential hat, den Dollar als Weltwährung abzulösen. Insbesondere Rickards erkennt und beschreibt weltweite Ablösungstendenzen von der Dollar-Hegemonie und untersucht dabei die Zusammenschlüsse der wichtigsten Wirtschaftsräume. Um aber Weltreservewährung werden zu können, ist ein riesiger Anleihemarkt Voraussetzung, den nur wenige vorweisen können.

Zweifellos wird China weiter an Bedeutung gewinnen, jedoch erwartet er aufgrund von parasitären Parteieliten, endemischer Korruption und künstlich erzeugtem Bauboom eher einen wirtschaftlichen Zusammenbruch. Der Euroraum bekommt dagegen ein überraschend gutes Zeugnis ausgestellt. Beide Autoren gehen von der Kontinuität des Euro aus, sehen die Proteste in den südlichen Krisenländern gelassen, weil dieser letztlich die „Länder vor sich selbst gerettet habe.“ Für Forbes ist nicht der Euro das Problem, der sehr wohl funktionieren könnte, sondern in ein wachstumsfeindliches Umfeld mit starren Arbeitsmärkten und hohen Steuern in den Krisenländern.

Auch das wird von Rickards so gesehen, dessen ungeachtet ist er fast euphorisch. Die Euroskeptiker litten „am Erbe fehlgeleiteter keynesianischer Ökonomie und dem Mythos von klebrigen Löhnen“. Die Rigidität der nominalen Löhne sei jedoch ein Spezialfall, welcher der Realität in Europa nicht entspreche. Er sieht vielmehr eine virtuose Troika am Werk aus deutscher Technologie, jungen Arbeitskräften aus der Peripherie Europas und chinesischem Kapital.

Der an Deutschland orientierte und von ihm durchgesetzte Konsens in Europa beziehe sein Durchhaltevermögen aus einer weitblickenden Mischung von niedriger Inflation, gesundem Geld und positiven Realzinsen. Er kommt sogar zu dem Schluss, dass die Kombination aus großen liquiden Anleihemärkten, einer gesunden Währung und riesigen Goldreserven den Euro dazu befähigen könne, den Dollar etwa 2025 als führende Reservewährung abzulösen. Ich glaube auch, dass die Probleme und Instabilität des chinesischen Wirtschaftsraums aufgrund der Bewunderung für vergangenes Wachstums zu sehr ausgeblendet werden. Ob hier der Niedergang droht, kann ich nicht beurteilen. Was die USA und Europa anbetrifft, so scheinen mir die Autoren für erste zu pessimistisch, für letzte zu optimistisch, zumal die EZB die Rezepte der Fed weitgehend imitiert.

 

Zu Gold gibt es keine Alternative

Intelligente Diskussionen über Gold sind so selten, wie das Metall selbst. (J. Rickards)

Ein Goldstandard ist das ideale Währungssystem für diejenigen, die Wohlstand durch Einfallsreichtum, Unternehmergeist und harte Arbeit schaffen. Goldstandards werden von denjenigen abgelehnt, die anderen durch Inflation, Insider-Informationen und Marktmanipulationen ihren Wohlstand entziehen wollen. Die Debatte über Goldstandards versus Fiat-Money ist in Wirklichkeit eine Debatte zwischen Unternehmern und Rentiers. (J. Rickards)

Beide Autoren sind Gegner eines Geldes, dessen Wertstabilität durch Geldmengensteuerung (Monetarismus) und/oder allein durch staatliche Garantie (Chartalismus, Keynesianismus, Kreditismus) gewährleistet wird. Der Niedergang des Dollars ist ihnen mahnendes Beispiel. Beide Autoren fordern die Entpolitisierung des Geldes durch die Bindung an einen Goldpreis. Historisch kann man hier auf diverse historische Vorbilder zurückgreifen, insbesondere der klassische Goldstandard (1870-1914) mit dem Britischen Pfund als Leitwährung oder den Gold-Wechselstandard (1944-1971) mit dem Dollar als Leitwährung, der wiederum an einen fixierten Goldpreis gekoppelt war.

Argumente, dass ja auch diese Währungen gescheitert seien, werden dadurch entkräftet, dass hierfür die Schuldenpolitik der Kriegsfinanzierung (Weltkriege, Vietnam), die völlig falsche Bewertung des Pfundes im Verhältnis zum Goldpreis oder wirtschaftsschädliche Maßnahmen wie das Smoot-Hawlex-Zollgesetz verantwortlich waren. Genauere historische Analysen sollte man in den beiden Büchern nicht erwarten. Hierzu gibt es bessere Bücher.

Dafür wird anderen „Goldmythen“ beherzt widersprochen. Insbesondere Rickards ist hier um Versachlichung bemüht. Gold sei wegen seiner Reinheit, Gleichförmigkeit, Seltenheit, Formbarkeit und Beständigkeit immer noch die Währung par excellence. Nicht der Goldpreis schwanke – so seine These, sondern die Währungen. Es seien die Währungen, die volatil sind und keinen inneren Wert haben.

Dass es zu wenig Gold im Verhältnis zur Geldmenge gebe, sei falsch gedacht. Nicht die Menge, sondern der Preis des Goldes sei wesentlich. Setze man die Geldmenge M1 der Eurozone, Japans, Chinas und der USA in Relation zu den Goldreserven, läge der Goldpreis eben bei 17.500 Euro pro Unze. Auch sei Gold keine Panikwährung. Paniken werden weder durch Gold verursacht, noch verhindert. Diese würden durch überzogene Kreditvergabe und übermäßigen Optimismus ausgelöst. Überall erkenne man sogar eine heimliche Rückkehr zum Gold durch Verkaufsstopp (USA), verdeckte Käufe (insbesondere China) oder Repatriierungsmaßnahmen (Deutschland).

Es sei erwähnt, das insbesondere Rickards Ausführungen zum Thema Gold zu dem Interessantesten gehören, was ich dazu bisher in dieser Prägnanz gelesen habe. Sowohl Forbes als auch Rickards fordern die Bindung einer neuen Weltwährung an einen Goldpreis, bei dem der Durchschnitt des Goldpreises der letzten 5 bis 10 Jahre evtl. mit einem Aufschlag von 10 Prozent als Versicherung gegen Deflation berücksichtigt wird. Forbes hofft dabei womöglich noch auf einen reformierten Dollar, Rickards sieht eher eine Weltwährung über den IWF und seinen SDR realisiert.

 

Was tun mit seinem Geld?

Hauptziel bei der Geldanlage sollte heutzutage nicht sein, reich zu werden, sondern das zu erhalten, was Sie schon haben. Es geht ums Überleben. (S. Forbes)

Beide Autoren geben auch Empfehlungen, wie man sein Geld in der aktuellen Situation anlegen sollte. Forbes macht das ausführlicher. Zusammenfassend empfiehlt er jeweils 5 -10 Prozent in inflationsindexierte Staatsanleihen, Cash und Gold anzulegen und den Rest in Aktien, und zwar in Form von Indexfonds (ETFs) und einigen Blue-Chips mit hohen Dividenden.

Seit mehr als 100 Jahren (also eingedenk all der Kriege, Krisen, Abwärtsspiralen und Rezessionen) betrage die „durchschnittliche jährliche Rendite von Aktien 9,5 Prozent, 5 Prozent aus Kursanstiegen und 4,5 Prozent aus Dividenden.“ Gar nicht schlecht seien daneben auch Lebensversicherungen, weniger wegen der Rendite, sondern als Ruhepol in turbulenten Zeiten und wegen der Endfälligkeit als guter Coach, um einen Sparplan durchzuhalten.

Rickards ist noch radikaler: „Alles in allem sollte ein Portfolio aus jeweils 20 Prozent Gold, 20 Prozent Land, 10 Prozent (museumstauglicher) Kunst, 20 Prozent alternative Fonds (Hedgefonds, Beteiligungsfonds) und 30 % Cash unter den Bedingungen von Inflation, Deflation und sozialen Unruhen eine optimale Kombination der Wohlstandswahrung bieten und zudem risikoadjustierte Renditen und angemessene Liquidität gewährleisten.“

Auch wenn Rickards das bessere Buch geschrieben hat, liege ich bei den Anlagevorschlägen eher bei Forbes: zum einenm weil sich seine Vorschläge auch bei durchschnittlichem Wohlstand verwirklichen lassen, zum anderen, weil ich von geschlossenen Beteiligungsfonds oder Hedgefonds wenig halte.

Beide Bücher vermögen den kritischen Geist in turbulenten Zeiten zu schärfen. Warnungen und Untergangsprognosen gibt es auch dem Buchmarkt aktuell zuhauf. Das schlechte daran ist, dass sie womöglich eine gewisse Berechtigung haben. Zumindest eines steht für mich fest: Egal, wo der Preis auch hingeht, Gold ist sicherlich kein „veraltetes Relikt“ wie manche (schlechte) Ökonomen behaupten. Es ist und bleibt der einzige Wertanker unter den Währungen. Auch im künftgen Weltmachtpoker zählen nicht nur Panzer und Raketen. Mitreden wird nur dürfen, wer ausreichend Goldreserven hat. Und auch der Privataneleger sollte etwas davon haben.

Guido Kirner (Polling)

Steve Forbes / Elizabeth Ames. Geld: Die nächsten 5000 Jahre. 256 Seiten, Hardcover, 24,99 €, ISBN 978-3-89879-778-8, FinanzBuch Verlag, München 2014.

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