Fahren Sie mit ihrem Oldtimer zur Castell-Bank, um sich über ETFs beraten zu lassen?

In meinem Büro stapeln sich Berichte und Zeitschriften von Investmentexperten. Vieles bleibt ungelesen, weil es auch einfach langweilt. Insbesondere die Fondsbranche ist darauf angewiesen, mit immer neuen Schlagworten – wie z.B. Absolute Return, Multi Asset usw. – für vermeintliche sichere Rezepte zur Erzielung einer dauerhaft hohen Rendite zu werben. Es rauscht so laut, man kann es kaum mehr hören.

Was nützt es? Es müssen ja Billionen Sparvermögen angelegt werden und das möglichst sinnvoll. Da wird man hellhöriger für einfache, aber dennoch exotische Themen. An diesem Wochenende waren es gleich drei, hier die Überschriften: „Der Oldtimer ist die beste Wertanlage“, „ETF schlagen aktive Fonds“ und „Die Castell-Bank wettet nicht auf Aktienkurse“. Was hat es damit auf sich? Wir werden neugierig. 

Die Oldtimer

Ich liebe Oldtimer, nur leider habe ich keinen bzw. nur fast, d.h. mein Auto ist zwar bald alt genug , jedoch hält sein Zustand keinem Gutachten für Oldtimer stand. Versichert habe ich schon einige, aber das ist ein anderes Thema (vgl. hier>>). Jedenfalls schreibt die FAZ (17.05.2014, S. 29) über diese Liebhaberei: „Es müssen nicht immer Aktien sein: Auch Autos, Weine, Geschirr und Briefmarken können sich lohnen – nur antike Möbel meistens nicht.“

Ausgangpunkt dieser Behaputung ist die Berechnung eines sog. Luxusinvestmentindex der Beratungsagentur Knight Frank. In diesem Index wird die Wertentwicklung von Oldtimern, chinesischer Keramik, Münzen, antiken Möbeln, Juwelen, Wein, Briefmarken Uhren und Kunst berechnet. Der Gesamtindex hat auf 10 Jahre eine erstaunliche Rendite hingelegt: 179 Prozent. Am meisten haben die Oldtimer zu dieser Wertsteigerung beigetragen: allein im letzten Jahr 28 Prozent. Wer die Entwicklung genauer verfolgen möchte, der kann sich den Historic Automobile Group International Index unter die Lupe nehmen.

Nicht jedes alte Auto hat eine eklatante Wertsteigeung. Wie zumeist bei Luxusgütern, kommt es auf die Seltenheit des Modells einer gesuchten Marke an, vielleicht ein Ferrari aus den 60er Jahren. In meinem schönen Polling hat sich übrigens HK-Engineering auf die Restaurierung von Mercedes 300 SL spezialisert. Wie man so hört haben die dann einen Wert von um die 700.000 Euro. Dessen ungeachtet würde ich im Sommer am liebsten mit einem BMW 507 aus dem Jahr 1957 herumfahren. Im Münchner BMW-Museum konnte ich mich von seinem Anblick kaum trennen.

Die ETFs

Der Geldzufluss zu diesen börsengehandelten Index-Fonds nimmt von Jahr zu Jahr stetig zu, wenngleich dieses sog. passive Anlagevehikel beim Otto-Normalverbraucher noch nicht so bekannt ist. Es vermittelt auch keine spannende Verkaufsstory. Um es kurz zu machen: ETFs haben viele Vorteile und sind dazu auch noch günstig (Buchempfehlung hier>>).

Statt einen Deutschlandaktienfonds mit Ausgabeaufschlag von 5 Prozent und einer Managmentfee von 1,5 Prozent zu zeichnen, ist es zumeist lukrativer ein ETF zu kaufen, welches einfach den DAX nur passiv nachbildet. Auf aktives Management, Analyse und Research wird hier verzichtet, was sich jedoch nicht negativ auswirken muss. Im Gegenteil: Die Fachzeitschrift Das Investment (06/14 S. 26) bringt (die für Kenner nicht neue Meldung), dass ETFs aktive Fonds schlagen.

Aus einer Analyse der Quirin-Bank (die freilich nur ETFs gegen Honorar vertreibt) gehe hervor: „von 28 aktiv gemanagten Fonds mit Schwerpunkt auf deutsche Standardwerte und einem Volumen von mehr als 5 Millionen Euro […] schafften es 2012 lediglich zwölf und 2013 nur elf, den Dax zu schlagen. Im Schnitt lagen die Fondsmanager 2012 um 0,45 und 2013 um 0,84 Prozentpunkte zurück.“ Mit mittel- und langfristiger Betrachtung wird das Ergebnis für die Fondmanager noch schlechter. Also fahren wir lieber aktiv Oldtimer und legen passiv an.

Die Castell-Bank

Das Adelsgeschlecht zu Castell ist alt und vornehm. Gut, wenn man auch noch eine Privatbank besitzt, die auf eine Tradition seit dem Jahr 1774 zurückschauen kann. Die kleinen aber feinen Privatbanken haben es im Vergleich zu den großen Geschäftsbanken nicht leicht, zumal auf der Kostenseite. Nicht wenige wurdfen deshalb aufgekauft und gehören inzwischen Versicherungsgesellschaften und Großbanken. Beachtlich, wenn man als unabhängige Privatbank überleben kann.

Zumeist haben sie sich die Privatbanken auf die Betreuung vermögender Privatkunden spezialisiert. Im schlimmsten Fall handelt es sich um ein High-Society-Event mit hohen Gebühren, wo der Anlageberater zugleich Golfpartner sein muß; im besten Fall handelt es sich um konservative, auf Werterhalt angelegte Beratungshäuser, welche im Umgang mit anspruchsvollen Kunden nützliche Dienste leisten.

In dem Artikel über die Castell-Bank der FAZ (17.05.2014, S. 30) hat mich vor allem fasziniert, was dieses Haus alles nicht macht. Spezialisiert sei die Bank auf die Asset Allocation, also die Aufteilung des Vermögens auf Aktien, Anleihen und Währungen. „Die Auswahl von Einzeltiteln, gar Wetten auf Kurssprünge in einzelnen Aktien – das alles ist nicht die Sache von Castell. Die Bank biete auch kein Private Equitiy an oder andere Beteiligungsformen an Unternehmen, Windkraftparks oder anderen Projekten“.

Der Verzicht auf Empfehlungen für irgendwelche vermeintlich ganz heiße AGs sowie auf die hohen Provisionsmargen bei geschlossenen Fonds zollen wir Respekt. Das ist wirklich ein Qualitätsmerkmal. Also was machen wir nun?

FAZIT: Am besten wir fahren in unserem gediegenen Oldtimer gleich mal zur Castell-Bank und lassen beraten, wie wir ein Portfolio aus ETFs gestalten; vielleicht können wir das aber auch beim guten Finanzmakler um die Ecke.

Dr. Guido Kirner (Polling)

 

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