Schädliche Nebenwirkungen beim Anlegerschutz

Leider zu oft (und wo Aktionismus die Reflexion ersetzt, immer öfter) wird gerade im sog. Verbraucher- oder Anlegerschutz der Wille zum Guten zum Feind des Besseren. Daniel Mohr hat nun im  Wirtschaftsteil der FAZ (31.08.2013, S. 11) Klartext geschrieben und die aktuelle Situation in der Anlageberatung erläutert. Sein Titel: „Wie Anlegerschutz schadet“. In der Hauptsache geht es dabei um bürokratischen Aufwand und Über- bzw. Fehlregulierung.

Die Regulierung ist an dieser Stelle weit über das Ziel hinausgeschossen. Unter dem Deckmantel des Anlegerschutzes ist ein bürokratisches Monstrum entstanden, das allen Anlegern letztlich schadet.

Dabei wird brillant geschildet, wie drei Persönlichkeitstypen bei der Finanzberatung letztlich auf die neu geforderte Papierflut an verpflichtenden Informationen und Protokollen im Gegensatz zur Absicht der Gesetzgeber reagieren: Der erste ist der in Finanzdingen Ungebildete, dessen Rechtsposition sich nun noch verschlechtert: er sieht nun schwarz auf weiß seine Unwissenheit protokoliert und wird sich nicht mehr darauf berufen können, von all dem nichts gewusst zu haben. Der zweite  Typ neigt eh zum Zögern und Aufschieben und wird nun noch mehr abgeschreckt. Der dritte Typ ist informiert, sieht sich aber einer regelrechten Inquisition ausgesetzt und entmündigt.

Die Nebenwirkung des gesteigerten bürokratischen Aufwandes ist für den Kunden letztlich von Nachteil. Der Kleinanleger rentiert sich für die Finanzdienstleister kaum mehr. In der breiten Fläche wird Anlageberatung abgebaut und auf einige wenige Zentren konzentriert. Sinnvolle, aber beratungsintensive Produkte werden gar nicht erst angeboten. Absurd wird der ganze Aufwand, wenn gleichzeitig ein fast regulierungsfreier Markt mit hochriskanten Finanzanlagenprodukten entsteht, deren Flyer unsere  Briefkästen überfluten, wie z.B. Genussscheine bzw. geschlossene Beteiligungen an Windkraftanlagen mit hohen Renditeversprechen. Da werden Gesetze zum Alibi, Papier zur allg. Last und dem Anleger kaum geholfen.

Guido Kirner

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Guido Kirner

Dr. Guido Kirner arbeitet seit über 10 Jahren als selbständiger und unabhäniger Finanzmakler mit sämtlichen IHK-Qualifikationen für kirnerfinanz. Er lebt und arbeitet in Polling bei Weilheim im oberbayerischen Pfaffenwinkel, ist promovierter Historiker und Sozialwissenschaftler (Heidelberg, Paris, Berlin) mit BWL Zusatzstudium (Fernuni Hagen). Während und nach seinem Studium arbeitete er u.a. als Mitarbeiter im Bundestag, der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP), als Dozent und Wissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität und als Redakteur bei der Gazette. Er betätigt sich als Finanzblogger, schreibt Artikel für Fachorgane (z.B. dasinvestment.com) und Zeitungen, bespricht regelmäßig Fachbücher zum Thema Wirtschaft und Finanzen. Er machte sein Abitur am Abitur Kolleg St. Blasien / Schw., wuchs in der Pfalz auf und wurde 1967 in Mannheim geboren.

One thought on “Schädliche Nebenwirkungen beim Anlegerschutz”

  1. Am besten funktioniert immer noch die Panikmache von Beratern, wie beispielsweise: Achtung Inflation steht vor der Tür! Schützen Sie Ihr Geld noch heute und lassen Sie sich beraten. Den armen unschuldigen Bürgern wird erst Angst gemacht und danach wird das Defizit beim Wissen des potenziellen Kunden ausgenutzt. Natürlich gibt es auch seriöse Anlageberater, aber die werden Sie objektiv und adäquat beraten.

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